{"id":9652,"date":"2018-01-17T19:30:49","date_gmt":"2018-01-17T18:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9652"},"modified":"2018-01-19T23:26:23","modified_gmt":"2018-01-19T22:26:23","slug":"in-der-afd-ist-alles-erlaubt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9652","title":{"rendered":"In der AfD ist alles erlaubt"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche las ich einen <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_kommentare\/In-der-AfD-ist-alles-erlaubt-article20223244.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar von Benjamin Konietzny<\/a> auf der Website von <em>ntv<\/em> mit obigem Titel. Darin wird beschrieben, wie in der AfD jede rechtsextreme oder rassistische Ausf\u00e4lligkeit dann doch irgendwie wieder geduldet wird. Konietzny verweist dabei auf einen moderaten Fl\u00fcgel der AfD, der dem v\u00f6lkischen Teil der Partei wenig entgegenzusetzen hat, wagt aber die Prognose, dass ein Gro\u00dfteil der AfD-Anh\u00e4nger solcher Radikalisierung nicht eben positiv gegen\u00fcberstehen und entt\u00e4uscht werden d\u00fcrfte, wenn dank H\u00f6cke, Gauland und Co. die AfD als Koalitionspartner f\u00fcr eine Regierung schon mal generell auch in Zukunft au\u00dfen vor w\u00e4re. Dabei habe ich allerdings den Eindruck, dass Konietzny den Kern der AfD und ihrer politischen Strategie verkennt.<\/p>\n<p>Zum einen\u00a0fehlt mir bei ihm der Aspekt, dass es m. E. vor allem Karrieristen gibt in der AfD, denen in erster Linie daran gelegen ist, sich sch\u00f6n einen Parlamentsposten zu ergattern, um sich dann entsprechend alimentieren zu lassen.\u00a0Denen kommt (egal, welchem \u201eFl\u00fcgel\u201c sie zuzuordnen sind) das rechte Gepolter gerade recht, denn das bringt \u00d6ffentlichkeit und ist somit PR f\u00fcr die Partei. Daher wird das auch nur allzu gern geduldet. Nat\u00fcrlich sagt man dann ab und zu offiziell, dass man damit nichts zu tun haben will, aber meint das eben auch nicht wirklich ernst (wie ja auch in Konietznys Kommentar durchaus treffend beschrieben beschrieben).<\/p>\n<p>Was diese Leute vor allem wissen, und das ist ein zweiter Aspekt, den man unbedingt ber\u00fccksichtigen muss: Sie d\u00fcrfen gar nicht irgendwo an die Regierung kommen, denn schlie\u00dflich haben sie keine Konzepte, um irgendwas im Sinne des Gro\u00dfteils ihrer W\u00e4hler zu verbessern. Wie substanzlos die Inhalte der AfD sind, w\u00fcrde sich sofort herausstellen, wenn diese tats\u00e4chlich umgesetzt w\u00fcrden. Keinem armen Rentner, keinem Arbeitslosen, keinem Niedrigl\u00f6hner w\u00fcrde es besser gehen, wenn alle Fl\u00fcchtlinge das Land verlassen m\u00fcssten. Das kapieren die AfD-W\u00e4hler nur eben leider nicht &#8211; und die Parteif\u00fchrung wird einen Teufel tun, die auch noch darauf zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Insofern w\u00fcrde sich die AfD ihr (leider durchaus erfolgreiches) \u201eGesch\u00e4ftsmodell\u201c ziemlich versauen, wenn sie tats\u00e4chlich Koalitionsf\u00e4higkeit an den Tag legen und dadurch dann auch politische Verantwortung \u00fcbernehmen w\u00fcrden. Deutlich wird das ja, wenn man sich die Fl\u00fcchtlingspolitik der letzten Jahre und deren Rezeption durch die AfD betrachtet: Die Agitatoren der Rechtspartei tun ja immer noch so, als h\u00e4tte es seit 2015 keine Asylrechtseinschr\u00e4nkungen, keine Aussetzung des Familiennachzugs, keine Schlie\u00dfung der Balkanroute, keine Deals mit Erdogan, libyschen Warlords und afrikanischen Despoten, die der EU die Fl\u00fcchtlinge vom Hals halten sollen, und auch keine Abschiebungen in Kriegsgebiete gegeben &#8211; als w\u00e4re also nicht schon l\u00e4ngst de facto von der Merkel-Regierung quasi AfD-Fl\u00fcchtlingspolitik betrieben worden. Man k\u00f6nnte sich ja nun mit diesem Erfolg, die Bundesregierung derart vor sich hergetrieben zu haben, br\u00fcsten, aber das macht man vonseiten der AfD nicht, da eben das einzige Narrativ, was bei den AfD-W\u00e4hlern verf\u00e4ngt, dann nicht mehr vorhanden w\u00e4re. Und mit ihrem unsozialen ultraneoliberalen Programm kriegen sie ihre W\u00e4hlerklientel sonst nicht an die Urne.<\/p>\n<p>Denn dessen muss man sich immer bewusst sein: Die AfD wird nicht trotz, sondern wegen ihres offensichtlichen Rassismus und Nationalismus gew\u00e4hlt. Es gibt einige Studien (s. beispielsweise\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SINUS-Studie_zum_Rechtsextremismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2012-11\/rechtsextremismus-studie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), die einen Wert um zehn Prozent der Deutschen angeben, die ein geschlossen rechtsextremes Weltbild haben. Wenn die nun alle AfD w\u00e4hlen, dann ist das schon mal ein betr\u00e4chtliches Fundament. Dazu kommen dann noch die sogenannten Protestw\u00e4hler, von denen Konietzny ja annimmt, dass sie von rechtsextremen AfD-\u00c4u\u00dferungen abgeschreckt werden k\u00f6nnten. Allerdings bin ich mir da nicht so sicher, ob das so hinhaut. Viele Protestw\u00e4hler haben eben vom politischen Establishment die Nase gestrichen voll, sodass ihnen alles, was von diesem vehement abgelehnt wird und vermeintlich dagegen anpoltert, erst mal sympathisch erscheint &#8211; besser zumindest als immer die\u00a0\u201egleiche alte So\u00dfe\u201c, als der sich die neoliberalen Parteien eben f\u00fcr viele Menschen darstellen.<\/p>\n<p>Und daher ist es m. E. auch m\u00fc\u00dfig, die AfD in einen vermeintlich moderaten und einen rechtsextrem-v\u00f6lkischen Fl\u00fcgel einzuteilen. Zum einen war rechtes und reaktion\u00e4res Gedankengut schon von Anfang an bei der AfD offensichtlich vertreten (zumindest habe ich das in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1287\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von Anfang 2014<\/a> bereits so beschrieben), es wurde nur von Lucke und seinen Spie\u00dfgesellen zun\u00e4chst mal nicht so in die \u00d6ffentlichkeit hinausgepoltert, wie es nun oftmals der Fall ist. Zum anderen wurden ja auch damals bereits gezielt rechte W\u00e4hlervereinigungen angesprochen, um deren Mitglieder abzuwerben &#8211; mal davon abgesehen, dass der extremistische Neoliberalismus, den die AfD ja auch von Anfang an vertreten hat, ja schon immer gut mit rechtsextremen und faschistischen Tendenzen zusammengepasst hat (das wei\u00df man ja nun schon seit der Pinochet-Diktatur in Chile).<\/p>\n<p>Und dann kommt eben auch noch dazu, dass der offensichtliche Rassismus in der AfD ja nun auch sehr gut dem sich leider immer weiter nach rechts orientierenden Zeitgeist entspricht, wie ich ja auch vor einiger Zeit schon mal bei einer <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Analyse der Ursachen des Rechtsrucks in Deutschland<\/a> festgestellt habe. Das rechte Gekeife von H\u00f6cke und Co. ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen, sondern wurde durch Entwicklungen, die aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft heraus initiiert wurden, gef\u00f6rdert, wenn nicht gar \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>So gern ich mich also der Prognose von Benjamin\u00a0Konietzny anschlie\u00dfen w\u00fcrde, so sehr zweifele ich doch daran, dass die AfD moderater agieren wird oder durch ihren zur Schau gestellten Rechtsextremismus tats\u00e4chlich viele W\u00e4hler verlieren d\u00fcrfte.\u00a0\u201eIn der AfD ist alles erlaubt\u201c &#8211; das ist in der Tat eine richtige Aussage. Aber es ist nicht nur alles erlaubt, sondern eben auch erw\u00fcnscht und wird als dringend notwendig erkannt, um die Ziele der AfD-Karrieristen weiter erfolgreich erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche las ich einen Kommentar von Benjamin Konietzny auf der Website von ntv mit obigem Titel. 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