Der ewige Gärtner

Der mit einigen Preisen dotierte Film „Der ewige Gärtner“ (129 Minuten) von Regisseur Fernando Mirelles („City Of Gods“) ist zwar schon von 2005, aber das darin behandelte Thema dürfte nach wie vor sehr aktuell sein. In der Verfilmung eines Romans von John Le Carré geht es um illegale Experimente, die von Pharmakonzernen in Afrika an unwissenden Menschen durchgeführt werden – mit zum Teil tödlichen Folgen.

Zur Story: Justin Quayle ist britischer Diplomat in Kenia, dessen junge Frau Tessa ermordet wird, als sie mit dem befreundeten Arzt Arnold Bluhm im Norden des Landes unterwegs ist. In Rückblenden wird nun geschildert, wie sich Justin und Tessa kennenlernten, wie sie sich um arme Menschen in Nairobis Slums kümmert und dabei bemerkt, dass im Rahmen von HIV-Tests auch andere Medikamente verabreicht werden. Als sie im Krankenhaus lag und eine Totgeburt erlitt, starb eine junge Frau in ihrer unmittelbaren Nähe, woraufhin Tessa gemeinsam mit Bluhm zu recherchieren beginnt. Dabei kommt sie einem Komplott auf die Spur, das bis in höchste diplomatische Kreise reicht. Als sie diese Informationen weitergibt an einen Freund ihres Mannes, begibt sie sich in höchste Lebensgefahr.

Nach Tessas Tod beginnt nun Justin, der von Tessa zuvor nicht in ihre Erkenntnisse eingeweiht wurde, da sie ihm nicht seine Karrierechancen verbauen wollte, selbst zu ermitteln, wie es zum Tod seiner Frau kommen konnte. Trotz vieler Warnungen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, zeigt er sich beharrlich und spürt so dem nach, was Tessa enthüllt hatte – mit dramatischen Konsequenzen!

Mirelles erzählt diese Geschichte zum einen auf eher etwas behäbige Art und Weise, sodass der Zuschauer Zeit hat, sich in die Charaktere hineinzufinden, zum anderen aber auch mit teilweise verwackelter und unruhiger Kameraführung, was dem Ganzen einen realistischen Anstrich verpasst. Dieser Kontrast ist, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, durchaus sehr reizvoll und sorgt für eine authentische beklemmende Atmosphäre. Die Spannung wird bis zum Schluss aufrechterhalten, da das Geflecht aus den illegalen Machenschaften von Pharmaindustrie, Diplomatie und lokaler Politik Stück für Stück erkennbar wird.

Das diese fiktive Handlung einen sehr realen Hintergrund hat, wurde ja seit dem Erscheinen des Films immer mal wieder thematisiert (z. B. hier), wenn herauskam dass Pharmafirmen Experimente an Menschen in afrikanischen und asiatischen Ländern durchführen. Und auch John Le Carré, der ja bei seinen Geschichten stets um Authentizität bemüht ist, um den Handlungsrahmen realistisch erscheinen zu lassen, bestätigt dies in einem Zitat, das ziemlich am Ende des Abspanns zu finden ist:

As my journey through the pharmaceutical jungle progressed, I came to realize that, by comparison with the reality, my story was as tame as a holiday postcard. – Im Zuge meiner Reise durch den pharmazeutischen Dschungel wurde mir bewusst, dass, verglichen mit der Realität, meine Geschichte so harmlos ist wie eine Urlaubspostkarte.

Deutliche Worte, die ein Selbstverständnis beschreiben, das leider typisch ist für unsere westliche Sichtweise der Welt: Der globale Süden ist vor allem dazu da, unseren Lebensstandard zu erhalten und unser Leben angenehmer zu machen – egal, wie es den Menschen dort dabei ergeht. Wir nutzen diese armen Länder also nicht nur als Ressourcenlieferant, Müllkippe, Absatzmarkt für unsere Überproduktion und Reservoir billigster Arbeitskräfte, sondern auch als Versuchskaninchen für unsere Gesundheit.

Ein bedrückendes Thema, das in Form einer sehr persönlichen Erzählung und mit streckenweise beeindruckenden Bildern hervorragend (und dabei auch spannungsreich) umgesetzt wurde. Insofern ist „Der ewige Gärtner“ eine unbedingte Empfehlung meinerseits. Trotz der zahlreichen Auszeichnungen war mir der Film bisher auch noch überhaupt nicht bekannt – und ich schätze mal, das dürfte vielen von Euch auch so gehen.

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