{"id":8437,"date":"2017-08-01T16:38:22","date_gmt":"2017-08-01T14:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8437"},"modified":"2017-08-01T16:38:59","modified_gmt":"2017-08-01T14:38:59","slug":"teile-und-herrsche-in-frankreich-gerade-in-perfektion-zu-beobachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8437","title":{"rendered":"Teile und herrsche &#8211; in Frankreich gerade in Perfektion zu beobachten"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem nun Frankreichs neuer Pr\u00e4sident Macron auch ganz offen gezeigt hat, dass unter seiner Regierung kein sozialliberaler oder gar linker Kurs zu erwarten ist, sondern eben ein streng wirtschaftsliberaler (s. dazu beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-07\/emmanuel-macron-frankreich-praesident-umfrage-unbeliebtheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), tritt immer deutlicher zutage, wie die neoliberalen Eliten mithilfe der Rechtsextremen versuchen, sich als alternativlos darzustellen und zudem das Teile-und-herrsche-Prinzip zu perfektionieren. Ein Spiel mit dem Feuer, das schnell au\u00dfer Kontrolle geraten k\u00f6nnte &#8211; was den marktfundamentalistischen Psychopathen aber anscheinend hinreichend egal ist.<\/p>\n<p><strong>Das Prinzip \u201eTeile und herrsche\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Schon im alten Rom war dieses Herrschaftsinstrument bekannt, wenngleich seine Bezeichnung als\u00a0\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Divide_et_impera\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Divide et impera<\/a>\u201c wohl aus deutlich sp\u00e4terer Zeit stammt. Es geht dabei darum, dass man zur Sicherung der eigenen Regentschaft beherrschte Gruppen gegeneinander ausspielt, sodass diese nicht ihre gemeinsamen Interessen erkennen, sondern sich eben untereinander bek\u00e4mpfen. Das ist sehr praktisch f\u00fcr die Herrschenden, denn diese werden so nicht von denjenigen behelligt, auf deren Kosten oder zu deren Schaden zu regieren.<\/p>\n<p>Kommt einem irgendwie bekannt vor, wenn man sich die Entwicklung von Rechtsparteien in vielen L\u00e4ndern vor Augen h\u00e4lt, die von linken Gruppierungen eine ganze Menge an Kapazit\u00e4ten in der Auseinandersetzung mit sich binden, oder?<\/p>\n<p><strong>Die Rechten als n\u00fctzliche Idioten<\/strong><\/p>\n<p>Dass beispielsweise in Deutschland die AfD sowie der seit einigen Jahren deutlich zu bemerkende Rechtsruck vor allem den hiesigen neoliberalen Eliten n\u00fctzt, habe ich ja <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3601\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> schon mal in Artikelform beschrieben. Und gerade bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pr\u00e4sidentschaftswahl_in_Frankreich_2017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00e4sidentschaftswahl in Frankreich<\/a> konnte man nun recht gut beobachten, wie diese Taktik aufging: Die Unzufriedenen w\u00e4hlten zum einen den linken Politiker Jean-Luc M\u00e9lenchon, zum anderen aber auch die rechtsextreme Marine Le Pen, die so beide zusammen auf fast doppelt so viele Stimmen wie Emmanuel Macron kamen im ersten Durchgang der Pr\u00e4sidentschaftswahl.<\/p>\n<p>Doch das Wahlsystem in Frankreich sieht eben vor, dass, wenn keiner der Kandidaten im ersten Durchgang eine ausreichende Mehrheit von mehr als 50 Prozent erzielen konnte, in einer zweiten Runde die beiden Bestplatzierten noch einmal gegeneinander antreten. Das waren nun Macron und Le Pen. Und nat\u00fcrlich haben dann auch die meisten, die \u00fcberhaupt nichts mit den fremdenfeindlichen und nationalistischen Positionen der Front-National-Chefin anfangen k\u00f6nnen, dazu aufgerufen, nun Macron zu w\u00e4hlen &#8211; was ja auch ein St\u00fcck weit verst\u00e4ndlich ist, da er zumindest als das kleinere \u00dcbel angesehen werden konnte.<\/p>\n<p>Und solange noch ein gesellschaftlicher Konsens von mehr als der H\u00e4lfte der Menschen besteht, dass rechtsextreme Positionen abzulehnen sind, k\u00f6nnen sich die Neoliberalen dann auch entsprechend als alternativlose Alternative dazu pr\u00e4sentieren &#8211; wie nun in Frankreich. Kritik an Macron, die darauf abzielte, dass von ihm keine sozialliberale Politik zu erwarten sei, wurde oft gleichgesetzt mit: \u201eDann bist Du also f\u00fcr Le Pen?\u201c &#8211; auch wenn das \u00fcberhaupt nicht der Fall war.<\/p>\n<p>Und so war die Erleichterung dann auch gro\u00df, als Macron dann bei geringer Wahlbeteiligung mit deutlichem Vorsprung gegen Le Pen gewann. Gegen eine rechtsextreme Kandidatin sieht man eben bei allen demokratisch gesinnten Menschen recht gut aus &#8211; selbst wenn man f\u00fcr eine Politik steht, die von den meisten abgelehnt wird. Wie praktisch also, so eine Drohkulisse in der Hinterhand zu haben: Wenn ihr mich nicht w\u00e4hlt, dann kriegt ihr die Faschisten. Praktizierte Alternativlosigkeit &#8211; und das bei einer Wahl, was ja schon ein Paradoxon an sich darstellt.<\/p>\n<p><strong>Der Tanz auf dem Vulkan<\/strong><\/p>\n<p>Es l\u00e4uft also alles gut f\u00fcr die neoliberalen Eliten &#8211; zumindest so lange, bis eine zunehmende Unzufriedenheit bei gleichzeitiger Diskreditierung linker Positionen dann irgendwann eventuell zu einem weitere Erstarken der Rechten f\u00fchrt &#8211; und eine zunehmend verzweifelte Mehrheit diese w\u00e4hlt. Dass dies in Frankreich bei der prognostizierten und nun auch eintretenden Politik Macrons bereits in f\u00fcnf Jahren bei den n\u00e4chsten Wahlen der Fall sein k\u00f6nnte, darauf haben ja einige schon vor der Wahl hingewiesen, so <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/praesidentschaftswahl-in-frankreich-didier-eribon-wer-macron-waehlt-waehlt-le-pen-1.3470851\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum Beispiel der franz\u00f6sische Soziologe Didier Eribon<\/a>. Daran sieht man, wie gef\u00e4hrlich das Spiel der Neoliberalen ist, sich rechtsextremer und faschistischer Bewegungen zu bedienen, um so die eigene Macht zu erhalten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist es absehbar, dass immer mehr Menschen im marktfundamentalistischen Neoliberalismus zu den Verlierern z\u00e4hlen und auch weiterhin z\u00e4hlen werden. Wenn es linken Parteien gelingen kann, diese Menschen anzusprechen, dann ist die Gefahr ein St\u00fcck weit gebannt. Wenn das nicht der Fall ist, und danach sieht es ja leider immer \u00f6fter aus, dann freuen sich die Rechtsextremen und warten nur darauf, die Entt\u00e4uschten mit offenen Armen zu empfangen und ihnen mittels billiger Ressentiments ein paar S\u00fcndenb\u00f6cke zu liefern &#8211; was ihnen dann selbst viele W\u00e4hlerstimmen und eventuell sogar Mehrheiten bringt.<\/p>\n<p>Und das ist nun tats\u00e4chlich ein Vorteil an dem Wahlsystem in Frankreich, dass dieses Prinzip der Neoliberalen nun so eindeutig zutage trat in der entscheidenden Abstimmung Macron vs. Le Pen. Allerdings hat m. E. dieses Prinzip auch nur eine begrenzte Haltbarkeit, und was dann kommt, mag man sich nicht so wirklich vorstellen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem nun Frankreichs neuer Pr\u00e4sident Macron auch ganz offen gezeigt hat, dass unter seiner Regierung kein sozialliberaler oder gar linker Kurs zu erwarten ist, sondern eben ein streng wirtschaftsliberaler, tritt immer deutlicher zutage, wie die neoliberalen Eliten mithilfe der Rechtsextremen versuchen, sich als alternativlos darzustellen und zudem das Teile-und-herrsche-Prinzip zu perfektionieren. 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