Interessantes aus KW 9/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. In einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik zeichnet Benet Lehmann den Lebensweg von Esther Bejarano nach. Die im letzten Jahr im Juli verstorbene Auschwitz-Überlebende war eine beeindruckende Zeitzeugin mit hoher Medienpräsenz – was allerdings nicht immer so war, denn einen großen Teil ihres Lebens hat sie eher in (klein)bürgerlichen Verhältnissen verbracht. Da altersbedingt immer weniger Holocaust-Überlebende übrig bleiben, um von ihren Erfahrungen zu berichten, ist es umso wichtiger, dass jüngere Generationen das Andenken an das unbeschreibliche Grauen aufrechterhalten. [Karl]

2. Während zurzeit der öffentliche Fokus eindeutig auf dem Krieg in der Ukraine liegt, macht die Klimakatastrophe leider keine Pause. Das bekommen gerade die Australier besonders hart zu spüren: Nachdem dort im letzten Jahr gewaltige Waldbrände wüteten, suchen nun extreme Regenfälle mit daraus resultierenden Überschwemmungen Teile des Landes heim, wie aus einem Artikel auf Spiegel Online hervorgeht. Die Zahl der Toten und Vermissten steigt, und es ist leider noch kein Ende in Sicht, da weitere Stürme mit Starkregen erwartet werden. [Karl]

3. Im Zuge des Wirecard-Prozesses sind nun laut einem Artikel auf tagesschau.de neue Dokumente aufgetaucht, die den ehemaligen Chef des Skandalunternehmens Markus Braun belasten. Darin geht es um zirkulierende Finanztransaktionen, bei denen vieles darauf hindeutet, dass sie vor allem dazu dienten, Geld aus dem Konzern zu ziehen und zu veruntreuen. Braun bestreitet natürlich mal wieder alles, aber das ist ja nun auch nicht sonderlich überraschend. [Karl]

4. Katja Thorwarth hat für die Frankfurter Rundschau ein Interview mit Jutta Ditfurth geführt. Und es ist sehr interessant, was die Soziologin, Autorin und ehemalige Grünen-Politikerin, die jetzt für die Ökologische Linke in Frankfurt politisch aktiv ist, zum Krieg in der Ukraine zu sagen hat. Sie kritisiert nämlich deutlich die gerade von der Bundesregierung beschlossenen deutlich erhöhten Rüstungsausgaben und zeigt auf, welche nicht nur geopolitischen Konsequenzen das haben kann, sondern auch was hierzulande die Auswirkungen sein werden, da diese Milliardenbeträge ja irgendwo anders eingespart werden müssen. Es ist wohltuend, auch mal eine pazifistische Stimme in der derzeit sehr aufgeheizten öffentlichen Debatte zu hören! [Karl]

5. Und noch was zum Krieg in der Ukraine: In einem Kommentar auf Über Medien beklagt Emran Feroz den offenkundigen Rassismus, der bei vielen öffentlich getätigten Äußerungen zu diesem Konflikt mitschwingt. Da werden die Ukrainer als uns Europäern näherstehender und zivilisierter bezeichnet als beispielsweise Menschen aus Afghanistan oder Syrien, die ebenfalls vor einem Krieg fliehen. Das geht sogar so weit, dass dieser Konflikt nun benutzt wird, um andere Geflüchtete zu diskreditieren, da ukrainische Männer eben heldenhaft ihr Land verteidigen würden, während andere feige fliehen würden – ohne dabei die Unterschiede der Kriege zu berücksichtigen. Ekelhaft, was da so zum Vorschein kommt. [Karl]

6. Und das im vorherigen Hinweis Geschilderte ist nicht die einzige Form von Rassismus, die sich da nun im Zuge des Ukraine-Krieges Bahn bricht. So berichtet ein Artikel von ntv, dass nicht weiße Menschen bei der Flucht aus der Ukraine an der Grenze massiv behindert und teilweise sogar am Verlassen des Landes gehindert wurden. Dabei handelt es sich überwiegend um Studenten aus Indien und afrikanische Ländern. Wer doch rausgekommen ist, hat dann an der polnischen Grenze schon wieder mit rassistischen Beamten zu tun. Und auch aus Deutschland wird berichtet, dass in Zügen an der deutsch-polnischen Grenze vor allem dunkelhäutige Menschen kontrolliert wurden. [Karl]

7. Wenn komplett Wahnsinnige eine Möglichkeit bekommen, ihren Irrsinn weit zu verbreiten, dann wird’s brandgefährlich. So fordert, wie aus einem Kommentar von Oliver Maksan in der Neuen Zürcher Zeitung hervorgeht, Springer-Chef Mathias Döpfner doch auf der BILD-Website tatsächlich, dass die Nato sich militärisch in der Ukraine einschalten sollte. Dass dies vermutlich einen Dritten Weltkrieg auslösen und damit unter Umständen auch das Ende allen Lebens auf unserem Planeten bedeuten würde, scheint Döpfner nicht zu kümmern. Die Kriegshetze und -geilheit wird also noch mal auf ein neues Level gehievt. [Karl]

8. Eine militärisch überlegene Macht mit einem despotischen Herrscher marschiert in ein Nachbarland ein, attackiert dort auch Zivilisten und will eigene politische Strukturen dort etablieren. Die Rede ist hier jetzt nicht von Russland und der Ukraine, sondern von dem, was die Türkei seit 2018 in Nordsyrien mit den kurdischen Autonomiegebieten veranstaltet – und seit dem Ukraine-Krieg offensichtlich noch mal wieder forciert hat, wie ein Artikel von German-Foreign-Policy.com berichtet. Unterstützung erhält die Türkei dabei von der Nato und auch von Deutschland, das nach wie vor Waffen dorthin liefert. Ach ja: Und als Sahnehäubchen paktiert die Türkei dabei auch noch mit IS-Dschihadisten. Wie war das noch mal mit zweierlei Maß und so? [Karl]

9. Thomas Fricke setzt sich in seiner Kolumne auf Spiegel Online mit den gerade bewilligten Sonderausgaben von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr auseinander. Diese erachtet er zwar nicht als generell unsinnig, fragt sich allerdings, wieso einerseits immer wieder behauptet wird, es müsse gespart werden, wenn dann andauernd Notlagen für Sonderausgaben auftreten (Finanzkrise, Eurokrise, Geflüchtete, Flutkatastrophe, Corona) und dort dann das Geld nur korrigierend anstatt zuvor vorausschauend verhindernd ausgegeben wird. Zudem fragt er sich, warum die Klimakatastrophe nicht als eine solche Notlage begriffen wird. Und zeigt noch den politischen Sprengstoff auf, wenn nun die Militärgelder durch Kürzungen im Sozialen ausgeglichen werden sollen. [Karl]

10. Am letzten Montag ist der aktuelle Bericht des Weltklimarats (IPCC) veröffentlicht worden. Was dort auf 3600 Seiten steht, wird in einem Video von Der Standard auf deren YouTube-Kanal in vier Minuten zusammengefasst. Darin wird nicht nur der aktuelle Zustand, der ausgesprochen besorgniserregend ist, dargestellt, sondern auch die künftigen Auswirkungen sowie Möglichkeiten, etwas gegen diese fatale Entwicklung machen zu können. [Karl]

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