Miteinander – nicht gegeneinander

Ein Gastartikel von Markus Mansius

Immer wieder bekommt man zu hören, dass der Klimawandel zu sehr hochstilisiert würden, damit Konzernen neue Geschäftsmodelle erschlossen würden oder die Politik neue Steuern erheben könne, dabei wären die sozialen Probleme doch viel wichtiger. Und Fridays-for Future bestünde ja nur aus verwöhnten Handy-Gören, die Wasser predigen und Wein trinken würden.

Anscheinend begreifen es viele immer noch nicht: Der Klimawandel bedroht unsere ganze Zivilisation, erst vor Kurzem wurden in der Arktis, 900 Kilometer vom Nordpol, mit 21 Grad die dort höchsten Temperaturen aller Zeiten gemessen. Das Eis schmilzt weiter, es wird immer weniger, der Meeresspiegel wird daher weiter steigen, es wird immer wärmer, Wetterextreme nehmen zu, irgendwann kippt alles, und dann gibt es kein Zurück mehr. Wir spüren die ersten Auswirkungen schon längst, und zudem läuft es schneller ab, als von den Wissenschaftlern vorausgesagt.

Soviel zum Klimawandel. Und natürlich – die sozialen Probleme sind genauso wichtig. Die Ungleichheit steigt immer weiter, genau wie die Mieten in Städten, fast jeder zweite Arbeitnehmer ist von Altersarmut bedroht. Es wählt aber eben trotzdem fast keiner Parteien wie. z. B. die Linkspartei, die, was richtig und wichtig ist, jetzt beides gemeinsam angehen will. Die Grünen erleben dafür gerade einen unverdienten Höhenflug, obwohl sie im Bundesrat für LNG-Terminals gestimmt haben – wobei jedem bekannt gewesen sein müsste, dass auch Fracking-Gas aus den USA dort abgefertigt wird -, trotz ihrer Ambitionen, die Kapazitäten des Frankfurter Flughafens stark zu erhöhen, obwohl sie in Hamburg damals für das Kohlekraftwerk Moorburg gestimmt haben, dem Hambacher Forst den Todesstoß geben wollten und viele andere Maßnahmen, die ihren Aussagen widersprechen, in die Wege geleitet haben.

Aber zurück zu den Schülern. Die gehen für ihre Zukunft eben auf die Straße, die Mieter, die Hartz-IV-Empfänger, die Zeitarbeiter, die Niedriglöhner tun dies eben nicht oder nur sporadisch. Das müssen die Schüler noch mit erledigen, denn neben dem Klimawandel ist massive Kapitalismuskritik ebenfalls Bestandteil vieler Demonstrationen. Aber wo sind eigentlich die ganzen Betroffenen, die sie unterstützen könnten, die für eine bessere, gerechtere Welt kämpfen wollen? Gibt es die überhaupt – oder wollen die nur für sich selbst etwas Besseres erreichen? Denn die meisten stehen bei den Demos am Straßenrand, glotzen und machen lieber Handyfotos. Den Aufforderungen mitzugehen kommt keiner nach. Das habe ich selbst erlebt. Würden alle gemeinsam für die Sache einstehen, gäbe es für die antisoziale und umweltfeindliche Politik keine Zukunft mehr, aber statt FfF zu unterstützen, werden diese Kids oftmals für die CO2-Steuer (fordern sie eigentlich überhaupt nicht mehr) und wegen des Schuleschwänzens beschuldigt. Warum ist es nicht möglich, eine große Koalition der Menschen für Klimaschutz und für soziale Gerechtigkeit zu bilden und zusammen für beides auf die Straße zu gehen?

Ist die Gesellschaft schon dermaßen gespalten?

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