{"id":9089,"date":"2017-11-02T22:55:32","date_gmt":"2017-11-02T21:55:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9089"},"modified":"2017-11-06T09:41:34","modified_gmt":"2017-11-06T08:41:34","slug":"retten-wir-das-klima-wer-macht-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9089","title":{"rendered":"Retten wir das Klima &#8211; wer macht mit?"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Monaten wurde ja immer offensichtlicher, dass wir die Folgen des Klimawandels nicht mehr nur irgendwo weit weg feststellen m\u00fcssen, sondern dass die uns mittlerweile ganz sch\u00f6n auf die Pelle r\u00fccken. Kann man als Nordeurop\u00e4er \u00fcber D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen in Afrika und Asien oder absaufende Inselstaaten im Pazifik noch recht gro\u00dfz\u00fcgig dr\u00fcber hinwegsehen, so sind einem die Hurrikane, die die USA in immer gr\u00f6\u00dferer Zahl und heftigerer Auspr\u00e4gung heimsuchen, schon ein bisschen n\u00e4her. Und wenn so ein Ding dann auf Gro\u00dfbritannien zurast, in Portugal die W\u00e4lder brennen und hier in Deutschland ein Herbststurm nach dem anderen mit ungewohnter Wucht \u00fcbers Land fegt, dann ist klar, dass das Ganze wohl doch nicht nur ein Problem von Menschen am anderen Ende der Welt sein k\u00f6nnte &#8230;<\/p>\n<p>Insofern ist es also nicht nur so ein\u00a0\u201eGutmenschen\u201c-Ding, sich f\u00fcr den Klimawandel zu interessieren, sondern auch sehr im eigenen elementaren Interesse (das braucht es bei den meisten Deutschen anscheinend, um sich mal f\u00fcr Katastrophen aller Art \u00fcberhaupt auch nur zu interessieren). Nat\u00fcrlich gibt es immer noch Leute, die meinen, das diese ganzen Klimaver\u00e4nderungen ja gar nicht menschgemacht seien und es so was schon immer gegeben habe (die AfD als Partei f\u00fcr Einfaltspinsel hat sich sogar nicht entbl\u00f6det, das ins Parteiprogramm mit aufzunehmen), und denen ist auch nicht mit <a href=\"https:\/\/scilogs.spektrum.de\/klimalounge\/palaeoklima-das-ganze-holozaen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eindeutigen Nachweisen<\/a> beizukommen &#8211; aber es gibt ja auch immer noch Menschen, die glauben, die Erde sei eine Scheibe. Und ein solches Abstreiten kommt ja auch der Tendenz zur feigen Verantwortungsverweigerung entgegen, die solche Pappkameraden in der Regel zu eigen ist &#8230;<\/p>\n<p>Aber um solche Realit\u00e4tsfl\u00fcchtlinge soll es hier ja auch gar nicht gehen, sondern eher um den Gro\u00dfteil der Menschen in Deutschland, die mittlerweile eingesehen haben, dass wir mit unserer industriellen Lebensweise und dem haufenweisen Verbrennen von fossilen Energietr\u00e4gern gerade dabei sind, das Weltklima und damit unsere eigenen planetaren Existenzgrundlagen reichlich abzurockern. Das wirkt alles erst mal sehr, sehr gro\u00df und sehr, sehr bedrohlich (was es zweifelsfrei auch ist), aber die gute Nachricht ist: Wir k\u00f6nnen alle was dagegen machen. Wer macht mit?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal sollte man beispielsweise nicht mehr fliegen, denn diese Art des Reisens ist die mit Abstand klimasch\u00e4dlichste.<\/p>\n<p>Dann sollte es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein, keine Kreuzfahrten zu machen, da diese Riesenp\u00f6tte, die eher schwimmenden St\u00e4dten gleichen, richtig viel Energie verbrauchen &#8211; oft auch noch in Form von Schwer\u00f6l.<\/p>\n<p>M\u00f6glichst wenig mit dem Auto rumzufahren geh\u00f6rt auch dazu &#8211; und dann nat\u00fcrlich vor allem nicht in m\u00f6glichst \u00fcbemotorisierten und \u00fcberdimensionierten Kisten wie SUVs.<\/p>\n<p>Weiter geht&#8217;s: Seine Klamotten sollte man so lange tragen, bis sie kaputt sind, und nicht, bis sie nicht mehr chic sind. Moderesistent zu werden ist eine ziemlich wichtige Sache, denn Kleidung wird viel zu wasser- und energieintensiv hergestellt, als dass man sie einfach jedes Jahr f\u00fcr einen neuen Trend\u00a0\u201eopfern\u201c sollte.<\/p>\n<p>Auch \u00fcberwiegend lokale Produkte zu kaufen ist gut f\u00fcrs Weltklima: Alles, was von weither rangekarrt werden muss f\u00fcr uns, braucht daf\u00fcr auch viel Energie und produziert somit viel CO2. Also rauf auf den Speiseplan mit regionalen und saisonalen Obst- und Gem\u00fcsesorten, auch der Wein aus deutschen Landen schmeckt lecker, da muss er nicht aus Chile, Kalifornien oder gar Australien kommen, und f\u00fcr viele Produktbereiche gibt es deutsche Hersteller. Diese sind zwar oft etwas teurer, da eben nicht in irgendwelchen Fabrikh\u00f6llen in Ostasien Menschen f\u00fcr Hungerl\u00f6hne 16 Stunden am Tag kn\u00fcppeln m\u00fcssen, aber das geht dann auch gleich super konform mit dem n\u00e4chsten Punkt:<\/p>\n<p>Man sollte generell weniger kaufen bzw. nur Sachen, die man wirklich braucht, und nicht irgendein Zeug, nur weil es gerade im Angebot oder in ist. Dann kann man sich auch die teurere einheimischen Produkte leisten. Ach ja: To-go-Produkte sind nat\u00fcrlich energie- und umwelttechnisch der letzte Mist, da haufenweise Verpackungskram quasi f\u00fcr den M\u00fcll produziert wird. Wer seinen Kaffee also in Ruhe aus einer richtigen Tasse und in einem Caf\u00e9 sitzend trinkt, tut nicht nur was gegen den Klimawandel, sondern auch f\u00fcr seine eigene Entschleunigung.<\/p>\n<p>Zu so einem \u201eWeniger ist mehr\u201c (zumindest mehr f\u00fcrs Klima) geh\u00f6rt auch, sich nicht jedes Jahr ein neues Smartphone zuzulegen. Und vielleicht kann man sich ja auch mal die Frage stellen, ob man so ein Ding \u00fcberhaupt braucht, denn das st\u00e4ndige Onlinesein braucht schlie\u00dflich auch Energie (das weltweite Internet ben\u00f6tigt mittlerweile mehr Strom als die allermeisten Staaten).<\/p>\n<p>Auch der Wechsel zu einem \u00d6kostromanbieter ist eine sinnvolle Sache &#8211; eigentlich ganz offensichtlich, oder? Aber es ist ja nun noch lange nicht so, dass alle Menschen in Deutschland ihren Strom so beziehen, sondern bei den meisten ist immer noch der g\u00fcnstigste Anbieter erste Wahl.<\/p>\n<p>Und noch was zum Essen: Deutlich weniger Fleisch zu essen und auch den Konsum von Milchprodukten zu reduzieren ist eine ganz wichtige Sache, denn die ganzen Tiere aus der Massentierhaltung (nat\u00fcrlich nicht nur die, aber durch ihre gro\u00dfe Zahl sind sie eben besonders sch\u00e4dlich) furzen haufenweise Methan in die Luft, was noch mal klimasch\u00e4dlicher ist als CO2 (was sie nat\u00fcrlich auch noch produzieren), mal abgesehen davon, dass nach wie vor gro\u00dfe Waldfl\u00e4chen vor allem im globalen S\u00fcden gerodet werden, um unseren gro\u00dfen Fleischhunger stillen zu k\u00f6nnen, da auf diesen Fl\u00e4chen dann beispielsweise Rinder weiden oder Futtersoja angebaut wird.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re jetzt mal so ein paar Dinge, die jeder dazu beitragen kann, damit wir diesen Planeten in den n\u00e4chsten Jahren nicht unbewohnbar machen werden. Aber ich wette, dass viele schon beim ersten Punkt (keine Flugreisen mehr) sich gesagt haben:\u00a0\u201eOch n\u00f6, das geht mir jetzt dann aber doch ein bisschen zu weit mit diesem Klimaged\u00f6ns &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Dann sollte man sich allerdings auch folgende Frage stellen: Stirbt jemand, wenn ich nicht in den Urlaub fliege? In der Regel wohl nicht, aber es sterben Menschen, wenn ich das weiterhin mache. Und das gilt f\u00fcr alle anderen oben aufgez\u00e4hlten Handlungsm\u00f6glichkeiten genau so. Aber von der eigenen Bequemlichkeit r\u00fcckt nat\u00fcrlich keiner so richtig gern ab, und da uns seit Jahrzehnten weisgemacht wird, dass Kaufen gl\u00fccklich macht (<a href=\"https:\/\/denkbonus.wordpress.com\/2013\/04\/06\/wer-glucklich-ist-kauft-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">was nicht der Fall ist<\/a>) und dass Wachstum das Allerwichtigste ist, schieben wir nur allzu gern die eigene Verantwortung von uns &#8211; und verweisen auf\u00a0\u201edie da oben\u201c in der Politik, die gef\u00e4lligst vor allem erst mal was machen sollten!<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es auch etliche politische Ma\u00dfnahmen, die dringend notwendig w\u00e4ren, um einen Kollaps des Weltklimas noch irgendwie abwenden zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Transport von Waren muss teurer werden, gerade der \u00fcber sehr lange Strecken.<\/p>\n<p>Fliegen muss unerschwinglich werden &#8211; dazu sollte zun\u00e4chst mal die Subventionierung von Flugbenzin abgeschafft werden. Und dann k\u00f6nnte man beispielsweise pro geflogenen Kilometer eine Abgabe von einem Euro festsetzen, die direkt in Klimaschutzma\u00dfnahmen investiert wird.<\/p>\n<p>Der \u00d6PNV muss ausgebaut werden, damit es sich einfach nicht mehr lohnt, das Auto zu benutzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/felix-werdermann\/gibt-es-wirklich-eine-sollbruchstelle?utm_content=bufferd159c&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=facebook.com&amp;utm_campaign=buffer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gewollte Obsoleszenz<\/a> muss verboten und streng geahndet werden. Stattdessen sollten Produkte, die gut repariert werden k\u00f6nnen, gef\u00f6rdert werden, genauso wie man Reparaturbetriebe unterst\u00fctzen sollte.<\/p>\n<p>Lokale Produkte m\u00fcssen gef\u00f6rdert werden, wenn diese nachhaltig und \u00f6kologisch hergestellt werden, zum Beispiel durch Steuerentlastungen.<\/p>\n<p>Die fossile Verbrennung muss schnellstm\u00f6glich gestoppt werden &#8211; und nicht erst bis 2050 oder so. Wenn es dazu notwendig ist, die Stromkonzerne wieder in die \u00f6ffentliche Hand zu bekommen, dann muss alles daf\u00fcr in die Wege geleitet werden, um so eine koordinierte Energiewende herbeif\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Massentierhaltung geh\u00f6rt verboten. Fleisch w\u00fcrde dadurch teurer werden, aber dann w\u00fcrden die Menschen eben auch weniger davon essen &#8211; was gut f\u00fcrs Klima w\u00e4re.<\/p>\n<p>Und letztlich hat die Politik daf\u00fcr zu sorgen, dass die Menschen genug Geld zur Verf\u00fcgung haben, damit sie sich vern\u00fcnftig produzierte Sachen auch kaufen k\u00f6nnen, denn leider gibt es ja viel zu viele selbst in unserem reichen Land, die sich nur billigste (und daher meistens unter klimasch\u00e4dlichen Bedingungen hergestellte) Produkte leisten k\u00f6nnen. Daf\u00fcr kann man zum einen die Einkommen erh\u00f6hen, zum anderen Ausgaben der Menschen senken, zum Beispiel durch eine wirkungsvolle Begrenzung der Mieten.<\/p>\n<p>Und wenn man sich nun diese aufgez\u00e4hlten politischen Ma\u00dfnahmen anschaut, dann stellt man fest, dass die im Grund Hand in Hand mit denen gehen, die jeder Einzelne schon mal f\u00fcr sich umsetzen kann.<\/p>\n<p>Dazu wird es notwendig sein, dass wir unseren Lebensstil \u00e4ndern, teilweise auch massiv. Letztendlich w\u00fcrden sich dann aber m. E. neue Formen der Lebensqualit\u00e4t ergeben, die nicht vor allem an immer mehr Konsum festgemacht werden. Und ein wirklich radikales Umdenken ist hier auch absolut notwendig und (auch wenn ich den Begriff sonst nicht sehr mag) alternativlos. Denn wir m\u00fcssen uns eins dabei immer vor Augen halten:<\/p>\n<p><strong>Die Natur verhandelt nicht!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Monaten wurde ja immer offensichtlicher, dass wir die Folgen des Klimawandels nicht mehr nur irgendwo weit weg feststellen m\u00fcssen, sondern dass die uns mittlerweile ganz sch\u00f6n auf die Pelle r\u00fccken. Kann man als Nordeurop\u00e4er \u00fcber D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen in Afrika und Asien oder absaufende Inselstaaten im Pazifik noch recht gro\u00dfz\u00fcgig dr\u00fcber hinwegsehen, so sind einem die Hurrikane, die die USA in immer gr\u00f6\u00dferer Zahl und heftigerer Auspr\u00e4gung heimsuchen, schon ein bisschen n\u00e4her. 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