{"id":9907,"date":"2018-02-16T19:52:57","date_gmt":"2018-02-16T18:52:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9907"},"modified":"2018-02-16T19:54:46","modified_gmt":"2018-02-16T18:54:46","slug":"was-ist-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=9907","title":{"rendered":"Was ist Politik?"},"content":{"rendered":"<p>Fragt man einen halbwegs gebildeten Menschen, wird er anfangen etwas von Demokratie zu erz\u00e4hlen, von Wahlen, Parteien, Parlamenten und Gesetzgebung. Gut in der Schule aufgepasst.<\/p>\n<p>Weniger gebildete werden sagen, Politik ist das, was \u201edie da oben machen\u201c, vielleicht wird noch erg\u00e4nzt, welch unfreundlichen Dinge man mit denen da oben anstellen sollte.<\/p>\n<p>Beide Aussagen haben einiges gemeinsam: Sie sind bequem, gef\u00e4hrlich und falsch. Falsch sind sie deswegen, weil das zu Grunde liegende Verst\u00e4ndnis von Politik viel zu eng gefasst ist.<\/p>\n<p><em>Ein Gastartikel von Oliver Dominus<\/em><\/p>\n<p>Aber was ist dann Politik?<\/p>\n<p>Politik leitet sich vom griechischen Wort \u201epolis\u201c ab. Die Polis war der Stadstaat, vor allem aber war die Polis die Gemeinschaft der in ihr lebenden Menschen. Politik ist demnach ALLES, was das Zusammenleben in der Gemeinschaft betrifft. Politik ist also unendlich viel mehr als das, was in den Parlamenten passiert. Genau genommen haben sehr viele unserer ganz allt\u00e4glichen Handlungen eine politische Dimension.<\/p>\n<p><strong>Warum setzt sich diese weiter gefasste Definition von Politik nicht durch?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz einfach: Sie ist f\u00fcr alle Beteiligten unbequem. F\u00fcr Politiker ist sie unbequem, weil ihre Handlungsspielr\u00e4ume deutlich eingeengt werden. Wenn jeder Mensch bis zu einem bestimmten Grad auch Politiker ist, verlieren Parteien, Parlamente und Regierungen an Macht. Sie k\u00f6nnten weniger frei schalten und walten und m\u00fcssten zwangsl\u00e4ufig die B\u00fcrger st\u00e4rker einbeziehen. Eine Gesellschaft, die sich selbst als politisch begreift, ist in der Lage, viele Entscheidungen der Parlamente und Regierungen auszuhebeln. Wenn Politikern zum Beispiel bewusst ist, dass nach der Privatisierung einer Klinik die Menschen lieber in das n\u00e4chste Krankenhaus in \u00f6ffentlicher Tr\u00e4gerschaft fahren, falls es machbar ist, wird es keine Privatisierung mehr geben. Demnach w\u00fcrde es deutlich schwerer, eine Politik gegen den Willen der Bev\u00f6lkerung zu machen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die B\u00fcrger ist es nat\u00fcrlich bequemer, s\u00e4mtliche Verantwortung auf die Politiker abzuw\u00e4lzen. Man geht alle vier Jahre zur Wahl, muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn Mann sich auf einen Frauenparkplatz stellt, muss auch ansonsten nicht viel reflektieren und kann jeden Freitag beim Stammtisch der Gartenzwergbesitzer herrlich auf die Politiker schimpfen.<\/p>\n<p><strong>Warum ist es gef\u00e4hrlich?<\/strong><\/p>\n<p>Politik findet zunehmend im Elfenbeinturm statt. Das f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu einem Tunnelblick, irgendwann macht man nur noch Politik f\u00fcr die Menschengruppen, die man im Blick hat. Nur leider bekommen Politiker so selten Obdachlose, Schulkinder, Altenpfleger oder Rentner zu Gesicht, denn die leben in einer anderen Welt, einer Welt ohne Empf\u00e4nge, Gesch\u00e4ftsessen und feierliche Er\u00f6ffnungen. Irgenwann betrachten Politiker die normalen B\u00fcrger wie die Schwerkraft: Man wei\u00df, dass es sie gibt, aber man sieht sie nicht.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrger werden also mit einer Klientelpolitik konfrontiert, bei der sie das Nachsehen haben. Sie erleben sich als Spielball, machtlos und ohne jeglichen Einfluss, wie ein Tischtennisball auf den Wellen der sch\u00f6nen Nordsee. Dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit f\u00fchrt zu Frustration, und Frustration f\u00fchrt zur Aggression, und wenn die sich entl\u00e4dt, wird es gef\u00e4hrlich. Gef\u00e4hrlich wird es aber nicht f\u00fcr Politiker, sondern f\u00fcr ausgew\u00e4hlte S\u00fcndenb\u00f6cke, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden noch weniger Macht haben als man selbst: Senioren, Schwule, Migranten, Lesben, Juden, Frauen etc.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrlich ist die Entwicklung aber auch, weil die Interessen der allgemeinen Bev\u00f6lkerung nicht mehr ausreichend ber\u00fccksichtigt werden, das f\u00fchrt zu Umweltverschmutzung, Gift im Essen, Armut durch Umverteilung, mangelhafter medizinischer Versorgung u. v. m. Alles Dinge, die unsere irdische Existenz weder verl\u00e4ngern noch angenehmer gestalten.<\/p>\n<p>Der Ausweg aus dem Dilemma? Sich der eigenen Macht und der eigenen Handlungsm\u00f6glichkeiten bewusst werden und sie gezielt nutzen, zum Beispiel durch gelegentliche Konsumverweigerung. Nicht auf die gro\u00dfe Revolution warten, sondern immer durch viele kleine Handlungen Einfluss nehmen, die jedem von uns ohne Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t m\u00f6glich sind, der Bildung einer Fahrgemeinschaft z. B. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich auch, die Folgen des eigenen Handelns im Blick zu haben, zwischen den eigenen Interessen und denen der Gemeinschaft abzuw\u00e4gen und ein soziales Gewissen zu entwickeln. Nicht vergessen: Was der Gemeinschaft nutzt, nutzt auch dem Individuum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Oliver Dominus<\/p>\n<p>Fragt man einen halbwegs gebildeten Menschen, wird er anfangen etwas von Demokratie zu erz\u00e4hlen, von Wahlen, Parteien, Parlamenten und Gesetzgebung. Gut in der Schule aufgepasst. 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