{"id":8849,"date":"2017-09-26T11:04:38","date_gmt":"2017-09-26T09:04:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8849"},"modified":"2017-09-26T11:05:25","modified_gmt":"2017-09-26T09:05:25","slug":"bundestagswahl-2017-desaster-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8849","title":{"rendered":"Bundestagswahl 2017 &#8211; Desaster mit Ansage"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei, und das <a href=\"https:\/\/bundestagswahl-2017.com\/ergebnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ergebnis<\/a> hat mich nun nicht allzu sehr \u00fcberrascht. Nat\u00fcrlich haben alle ein paar Prozentpunkte mehr bei der CDU und ein paar weniger bei der AfD erwartet, aber das spiegelt ja nur die Unterschiede der Prognosen bei Brexit und Trumps Wahl wider: Viele rechts abstimmende aus dem Lager der Nichtw\u00e4hler werden in den Prognosen vor der Wahl einfach nicht erfasst, wie es aussieht.<\/p>\n<p>Doch schauen wir uns die Ergebnisse und deren Auswirkungen auf die Parteien und deren W\u00e4hler doch erst mal im Einzelnen an:<\/p>\n<p><strong>CDU<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00fcberall wahrnehmbare Unzufriedenheit mit Angela Merkel und der Regierungspolitik der gro\u00dfen Koalition hat nun diesmal (endlich) auch die CDU selbst getroffen und nicht, wie in den Jahren zuvor, immer nur deren Koalitionspartner. Aber wer auf die f\u00fcr immer mehr Menschen sp\u00fcrbaren Probleme im Land nichts anderes als\u00a0\u201eDeutschland geht es gut\u201c zu bieten hat und zudem noch einen komplett inhaltsleeren Wahlkampf f\u00fchrt, in dem viele Themen, die den Menschen unter den N\u00e4geln brennen, einfach ausspart, der bekommt dann eben nur noch die Stimmen derjenigen, die sich absolut gar nicht f\u00fcr Politik interessieren oder losgel\u00f6st von allen Inhalten sowieso CDU w\u00e4hlen &#8211; und das sind dann eben die jetzt erzielten knapp 33 %.<\/p>\n<p>Und das d\u00fcrfte ja aller Wahrscheinlichkeit nach auch reichen, um nach wie vor an der Spitze der Regierung zu stehen, denn die CDU hat sich den Rechtsruck bei den anderen Parteien ja insofern zunutze gemacht, als dass sie (bis auf Die Linke und die AfD) mit jeder anderen Partei schon mal koaliert hat &#8211; Auswahl ist also genug vorhanden. Immerhin hat es so nicht f\u00fcr Schwarz-Gelb gereicht, und das ist auch schon einer der wenigen positiven Aspekte an diesem Wahlergebnis.<\/p>\n<p>Die CDU-W\u00e4hler d\u00fcrfen sich als zumindest dem Ergebnis nach wieder auf der Gewinnerseite f\u00fchlen &#8211; dass die meisten von ihnen durch die Politik der von ihnen pr\u00e4ferierten Partei eher negative Folgen versp\u00fcren werden, scheint die ja eh nicht so zu interessieren &#8211; denn dass diese 33 % nun alles Immobilienbesitzer, Gro\u00dfunternehmer oder Empf\u00e4nger sehr hoher Erbschaften sind, mag ich nun mal nicht so recht glauben.<\/p>\n<p><strong>SPD<\/strong><\/p>\n<p>Keine \u00dcberraschung war dann auch das Ergebnis der SPD, das historisch mies bei gut 20 % liegt. Aber Martin Schulz hat eben auch von Anfang an jede Glaubw\u00fcrdigkeit vermissen lassen. Einfach nur mehr Gerechtigkeit zu postulieren und dann mit null Inhalten, die das Ganze ein wenig zementieren, r\u00fcberzukommen ist eben dann doch ein bisschen mager. So d\u00fcrfte auch die SPD dieses Mal (\u00e4hnlich wie die CDU) vor allem von denjenigen gew\u00e4hlt worden sein, die ohnehin immer SPD w\u00e4hlen w\u00fcrden, egal, was nun an politischer Thematik dahintersteckt.<\/p>\n<p>Immerhin hat ja der Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann sogleich nach dem schlechten Ergebnis verk\u00fcndet, dass die SPD nicht weiter f\u00fcr eine gro\u00dfe Koalition zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde. Das klingt ja erst mal gar nicht so schlecht und k\u00f6nnte der Startschuss f\u00fcr eine Profilierung der Partei im Sinne von einer Hinwendung zu wieder klassischen sozialdemokratischen Themen und weg vom Neoliberalismus sein &#8211; wenn da nicht gleich klargestellt worden w\u00e4re, dass das F\u00fchrungspersonal der SPD das gleiche bleiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn Schulz und Co. schon vor der Wahl nicht \u00fcberzeugend und authentisch das Bild von Streitern f\u00fcr mehr Gerechtigkeit vermitteln konnte, dann d\u00fcrfte ihnen das auch nach der Wahl schwerfallen. Mit beispielsweise Andrea Nahles an der Spitze sollte ein dementsprechender Imagewechsel zumindest kaum gelingen. Und einen Corbyn oder Sanders hat die SPD leider nicht, weil man sich eben seit Schr\u00f6der stets nur auf neoliberales F\u00fchrungspersonal festgelegt hat. Unverbrauchte Gesichter und eine Ann\u00e4herung an Die Linke w\u00e4ren m. E. zwei entscheidende Faktoren, um der SPD wieder etwas politische Relevanz zu verschaffen, allerdings f\u00fcrchte ich, dass die derzeitige F\u00fchrungsriege sich dazu nicht wird durchringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>AfD<\/strong><\/p>\n<p>Der Gewinner dieser Wahl ist leider die rechtsextreme AfD, und ich f\u00fcrchte, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein d\u00fcrfte, was den Erfolg dieser indiskutablen Truppe voller Ewiggestriger, Nationalisten, Rassisten, Frauenfeinde (und was es sonst noch so f\u00fcr \u00fcble menschenverachtende Auspr\u00e4gungen gibt) betrifft. Warum die AfD so erfolgreich ist, wurde gleich in der\u00a0<em>ARD<\/em>-Sendung zur Wahl ab 18 Uhr am Sonntag deutlich: Die beiden dort moderierenden \u201eJournalistinnen\u201c waren sich ja nicht zu schade, gleich mal den Stichwortgeber f\u00fcr die AfD zu spielen, indem\u00a0mehrfach in k\u00fcrzester Zeit die \u201eMerkelsche Fl\u00fcchtlingspolitik\u201c als Erkl\u00e4rung f\u00fcr das gute Abschneiden der AfD herangezogen wurde. Genau dies ist ja einer der Narrative, mit denen die AfD ihre W\u00e4hler anspricht &#8211; dass es eine auch nur ansatzweise fl\u00fcchtlingsfreundliche Politik seit Jahren schon nicht mehr gibt von der Merkel-Regierung, sondern man sich stattdessen gerade in diesem Bereich von der AfD vor sich hertreiben lie\u00df, scheint bei der\u00a0<em>ARD<\/em> noch niemandem aufgefallen zu sein &#8230;<\/p>\n<p>Dazu kommt noch: Dass sich vonseiten der Journalisten und auch Politiker der anderen Parteien in erster Linie auf den Rechtsextremismus, der bei der AfD ja immer wieder offen zutage tritt, kapriziert wird, verschleiert, warum die Rechtspartei \u00fcberhaupt so weit gekommen ist &#8211; denn schlie\u00dflich sind die ja nicht einfach so vom Himmel gefallen. So werden die thematischen \u00dcberschneidungen mit CDU- und vor allem FDP-Positionen beispielsweise gar nicht erw\u00e4hnt, was ja die AfD entzaubern k\u00f6nnte, zumindest aus Sicht von deren W\u00e4hlern, die sich ja immer noch f\u00e4lschlicherweise als K\u00e4mpfer gegen des Establishments verstehen.<\/p>\n<p>Wenn man die AfD konkret zu politischen Aussagen zw\u00e4nge, dann w\u00fcrde es m. E. mit der Partei z\u00fcgig bergab gehen, da dann deutlich w\u00fcrde, dass sie au\u00dfer \u201eDeutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus\u201c die Interessen des Gro\u00dfteils ihrer W\u00e4hler \u00fcberhaupt nicht vertritt. Mit der momentanen D\u00e4monisierung, auch wenn diese inhaltlich durchaus gerechtfertigt ist, erreicht man vor allem, dass die AfD ihr Opfer-Narrativ weitererz\u00e4hlen und sich darin einrichten kann. Und dass sie damit eine gro\u00dfe \u00dcbereinstimmung mit ihren W\u00e4hlern erzeugen und sogar viele Nichtw\u00e4hler motivieren konnte, hat man ja gerade gesehen.<\/p>\n<p>So spielen Politiker und Medienvertreter der AfD genau in die Karten: Konstruktives hat die Partei nicht zu bieten, nur solange sie auch nicht dazu gen\u00f6tigt wird, entsprechend Farbe zu bekennen, sondern sich in ihrer Opferrolle versteifen kann, wird die AfD eher st\u00e4rker als schw\u00e4cher werden.<\/p>\n<p><strong>FDP<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso erschreckend wie das gute Abschneiden der AfD sind die mehr als 10 %, die die FDP einfahren konnte, und das, obwohl deren Wahlkampf, in dem nur auf Parteichef Lindner in Inszenierungen, die an Parf\u00fcmwerbung erinnerten, fokussiert wurde, eine Beleidigung f\u00fcr jeden intelligenten und\/oder an Politik interessierten Menschen darstellte.<\/p>\n<p>Wie unsozial die FDP in politischer Verantwortung agiert, konnte man gerade in Nordrhein-Westfalen beobachten, wo die Hardcore-Marktradikalen seit Kurzem Teil der Regierung sind. Nur weil man sich eine andere Farbgebung verpasst hat, sind die Inhalte der FDP n\u00e4mlich nach wie vor die gleichen wie vor einigen Jahren, als die Partei gl\u00fccklicherweise bei den Bundestagswahlen an der 5-Prozent-H\u00fcrde scheiterte. Nun wird die FDP alles dransetzen, um an der Bundesregierung beteiligt zu sein und so den Rechtsruck, die Entsolidarisierung, der gesellschaftliche Verrohung und die Ungleichheit weiter voranzubringen.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich erschlie\u00dft es sich nicht, wie man die FDP w\u00e4hlen kann, denn selbst wenn man zu deren protegierter Klientel geh\u00f6rt, so muss man doch schon massive Tendenzen zum unsozialen und r\u00fccksichtslosen Verhalten haben, damit man deren r\u00fcckschrittliches und\u00a0\u201eDie Reichen m\u00fcssen sich noch mehr auf Kosten der \u00c4rmsten bereichern\u201c-Programm nicht als inakzeptabel abtut. Mehr noch als bei der CDU gilt f\u00fcr die FDP: Wer nicht gerade extrem hohes Verm\u00f6gen und\/oder Einkommen aufweisen kann, dessen Interessen werden von der FDP nicht vertreten &#8211; im Gegenteil sorgt Lindners Truppe eher daf\u00fcr, dass es angestellte Erwerbst\u00e4tigen, kleineren Mittelst\u00e4ndlern und Freiberuflern, Rentnern, Sch\u00fclern, Studenten, Mieter \u00a0usw. schlechter gehen wird. Wie kann man also in Zeiten, in denen immer mehr Menschen von Existenz- und Abstiegs\u00e4ngsten geplagt werden, erkl\u00e4ren, dass gerade eine Partei, die diese ganz offen massiv versch\u00e4rfen wird, sich als einer der Wahlsieger f\u00fchlen kann? M. E. sieht man daran, wie wenig m\u00fcndig der in den letzten Jahren zunehmend entpolitisierte B\u00fcrger dann doch ist.<\/p>\n<p><strong>Die Linke<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl Die Linke ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Bundestagswahl leicht verbessern konnte, muss sie als Verlierer angesehen werden, da es nicht gelang, bedeutend mehr Menschen in krisenhaften Zeiten davon zu \u00fcberzeugen, dass es sich um eine Systemkrise handelt, die von neoliberalen Parteien nicht gel\u00f6st werden kann. Nat\u00fcrlich ist es schwierig f\u00fcr eine Partei, die von den meisten Medien nicht eben geliebt und teilweise sogar offen gehasst wird, W\u00e4hler zu erreichen, zudem war (neben einigen Kleinparteien) Die Linke ja auch die einzige Partei, die zumindest versucht hat, einen inhaltlichen Wahlkampf zu f\u00fchre. Dies scheint allerdings beim W\u00e4hler nicht anzukommen, der mehr auf h\u00fcbsche Bildchen und Politplattit\u00fcden abf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Das ist auch das Dilemma der Partei: Wie soll man also zuk\u00fcnftig agieren? Obwohl man ein Programm hat, von dem der Gro\u00dfteil der Deutschen profitieren w\u00fcrde, erreicht man diese Menschen nicht als W\u00e4hler. Soll man also davon abr\u00fccken und sich ebenfalls eine inhaltsleere Kampagne von trendigen Werbeagenturen verpassen lassen? Das w\u00fcrde ja eigentlich linkem Denken nicht gerade entsprechen. Aber anders scheint es ja kaum m\u00f6glich zu sein, die allermeisten W\u00e4hler in Deutschland anzusprechen.<\/p>\n<p>So bleibt nun nur die Rolle in der Opposition als einsamer Rufer in der W\u00fcste &#8211; und die Hoffnung, dass sich die SPD vielleicht wieder mehr auf ihre Urspr\u00fcnge besinnt und sich der Programmatik von Die Linke ann\u00e4hert. Ob das allerdings bei der SPD passieren wird (s. den Absatz dazu oben), darf bezweifelt werden &#8230;<\/p>\n<p><strong>Die Gr\u00fcnen<\/strong><\/p>\n<p>Es ist interessant, dass ausgerechnet der Partei, die mit den wenigsten W\u00e4hlerstimmen im Bundestag vertreten sein wird, die Rolle des Z\u00fcngleins an der Waage zukommt. Die Gr\u00fcnen haben nun zwei M\u00f6glichkeiten: Sie begeben sich in eine Koalition mit CDU\/CSU und FDP oder eben nicht.<\/p>\n<p>Bei Ersterem d\u00fcrften sich etliche W\u00e4hler der Gr\u00fcnen reichlich auf den Schlips getreten f\u00fchlen, da sie dann CSU-Rechtsau\u00dfen quasi mitgew\u00e4hlt h\u00e4tten &#8211; sollte es noch Gr\u00fcnen-W\u00e4hler geben, die sich an die urspr\u00fcnglichen Ideen der Partei erinnern, so w\u00e4re das eine richtig bittere Pille f\u00fcr die. Andererseits: Das h\u00e4tte man ja auch schon vor der Wahl ahnen k\u00f6nnen &#8230; Wenn die Gr\u00fcnen allerdings meinen, in einer solchen Koalition tats\u00e4chlich auch Aspekte ihrer Umweltpolitik, die man ja zuletzt wieder ein bisschen mehr hervorhob im Wahlkampf, umsetzen zu k\u00f6nnen, dann ist denen auch nicht mehr zu helfen. Wenn ich mir allerdings anschaue, wie Katrin G\u00f6ring-Eckardt und Cem \u00d6zdemir nach der Wahl das Ergebnis bejubelten, was ja f\u00fcr die eigene Partei auch deutlich besser ausfiel als die letzten Prognosen vermuten lie\u00dfen, als Gesamtresultat allerdings f\u00fcr progressiv denkende Menschen eine Katastrophe ist, dann habe ich wenig Hoffnung, dass es bei diesem gr\u00fcnen F\u00fchrungspersonal um etwas anderes als um P\u00f6stchen in einer Regierung gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Alternative dazu w\u00e4re n\u00e4mlich inhaltlich konsequenter und politisch interessanter: W\u00fcrden die Gr\u00fcnen einsehen, dass gr\u00fcne Politik (o. k., jetzt nicht so Kretschmann-Style &#8230;) mit CDU\/CSU und FDP nicht zu machen ist, sodass man einer Jamaika-Koalition von vornherein eine Absage erteilen w\u00fcrde, dann m\u00fcsste Schwarz-Gelb entweder mit der AfD koalieren oder sich zumindest von denen als Minderheitsregierung tolerieren lassen &#8211; was vor allem auch die AfD unter Zugzwang zu politischem Agieren setzen und somit letztendlich entlarven w\u00fcrde. Die SPD hat mit ihrer Absage an eine weitere gro\u00dfe Koalition hier ja schon mal vorgelegt, nun l\u00e4ge es an den Gr\u00fcnen, hier Prinzipientreue vor Karrierismus zu stellen. Allein: Ich mag da irgendwie nicht so recht dran glauben, denn die Gr\u00fcnen haben sich ja in den letzten Jahren immer wieder als gnadenlose Opportunisten erwiesen, denen Regierungsbeteiligungen wichtiger waren als politische Aufrichtigkeit. Und wenn man dann schon sehen konnte, wie sich gleich nach den ersten Hochrechnungen Anton Hofreiter in der\u00a0<em>ARD<\/em> an die Vertreter von CDU und FDP rangewanzt hat &#8230;<\/p>\n<p><strong>Jamaika-Koalition<\/strong><\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte also aller Wahrscheinlichkeit auf eine\u00a0Jamaika-Koalition hinauslaufen, was m. E. fatal w\u00e4re und vor allem der AfD nutzen w\u00fcrde, da diese hervorragend beide Hauptfeindbilder ihrer W\u00e4hler dort vereinigt f\u00e4nde: Merkel und die Gr\u00fcnen. Damit l\u00e4sst sich super Stimmung machen, und dass das das Einzige ist, auf das sich die AfD versteht, durften wir ja in den letzten Monate zur Gen\u00fcge erleben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aufrechterhaltung der neoliberalen \u201eAlternativlosigkeit\u201c w\u00e4re eine Jamaika-Koalition nat\u00fcrlich ein ziemlicher Hauptgewinn, da man auf diese Weise den Popanz\u00a0\u201eWir oder die Rechtsextremen\u201c hervorragend ausbauen k\u00f6nnte (was ja in Frankreich vor ein paar Monaten auch schon praktiziert wurde, s. dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8437\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Die derzeitigen Reaktionen auf das Wahlergebnis sprechen ja auch ganz deutlich daf\u00fcr, dass dies das dominierende politische Narrativ der kommenden Zeit sein wird: Alles fokussiert auf die AfD, sodass die berechtigte Kritik an deren Rechtsextremismus alles andere \u00fcberdeckt, was an dieser Partei noch verachtenswert ist und vor allem, was an dieser Partei eben mit den anderen neoliberalen Parteien \u00fcbereinstimmend ist.<\/p>\n<p>So wird von den Neoliberalen versucht, den Rechtsextremismus als Drohkulisse zu instrumentalisieren, um die eigenen Positionen als eher moderat darzustellen, eine Legitimation f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung der desastr\u00f6sen Politik der letzten Jahrzehnte zu schaffen und dann doch auch selbst noch weiter nach rechts zu r\u00fccken, da man ja diese Themen nicht der AfD \u00fcberlassen d\u00fcrfe. Fast schon erb\u00e4rmlich in dieser Offensichtlichkeit &#8211; wenn das denn nicht so wunderbar funktionieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Noch ein paar abschlie\u00dfende\u00a0Worte zum deutschen W\u00e4hler &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>86 bis 91 % (je nachdem, welche Kleinparteien noch wie viele Stimmen bekamen, was ich gerade noch nicht genau angeschaut habe) der deutschen W\u00e4hler stimmten f\u00fcr ein politisches\u00a0\u201eWeiter so!\u201c &#8211; dann haben es diese Menschen auch nicht anders verdient, eine entsprechende Politik zu bekommen. Steigende Ungerechtigkeit, Terroranschl\u00e4ge, marode \u00f6ffentliche Infrastruktur, zunehmende Armut, Mietpreisexplosion, 2-Klassen-Medizin usw. scheinen ja so gewollt zu sein &#8211; dann sollte nur bitte auch nicht gemeckert werden, wenn genau dies auch eintreten und von der Politik gef\u00f6rdert wird. Aber ich m\u00f6chte wetten, dass schon bald wieder alle am Zetern sind und sich \u00fcber\u00a0\u201edie da oben\u201c aufregen. Das ist anscheinend das deutsche Wesen: Man echauffiert sich gern, aber ist auch nicht bereit, selbst auch nur einen winzigen Handschlag (in Form seiner Stimmabgabe) daf\u00fcr zu tun, mal etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Und noch etwas, was mir ziemlich typisch deutsch erscheint: Fast ein Viertel votieren f\u00fcr offen menschenverachtende Parteien (AfD und FDP), die beide vor allem f\u00fcr die rassistische und sozialdarwinistische Abwertung von Menschen stehen. Es sollte uns zu denken geben, dass gerade diese beiden rechtspopulistischen Parteien, die f\u00fcr noch mehr Ausgrenzung, noch mehr Egoismus, noch mehr Entsolidarisierung und noch mehr Klientelismus zugunsten der Wirtschaft stehen, die Gewinner dieser Wahl sind. W\u00e4re nicht eher genau die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen, um den immer offener zutage tretenden gesellschaftlichen Verwerfungen konstruktiv begegnen zu k\u00f6nnen? Anscheinend sehen das immer mehr Deutsche nicht so, sondern versteifen sich lieber auf Obrigkeitsh\u00f6rigkeit und das Treten nach unten, auf die noch Schw\u00e4cheren.<\/p>\n<p>Heinrich Manns Untertan ist f\u00fcr mich die Figur, die sich in diesem Wahlergebnis am meisten manifestiert. Und wohin dieser Geist gef\u00fchrt hat, das zeigt uns ja ein Blick in die Geschichtsb\u00fccher &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei, und das Ergebnis hat mich nun nicht allzu sehr \u00fcberrascht. 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