{"id":8556,"date":"2017-08-17T11:36:10","date_gmt":"2017-08-17T09:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8556"},"modified":"2017-08-17T11:38:38","modified_gmt":"2017-08-17T09:38:38","slug":"karl-heinz-heihse-protestwaehler-und-die-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8556","title":{"rendered":"Karl-Heinz Heihse: Protestw\u00e4hler und die AfD"},"content":{"rendered":"<p>Ohne einen Verlag und dessen PR-M\u00f6glichkeiten hat Karl-Heinz Heihse \u201eProtestw\u00e4hler und die AfD\u201c via Books on Demand ver\u00f6ffentlicht &#8211; und da das durchaus lesenswert ist, was hier auf gut 230 Seiten zusammengetragen wurde, m\u00f6chte ich Euch das Buch ein wenig vorstellen und ans Herz legen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal besch\u00e4ftigt sich Heihse mit Protestparteien generell, schildert, welche es in Deutschland bisher gab, und befasst sich auch mit dem internationalen Rechtspopulismus als Ausdruck einer W\u00e4hlerprotesthaltung.<\/p>\n<p>Danach widmet er sich der Frage: Was macht Protestw\u00e4hler aus? Dazu werden verschiedene Gr\u00fcnde aufgef\u00fchrt, welche die Menschen in den letzten Jahren in immer gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe von der Politik entfremdet haben und teilweise in die Wahlverweigerung, teilweise bereits zu anderen Protestparteien getrieben haben. Auf diese Weise zeichnet Heihse das Bild eines frustrierten B\u00fcrgers, der immer wieder und auf unterschiedliche Weise das Gef\u00fchl bekommt, zu kurz zu kommen und benachteiligt zu werden &#8211; und sich dann eben denjenigen zuwenden, die ihm vorgaukeln, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihn und seine Situation zu haben.<\/p>\n<p>Darauf folgt dann der f\u00fcr mich interessanteste Teil des Buches, in dem der Frage nachgegangen wird, warum sich die AfD, anders als die meisten anderen Protestparteien, etablieren konnte. Dies ist bisher nur den Gr\u00fcnen gelungen, was der Autor damit erkl\u00e4rt, dass diese \u00fcber ihre Verbindungen zu zahlreichen B\u00fcrgerinitiativen und Bewegungen wie der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung ihren W\u00e4hlern Pr\u00e4senz gezeigt hat, gerade auch nicht nur im Wahlkampf, sondern permanent im gesamten Zeitraum zwischen zwei Wahlen. So bekamen die Gr\u00fcnen-W\u00e4hler einen Eindruck von der Aktivit\u00e4t ihrer Partei, sodass bei der n\u00e4chsten Wahl wieder gr\u00fcn gew\u00e4hlt wurde. Rechte Protestparteien haben bisher so nicht agiert, und da sie in der parlamentarischen Arbeit oft kaum etwas nachweisen konnten (einerseits oftmals aufgrund von Inkompetenz ihrer Abgeordneten, andererseits aber auch, weil andere Parteien nicht mit ihnen zusammenarbeiten wollten), verschwanden sie recht schnell wieder in der Versenkung.<\/p>\n<p>Nun zeichnet sich die AfD auch nicht gerade durch produktive Parlamentsarbeit aus (das kann man ja in allen Landesparlamenten beobachten, in denen sie zurzeit vertreten ist), allerdings nutzt die Rechtspartei ausgesprochen geschickt das Internet und hier besonders die sozialen Medien. Hier\u00fcber wird immer wieder Aktivit\u00e4t gezeigt, es werden viele Statements gepostet, und die Zahl der Follower liegt deutlich h\u00f6her als bei anderen Parteien. Dabei wird bei der AfD zum einen darauf geachtet, dass vor allem Aussagen verbreitet werden, welche die Protestw\u00e4hler ansprechen und sich nicht so sehr mit dem eigenen Programm (das wenig f\u00fcr die Anliegen der Protestw\u00e4hler \u00fcbrig hat, wie Heihse ebenfalls aufzeigt) besch\u00e4ftigen. Zum anderen werden kritische Stimmen schnell entfernt oder zumindest mit vielen und vehementen Gegenstimmen mundtot gemacht. Das Resultat: Der frustrierte Protestw\u00e4hler f\u00fchlt sich heimisch bei der AfD, denn hier wird ihm Verst\u00e4ndnis vorgegaukelt, zudem trifft er dort fast ausschlie\u00dflich auf Menschen, die \u00e4hnlich denken wie er und dies auch \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>So schafft die AfD eine virtuelle Wohlf\u00fchlzone f\u00fcr von der Politik der letzten Jahrzehnte zunehmend Entt\u00e4uschte, was zum einen f\u00fcr einen kontinuierlichen Austausch mit den Anh\u00e4ngern f\u00fchrt, zum anderen auch bewirkt, dass die AfD-Fans sich aggressiv gegen\u00fcber Andersdenkenden \u00e4u\u00dfern, die Kritik an der AfD (und damit eben auch an dieser Wohlf\u00fchlzone) vorbringen.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes geht Heihse dann noch auf die AfD, deren Inhalte und derzeitige Situation (Stand Ende 2016\/Anfang 2017 \u00a0&#8211; das Buch ist im Januar dieses Jahres erschienen) ein, wobei es ihm wichtig ist, zwischen der Partei und ihren Anh\u00e4ngern zu unterscheiden. Letztere unterteilt er ebenfalls noch in unverbesserliche Rechtsextremisten und solche, die vor allem aus Protest gegen die Politik der anderen Parteien bei der AfD gelandet sind, mit rechtem Gedankengut allerdings zun\u00e4chst mal nur recht wenig am Hut haben.<\/p>\n<p>Und genau diese im Grunde nicht rechtsextremen AfD-Anh\u00e4nger werden dann im letzten Abschnitt des Buches auch als Adressaten ausgemacht, mit denen es zu reden gilt, um ihnen aufzuzeigen, dass es f\u00fcr ihre Sorgen und N\u00f6te bessere Ansprechpartner gibt als die AfD, f\u00fcr die sie n\u00e4mlich nur Mittel zum Zweck, m\u00f6glichst viele W\u00e4hlerstimmen zu bekommen, sind. Kritisch betrachtet Heihse in diesem Zusammenhang auch das Verhalten der meisten Parteien und Medien im Umgang mit der AfD, die dieser nicht nur \u00fcber Geb\u00fchr Beachtung schenken, sondern eben auch teilweise deren Positionen \u00fcbernehmen, um so eigene W\u00e4hler davon abzuhalten, zu den Rechtspopulisten \u00fcberzuwechseln.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich h\u00e4tte eventuell noch die Hinweise darauf, dass die beschriebenen Lebensumst\u00e4nde, die Menschen zu Protestw\u00e4hlern werden lassen, systemimmanent sind und somit nicht einfach von der Politik ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen, und dass der Einfluss der AfD in der Opposition schon recht gro\u00df ist, da sich andere Parteien (vor allem CDU\/CSU, aber auch SPD und FDP) bereits von den Rechtspopulisten vor sich hertreiben lassen und AfD-Positionen nicht nur \u00fcbernehmen, sondern auch politisch umsetzen (zum Beispiel in der Fl\u00fcchtlingspolitik). Da der Schwerpunkt des Buches allerdings auf der W\u00e4hlerschaft der AfD liegt, w\u00fcrden diese beiden Punkte vielleicht auch ein bisschen zu weit f\u00fchren und wurden deshalb vom Autor nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>So stellt\u00a0\u201eProtestw\u00e4hler und die AfD\u201c eine sehr runde Sache da, die diesen Aspekt der AfD und ihrer Anh\u00e4nger sehr gut beleuchtet. Da das Buch ein Low-Budget-Projekt ist, hinter dem kein finanzkr\u00e4ftiger Verlag steht, sondern eben ein Autor, der sein Anliegen an die Leserschaft bringen m\u00f6chte, sei auch verziehen, dass mitunter ein wenig holprig formuliert wird und sich auch einige orthografische Fehler finden. Dennoch gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, da Heihse nicht einfach nur verurteilt, sondern zum Verstehen anregt, was Menschen dazu bewegt, einen Partei wie die AfD zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Bezogen werden kann das Buch (9,99 Euro in der Printversion, 6,99 Euro als E-Book) \u00fcbrigens hier: <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/protestwaehler-und-die-afd-karl-heinz-heihse-9783743167186\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/protestwaehler-und-die-afd-karl-heinz-heihse-9783743167186<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne einen Verlag und dessen PR-M\u00f6glichkeiten hat Karl-Heinz Heihse \u201eProtestw\u00e4hler und die AfD\u201c via Books on Demand ver\u00f6ffentlicht &#8211; und da das durchaus lesenswert ist, was hier auf gut 230 Seiten zusammengetragen wurde, m\u00f6chte ich Euch das Buch ein wenig vorstellen und ans Herz legen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59],"tags":[141,428],"class_list":["post-8556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literarisches","tag-afd","tag-protestwaehler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8556"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8564,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8556\/revisions\/8564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}