{"id":8452,"date":"2017-08-02T15:42:06","date_gmt":"2017-08-02T13:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8452"},"modified":"2017-08-03T17:18:51","modified_gmt":"2017-08-03T15:18:51","slug":"der-ewige-gaertner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8452","title":{"rendered":"Der ewige G\u00e4rtner"},"content":{"rendered":"<p>Der mit einigen Preisen dotierte Film\u00a0\u201e<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0387131\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der ewige G\u00e4rtner<\/a>\u201c (129 Minuten) von Regisseur <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0576987\/?ref_=tt_ov_dr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fernando Mirelles<\/a>\u00a0(\u201e<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0317248\/?ref_=nv_sr_3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">City Of Gods<\/a>\u201c) ist zwar schon von 2005, aber das darin behandelte Thema d\u00fcrfte nach wie vor sehr aktuell sein. In der Verfilmung eines Romans von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_le_Carr\u00e9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">John Le Carr\u00e9<\/a> geht es um illegale Experimente, die von Pharmakonzernen in Afrika an unwissenden Menschen durchgef\u00fchrt werden &#8211; mit zum Teil t\u00f6dlichen Folgen.<\/p>\n<p>Zur Story: Justin Quayle ist britischer Diplomat in Kenia, dessen junge Frau Tessa ermordet wird, als sie mit dem befreundeten Arzt Arnold Bluhm im Norden des Landes unterwegs ist. In R\u00fcckblenden wird nun geschildert, wie sich Justin und Tessa kennenlernten, wie sie sich um arme Menschen in Nairobis Slums k\u00fcmmert und dabei bemerkt, dass im Rahmen von HIV-Tests auch andere Medikamente verabreicht werden. Als sie im Krankenhaus lag und eine Totgeburt erlitt, starb eine junge Frau in ihrer unmittelbaren N\u00e4he, woraufhin Tessa gemeinsam mit Bluhm zu recherchieren beginnt. Dabei kommt sie einem Komplott auf die Spur, das bis in h\u00f6chste diplomatische Kreise reicht. Als sie diese Informationen weitergibt an einen Freund ihres Mannes, begibt sie sich in h\u00f6chste Lebensgefahr.<\/p>\n<p>Nach Tessas Tod beginnt nun Justin, der von Tessa zuvor nicht in ihre Erkenntnisse eingeweiht wurde, da sie ihm nicht seine Karrierechancen verbauen wollte, selbst zu ermitteln, wie es zum Tod seiner Frau kommen konnte. Trotz vieler Warnungen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, zeigt er sich beharrlich und sp\u00fcrt so dem nach, was Tessa enth\u00fcllt hatte &#8211; mit dramatischen Konsequenzen!<\/p>\n<p>Mirelles erz\u00e4hlt diese Geschichte zum einen auf eher etwas beh\u00e4bige Art und Weise, sodass der Zuschauer Zeit hat, sich in die Charaktere hineinzufinden, zum anderen aber auch mit teilweise verwackelter und unruhiger Kameraf\u00fchrung, was dem Ganzen einen realistischen Anstrich verpasst. Dieser Kontrast ist, wenn man sich erst mal daran gew\u00f6hnt hat, durchaus sehr reizvoll und sorgt f\u00fcr eine authentische beklemmende Atmosph\u00e4re. Die Spannung wird bis zum Schluss aufrechterhalten, da das Geflecht aus den illegalen Machenschaften von Pharmaindustrie, Diplomatie und lokaler Politik St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erkennbar wird.<\/p>\n<p>Das diese fiktive Handlung einen sehr realen Hintergrund hat, wurde ja seit dem Erscheinen des Films immer mal wieder thematisiert (z. B. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/medikamententests-afrikanisches-roulette-a-577109.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), wenn herauskam dass Pharmafirmen Experimente an Menschen in afrikanischen und asiatischen L\u00e4ndern durchf\u00fchren. Und auch\u00a0John Le Carr\u00e9, der ja bei seinen Geschichten stets um Authentizit\u00e4t bem\u00fcht ist, um den Handlungsrahmen realistisch erscheinen zu lassen, best\u00e4tigt dies in einem Zitat, das ziemlich am Ende des Abspanns zu finden ist:<\/p>\n<blockquote><p>As my journey through the pharmaceutical jungle progressed, I came to realize that, by comparison with the reality, my story was as tame as a holiday postcard. &#8211; Im Zuge meiner Reise durch den pharmazeutischen Dschungel wurde mir bewusst, dass, verglichen mit der Realit\u00e4t, meine Geschichte so harmlos ist wie eine Urlaubspostkarte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Deutliche Worte, die ein Selbstverst\u00e4ndnis beschreiben, das leider typisch ist f\u00fcr unsere westliche Sichtweise der Welt: Der globale S\u00fcden ist vor allem dazu da, unseren Lebensstandard zu erhalten und unser Leben angenehmer zu machen &#8211; egal, wie es den Menschen dort dabei ergeht. Wir nutzen diese armen L\u00e4nder also nicht nur als Ressourcenlieferant, M\u00fcllkippe, Absatzmarkt f\u00fcr unsere \u00dcberproduktion und Reservoir billigster Arbeitskr\u00e4fte, sondern auch als Versuchskaninchen f\u00fcr unsere Gesundheit.<\/p>\n<p>Ein bedr\u00fcckendes Thema, das in Form einer sehr pers\u00f6nlichen Erz\u00e4hlung und mit streckenweise beeindruckenden Bildern hervorragend (und dabei auch spannungsreich) umgesetzt wurde. Insofern ist\u00a0\u201eDer ewige G\u00e4rtner\u201c eine unbedingte Empfehlung meinerseits. Trotz der zahlreichen Auszeichnungen war mir der Film bisher auch noch \u00fcberhaupt nicht bekannt &#8211; und ich sch\u00e4tze mal, das d\u00fcrfte vielen von Euch auch so gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der mit einigen Preisen dotierte Film\u00a0\u201eDer ewige G\u00e4rtner\u201c (129 Minuten) von Regisseur Fernando Mirelles\u00a0(\u201eCity Of Gods\u201c) ist zwar schon von 2005, aber das darin behandelte Thema d\u00fcrfte nach wie vor sehr aktuell sein. 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