Interessantes aus KW 28/2026

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. KI-Brillen, wie sie zurzeit vor allem vom Facebook-Konzern Meta, aber bald beispielsweise auch von Google vertrieben werden, sind eine unangenehme Sache. Sonja Peteranderl schildert in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie diese Dinger nicht nur von staatlichen Stellen zur Überwachung, sondern auch von Privatpersonen zum Erstellen von heimlichen Aufnahmen anderer Menschen missbraucht werden. Das Problem ist (mal wieder): Die Gesetzgebung kommt mit dem Tempo der technischen Entwicklung nicht mit. Und so kann es mittlerweile jedem von uns passieren, dass heimlich gemachte Aufnahmen von einem ins Netz gestellt werden. Schöne neue Welt … [Karl]

2. Eine Studie, über die ein Artikel auf tagesschau.de berichtet, hat ein interessantes Ergebnis geliefert: In der Bevölkerung ist die Bereitschaft von Menschen, für Klimaschutz auch selbst Einbußen in Kauf zu nehmen, deutlich größer, als dies von Politikern eingeschätzt wird. Das dieser Diskrepanz zugrundeliegende Phänomen der „pluralistischen Ignoranz“ wird ebenfalls erklärt, zudem wird noch darauf verwiesen, dass Klimaschutzgegneer zwar in der Minderheit, aber eben auch sehr laut sind. Allerdings schätze ich, dass da noch eine weitere Sache massiv dazu beitragen könnte: Korruption vonseiten der Fossile-Energien-Industrie. So was kann dann nämlich die eigene Wahrnehmung, in diesem Fall der Politiker, auch reichlich vernebeln. [Karl]

3. Lügen gehört nicht nur bei der AfD zum „guten Ton“, sondern auch bei der CDU. Aktuelles Beispiel: Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner. Der hat nämlich der Öffentlichkeit damals mitgeteilt, dass er bei dem großen Stromausfall Anfang dieses Jahres gleich am ersten Tag schon um kurz nach acht Uhr angefangen hat, Telefonate zu führen. Tja, nun kam allerdings heraus, dass das überhaupt nicht stimmt. Und das wird nun, wie ein Artikel im Tagesspiegel feststellt, von den anderen Parteien reichlich ausgeschlachtet, zumal ja im September in Berlin gewählt wird. Wobei ich als Bürger auch niemandem mehr trauen würde, der in so einer Notlage erst mal nichts anderes zu tun hat, als die Leute anzulügen. [Karl]

4. Die Politik gibt mal wieder den Dienstleister für Konzerne zulasten von kleinen und mittleren Unternehmen. Diesmal auf EU-Ebene durch die neue Verpackungsverordnung. Die ist nämlich so ausgestaltet, dass die Anforderungen gerade von kleinen Betrieben, die Artikel in andere EU-Länder verschicken, kaum erfüllt werden können, wie Annett Mängel in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik schildert. Da wird also unter dem Vorwand des Umweltschutzes eine Verordnung konstruiert, die zu einer weiteren Monopolisierung führen wird – aber das ist ja eh eine Sache, die dem neoliberal radikalisierten Kapitalismus innewohnt. Schlecht für die Wirtschaft, schlecht für die Verbraucher, gut für Amazon und Co. [Karl]

5. In einem etwa 20-minütigen Video auf YouTube geht die Bürgerbewegung Finanzwende mal der „Stiftung Familienunternehmen“ ein bisschen auf den Grund. Und da ist schon mal der Name des Vereins eine recht dreiste Irreführung, denn mit dem, was sich die meisten Leute unter Familienunternehmen vorstellen, hat deren Klientel nichts gemeinsam. Dort finden sich vielmehr vor allem Konzerne, die über diese Stiftung aggressiven Lobbyismus betreiben lassen, um weniger Steuern zahlen zu müssen. Das Ganze ist dabei auch noch reichlich intransparent, aber eben finanziell gut ausgestattet und bestens vernetzt in Politik und Medien. Irgendwie schon reichlich oligarchisch, das Ganze. [Karl]

6. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr die SPD mittlerweile nichts mehr mit Sozialdemokratie zu tun hat, wird in einem Artikel in der taz geschildert: So haben sich einige SPD-Politiker deutlich gegen die Möglichkeit von Vergesellschaftungen ausgesprochen, was dann ja auch zu einer Änderung von Artikel 15 des Grundgesetzes führen müsste, der genau dies ja vorsieht. Anlass ist die Berliner Initiative Deutsche Wohnen enteignen (DEW), die in der Bevölkerung viel Rückhalt genießt, da der Berliner Wohnungsmarkt ja nun in den letzten Jahren auch komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Aber die SPD arbeitet so lieber zusammen mit der CDU als Dienstleiser der Immobilienwirtschaft, und das, obwohl deren Basis eigentlich etwas anderes möchte. [Karl]

7. Julia Ruhs, die neue „Journalismus“-Ikone von Konservativen und Rechten, hat mal wieder einen rausgehauen, diesmal nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern in der BILD (wo sie auch viel besser hinpasst). In ihrer Kolumne hat sie dort anhand der Zahl von 290.000 Deutschen, die Deutschland 2025 durch Wegzug verlassen haben, die steile These konstruiert, dass man daran sieht, dass unser Land zu einem gescheiterten Staat würde. Also so was wie Libyen, Somalia oder Irak. Kontext, Einordnung, genauere Analyse? Fehlanzeige, wie ein Artikel vom Volksverpetzer feststellt. Aber so funktioniert rechte Stimmungsmache: Man nimmt eine reale Zahl und bastelt dann eine vollkommen absurde Geschichte drum herum. [Karl]

8. Schadstoffbelasteter Boden, der bei Baustellen der Deutschen Bahn angefallen ist, soll in großem Stil illegal entsorgt worden sein, beispielsweise in dem das Zeug einfach in Kiesteiche gekippt wurde. So berichtet ein Artikel von Correctiv von mehreren Entsorgerfirmen, die daran beteiligt sein sollen – die Ermittlungen laufen gerade. Tja, wenn mit solchen Sachen wie der Beseitigung problematischer Altlasten Geld gemacht werden soll, dann kommt so was eben dabei raus. Wäre vielleicht besser, wenn so was von der öffentlichen Hand erledigt würde, oder? [Karl]

9. In Schweden zahlen fast alle Menschen schon seit einigen Jahren bargeldlos. Nun ist allerdings gerade ein Gesetz in Kraft getreten, dass Lebensmittelgeschäften und Apotheken vorschreibt, auch wieder Bargeld anzunehmen. Ein Grund ist laut einem Artikel auf tagesschau.de, dass man sich so von Internettechnologien abhängig macht, die von einem nicht mehr unbedingt befreundeten Land, den USA, bereitgestellt werden. Zum anderen spielt aber auch ein Inklusionsaspekt mit hinein, denn gerade ältere Menschen und Personen mit Behinderungen haben oft Schwierigkeiten mit dem bargeldlosen Zahlen. Ich finde das gut, denn digitale Angebote sollten eben Angebote bleiben und nicht zum Zwang werden. [Karl]

10. Große Aufregung gab es nach dem AfD-Parteitag in Erfurt: Nachdem die Proteste dagegen überwiegend friedlich abliefen und es nur die bei solchen Großdemonstrationen übliche Anzahl an Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gab, machten Videos die Runde, in denen gezeigt wurde, wie Reporter der rechtsextremen Medien Apollo News und Junge Freiheit von Demonstranten attackiert und verletzt wurden. Nun hat man sich in einem Artikel von Zeit Online mal die Mühe gemacht und das Geschehen möglichst akribisch rekonstruiert, und da zeigt sich dann, dass das alles wohl nicht ganz so eindeutig war, wie zunächst geschildert, sondern dass die Rechtsaußenreporter sich durchaus provozierend verhalten haben und eventuell sogar so eine Eskalation  in Kauf genommen haben. Schade (und natürlich auch nicht zu entschuldigen), dass dann einige von den Demonstranten darauf angesprungen sind, denn dadurch hat man eben genau die Bilder geliefert, welche die Rechten wohl haben wollten. In jedem Fall wäre es wünschenswert, dass solche Ereignisse mehr so sachlich wie in diesem Artikel beleuchtet werden, bevor erst mal krawallig losgezetert wird. [Karl]

 

Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

Schreibe einen Kommentar