{"id":8906,"date":"2017-10-05T22:36:36","date_gmt":"2017-10-05T20:36:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8906"},"modified":"2017-10-20T23:36:43","modified_gmt":"2017-10-20T21:36:43","slug":"streit-ist-das-salz-in-der-suppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8906","title":{"rendered":"Streit ist das Salz in der Suppe"},"content":{"rendered":"<p>Ich finde Streit gut, liebe es, selbst zu streiten, argumentativ mich auseinanderzusetzen, nat\u00fcrlich immer oberhalb der G\u00fcrtellinie. Die, die es unterhalb tun, ignoriere ich deshalb zumeist, die \u00dcberheblichen sowieso.<\/p>\n<p><em>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/em><\/p>\n<p>Was mich st\u00f6rt, ist nicht der Streit, nicht die harte, kontroverse Auseinandersetzung, im Gegenteil, gerade die hilft mir, meinen Horizont zu erweitern. Es sind die Menschen zuallererst, die f\u00fcr Unmenschlichkeit streiten, die mich auf ihre Seite damit ziehen wollen, mich meiner Menschlichkeit berauben wollen.<\/p>\n<p>Was mich ebenfalls st\u00f6rt, sind Menschen, die f\u00fcr Gerechtigkeit streiten und damit doch nur die eigene Gerechtigkeit, ihre eigene Weltsicht als unser aller Gerechtigkeit ausgeben wollen. Vielleicht st\u00f6ren mich diese Menschen sogar noch mehr als die, deren Unmenschlichkeit offensichtlicher zutage tritt, nicht mit dem Mantel der Gerechtigkeit bedeckt wird. Sicher sogar, auch wenn ich es nicht ihrer B\u00f6swilligkeit zuerst zuschreibe, sondern ihrer Oberfl\u00e4chlichkeit, gesunder Oberfl\u00e4chlichkeit, wie vielen meiner Vorgesetzten in der Vergangenheit &#8211; in der Gegenwart lasse ich es nicht mehr zu.<\/p>\n<p>An einen Vorgesetzten von einst erinnere ich mich ganz besonders, der diesen Begriff der \u201egesunden Oberfl\u00e4chlichkeit\u201c pr\u00e4gte, sie bewusst f\u00fcr sich in Anspruch nahm und mir das auch kundtat, nachdem er meine Existenz und die meiner Familie an den Rand des Abgrundes gebracht hatte mit t\u00e4tiger Mithilfe seiner Vorgesetzten, so wie derzeit viele Existenzen dorthin gebracht werden, aus reiner Oberfl\u00e4chlichkeit, wie ich behaupte, selten aus B\u00f6swilligkeit, nicht nur durch die Politik, oft sogar mehr durch falsche Anforderungen in den Strukturen der Wirtschaft, der Unternehmen, wie mir auch der VW-Skandal derzeit wieder best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Und weil ich so denke, so bin, wie ich bin, Streit liebe und Oberfl\u00e4chlichkeit mir ein Gr\u00e4uel ist, lehne ich den Konsens, besser gesagt den \u00fcbertriebenen Konsens, unserer Tage ab. Ich mache ihn sogar hauptverantwortlich f\u00fcr das m\u00f6gliche Scheitern unserer Demokratie, benenne die als Verantwortliche, die es damit \u00fcbertrieben haben und noch \u00fcbertreiben und diesen Konsens f\u00fcr ihre Interessen instrumentalisiert haben, ihn mit dem Wort Realpolitik oder der Behauptung einer irgendwie sozialen Marktwirtschaft pervertiert haben und immer noch pervertieren.<\/p>\n<p>Nichts an deren Denken und Handeln ist letztendlich gerecht oder gar sozial und demokratisch in keinem Falle. Demokratie hei\u00dft, zu streiten um den richtigen Weg, auch dann, wenn es schwer ist, gerade dann, wenn es schwer ist, den richtigen Weg zu finden. Ohne Streit wird das nichts, wird der Mittelweg der Weg bleiben, und der Mittelweg ist meist der Weg in den Abgrund. Wie man sehen k\u00f6nnte, wenn man die Augen aufmachen w\u00fcrde dieser Tage.<\/p>\n<p>Demokratie hei\u00dft, den Ausgleich zu suchen, die Mehrheit zu finden, um die Mehrheit zu streiten und nicht die Kooperation um der Kooperation willen und schon gar nicht, wenn die Kooperation in die falsche Richtung geht, wenn sie im Kooperativismus enden k\u00f6nnte. Sozialpartnerschaft ist gut, aber auch nur dann, wenn sie streitbar bleibt. Verliert sie das Salz des Streites, wird sie fade wie eine Suppe ohne Salz, schmeckt nicht mehr und wird am Ende aufgegeben, so wie auch die Demokratie. Partnerschaft im Sozialen und Demokratie ben\u00f6tigen den Streit, um lebensf\u00e4hig zu bleiben!<br \/>\nUnd dieser Streit muss politisch stattfinden, nicht den M\u00e4rkten und ihren Gesetzen \u00fcberlassen bleiben, darf nicht dort allein stattfinden, denn dort findet er nicht statt. Dort gelten andere Regeln, dort ist allein der Preis das Ma\u00df der Dinge und nicht der Mensch.<\/p>\n<p>Ich will dem Menschen keinen Preis zuordnen, und ich glaube, dass das die wenigsten wollen, und doch tun wir es, weil wir auf Worth\u00fclsen wie soziale Marktwirtschaft immer noch hereinfallen, dem Kapitalismus aber damit nicht mehr die Stirn bieten, die er braucht, um nicht entfesselt sein Unwesen zu treiben, Wachstum \u00fcber alles stellt und nur n\u00fctzlich erscheinen l\u00e4sst, was am Ende wenig kostet und viel Gewinn erbringt, das als unn\u00fctz aber abtut, was dem Menschen die Lebensgrundlagen erst erm\u00f6glicht, was ihn auch ausmacht, ja, den Menschen gar in n\u00fctzlich und weniger n\u00fctzlich einteilt, vielleicht sogar bald in unn\u00fctz einteilen k\u00f6nnte. Die Gesetzgebung seit 2002, eigentlich seit 1998, ist auf dem besten Wege dahin Letzteres Wirklichkeit werden zu lassen. Die \u201eAusleihungen\u201c von Langzeitarbeitlosen in Bremen, als Pilotprojekt geplant f\u00fcr 2018, durch das Jobcenter an Unternehmen und Beh\u00f6rden weisen f\u00fcr mich jedenfalls genau in diese Richtung.<\/p>\n<p>Und weil ich das nicht will und es keiner Partei, keinem Unternehmen, keinem B\u00fcrokraten den Menschen zuzumuten zugestehe, auch deshalb streite ich, ziehe mich nicht zur\u00fcck und fr\u00f6ne nicht der Harmonie, lasse mich nicht einlullen von der Kanzlerin oder den Wirtschaftsweisen &#8211; welch eine \u00dcberheblichkeit dieser \u201eAvantgarde\u201c, die sie meinen zu sein -, rede nicht nach dem Munde, bin nie ein Parteisoldat gewesen und werde es auch nie werden. Ich stehe nicht \u00fcber den Dingen, ganz und gar nicht, aber ich wahre die n\u00f6tige Distanz zu denen, die mir einen Konsens aufzwingen wollen, den ich nicht haben will.<\/p>\n<p>Und ich lasse mir das Wort Konsens im \u00dcbrigen nicht von denen nehmen, die es derzeit t\u00e4glich im Munde f\u00fchren, um diejenigen zu diffamieren, die sicher nicht alles richtig gemacht haben und machen, aber die immer noch f\u00fcr das stehen, was verbessert werden, aber dennoch erhalten bleiben muss: die Demokratie. Ihr wisst, wen ich meine. Die n\u00e4mlich, deren Namen man eigentlich nicht aussprechen sollte, der in die Vergessenheit geraten sollte, so wie die, die diese Partei repr\u00e4sentieren und w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die streiten n\u00e4mlich nicht. Die diffamieren mit ihrer Demagogie, sind keine Populisten, sondern Demagogen und haben nur ein Ziel: uns deren Weltsicht diktatorisch am Ende aufzuzwingen. Nicht mit mir! Mit denen streite ich nicht! Die ignoriere ich und versuche auch keinen von denen zur\u00fcck in die Gesellschaft zu holen. Mein Augenmerk liegt auf denen, die noch in der Gesellschaft sind, die Demokratie noch leben und nicht benutzen wollen, um sie am Ende zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und die kann man nur durch Streit wieder erreichen. Durch Konsens wird das nichts. \u201eVerbal auf die Fresse und am Abend dann gemeinsam ein Bier\u201c, das ist die einzige M\u00f6glichkeit, so sehe ich das, um die nicht auch noch zu verlieren, die noch nicht verloren sind. Streiten, wie wir es einst konnten, in den 70ern noch, denn in den 80ern scheinen wir es verlernt zu haben oder ist es uns abgew\u00f6hnt worden. Sucht es Euch aus!<\/p>\n<p>Widerspruch?<\/p>\n<p>Nachklapp: \u201eUSA suchen im Atomstreit direkte Gespr\u00e4che mit Nordkorea.\u201c Breaking News n-tv. &#8211; Endlich streiten sie und hauen nicht nur verbal aufeinander ein! Es kann jetzt endlich wieder besser werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/p>\n<p>Ich finde Streit gut, liebe es selbst zu streiten, argumentativ mich auseinanderzusetzen, nat\u00fcrlich immer oberhalb der G\u00fcrtellinie. Die, die es unterhalb tun, ignoriere deshalb ich zumeist, die \u00dcberheblichen sowieso. Was mich st\u00f6rt ist nicht der Streit, nicht die harte, kontroverse Auseinandersetzung, im Gegenteil, gerade die hilft mir meinen Horizont zu erweitern. 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