{"id":9245,"date":"2017-11-20T15:29:40","date_gmt":"2017-11-20T14:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9245"},"modified":"2017-11-20T15:29:40","modified_gmt":"2017-11-20T14:29:40","slug":"einspruch-roberto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9245","title":{"rendered":"Einspruch, Roberto!"},"content":{"rendered":"<p>Roberto De Lapuente ist ja ein von mir sehr gesch\u00e4tzter Autor guter politischer Beitr\u00e4ge, meistens f\u00fcr <em>neulandrebellen<\/em>, von dem wir ja auch schon einiges hier verlinkt haben. Nun las ich letzte Woche seine <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1070293.heppenheimer-hiob-h-dann-wuerde-ich-die-afd-wieder-waehlen.html?pk_campaign=SocialMedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kolumne im <em>neuen deutschland<\/em><\/a>, in der er sich mit dem Verhalten von Linken gegen\u00fcber der AfD bzw. deren Politikern besch\u00e4ftigte. Sein Tenor: Wenn man sich zu aggressiv gegen die Rechtspopulisiten \u00e4u\u00dfert, dann verprellt man eventuell W\u00e4hler, die nur aus Protest die AfD gew\u00e4hlt haben, sich nun aber darin best\u00e4tigt f\u00fchlen, wenn ihre Politiker scharf angegangen werden, sodass man diese Menschen st\u00e4rker an die AfD bindet. Gerade vor dem Hintergrund, dass AfDler sich grunds\u00e4tzlich in der Opferrolle sehen (\u201eAlle gegen uns\u201c &#8211; damit haben die B\u00f6hsen Onkelz ja vor einiger Zeit auch schon m\u00e4chtig Erfolg gehabt), erscheint dieser Einwand durchaus gerechtfertigt. Meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen zeigen mir jedoch, dass es nicht ganz so einfach ist &#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist eine \u00c4u\u00dferung wie die von De Lapuente zitierte, n\u00e4mlich die AfD-Vorsitzende Alice Weidel als\u00a0\u201eNazischlampe\u201c zu titulieren, au\u00dferhalb eines satirischen Kontextes ausgesprochen unangebracht und nicht eben niveauvoll, da bin ich komplett bei ihm. Allerdings sehe ich die Auswirkungen einer solchen Aussage nicht ganz so eindeutig.<\/p>\n<p>Die AfD-Anh\u00e4nger kann man m. E. grob in zwei Gruppen einteilen: Da sind zum einen die reinen Protestw\u00e4hler und zum anderen die wirklich \u00fcberzeugten Rechtsau\u00dfen, die vor allem ihr nationalistisches und rassistisches Weltbild bei der AfD best\u00e4tigt sehen.<\/p>\n<p>Letztere sind auch diejenigen, die die AfD offensiv verteidigen (beispielsweise in sozialen Medien), das sind oft Hardcore-Rassisten, die man nicht mehr \u201ezur\u00fcckgewinnen\u201c kann. Die sind nun vor allem deshalb so laut, weil sie sich durch die AfD vertreten f\u00fchlen, weil sie dort die Positionen \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen und auch dort zu h\u00f6ren bekommen, f\u00fcr die sie fr\u00fcher im eigenen Bekanntenkreis schief angeschaut wurden. Mit diesen Menschen kann man nicht diskutieren &#8211; das habe ich selbst oft genug erlebt, da sie sich in ihrer AfD-Filterblase so geborgen f\u00fchlen, dass alles, was sich dazu negativ \u00e4u\u00dfert, sofort als pers\u00f6nlicher Angriff gewertet und entsprechend aggressiv darauf reagiert wird. (Karl-Heinz Heihse hat in seinem Buch \u201eProtestw\u00e4hler und die AfD\u201c, dass ich vor einiger Zeit <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8556\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em> rezensiert habe<\/a>, dieses Ph\u00e4nomen recht gut beschrieben).<\/p>\n<p>Man muss einfach akzeptieren, dass es eine bestimmte Menge an Rassisten in unserer Gesellschaft gibt, und sollte deren Positionen nicht aufwerten, indem man sie ernst nimmt oder ihrem Gerede \u00fcberhaupt auch nur den Status einer Position einr\u00e4umt. Und da diese Menschen eben auch nicht gerade viel von der Demokratie und ihren Strukturen (z. B. eine freie Presse) halten, ist es nahezu unm\u00f6glich, im Rahmen des demokratischen Austauschs mit ihnen zu reden. Das sind die Unintegrierbaren, und eine gesunde Gesellschaft kann es normalerweise aushalten, einen kleinen Prozentsatz solcher Leute zu haben, ohne dass diese allzu gro\u00dfen Schaden anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer beispielsweise eine 15-j\u00e4hrige Sch\u00fclerin als Denunziantin beschimpft und sich auch bei einem Hinweis, dass die Anzeige einer Straftat keine Denunziantentum ist, da dieses immer aus niederen Beweggr\u00fcnden zu erfolgen hat, nicht davon abbringen l\u00e4sst (das habe ich gerade k\u00fcrzlich bei einer <em>Facebook<\/em>-Diskussion eines entsprechenden <a href=\"http:\/\/www.fr.de\/politik\/meinung\/kommentare\/carsten-haerle-afd-politiker-hetzt-gegen-15-jaehrige-a-1383264\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Frankfurter Rundschau<\/em>-Artikels<\/a> erlebt), der ist nicht bereit, \u00fcberhaupt etwas zu diskutieren, dem geht es nur um Best\u00e4tigung, die sich eben immer wieder in der eigenen Filterblase geholt wird. Und diese ist sch\u00f6n abgeschlossen, daf\u00fcr sorgen deren Initiatoren schon (kritische \u00c4u\u00dferungen werde auch bei noch so sachlichem Vortrag auf AfD-Seiten beispielsweise grunds\u00e4tzlich gel\u00f6scht). Also kann man da nur zusehen, solche Menschen aus den Filterblasen anderer herauszuhalten, damit sie ihren Schmutz nicht noch weiter verbreiten. Sollen sie doch in ihrem eigenen Saft schmoren und sich mit anderen Unbelehrbaren ihre Parolen unter\u00a0\u201eJa, genau!\u201c-Geb\u00f6lke runterbeten &#8211; denen ist eh nicht mehr zu helfen, auch wenn das nun vielleicht ein bisschen hart klingt.<\/p>\n<p>Und dann gibt es da eben auch die reinen Protestw\u00e4hler, doch meiner Erfahrung nach legen sich diese f\u00fcr Weidel, Gauland und Co. nicht unbedingt in der (sozialmedialen) \u00d6ffentlichkeit ins Zeug, die verhalten sich eher dezent, da ihnen die AfD oft genug irgendwie auch ein bisschen peinlich ist. Schlie\u00dflich wei\u00df ja mittlerweile jeder, was f\u00fcr ein Haufen das ist. Diese Menschen kann man in der Tat versuchen, wieder f\u00fcr den demokratischen Diskurs zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Und da komme ich auch dazu, was ich hierbei anders sehe als De Lapuente: Viele dieser W\u00e4hler werden zwar einen politischen Denkzettel verteilen wollen, sind aber mit H\u00f6ckes und Gaulands Verbalpoltereien nicht unbedingt einverstanden. Wenn sie nun mitbekommen, dass andere Menschen, mit denen man sonst eigentlich ganz manierlich reden kann, die AfD vehement ablehnen, dann k\u00f6nnte das eventuell zu einer Best\u00e4tigung der zun\u00e4chst mal hintenangestellten Erkenntnis, dass die AfD im Grunde ein inakzeptabler Haufen ist, f\u00fchren. Alles andere, n\u00e4mlich der Versuch einer ernsthaften Debatte von AfD-Standpunkten, gibt diesen Ansichten n\u00e4mlich nur eine akzeptable Fassade, eine Normalit\u00e4t, die ihnen nicht zusteht.<\/p>\n<p>Die AfD ist n\u00e4mlich keine Alternative und bietet auch keine L\u00f6sungen (das wurde ja bereits in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZPRJYeCOcFs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit Alexander Gauland im <em>ZDF-Morgenmagazin<\/em><\/a> deutlich hervorgehoben). Das sollte man immer wieder deutlich machen und mit klaren Worten hervorheben, sodass Menschen, die AfD wirklich nur aus Protest w\u00e4hlen, au\u00dferhalb ihrer AfD-Filterblase mitbekommen, dass die AfD inakzeptabel ist.<\/p>\n<p>Das bedeutet nun nat\u00fcrlich nicht, dass man die tats\u00e4chlich realen Sorgen der AfD-W\u00e4hler (damit meine ich nat\u00fcrlich nicht so etwas wie die immer wieder proklamierte\u00a0\u201eIslamisierung\u201c,\u00a0\u201e\u00dcberfremdung\u201c oder vor welchen Minderheiten da sonst noch so \u00c4ngste gesch\u00fcrt werden, sondern ganz konkrete materielle Probleme, die auch von AfD-W\u00e4hlern durchaus korrekt wahrgenommen werden; siehe dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5639\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) nicht ernst nehmen sollte oder den Rechtsruck in Deutschland als quasi vom Himmel gefallen ansieht (was er nicht ist, der entspringt ziemlich der sogenannten politischen Mitte; siehe dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Nur wenn man die Ursachen f\u00fcr das Erstarken der AfD erkennt und zu beseitigen versucht, kann man einem weiteren Rechtsruck und damit AfD-Zulauf entgegenwirken. Allerdings muss man daf\u00fcr nicht Diskussionen f\u00fchren mit Menschen, die gar kein Interesse daran haben, eine andere als ihre eigene (menschenverachtende) Meinung auch nur gelten lassen zu wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roberto De Lapuente ist ja ein von mir sehr gesch\u00e4tzter Autor guter politischer Beitr\u00e4ge, meistens f\u00fcr neulandrebellen, von dem wir ja auch schon einiges hier verlinkt haben. Nun las ich letzte Woche seine Kolumne im neuen deutschland, in der er sich mit dem Verhalten von Linken gegen\u00fcber der AfD bzw. deren Politikern besch\u00e4ftigte. Sein Tenor: Wenn man sich zu aggressiv gegen die Rechtspopulisiten \u00e4u\u00dfert, dann verprellt man eventuell W\u00e4hler, die nur aus Protest die AfD gew\u00e4hlt haben, sich nun aber darin best\u00e4tigt f\u00fchlen, wenn ihre Politiker scharf angegangen werden, sodass man diese Menschen st\u00e4rker an die AfD bindet. Gerade vor dem Hintergrund, dass AfDler sich grunds\u00e4tzlich in der Opferrolle sehen (\u201eAlle gegen uns\u201c &#8211; damit haben die B\u00f6hsen Onkelz ja vor einiger Zeit auch schon m\u00e4chtig Erfolg gehabt), erscheint dieser Einwand durchaus gerechtfertigt. 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