Vor Kurzem las ich einen Artikel, in dem der ehemalige Rechtsextremist Philip Schlaffer zu Wort kam und äußerte, dass es zurzeit eine sehr bedenkliche Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen gäbe, rechtsradikales Gedankengut aufzusagen und sich entsprechend politisch zu positionieren. Schlaffer, den man wirklich als Fachmann mit authentischem Insider-Wissen bezeichnen kann, zeigt sich deswegen überrascht. Und da frage ich mich dann: warum eigentlich?
Schlagwort: soziale Medien
Klarnamenpflicht
Ende letzten Jahres hat der ehemalige Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle vorgeschlagen, eine Klarnamenpflicht für soziale Medien einzuführen. Klingt erst mal sinnvoll, um so Hetzer und Pöbler aus der Anonymität zu holen, allerdings gibt es auch ein paar Sachen, die man dabei doch bedenken sollte.
Antiquierte Anti-Queere
Der FC St. Pauli steht schon seit vielen Jahren für Vielfalt, Diversität sowie eine emanzipatorische, antirassistische und antifaschistische Haltung. Zudem findet sich immer wieder die Regenbogenfahne dort, beispielsweise als Kapitänsbinde oder auch als Farben auf den Trikots. Das schmeckt natürlich einigen ewiggestrigen Holzköpfen gar nicht – und von denen gibt es im Fußball leider immer noch viel zu viele. Und sie sind durchaus lautstark.
Die Willkür von Konzernen
Heute bekam ich eine E-Mail von einem kleinen Platten-Label, bei dem ich schon mal etwas bestellt habe, die zeigt, wie unschön es ist, dass wir unsere Kommunikation von irgendwelchen Konzernen abhängig machen, die einfach willkürlich so handeln können, wie sie wollen.
Die alten weißen Männer sind (leider) nicht müde …
Letzten Monat fand ja das Flugmanöver „Air Defender“ statt, und hier in Schleswig-Holstein, genauer in Rendsburg, hatten wir richtig schön was davon, weil nämlich dauernd extrem laute Düsenjäger über unsere Köpfe gedonnert sind. War schon reichlich nervig.
Diskussionen mit Rechten – ein bezeichnendes Beispiel
Über die Unfruchtbarkeit von Diskussionen mit Rechten oder gar Rechtsextremen habe ich mich ja vor ein paar Jahren schon mal in einem Artikel ausgelassen, jetzt habe ich kürzlich allerdings wieder ein so bezeichnendes Beispiel dafür erleben müssen, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Daran sieht man nämlich exemplarisch, wie Rechte überhaupt nicht an einer Diskussion interessiert sind und in die immer gleichen Muster verfallen, wenn jemand etwas äußert, was nicht ihrem eigenen Weltbild entspricht.
Facebook und die Daten
Facebook steht zurzeit massiv in der Kritik aufgrund der Enthüllungen eines Whistleblowers der Firma Cambridge Analytica. Da ist von Datenklau und Gefährdung der Demokratie durch Manipulation von Wählern die Rede, sodass mittlerweile schon die User vonseiten einige Medien und Politiker dazu aufgefordert werden, ihren Account beim weltweit größten sozialen Netzwerk zu löschen. Das Feindbild passt ja auch zu schön, denn Cambridge Analytica hat US-Präsident Donald Trump in seinem Wahlkampf unterstützt. Dennoch bekomme ich den Eindruck, dass diese Diskussion weitgehend in eine vollkommen falsche Richtung läuft.
Der Infokrieg der Rechten
In den letzten Wochenhinweisen haben wir ja bereits einen Artikel verlinkt, in dem es um rechte Trolle geht, die sich über das Netzwerk Reconquista Germanica organisieren und auf diese Weise gezielt die öffentliche Meinung zu beeinflussen suchen. Nun wurden gerade die Ergebnisse einer umfangreichen Social-Media-Analyse, die sich mit Hasskommentaren beschäftigt hat, veröffentlicht, die zeigen, dass es sich bei vielen Hetzern, die sich in sozialen Medien in den Kommentarspalten von Zeitungen und politischen Portalen äußern, um eine sehr kleine Gruppe handelt, die mithilfe von Fake-Accounts für einen Großteil der Likes von rechten Hasskommentaren verantwortlich ist. Das ist alles andere als harmlos, da auf diese Weise die öffentliche Meinung massiv manipuliert wird.
Mensch und Politik heute
Gerade letzte Woche schrieb ich ja einen Artikel, in dem es um die zu beobachtende Verrohung und Radikalisierung in den sozialen Medien und deren Ursachen geht. Quintessenz: Wir sollten das Netz und die dortige Diskussionskultur nicht den Rechten und Radikalisierten überlassen, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass politischer Diskurs auch mit Anstand geführt werden kann. Insofern freue ich mich nun, als Teil des Admin- und Radaktionsteams von der Facebook-Seite Mensch und Politik heute auch ganz praktisch einen Teil dazu beitragen zu können.
Soziale Medien – ein Hort der rechten Radikalisierung?
Heute habe ich einen Artikel von Tim Ehlers im Magazin Katapult gelesen, in dem es um eine US-amerikanische Studie geht, in der zwei Psychologinnen den Zusammenhang zwischen Facebook-Nutzung und Zustimmung zu rassistischen Positionen untersucht haben. Die Quintessenz: Vielnutzer des sozialen Netzwerks tendieren dazu, auch rassistischen Standpunkten zuzustimmen, da zum einen die Nutzung von Facebook die Fähigkeit zur Konzentration und das Erinnerungsvermögen negativ beeinflussen würde und zum anderen viele Nutzer vor allem wegen Zugehörigkeit zu anderen dort Zeit verbringen würden, sodass sie weniger kritisch und mehr zustimmend auch an fremdenfeindliche und rechtslastige Beiträge herangingen und diesen sogar zustimmten.

