Interessantes aus KW 31/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Der ifo-Geschäftsklimaindex wird ja gern von vielen Medien als Indikator für die wirtschaftliche Situation in Deutschland herangezogen. In einem Artikel auf neulandrebellen nimmt sich Roberto J. De Lapuente dieses Indexes nun mit spitzer Feder an und beschreibt, was eigentlich dahintersteckt – im Grunde nämlich gar nichts außer ein paar subjektiven Bauchgefühlen von einigen CEOs. Bezeichnend für unseren deutschen Wirtschaftsjournalismus, dass so ein Mumpitz dann immer noch verbreitete Rezeption erfährt. [Karl]

2. Was haben die Ausschreitungen beim G20-Gipfel mit der Automobilindustrie zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, wie Holger Schmale in einem vortrefflichen Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger klarstellt. Die groben Verfehlungen der deutschen Autobauer und die dahintersteckende und politisch tolerierte Missachtung des Rechtsstaates zeigen nämlich, dass die von den Krawallen überdeckte und daher viel zu wenig beachtete linke Systemkritik mehr als angebracht ist – auch wenn in den letzten Wochen von konservativen und (wirtschafts-)liberalen Kräften versucht wurde, diese aufgrund der Randale komplett zu diskreditieren. Volltreffer, Herr Schmale! [Karl]

3. Einen sehr interessantes und vielleicht für einige verstörendes Interview findet sich als vierseitiger Artikel in der Zeit. Der Autor Yuval Harari („Homo Deus“) wird zu seiner Perspektive auf die derzeitige und künftige Entwicklung der Menschheit als Ganzes befragt. Er fragt nach einer globalen Politik, nachdem Wirtschaft, Ökologie und Wissenschaft doch bereits global agieren. Viele stimmige Argumente und sehr nüchtern vorgebracht. Trotzdem klasse zu lesen! [Dirk]

4. Der NSU-Komplex zeichnet sich ja bisher vor allem durch Vertuschungen und angebliche „Pannen“ bei den Ermittlungen aus. Die Vermutung, dass dahinter vielleicht doch System stecken könnte, wird nun erhärtet, wenn man in einem Telepolis-Artikel von Thomas Moser liest, dass die Bundesanwaltschaft im Prozess gegen Beate Zschäpe vollkommen stur an ihrer 3-Täter-Theorie festhält, mit der ausgeschlossen werden soll, dass außer Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch andere Personen an den Morden beteiligt waren. Auf diese Weise werden allerdings etliche Indizien und Zeugenaussagen einfach ignoriert, sodass man den Eindruck bekommt, dass hier von höchster Stelle Vertuschungsarbeit geleistet werden soll. Ob diese ganze NSU-Geschichte überhaupt mal komplett aufgeklärt wird? Ich hab da so meine Zweifel … [Karl]

5. Tom Wellbrock beschäftigt sich in einem Artikel auf neulandrebellen mit der Mietpreisbremse und zeigt auf, dass diese eine ziemlich sinnfreie Angelegenheit ist in ihrer derzeitigen Ausgestaltung. Der Mieter ist nämlich, wenn er tatsächlich gegen eine zu hohe Miete vorgehen möchte, komplett auf sich allein gestellt, sodass die meisten den Weg einer langen Klage gegen ihren Vermieter eher scheuen und stattdessen die überteuerte Miete abdrücken dürften. Wirksamer Mieterschutz geht in jedem Fall anders – aber der scheint mit dieser Mietpreisbremse wohl auch gar nicht gewollt gewesen zu sein. [Karl]

6. In seiner Kolumne auf Spiegel Online findet Jakob Augstein deutliche Worte zum sogenannten Dieselskandal, in dem er das Verhalten der Automobilkonzerne zu Recht als organisierte Kriminalität bezeichnet. Dabei geht er auch auf die zahlreichen Verstrickungen der Autobauer mit der Politik und deren erbärmliches Verhalten ein. Zum gleichen Thema findet sich auf WDR 5 ein interessantes etwa sechsminütiges Interview mit Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, das nicht nur einiges an Hintergrundinfos bietet, sondern in dem auch die Absurdität der Argumentation von Industrie und der von dieser korrumpierten Politik offengelegt wird. [Karl]

7. Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft ist ein Thema, dass die Menschen immer wieder umtreibt. Nun berichtet ein Artikel auf Spiegel Online von einer Umfrage der Universität St. Gallen, in der Menschen in Deutschland gebeten wurden, die Vermögensverteilung einzuschätzen und anzugeben, was sie als ideale Verteilung ansehen würden. Die Resultate zusammengefasst: Die Ungleichheit wird als wesentlich geringer eingeschätzt, als sie tatsächlich ist – und dennoch wollen alle mehr Gleichheit bei der Verteilung von Vermögen und Einkommen (selbst FDP-Wähler, die aber generell auch hier den größten Hang zu unsozialem Denken zeigen). Fragt sich nur, warum dann fast alle Wähler für Parteien stimmen, die diese Ungleichheit weiter vorantreiben, anstatt sie zu verringern … [Karl]

8. In einem Kommentar im Tagesspiegel beschreibt Harald Schumann treffend die Unsinnigkeit der Kritik von gerade deutschen rechtskonservativen Politikern und Medien an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Wer nur eine Enteignung der kleinen deutschen Sparer als Skandal postuliere, verkenne, dass diese EZB-Politik notwendig ist, um die Eurozone überhaupt zusammenzuhalten und damit gerade die deutsche Wirtschaft vor einem totalen Crash zu schützen. Sehr richtig – und wichtig, auf diesen Umstand immer mal wieder hinzuweisen. [Karl]

9. Arend Hintze arbeitet als Forscher an der Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI). In einem Artikel für der Freitag schildert er nun seine Sichtweise auf die ethischen Aspekte, die bei einer derartigen Technologie ja nun eine wichtige Rolle spielen, und kommt auch auf seine Befürchtungen zu sprechen, was passieren könnte, wenn KI tatsächlich eines Tages dem Menschen überlegen sein könnte. Ein spannender Einblick in einer Forschungsdisziplin, die unser Leben heute schon in Teilbereichen prägt und zukünftig wohl noch deutlich mehr beeinflussen wird. [Karl]

10. Ein interessantes Beispiel, wie das Denken die Wahrnehmung der Realität bestimmt und zuweilen verzerrt, zeigt ein Artikel in Der Westen: In einer rechtsorientierten norwegischen Facebook-Gruppe wurde ein Bild von Bussitzen gepostet und die Frage an die Gruppenmitglieder gerichtet, was sie dort sähen. Die Antworten waren überwiegend: vollverschleierte Muslima mit Burkas – was natürlich zu hitzigen Kommentaren führte. Hinweise, dass es sich dabei nur um Bussitze handeln würde, wurden dabei weitestgehend ignoriert. Tja, wenn man nur das sieht, was man unbedingt sehen will, um sein Weltbild bestätigt zu bekommen oder sich aufregen zu können … [Karl]

11. Jens Berger beschreibt in einem Artikel auf den NachDenkSeiten sehr treffend das Dilemma des sogenannten Diesel-Gipfels. Dieser wird zwar in vielen Medien als Sieg der deutschen Automobilindustrie aufgefasst, allerdings dürften die EU-Kommission und die Gerichte bald dafür sorgen, dass die Tricksereien der Autohersteller bald ein Ende finden. Neben interessanten technischen Hintergrundinfos zu dem Thema weist Berger zudem darauf hin, dass dieses Problem kein rein deutsches ist, sondern auch ausländische Unternehmen nicht eben verbraucherfreundlicher agierten. Es wäre also an der Zeit, das Modell des motorisierten Individualverkehrs generell mal zu überdenken, finde ich. [Karl]

12. Bleiben wir beim Thema Autos: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erläutert der Politologe Markus Wissen, warum er gerade SUVs für beispielhaft für unsere imperiale Lebensweise hält. Was er unter Letzterer genau versteht, erläutert er darüber hinaus, und das ist dann ausgesprochen interessant, denn es geht dabei darum, dass wir auf Kosten von Menschen in anderen Ländern und in der Zukunft leben, dieses Verhalten aber so weit in unseren Alltag integriert haben, dass wir es als vollkommen normal ansehen. [Karl]

13. Und noch was zum Thema Auto: Was in dem Interview mit Markus Wissen auch kritisch angesprochen wird, ist die Elektromobilität. Hierzu findet sich nun ein etwa achtminütiges Interview im Deutschlandfunk (liegt dort auch in transkribierter Form vor) mit Dieter Teufel, dem Leiter des Umwelt- und Prognoseinstituts. Dieser stellt fest, dass in der Gesamtbilanz, also Verbrauch und Herstellung, ein Elektroauto in etwa genauso schädlich ist wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, sodass die Gesetzgebung, die E-Autos bevorzugt, vor allem unter Einfluss der Automobilindustrie entstanden ist, damit diese insgesamt mehr größere Spritfresser verkaufen kann, sodass in der Gesamtrechnung E-Autos sogar zu höheren CO2-Emissionen führen. [Karl]

14. Jürgen Stryjak äußert sich in einem knapp dreiminütigen Kommentar im Deutschlandfunk mit ziemlicher Verbitterung über die nach wie vor katastrophale humanitäre Situation im Jemen. Nicht nur das Elend der dortigen Bevölkerung, die neben dem Zusammenbrechen der Nahrungsmittelversorgung nun auch von einer Cholera-Epidemie gebeutelt werden macht einen wütend, sondern eben auch die Ignoranz der westlichen Welt, was diesen Krieg angeht, weil man es sich mit der Kriegspartei Saudi-Arabien eben nicht verderben möchte. [Karl]

15. NGOs retten Flüchtlinge im Mittelmeer, sodass nicht ganz so viele Menschen dort ertrinken. Dies ist der Politik allerdings ein Dorn im Auge, so nun auch wieder in Italien, dass ein paar Jahre einen liberaleren Kurs gefahren hatte. Hier wird auf politische Aufforderung juristisch gegen die NGO „Jugend rettet“ vorgegangen, was Christian Jakob in einem Kommentar in der taz deutlich kritisiert. Nicht nur aus humanitären, sondern auch aus rechtsstaatlichen Gründen ist so ein Vorgehen nämlich ausgesprochen fragwürdig. [Karl]

16. Für die NachDenkSeiten führte Marcus Klöckner ein Interview mit Michael Buback, dem Sohn des 1977 von RAF-Terroristen ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Darin geht es um haarsträubende Ungereimtheiten bei den Ermittlungen zu diesem Anschlag, die einen an das Oktoberfestattentat und den NSU-Komplex denken lassen. Vermutlich war nämlich Verena Becker die Todesschützin, da diese allerdings für den Verfassungsschutz tätig war, wurde über sie eine sogenannte „schützende Hand“ gehalten. Quellenschutz wird also höher bewertet als die Aufklärung eines Mordes – ganz schön starker Tobak! [Karl]

17. Die Dokureihe ZDFzoom hat sich diese Woche in einem 28-minütigen Beitrag mit der schlechten Entlohnung von Polizisten, Lehrern und Verkäufern beschäftigt, und da kann man auch nur noch kotzen. Nebenher geht es auch um die allgemeine Finanzierung unserer Schulen, und wie so oft frage ich mich, warum das Geld noch immer nicht in Bildung investiert wird. Alles in allem entwickelt sich Deutschland zu einem rein ökonomischen Konstrukt, und das ist nicht gut so … [Dirk]

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