Interessantes aus KW 44/2026

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Hans Globke, graue Eminenz der CDU und rechte Hand des Bundeskanzlers in den Adenauer-Jahren, war Mitverfasser der Nürnberger Rassengesetze 1936. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung beleuchtet nun, wie aus CDU-Kreisen damals versucht wurde, Globke eine weiße Weste zu verschaffen, indem die These verbreitet wurde, Globke hätte noch Schlimmeres verhindert. Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, aber da dabei auch wissenschaftliche Publikationen beeinflusst wurden, hielt sich diese Legende erst einmal. Unglaublich, wie die CDU damals schon ein Herz für Nazis hatte und die Bürger an der Nase herumgeführt hat …

2. In Oberwartha (Dresden) wurden sechs Teenager, die ein örtliches Oktoberfest besuchen wollten, von 20 bis 30 Erwachsenen durch den Ort gejagt und teilweise schwer verletzt, wie aus einer Meldung von Tag24 hervorgeht. Der Grund: Sie sahen „links“ aus, was den Rechtsradikalen dann offensichtlich ausreichte, um auf die jungen Menschen einzuschlagen. Dabei waren dann auch polizeibekannte Neonazis und ehemalige Abgeordnete der „Freien Wähler Oberwartha“. Deutschland im Jahr 2026 – einfach nur gruselig!

3. Selim Nassib analysiert in einem Artikel in der taz, was die Ursachen hinter den französischen Schülerdemonstrationen sind, die ja auch in Krawalle und Plünderungen umgeschlagen sind. Diese sind nämlich nicht, wie von der französischen Regierung behauptet, der linken Partei „La France insoumise“ zuzuordnen und auch kein Resultat der Migration, wie es Rechtsradikale aus allen möglichen anderen Ländern behaupten. Vielmehr drückt sich darin die Unzufriedenheit mit einem immer offener zutage tretenden Missverhältnis des Kapitalismus aus: Wenige Reiche beanspruchen immer mehr Geld für sich, während die Infrastruktur, wie beispielsweise Schulen, zunehmend vergammeln. Aber die Suche nach Sündenböcken ist natürlich einfacher, als sich mit den tatsächlichen Probleme und damit auch mit dem Scheitern der eigenen Politik auseinanderzusetzen.

4. Wie russisches Propagandakanäle und MAGA-Spinner aus den USA die französischen Demonstrationskrawalle nutzen, um mithilfe von Fake-Videos Stimmung zu machen, schildert Christian Stöcker in seiner Kolumne auf Spiegel Online. Da werden dann richtige Nachrichtensendungen imitiert, indem deren Logo und Tonalität übernommen wird, um so die gewünschten Ansichten unters Volk zu bringen. Und das geht dann sogar so weit, dass offenbar auch „Aktivisten“ engagiert werden, um entsprechenden Ausschreitungen zu provozieren oder antisemitische Schmierereien auf Wände zu sprühen, damit man später die entsprechenden Bilder propagandistisch nutzen können. So wird in den USA bei vielen Menschen die Meinung manipuliert durch russische PR-Fabriken. Gruselig!

5. Im November stehen die Midterms-Wahlen in den USA an, und da kann man ja mal dem dortigen Machthaber Donald Trump ein bisschen im Wahlkampf zur Seite springen. Das dachte sich zumindest Audi-Chef Gernot Döllner – und verstieß damit nicht nur gegen die Unternehmensrichtlinien, die so etwas kurz vor Wahlen untersagen, sondern auch gegen alle möglichen Unternehmenswerte, die etwas mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu tun haben. Das ist natürlich besondern pikant bei einem Unternehmen, dass zu VW gehört, und die wurden ja bekanntlich von den Nazis in den 1930er-Jahren gegründet. Vielleicht sag Döllner sich ja dieser „Tradition“ verpflichtet? In jedem Fall hagelt es nun laut einem Artikel von ntv haufenweise Kritik für seinen miesen Auftritt – und das sehr zu Recht!

6. Die CDU/CSU blockiert nach wie vor ein Prüfverfahren, ob die AfD verfassungsfeindlich ist. In einem Artikel auf Belltower News geht Thomas Laschyk nun der Frage nach, warum das wohl so sein könnte, denn immerhin befürworten mehr als 60 % der CDU-Wähler eine solche Prüfung. Und da kommt er auf zwei mögliche Antworten: Entweder macht die CDU/CSU das mit Absicht, weil sie sich die AfD als möglichen Koalitionspartner warmhalten wollen, oder aus Inkompetenz, weil sie meint, die AfD instrumentalisieren zu können, um die eigen Macht zu erhalten. Letzteres ist nicht nur geschichstvergessen, sondern hat bisher auch noch nie irgendwo funktioniert. In jedem Fall sieht man hieran, in was für einem miesen Zustand die Union zurzeit ist. Wer wählt bloß so einen Mist?

7. Gestern haben Zehntausende vor allem junge Menschen an den „Gen Z regelt“-Demonstrationen in ganz Deutschland teilgenommen. Im Vorfeld wurde von rechten Politikern und der Polizei versucht, diese Proteste zu kriminalisieren, indem Gewaltszenarien beschworen wurden, obwohl es dafür erst mal überhaupt keinen Anlass gab. Wozu so eine verbale Eskalation führen kann, erläutert der Jurist Michael Plöse in einem Interview mit der taz. Der sieht darin eine Einschüchterungstaktik, und so was ist ja eigentlich nicht gerade sonderlich demokratisch. Aber vor allem muss man sich auf diese Weise eben, so Plöse, nicht mit den Anliegen der jungen Menschen auseinandersetzen.

8. In einem von Beatrix von Storch verfassten geheimen Strategiepapier der AfD, das gerade geleakt wurde, werden die Schritte beschrieben, die zu einer Kanzlerschaft von Alice Weidel führen sollen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der CDU zu, die als Mehrheitsbeschaffer erkannt wurde, sodass die Union auf die eigene Seite gezogen werden soll mittels Spaltung von den anderen Parteien. Ist die Rolle der CDU in dem Papier eher eine passive, so ist sie in der letzten Zeit unter ihrem Vorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz allerdings dabei, diese Strategie zur Machtergreifung der Blaubraunen selbst aktiv umzusetzen, wie Leonie Wiegel in einem Artikel auf Volksverpetzer erläutert. Wie ich ja schon länger sage: Wer CDU wählt, wählt langfristig die AfD.

9. Mal wieder eine Schlappe vor Gericht für die AfD: Der Landesverband der Blaubraunen in Niedersachsen hatte gegen die Einstufung als „Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung“ (was in anderen Bundesländern als „gesichert rechtsextremistisch“ bezeichnet wird) durch den Landesverfassungsschutz geklagt, und das wurde nun vom Oberverwaltungsgericht Niedersachsen abgewiesen. Das war nun schon die zweite Instanz, die so geurteilt hat, und die Begründungen für diese unanfechtbare Entscheidung lesen sich in einer Meldung auf Zeit Online auch durchaus schlüssig. Ein Grund mehr für ein Verbot dieser antidemokratischen Verfassungsfeinde und Menschenverächter.

10. Letzte Woche lief die erste Ausgabe des rechtskonservativen Satireformats „Journal Deluxe“ im ZDF, und wie aus einem Artikel vom Deutschlandfunk hervorgeht, war das laut Kritikern wohl nicht gerade doll, was Florian Schroeder dort präsentierte. Flache Witze, wenig kontroverse Streitgespräche und ein Publikum, dass mitunter den Gästen mehr applaudierte als dem Moderator, wenn dieser versuchte, die Geladenen in die Pfanne zu hauen. Na ja, ist irgendwie nicht so richtig überraschend, finde ich, denn Konservative sind ja in der Regel weder für ihren anspruchsvollen Witz noch für besonders geistreiche Bonmots bekannt. Bleibt nach wie vor die Frage, was Schroeder da bloß geritten hat, sich für dieses grottige Format zu verdingen?

11. Wenig überraschend: Der Ölkonzern BP vermeldet fürs dritte Quartal einen Rekordgewinn von 8,46 Milliarden Dollar. Auch andere Ölfirmen erfreuen sich laut einer Meldung auf Zeit Online an gestiegenen Gewinnen und Aktienkursen auf Rekordniveau. Der Grund ist, ebenfalls wenig überraschend, dass die Energiemärkte aufgrund der Kriege gegen den Iran und in der Ukraine sehr stark gestört wurden, was zu höheren Ölpreisen führte. Dann ist es doch super, dass diese Konzerne nun aufgrund des Tankrabatts noch mal ein bisschen mehr Geld in den Allerwertesten geblasen bekommen, oder?

12. Dass künstliche Intelligenz viele Arbeitsplätze vernichten wird in nächster Zeit, ist ja keine ganz neue Erkenntnis. Nun trifft es auch die Filmbranche, und zwar mit ziemlicher Vehemenz, wenn man den Ausführungen eines Artikels von SRF folgt. Da werden nämlich mittlerweile ganze Filme ausschließlich mit KI produziert: keine Schauspieler, keine Kostüme, keine Maske, keine Kulissen. Im Bereich der Mikrodramen (Serien mit Folgen von einer bis drei Minuten Länger im Handy-Format für aufmerksamkeitsgestörte TikTok-Junkies) machen solche KI-Werken schon etwa zwei Drittel aus. Der Grund: Das ist eben günstiger. Was für junge Filmemacher auch eine Chance darstellen kann, dürfte so eine ganze Branche ziemlich vor die Wand fahren. Schöne neue Welt!

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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