Interessantes aus KW 36/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Ein beherzter Aufruf für eine internationale Demo mit Millionen von Menschen: gegen Egoismus, für Demokratie, für mehr Menschlichkeit und eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft. So ruft z. B. der französische Philosoph Geoffroy de Lagasnerie in seinem Essay „Denken in einer schlechten Welt“ die Denker und Kulturschaffenden auf, aktiv zu werden. Der Autor Roberto Saviano geht sogar so weit, die Menschen in „Rebellen oder Komplizen“ des (neoliberalen) Systems zu spalten. Ein sechsminütiger Bericht bei ttt (ARD) greift die Aufbruchstimmung und den Aktionismus von Autoren und Philosophen auf und fasst diese motivierend zusammen. Infos zur weltweite Demo am 13. 10. 2018 findet Ihr hier, und dort könnt Ihr auch eine Demo in Eurer Stadt anmelden (noch keine in Hamburg!). [Dirk]

2. In ihrer Kolumne auf Spiegel Online bricht Margarete Stokowski eine ausgesprochen lesenswerte Lanze für die Antifa. Diese wird nämlich mittlerweile nicht nur von Rechten ausgesprochen undifferenziert betrachtet, sondern auch von vielen politischen und medialen Akteuren der sogenannten Mitte, die andererseits bei den Rechten, die in Chemnitz marodierten und mitliefen, reichlich Differenzierung einfordern. Antifaschismus sollte eine Selbstverständlichkeit sein, und man kann ihn auch gar nicht deutlich und von mir aus auch radikal (im ursprünglichen Sinne des Wortes) genug postulieren. [Karl]

3. Der neuen Bewegung „aufstehen“ wird ja von linker Seite oft vorgeworfen, nicht internationalistisch zu sein und daher Nationalismus zu befördern. Dass dieser Kritik allerdings eine vollkommen absurde Vorstellung von Internationalismus zugrunde liegt, die sowohl historisch nicht haltbar als auch in der heutigen Zeit praktisch nicht umsetzbar ist, weist Roberto J. De Lapuente in einem Artikel auf neulandrebellen nach. Dort stellt er auch den wichtigen Unterschied von „Ich bin für Flüchtlinge“ und „Fluchtursachen müssen dort bekämpft werden, wo sie entstehen“ heraus. [Karl]

4. In einem Artikel auf jetzt geht es um die 15-jährige Greta aus Schweden. Das Mädchen streikt nämlich seit ein paar Wochen, indem sie nicht zur Schule geht, sondern stattdessen vor dem Parlamentsgebäude sitzt, um so zu demonstrieren, dass ihrer Ansicht nach politisch viel zu wenig gegen den Klimawandel gemacht wird. Und damit gewinnt sie nicht nur viele Sympathien, sondern zeigt eben auch deutlich auf, dass die destruktive Politik unserer Tage vor allem Folgen für diejenigen haben wird, die heute jung sind – die Politiker und Wirtschaftsbosse selbst, die unseren Planten gerade zunehmend zerstören, sind dann ja schon längst tot. Klasse, Greta, es braucht mehr Menschen wie Dich! [Karl]

5. Die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz haben ja die mediale Öffentlichkeit und auch uns hier auf unterströmt reichlich beschäftigt in den letzten zwei Wochen. Auch Sascha Lobo hat sich in seiner Kolumne auf Spiegel Online einige sehr lesenswerte Gedanken dazu gemacht, die zwar schon aus der vorletzten Woche sind, die ich Euch aber dennoch explizit empfehlen möchte. Er bemängelt nämlich, dass gerade vonseiten der Konservativen beständig die Vorfälle heruntergespielt werden, da der deutsche Konservative eben tendenziell ein Problem damit hat, Rechtsextreme auch als Bedrohung wahrzunehmen. So findet keine Zäsur statt, die nach diesen Vorfällen eigentlich angebracht wäre. [Karl]

6. In einem Artikel auf Spiegel Online werden die Ergenisse einer Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) von 25.000 Auszubildenden vorgestellt. Und diese sehen nicht gut aus, denn mit 70 Prozent ist der Wert derjenigen, die mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, so niedrig wie noch nie. Gründe dafür: Überstunden (oft unbezahlt), eingeforderte außerberufliche Erreichbarkeit, nicht Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten, schlechte Bezahlung. Da wird immer vom angeblichen Fachkräftemangel lamentiert, und dann wird mit den zukünftigen Fachkräften immer schäbiger umgesprungen – passt irgendwie nicht zusammen, oder? [Karl]

7. Wie fast jede Woche gibt es auch nun wieder mal Unsäglichkeiten von der AfD zu berichten. Ein Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung und eine Meldung der Frankfurter Rundschau berichten, wie sich die rechtsextremen Karrieristen gerade selbst an die Gurgel gehen. Partei-Promi André Poggenburg schäumt nämlich vor Wut und bezeichnet die AfD als „Rattenloch“, weil von irgendjemandem aus der Partei pikante Erotik-Chats von Poggenburg an die linke Website Indymedia durchgesteckt wurden, und zwar zu einer Zeit, als er noch in einer festen Beziehung war. Na ja, so ein Verhalten sollte einen bei derartigen Typen auch nicht wundern, oder? Aber gut, wenn die Rechtsaußen sich nun gegenseitig zerlegen. [Karl]

8. Tut sich da gerade ein neuer Konfliktherd auf? Laut einem Artikel auf Telepolis hat Marco Rubio, Senator und im Vorwahlkampf Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei sowie knallharter Neocon, verlauten lassen, dass er einen US-Militärintervention in Venezuela begrüßen würde. Dies äußerte er auch dem Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, John Bolton, gegenüber – insofern sind derartige Gedankenspiele durchaus ernst zu nehmen, zumal es auch einige andere Hinweise auf eine mögliche Eskalation gibt. Den militärisch-industriellen Komplex dürfte es mal wieder freuen … [Karl]

9. Richard David Precht ist als Philosoph ja schon öfter mit provokanten Aussagen aufgefallen (mir meistens positiv), darüber hinaus propagiert er auch immer wieder eine vegetarische Ernährung. In einem Interview mit Animal Equality spricht er nun über Massentierhaltung, sogenanntes Clean Meat, also künstlich hergestelltes Fleisch, und ein Bad-Trade-Siegel. Seiner Ansicht nach sind nämlich die industrielle Massentierhaltung und ihre Folgen eines der elementaren Probleme unserer Zeit. Interessant! [Karl]

10. In der Süddeutschen Zeitung findet sich ein lesenswertes Interview mit der Migrationsforscherin Petra Bendel, die darin aufzeigt, was bisher bei der Integration von Geflüchteten seit 2015 gut gelaufen ist und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Zwei Aspekte finde ich dabei besonders interessant: zum eine, dass Integration und die damit verbundenen Maßnahmen letztlich allen Menschen im Land zugute kommen, da nicht nur die Geflüchteten von mehr sozialem Wohnungsbau und spezifischeren Angeboten beispielsweise im Kindergartenbereich profitieren. Zum anderen, dass von Politik und Medien kaum über das Gelingen von Integration gesprochen wird, sondern vor allem über Migrationsprobleme. [Karl]

11. Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „Transparenz“ sprechen? Für wen soll sie gelten, wie weit soll sie gehen? Wer unterscheidet zwischen wichtigen Informationen und pikanten Details? Welche Informationen sind im öffentlichem Interesse? Dieser Frage widmet sich arte in seiner 30-minütigen Sendung PhiLosoPhie mit Raphaël Enthoven und stellt so auch Fragen, die man zuvor vielleicht eher sehr pauschal gehandhabt hat. [Dirk]

12. Im Rahmen der Sendung Monitor (WDR) finden sich zwei hochinteressante Berichte zu den Dauerthemen Schulterschluss mit Rechtsextremen und den gesellschaftlichen Umstrukturierungen in Österreich durch die rechtspopulistische ÖVP-FPÖ-Regierung. Beide Berichte zeigen auf, in welche Richtung und auf wessen Kosten die neoliberalen Kräfte im deutschsprachigen Raum hinarbeiten. Wie bereitwillig die (verblendeten und verängstigten) Wähler zur Schlachtbank schlendern … [Dirk]

13. Bürgernähe durch den Einsatz der (un-)sozialen Medien schreiben einige Polizeibehörden groß. Zwei Berichte bei ZAPP (NDR) nehmen das Phänomen unter die journalistische Lupe und beleuchten das Feld aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen geht es mit Polizei- und Konfliktforscher Dr. Peter Ullrich in einem Interview um die journalistische Rolle der Tweets und deren oftmals stark spekulativen Inhalt. Im siebeneinhalbminütigen Beitrag begleitet die Kamera einen der Facebook-Beamten und stellt die Frage nach Sinn und Authentizität dieser Beiträge. Auch die Informationen unter dem Videobeitrag sind interessant und einen Blick wert. [Dirk]

14. Auch wenn es bei Frontal21 (ZDF) diese Woche wieder zu großen Teilen um die Trauer und Hetze in Chemnitz geht, so findet sich doch auch ein anderes Thema mal wieder in einem achtminütigen Beitrag: Zucker. Das Thema hatten wir hier auch schon ab und zu, aber es ist immer wieder erschütternd, mit welcher Abgebrühtheit Konzerne falsche Studien in Auftrag geben und wie bereitwillig sich verantwortungslose, korrupte und gierige Politiker und Wissenschaftler für solch ein Spiel einspannen lassen. Und natürlich trägt auch jeder Einzelne, der sich gern hinters Licht führen lässt, seinen Teil dazu bei. [Dirk]

15. Ein kurzer Beitrag auf grenzwissenschaft-aktuell berichtet über eine Studie über die Wahrnehmung von Gewalttaten. Demnach hat ein internationales Psychologenteam im Fachjournal Social Psychological and Personality Science die verzerrte Wahrnehmung mit der Integrität zur eigenen sozialen Gruppe erklärt. Die Probeanden wurden teilweise vor dem medialen Echo auf Attentate befragt, um deren Beeinflussung durch das soziale Umfeld vorzubeugen (z. B. Spekulation über Hintergründe für die Taten). Ein Ansatzpunkt auch für die Medien, um die Art und Richtung einer Berichterstattung zu hinterfragen. [Dirk]

16. Passend dazu ein weiterer Beitrag auf grenzwissenschaft-aktuell, warum und wie wir an unseren Weltbildern festhalten. Ob nun der Chemnitzer Politiker, der keinen rechten Mob auf den Straßen sah, der AfD-Wähler, der die Rechte des kleinen Mannes durch diesen neoliberalen Haufen vertreten sieht, oder der Flüchtlingshelfer, der keine kriminellen Flüchtlinge in seinem Weltbild akzeptieren möchte. Wie hier auf unterströmt auch schon oft geschrieben: Je weniger wir über etwas informiert sind, desto energischer klammern wir uns an unser eindimensionales Weltbild. [Dirk]

17. In der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Interview mit dem Architekten Christian Schöningh, der darin seine Vorstellungen, wie man urbanes Leben gestalten sollte, präsentiert. Er plädiert dafür, vor allem die Eigentumsverhältnisse neu zu ordnen, um so Wohnen nicht stetig mehr zu einer reinen Renditesache für Investoren verkommen zu lassen. Möglichkeiten wären genossenschaftliche Modelle oder Erbbaurecht, bei dem nur die Nutzung einer Grundstückes gestattet wird, das dann allerdings in öffentlicher Hand verbleibt. Interessante Ansätze! [Karl]

18. Die Fehltritte von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen waren zuletzt ja (auch bei uns) immer wieder Thema. Nun hat er einen neuen Bock geschossen, indem er doch tatsächlich behauptete, die Ausschreitungen von Chemnitz hätte es gar nicht gegeben, diese seien vielmehr eine Erfindung der Medien. Passende Worte zu diesem hanebüchenen, aber gefährlichen Unsinn, der Deutschlands Rechte jubilieren lässt, findet Georg Restle in einem knapp zweiminütigen Kommentar dazu in der Tagesschau.Chapeau, Herr Restle! [Karl]

19. Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff informiert ja schon seit Jahren über die zunehmenden sozialen Defizite, die junge Menschen heutzutage aufweisen. Anlässlich seines neuen, gerade erschienenen Buchs „Die Wiederentdeckung der Kindheit: Wie wir unsere Kinder glücklich und lebenstüchtig machen“ führte Katrin Heise ein Interview mit ihm im Deutschlandfunk Kultur. Und Winterhoff hat alarmierendes zu berichten, da nämlich die Digitalisierung insbesondere in Form von omnipräsenten Smartphones die Situation in den letzten Jahren massiv verschärft hat. Doch er bietet auch Lösungen an, wie man wieder aus dem Zustand von permanentem Stress und Dauerhetze, der sich eben auch auf die Kinder überträgt, hinauskommen kann. [Karl]

20. In seiner Kolumne auf Spiegel Online zeigt Thomas Fricke auf, dass es dringend notwendig ist, linke Konzepte für die Lösungen der aktuellen Probleme und Missstände heranzuziehen, da ja die rechten marktliberalen Ideen genau diese Probleme ja erst verursacht hätten. Der Wirtschaftsliberalismus, der immer mehr Markt und immer weniger Staat propagiert, ist nämlich in nahezu allen Bereichen gescheitert, wie Fricke mit zahlreichen Beispielen belegt. Dass nun ein Gegensteuern gegen diese Verwerfungen grundsätzlich als links gebrandmarkt wird – so wie alles, was dazu dienen soll, dass nicht nur einige wenige immer reicher werden -, ist zudem einer Art „kollektiver Gehirnwäsche“ zu verdanken. [Karl]

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Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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