Vetternwirtschaft in der AfD

Die Vetternwirtschaft in der AfD hat offenbar noch deutlich größere Ausmaße als bisher bekannt und angenommen. Eigentlich wollte ich einen Hinweis bei „Interessantes aus KW 8/2026“ dazu machen, aber dann kam immer mehr zusammen, sodass ich nun separat die aktuellen Artikel dazu hier zusammentrage – und ggf. dann in den Kommentaren ergänze in den nächsten Wochen, wenn da noch Weiteres ans Licht kommen sollte.

Alles fing ja vorletzte Woche damit an, dass bekannt wurde, dass in Sachsen Anhalt führenden AfD-Politiker ein Netzwerk von Überkreuzbeschäftigungen etabliert haben, mit dem ihre Familienangehörigen bestens versorgt werden. Welche Ausmaße, die von mit dem Landesverband vertrauten Personen als „mafiös“ bezeichnet werden, das Ganze hat, wird in einem Artikel von ZDF heute und einem Artikel von t-online beschrieben. Die Blaubraunen selbst sehen darin nichts Problematisches, da man sich ja im gesetzlich zulässigen Rahmen bewege, wobei das für mich eher nach gezieltem Ausnutzen von juristischen Schwachstellen aussieht. Aber so sind Rechte eben: immer in erster Linie daran interessiert, sich und die ihrigen zu bereichern.

Aktuell hat dann gerade eine Gruppe von AfD-Politikern um die EU-Abgeordnete Anja Arndt schwere Vorwürfe gegen den Chef des niedersächsischen Landesverbandes Ansgar Schledde erhoben: persönliche Bereicherung durch ein korruptes System mit mafiösen Strukturen, durch die zudem Parteimitglieder entrechtet und Satzungsbruch betrieben würde, wie ein Artikel vom NDR schildert.

Da wirkt es fast nebensächlich, dass Scheddes Frau sowie seine Ex ebenfalls in AfD-Büros untergekommen sind zum Arbeiten laut einem Artikel auf t-online , in dem auch noch beschrieben wird, wie einige Familienmitglieder von Damian Lohr, Abgeordneter und Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion in Rheinland-Pfalz, ebenfalls Jobs über die Partei erhalten haben, was auch für die Frau des baden-württembergischen AfD-Landeschef Markus Frohnmaier gilt.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion Tobias Rausch aus Sachsen-Anhalt geht dabei noch einen Schritt weiter und bringt nicht nur Familienmitglieder in Parteijobs unter, sondern auch beschäftigt auch vier Amateurkicker des Fußballvereins, von dem er Vorstandsvorsitzender ist, wie aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung hervorgeht.

Aus der Thüringer AfD gab es deutliche Kritik an solchen Beschäftigungsverhältnissen, aber nun berichtet eine Meldung im Tagesspiegel, dass der Mann der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Thüringer AfD-Fraktion Wiebke Muhsal ebenfalls bei einem Parteikollegen angestellt ist.

Zudem werden dort von der Landtagsfraktion zwei Mitglieder des Vereins „Filmkunstkollektiv“ beschäftigt, die beispielsweise schon einen PR-Film über Landeschef Björn Höcke gedreht haben und auch mit der Identitätren Bewegung zusammenarbeiten, wie ein Artikel im Merkur schildert. Bekommen diese Rechtsextremen nun mit Staatsgeldern finanzierte Anstellungen als kleines Dankeschön? Könnte ich mir zumindest vorstellen.

Und dann berichtet ein Artikel von t-online auch noch von der Beschäftigung einer 85-Jährigen, die überhaupt nicht mehr arbeitsfähig ist, durch den nordrhein-westfälischen AfD-Landtagsabgeordneten Klaus Esser, der sich gerade auch noch wegen gefälschter Hochschulabschlüsse vor Gericht verantworten muss. Deren Ehemann ist nämlich ein Netzwerkkumpel von Esser – und zudem selbst bei einem AfD-Europaabgeordneten angestellt.

Francesco S. Garita hat in einem Beitrag auf seiner Facebook-Wall die niedersächsischen Machenschaften auch noch mal treffend zusammengefasst:

Was für ein Sumpf – aber eben auch typisch für Rechtsradikale.

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

5 Gedanken zu „Vetternwirtschaft in der AfD“

  1. Und dann kommt hier auch schon der erste Kommentar als Ergänzung: Wie sich gerade herausgestellt hat und in einem Artikel von t-online geschildert wird, hat die AfD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Mitarbeiter pro Abgeordnetem beschäftigt als die anderen im Landtag vertretenen Parteien. Das ist auch in Sachsen-Anhalt schon aufgefallen und steht vor allem im Widerspruch zur Aussage von AfD-Spitzenkandidat für die anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt, dass man bei der AfD deswegen so viele Familienmitglieder und andere Buddies beschäftigen würde, weil man ja sonst niemanden finden würde, der den Job machen will.
    Da mehr Mitarbeiter allerdings auch nicht mehr Staatskohle bedeuten, sondern aus einem immer gleich großen Budget bezahlt werden müssen, scheint es bei den Blaubraunen weniger um gute, qualifizierte Angestellte zu gehen, sondern darum, möglichst viele Leute mit ein bisschen Geld zu bedenken.

  2. Und weiter geht’s: Die AfD-Bundestagsabgeordnete Martina Uhr soll ihren Lebensgefährten und dessen Tochter in ihrem Büro angestellt haben. Ihre eigene niedersächsische Landesgruppe legt ihr deswegen nahe, auf ihr Mandat zu verzichten, wie aus einer Meldung von Spiegel Online hervorgeht.
    Na, da scheinen wohl einige zu kapieren, dass ihnen langsam die Fälle wegschwimmen, wenn immer mehr Vetternwirschaftsvorwürfe ans Licht kommen …

  3. Wenig überraschend, dass hier immer Weiteres ans Licht kommt. So hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Korell einen seiner „Mitarbeiter“ nicht erkannt, als ihm von ZDF-Journalisten dessen Foto gezeigt wurde. Schon peinlich – genauso wie die albernen Versuche der AfD, sich da rauszureden und sich mal wieder als Opfer zu stilisieren, wie ein Artikel in der Frankfurter Rundschau berichtet.

  4. Ein Artikel von t-online fasst mal den bisherigen Stand der Erkenntnisse zusammen – und da sieht man recht deutlich, dass das kein Einzelfall in der AfD ist, sondern offensichtlich System hat.

    Schließlich sind jetzt bereits vetternwirtschaftiche Verstrickungen von mehr als 40 AfD-Funktionären in zahlreichen Landesverbänden bekannt geworden. Was für ein Sumpf!

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