Interessantes aus KW 18/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Laut britischen Verteidigungsministerium sind in der östlichen Ukraine bezahlte Söldner im Einsatz, die nach Aussage eines ehemaligen Söldners direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstehen. Die sogenannte „Wagner Gruppe“ geht besonders skrupellos vor, wie sie in der Vergangenheit in Zentralafrika bereits gezeigt hat: Folter gehört zum Tagesgeschäft (was wir dank Chelsea Manning ja schon vom US Militär kennen). Ein 8-minütiger Beitrag bei frontal (ZDF) gibt Einblick in die Schattenarmee und verlinkt auch auf einen älteren Beitrag zu Putins geheimen Netzwerk. [Dirk]

2. So funktionieren Netzwerke: Wie aus einer Meldung auf Spiegel Online hervorgeht, hat der Herausgeber der Zeit Josef Joffe seinen guten Freund Max Warburg, Mitinhaber der in Cum-Ex-Deals verstrickten Hamburger Warburg-Bank, vor einem kritischen Cum-Ex-Artikel seiner eigenen Journalisten gewarnt und dessen Veröffentlichung herausgezögert, damit Warburg darauf besser reagieren konnte. Es ist eben eher diese Art und Weise über persönliche Verbindungen, die einseitige Berichterstattung verursacht, als dass es so etwas wie eine staatlich kontrollierte „Lügenpresse“ gäbe, wie es rechter Krakeeler ja gern behaupten. Die Glaubwürdigkeit der Presse leidet allerdings unter solchen Vorfällen wieder mal enorm. [Karl]

3. In einem Artikel auf ze.tt benennt und kritisiert Rosa Burç mit deutlichen Worten die Doppelmoral der Bundesregierung, aber auch aller anderen westlichen Staaten, die einerseits (und zu Recht) die russische Invasion der Ukraine anprangern sanktionieren, andererseits aber die türkischen Angriffe auf Kurden in Nordsyrien, die im Prinzip nichts wirklich anderes sind, einfach so hinnehmen. Klar, die Türkei ist ja auch in der Nato und damit einer von „uns“. Nur verliert auf diese Weise jede moralische Verurteilung von kriegerischen Handlungen komplett ihre Glaubwürdigkeit. [Karl]

4. Hacker sind nicht immer böse Gesellen, die schaden anrichten wollen, sondern zuweilen auch IT-Sicherheitsforscher, die Schwachstellen in Systemen aufdecken wollen, damit diese behoben werden können. Hiervon berichtet ein Artikel auf heise online, in dem von einem Wettbewerb berichtet wird, indem sich ein niederländisches Team recht problemlos in Industriesoftware eingehackt hatte. Allerdings können solche Industrieanlagen nicht einfach so runtergefahren und neu konfiguriert werden, sodass deutlich wird, wie anfällig unsere Infrastruktur doch in weiten Teilen für Hackerangriffe ist. [Karl]

5. Der Fall Wirecard ist nach wie vor nicht abgeschlossen, und einer der ehemaligen Vorstände, Jan Marsalek, ist nach wie vor nicht auffindbar. Nun berichtet ein Artikel von Capital, dass es offensichtlich ein Angebot aus Russland an den Bundesnachrichtendienst (BND) gegeben haben soll, Marsalek in Moskau verhören zu können. Dem ist allerdings niemand nachgekommen – und im Untersuchungsausschuss wird vonseiten der Bundesregierung nach wie vor gemauert und gelogen, offensichtlich, um die ganze Angelegenheit zu vertuschen. Was für ein Sumpf, der wohl niemals richtig trocken gelegt werden dürfte … [Karl]

6. Die Klimakatastrophe schreitet nach wie vor ungebremst voran. Nun herrscht gerade in Indien und Pakistan für diese Jahreszeit extreme Hitze, die für die kommenden zwei Monate, bis dann im Juni wohl der Monsun eintreten wird, nichts Gutes erwarten lassen, wie aus einer Meldung von Spiegel Online hervorgeht. Solche Extremtemperaturen gab es zwar immer mal wieder, aber eben nicht ansatzweise so häufig, wie das jetzt der Fall ist. Und der März war dort der heißeste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. [Karl]

7. Worüber berichtet wird, entscheiden in erster Linie die Redaktionen großer Medien. Dabei geht es nicht immer ausgewogen zu, und etliche wichtige Dinge fallen auch nahezu komplett unter den Tisch. Die Initiative Nachrichtenaufklärung stellt daher auf ihrer Website www.derblindefleck.de eine Top Ten der vergessenen Nachrichten 2022 vor. Und das sind alles durchaus relevante Themen, an denen wohl durchaus ein öffentliches Interesse bestünde, die es aber einfach nicht in den medialen Fokus schaffen. Da kann man sich gern mal fragen, warum das wohl so ist … [Karl]

8. Eine Sache, über die auch recht wenig berichtet wird, ist Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen in Wohneinrichtungen – es sei denn, es geschehen tatsächlich einmal Morde, wie das letztes Jahr im Potsdamer Oberlinhaus der Fall war. In einem Interview mit der taz äußert sich der Autor und Aktivist Raúl Krauthausen zu diesem Thema und stellt klar, welche Verbesserungen es hier für Menschen mit Behinderungen bräuchte, die in ihrem Lebensalltag nur allzu oft verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt sind. [Karl]

9. Auf Twitter schilderte LobbyControl kürzlich, dass der Ehemann von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) nun eine Stelle bei der Lobbyagentur MSL Germany angetreten ist. Das ist insofern recht pikant, als Baerbock im Wahlkampf noch vollkommen richtig gesagt hat, dass der vorherige Job als Lobbyist für die Post problematisch wäre für ihren Ehemann, wenn sie ein wichtiges Regierungsamt annehmen würde. Na ja, Grüne schert ja in Regierungsverantwortung selten ihre Geschwätz aus dem Wahlkampf, und so kann MSL Germany nun bei seinen Kunden, u. a. Coca Cola, Nestlé, Philip Morris und Lidl, mit besten Kontakten in die hohe Politik ihres neuen Mitarbeiters werben. [Karl]

10. Der Digital Markets Act (DMA), auf den sich gerade EU-Parlament, EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten geeinigt haben, ist an und für sich eine gute Sache, da auf diese Weise die Macht der großen Digitalkonzerne eingeschränkt werden soll. Doch leider stehen auch genug Befürchtungen im Raum, dass das Ganze zu einem Papiertiger werden könnte, da insbesondere die EU-Kommission mal wieder gegen die Bürger und im Interesse der Konzerne agiert. Ein Artikel von LobbyControl fasst die positiven und negativen Aspekte des derzeitigen Stands des DMA übersichtlich zusammen. [Karl]

11. Als Ersatz für russisches Erdgas und Erdöl sollen diese fossilen Energieträger nun aus den USA importiert werden. Dort werden sie allerdings überwiegend durch Fracking gewonnen, und das ist ein ganz übles Verfahren, das nicht nur die Umwelt schädigt, sondern auch die Gesundheit von Menschen, die in der Nähe solcher Bohrstellen leben, negativ beeinflusst und ihre Lebenserwartung verkürzt, wie Werner Rügemer in einem Artikel für den Freitag darstellt. Keine gute Alternative also, daran festzuhalten und so weiter den Ausbau von erneuerbaren Energien nicht energisch voranzutreiben. [Karl]

12. Obwohl die Klimakatastrophe immer deutlich sicht- und spürbar wird, gibt es immer noch Menschen, die dieser Krise mit Skepsis begegnen und so zusammen mit Energiekonzernen und Staaten, die fossile Brennstoffe fördern, verhindern, dass endlich der zwingend notwendige konsequente Klimaschutz umgesetzt wird. Der Klimaforscher Stefan Rahmsdorf setzt sich in einem Interview mit der taz mit diesem Phänomen auseinander. Trotz des Ukraine-Krieges nach wie vor des relevanteste Thema unserer Zeit! [Karl]

13. Und noch ein interessantes Interview in der taz: Der Volkswirt Gerrit von Jorck schildert die Funktionsweise und die Nachteile unseres aktuellen Überkonsums. Dieser bedeutet für viele vor allem auch Kompensation von Arbeitsstress, und dann werden Sachen gekauft, für die man gar nicht genug Zeit hat, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie zu nutzen. Dadurch steigt das Wohlbefinden allerdings nicht, sodass es mehr als sinnvoll wäre, den Übergang zu einer Postkonsumgesellschaft zu bewerkstelligen. Wie das aussehen kann, erläutert von Jorck dann auch noch nachvollziehbar. Das scheint mir alles sehr sinnvoll, aber leider widerspricht das eben auch dem kranken Wachstumsdogma unseres Wirtschaftssystems, sodass sich kaum Politiker finden dürften, die das umsetzen würden. [Karl]

14. Die Grünen marschieren ja gerade stramm vorweg, wenn es um Waffenlieferungen in die Ukraine und eine mögliche Eskalation des Konfliktes dort geht. Alle Grünen? Nein, ein einsamer Minister aus Baden-Württemberg, nämlich Verkehrsminister Winfried Hermann, streitet nach wie vor für den Pazifismus, der für ihn alternativlos ist. Ein Artikel in der Kontext: Wochenzeitung befasst sich mit dem Grünen, der die friedensbewegten Ursprünge der Partei noch nicht komplett abgeschrieben hat. Viel Erfolg wird er mit seiner lobenswerten Einstellung bei den bellizistischen Realos aus der Parteiführung aber wohl leider nicht haben. [Karl]

15. In seiner Kolumne auf Spiegel Online befasst sich Markus Feldenkirchen auf amüsant-ironische Art mit dem Verhältnis der CSU zu unehelichen Kindern. Einerseits propagiert die Partei wie kaum eine andere das traditionelle Familienbild, andererseits machen führende CSU-Politiker immer wieder mit unehelichen Kindern und einer wenig treuen Beziehungsführung auf sich aufmerksam, aktuell gerade Stephan Mayer, nun zurückgetretener Generalsekretär der bayrischen Schwarzpartei, nachdem er einen Journalisten, der über den unehelichen Nachwuchs berichtet hatte, wüst beschimpfte und bedrohte. Vielleicht sollte, so Feldenkirchen, die CSU ihr Familienbild doch besser an der eigenen vorgelebten Realität ausrichten. [Karl]

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