Unsere Erwartungshaltung scheint uns logisch, denn sie beruht auf Erfahrung, Beobachtung und anderen biografischen Faktoren, die uns schlüssig erscheinen. Es ist generell auch eine gute Idee, dass man sein Verhalten und seine Erwartungen an das selbst Erlebte oder einem schlüssig Erscheinende anpasst. Aber es ist eben nur eine Perspektive, die von unserer Biografie bestimmt wird, die wir selbst aber nur zu einem sehr geringen Teil „frei gewählt“ haben. Es gibt aber über 8 Milliarden Menschen und damit 8 Milliarden Biografien, und deshalb frage ich, wie es Deichkind in ihrem Video fragen: „Wer sagt denn das?“
Kategorie: Psychologisches
Lebenskonzepte: der Konflikt der Erfahrungen
„Das Verständnis und die Akzeptanz füreinander sind in fast allen Gesellschaften meistens auf das beschränkt, was wir kennen.“ So fing schon mein letzter Beitrag an, und hier möchte ich noch einmal ansetzen, jedoch mit einem anderen Fokus. Ein gängiger Spruch ist, dass jemand so oder so „tickt“. Das ist naürlich erst einmal sehr generalisierend, denn es vermittelt den Eindruck, dass man eine Person in eine bestimmte Schublade/Kategorie einsortiert (und fertig?). Das trifft auf einzelne Eigenschaften sicher auch oft zu, wobei man selbst sich nicht gern in einer solchen Schublade sieht und aus meiner Sicht die meisten Personen und Dinge nicht schwarz oder weiß sind, sondern sich eher in dem Grau dazwischen aufhalten. So wie ich die Dinge gruppieren oder einsortiere, sagt erst einmal etwas über mich aus, denn ich kann Dinge nur in die Schubladen sortieren, die ich selbst (aufgrund meiner Erfahrungen) angelegt habe. Und hier kommt der Punkt: Was nicht passt, wird passend gemacht.
Kognitive Dissonanzen
Zwei Sachen gut finden, die eigentlich nicht vereinbar sind. Sich anders verhalten, als es den eigenen Überzeugungen entspricht. Bestimmte Tatsachen einfach ausblenden, weil sie nicht zur eigenen Weltsicht passen. Das findet sich gerade immer häufiger vor allem bei AfD-Politikern und -Jüngern sowie auch in der CDU und bei deren Anhang. Und dafür gibt es auch einen Begriff: kognitive Dissonanz.
Die verheerendste Sucht: Geldsucht
Sucht. Im Duden steht dazu: „krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel o. Ä. / übersteigertes Verlangen nach etwas, einem bestimmten Tun / Krankheit“. Im Prinzip ist es sehr einfach und betrifft zumindest alle Säugetiere: Eine Tätigkeit, die das Ausschütten von Glückshormonen verursacht, wird immer wieder vollzogen und sogar gesteigert. Das kann so ziemlich alles sein, was ein kurzes Glücksgefühl beschert: Drogen/Alkohol, Essen, Sex, Einkauf, Sport oder was immer uns (kurzzeitig) glücklich macht. Dabei verlieren wir das Gefühl für die Verhältnismäßigkeit und versuchen, durch Steigerung der Dosis oder Frequenz den ursprünglichen „Kick“ wiederzuerlangen.
Falsch bleibt falsch (Täter-Opfer-Umkehr)
Unsere Meinung ist ein hohes Gut, und es ist wichtig, dass man seine Meinung verteidigt und reflektiert. Sie ist ein Teil unserer Persönlichkeit, und entsprechend fühlen wir uns persönlich angegriffen, wenn jemand unsere Meinung diskreditiert. Allerdings ist unsere Meinung in vielen Fällen nicht unumstößlich und kann sich den Gegebenheiten anpassen, wenn sich die Umstände oder unsere Einstellung ändern, und auch das ist gut so! In einer Zeit, in der Menschen so ziemlich alles ihren persönlich Vorlieben anpassen können (vom Namen über die Frisur bis zum Geschlecht), sollte auch die Meinung so reflektiert werden, wie man in den Spiegel schaut und noch einmal den Kamm schwingt oder den Eyeliner zückt. Aber an dieser Stelle scheinen sich viele Menschen schwer damit zu tun.
Das Ende des digitalen Vertrauens
Endlich ist sie im Mainstream angekommen, der heiße Scheiß, die lang ersehnte Entlastung für aufwendige Recherchen und Vergleiche, die Antwort auf alle Fragen: „KI“ (künstliche Intelligenz). Was man nicht alles damit machen kann: Chatbots, digitale Autoren, realitätsnahe Bildkreationen, Videos und Stimmen. Was für die einen ein Segen der Entlastung ist, ist für die anderen das Ende des Vertrauens in das Internet.
Das organische Dilemma
Der Mensch, das einzige Lebewesen der Erde, das rationale Entscheidungen trifft und dessen Intelligenz die aller anderer Lebewesen auf diesem Planeten hinter sich lässt. So nehmen die meisten Menschen sich und ihre Umwelt wahr, wobei alle politischen oder kulturellen Gegner natürlich mit ihrer Rationalität „falsch“ liegen. Wie rational kann man sein, wenn andere die genaue Gegenposition für rational halten? Und wie kommen wir darauf, dass Wildtiere ihre Entscheidungen nicht auf der gleichen Grundlage treffen wie wir?
Toxischer Gegenpol: junge woke Nonbinäre
Jeder kennt sie: „alte weiße Männer“. Sie sind der Inbegriff für ein machtversessenen Menschentyp, der sexistisch und rassistisch auf seine Privilegien pocht. Statistisch kann man das wahrscheinlich auch darstellen, wenn man sich die CEOs westlicher Staaten anschaut. Aber wo ist der Unterschied zu einem rassistischem und/oder sexistischem Weltbild, wenn ich Menschen wegen ihres Geschlechts, Aussehens und Alter in diese Schublade stecke? Ich weiß nicht, was jemand dafür kann, die Gunst der frühen Geburt („alt“), die helle Pigmentierung der Haut („weiß“) und das Privileg des männlichen Geschlechts („Mann“) zu haben. Was ist daran besser oder schlechter, Menschen wegen ihres jugendlichen Alters, ihrer (möglichen) ausländischen Herkunft und ihres ebenso wenig gewählten (sondern biologischen) männlichen Geschlechts vorzuverurteilen? Das ist schlichtweg die diametral entgegengesetzte Vorverurteilung: gleiches Niveau und ebenso einfältig und unreflektiert.
Klimaschutz muss gesellschaftlich akzeptiert sein?
Diesen Satz höre und lese ich doch immer wieder. Und während die Schlauschwätzer, aus deren Mund diese Worte kommen, ihre Hand vor den Augen nicht mehr sehen, verschwinden die Arten, und die Umwelt leidet vor sich hin – das Klima erwärmt sich weiter. Aber wird ja schon alles nicht so schlimm werden, solange die Gesellschaft Klimaschutz nicht akzeptiert, ist doch alles gut, nicht wahr?
Vom KindlICHen (ICH) zum Erwachsenen (WIR)
Wer viel mit Kindern zu tun hat, selbst Kinder aufzieht oder sich gut an seine eigene Entwicklung erinnern kann, der weiß: Kinder sind zwar offen für vieles, aber häufig geht es erst einmal um die eigenen Interessen und Motivationen. Mit zunehmendem Alter entwickelt man eine Vorstellung vom ICH und hat damit die Möglichkeit, sich über das WIR Gedanken zu machen. Findet diese Entwicklung nicht statt oder wird stark gestört, hat die Gesellschaft die asozialen oder egoistischen Verhaltensweisen mitzutragen. Dieses Verhalten ist weder gewollt, noch wird es aus reflektierten Gründen beibehalten, sondern es erhält sich selbst aus Mangel an Information, Reflexion und den eigenen Möglichkeiten, das Erlebte neu und im Zusammenhang einzuordnen.

