Wenn Spiegel-Journalisten Fake News verbreiten, um plumpe rechtslastige Stimmung zu machen …

Kürzlich sah ich einen Beitrag auf Facebook auf der Wall von „Gegen die Alternative für Deutschland“, in dem ein anderer Social-Media-Beitrag von einem Andreas Niesmann kommentiert wurde. Das Erschreckendste daran war nicht einmal das dumm-plumpe Grünen-Bashing von Niesmann, sondern dass der doch tatsächlich Mitglied des Spiegel-Hauptstadtbüros ist. Au weia!

Doch hier erst mal der Beitrag und die berechtigte Kritik daran:

 

Mal abgesehen davon, dass ein Journalist eigentlich solche Hintergründe kennen sollte, bevor er sich öffentlich zu so einem Thema äußert, so ist das, was „Gegen die Alternative für Deutschland“ anmerkt, noch nicht mal das Einzige, was an dem Statement von Niesmann reichlich hanebüchen ist.

So ist es ja doch schon ziemlich hohl, 5 DM von Ende der 1990er-Jahre mit 2,50 Euro von heute gleichzusetzen. Das geht nur, wenn man so was wie eine normale Teuerung, die ja immer stattfindet, komplett ausblendet, und da kommt in 30 Jahren schon mal was zusammen. Das erinnert mich eher so an alte Leute, die immer noch die Euro-Preise in DM umrechnen und dann feststellen, wie teuer heute ja alles geworden ist. Ich weiß ja nicht, ob das unbedingt das Niveau sein sollte, auf dem ein Leitmedienjournalist sich zu wirtschaftspolitischen Themen äußert …

Ansonsten ist es ja gerade der stets auch im Spiegel viel gepriesene „Markt“, der den Preis so hochtreibt. Das hat dann irgendwie auch recht wenig mit der damaligen Idee einer kontrollierten Teuerung durch staatliche Stellen zu tun. Oder haben jetzt etwa auch die Grünen dafür gesorgt, dass der Iran die Straße von Hormus gesperrt hat? Na ja, zuzutrauen wäre so eine abstruse Denke den Grünen-Bashern, bei denen sich nun ja offensichtlich auch Niesmann eingereiht hat, durchaus.

Ach so: Autos verbrauchen heute auch weniger Sprit als damals, und die Einkommen sind in der Regel auch gestiegen. Beides Faktoren, die man vielleicht berücksichtigen sollte, wenn man realistisch beurteilen möchte, ob es eine tatsächliche Mehrbelastung durch die aktuellen Spritpreise gibt, die dann ja eine Auswirkung auf die Häufigkeit der Automobilnutzung haben sollte.

Apropos: Da hängt Niesmann nun anscheinend ziemlich in seiner wohlstandsverwahrlosten Blase fest, wenn er spöttisch feststellt, dass die hohen Preise nicht dazu führen würden, dass die Deutschen weniger Auto fahren. Vielleicht sollte er sich mal mit Menschen unterhalten, die mit wenig Geld zurechtkommen müssen und die auf das Auto angewiesen sind, weil dort, wo sie leben, nur unzureichender ÖPNV vorhanden ist. Da wird nämlich mittlerweile durchaus auf die eine oder andere Fahrt verzichtet aufgrund der hohen Spritpreise. Teilweise sogar auf eigentlich recht notwendige Touren, wie beispielsweise zum Arzt.

Aber Hauptsache, man hat mal ein bisschen Dumpfbacken-Populismus rausgehauen, der schön Stereotype wiedergibt, die rechtsaußen sehr populär sind: die bösen, bösen Grünen, die hohen Spritpreise, für die irgendwie dann wohl doch unsere Politik zuständig ist (sonst bräuchte es schließlich den Verweis auf die Grünen nicht), und dann noch der Anklang daran, dass der wackere Deutsche sich seinen Verbrennermotor nicht vermiesen lässt, selbst wenn die Kosten dafür massiv ansteigen.

Und der Typ schreibt echt für den Spiegel? Au weia …

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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