Interessantes aus KW 32/2019

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Na super! Laut einem Artikel auf klimareporter sieht es so aus, als ob die Klimakatastrophe noch schneller als angenommen eintreffen könnte. Das ergeben zumindest neue Berechnungen im Zuge der Vorbereitung des neusten Berichts des Weltklimarat (IPCC), der im nächsten Jahr veröffentlicht werden soll. Aufgrund von mehr Rechenleistung und einer besseren Datenlage ergeben die neuen Modelle eine höhere CO2-Konzentration in der Atmosphäre, wobei den Wissenschaftlern noch nicht ganz klar ist, wie diese zustande kommt. Die Zeit wird also eventuell noch knapper, als sie es eh schon ist. [Karl]

2. In einem Artikel in der taz wird der rechtsextreme Hintergrund des mutmaßlichen Mörders von 20 Menschen in einem Einkaufszentrum in El Paso beleuchtet. So hat Patrick C. aller Voraussicht nach ein Manifest ins Internet gestellt, in dem er seine Motivation erläutert, und diese ist rein rassistischer Natur, da sie sich auf das in rechten Kreisen sehr verbreitete Pamphlet „Der große Austausch“ von Renaud Camus bezieht. Darin geht es um einen angeblichen Bevölkerungsaustausch in Nordamerika und Europa – eine Lieblingserzählung der völkischen Rechtsextremisten. Wenn aufwiegelnde Worte dann zu Taten werden … [Karl]

3. Neonazis bei der Polizei – das ist kein Problem, was nur in Deutschland immer offensichtlicher zutage tritt, sondern das mittlerweile auch in Österreich ein Thema ist, wie aus einem Artikel im Standard hervorgeht. Gegen fünf Beamte wird dort zurzeit ermittelt, und trotz dieser Ermittlungen sind alle weiter im Dienst. Was dazukommt: Unter dem rechtsextremen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) der gerade geplatzten Kurz-Regierung könnte sich dieses Problem verschärft haben, da dieser beispielsweise in rechtsextremen Zeitschriften nach neuen Polizeibeamten gesucht hat. [Karl]

4. Bereits Ende Juli erschien ein lesenswerter Beitrag auf ZEIT ONLINE über unser Versagen, die nahende Katastrophe richtig einzuordnen. Einerseits hoffen Menschen, dass uns „grünes Wachstum“ oder sonstige Wissenschaft retten kann, aber trotzdem ignorieren wir die Erkenntnisse einer überwältigenden Mehrheit an Klimaforschern und deren seit Langem klingenden Ruf nach einer sofortigen Kehrtwende im Umgang mit den Ressourcen der Erde. Und je dringender gewarnt wird, desto größer der Gegenwind. [Dirk]

5. Bereits aus der vergangenen Woche strahlte Report Mainz (ARD) gleich mehrere hochinteressante Beiträge aus, die ich hier gern anbringen möchte. Als Erstes ein siebenminütiger Beitrag zum Greenwashing mit der neuen Marketingstrategie des „Ocean Plastik“. Dabei wird suggeriert, es handle sich um recyceltes Plastik aus dem Ozean, obgleich es „am Strand und sonst wo“ eingesammelt wird. Es folgen satte zehn Minuten über Nazi-Propaganda in einem Forum von Daimler-Mitarbeitern. Nachdem Daimler schnell zwei Mitarbeiter wegen solcher Posts entließ, drehte die rechtslastige Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ ein Video, dass die Täter als Opfer der anderen Gewerkschaften (z. B. IGMetall) darstellt. Als dritten Beitrag hakt die Sendung noch einmal den sogenannten „Seehofer-Deals“ in Sachen Flüchtlingspolitik nach und zeigt was das wieder für eine politische Nullnummer war. Bunte Sendung mit vollen 28 Minuten guter Unterhaltung. [Dirk]

6. Würde das ernsthaft jemanden wundern? Laut einem Artikel auf Spiegel Online duldet die EU-Agentur Frontex Menschenrechtsverletzungen und Gewalt gegen Flüchtlinge, die von Beamten in Bulgarien, Ungarn und Griechenland verübt werden. Und selbst nimmt man es bei den EU-Grenzabschottern mit der Achtung der Menschenrechte auch nicht allzu genau. Würde ja zumindest alles gut zur widerwärtigen Grenzen-dicht-ersauft-doch-im-Mittelmeer-Politik der EU passen … [Karl]

7. Der rechtsextreme Präsident Brasiliens Jari Bolsonaro nacht das, was solche Typen immer gern mal tun: Menschen feuern, die nicht ihrer Ansicht sind. So berichtet ein Artikel auf Zeit Online, dass gerade der Chef des Weltrauminstituts Ricardo Galvão seines Amtes enthoben wurde, nachdem er Satellitenbilder rechtfertigte, welche die massiven Regenwaldabholzungen der letzten Monate belegen. Dass passt Bolsonaro natürlich nicht in den Kram, denn sein Image könnte dadurch ja Schaden nehmen. Das ist allerdings auch seine einzige Sorge, denn den Regenwald sieht es ja nur als verfügbare Ressource, die bestmöglich ausgebeutet werden muss. [Karl]

8. In der Spiegel-Online-Rubrik Elementarteilchen schildert Marco Evers, wie er als Jugendlicher zum Raucher wurde und wie die Tabakkonzerne nach wie vor vor allem junge Menschen als Süchtige und damit Dauerkunden zu gewinnen suchen. Nun auch mithilfe von E-Zigaretten, die in den USA gerade auch bei Jugendlichen stark im Kommen sind. Doch letztlich geht es dabei nur um eines: Menschen von einer Substanz abhängig zu machen, um ihnen dann immer weiter schädliches Zeug zu verkaufen. Doch leider ist die Takaklobby mächtig, sodass es nur unzureichende Regulierungen gibt, um die Menschen davor zu schützen. [Karl]

9. Freiwillige Selbstverpflichtungen sind ja eine Sache, die von Unternehmen immer gern gefordert (und von der Politik daraufhin auch umgesetzt) wird, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht. Blöd nur: Das wirkt so gut wie nie. So auch, wie Michael Bauchmüller in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung beschreibt, aktuell bei dem „Angebot“ der Flugindustrie zum angeblichen Klimaschutz. Die Taktik ist dabei immer dieselbe: Es wird ein bisschen was angeboten, was aber möglichst nicht verbindlich ist, um die Politik vom Handeln abzuhalten. Und meisten haut das leider auch noch genau so hin. [Karl]

10. Immer wieder tappt die Presse in PR-Kampagnen rechter Unruhestifter und Brandstifter, ohne selbst zu recherchieren (Schnelligkeit scheint vielen Akteuren wichtiger als Genauigkeit). So berichtet Monitor (WDR) in einem achtminütigen Beitrag von den Fehlleistungen diverser Medien bezüglich der angeblichen Massenprügeleien von 60 aggressiven Migranten in Freibädern. Es ist schon ein Trauerspiel, wenn sich seriöse Moderatoren auf Facebook oder sonstige (un-)soziale Medien stützen und nicht mehr selbst recherchieren. [Dirk]

11. In einem Gastbeitrag auf Spiegel Online schildert Malcolm Ohanwe seine Sichtweise zur Reaktion von rechten Hetzern wie Alice Weidel auf den kürzlich verübten Mord an einem Achtjährigen am Frankfurter Bahnhof. Das übliche Muster von offensichtlich nicht weißen Menschen auf so eine Tat ist es, schuldbewusst den Beweis zu erbringen, dass man doch selbst ganz anders sei als der Täter. Dabei wäre, so Ohanwe, ein offensiver Umgang mit solchen rassistischen Vorwürfen angebracht, gern auch polemisch, da die Fakten eben die Standpunkte von Rassisten nicht untermauern, diejenigen von rassistisch Angegriffenen hingegen schon. Sehr lesenswert! [Karl]

12. Was macht eigentlich Frauke Petry heute? Ein Artikel auf Spiegel Online schildert, wie die ehemalige AfD-Vorsitzende, unter der die Partei endgültig und vor allem auch offensichtlich ins rechtsextreme Lager gewechselt ist, versucht, in Sachsen und Thüringen Stimmung für ihre neue Partei „Die Blauen“ zu machen. Das scheint ihr allerdings nicht so recht zu gelingen, denn bisher firmiert ihre Partei den Umfragen zufolge nur unter den Sonstigen und hat wohl kaum Aussichten, die Fünfprozenthürde zu schaffen. Dafür macht sie jetzt einen auf konservativ, aber anständig. Glaubwürdig ist das nach meinem Dafürhalten eher nicht, sondern ich hab eher den Eindruck, dass es Petry vor allem um ihre eigene politische Karriere geht. [Karl]

13. In seiner Kolumne Schwer verpetzt auf Der Volksverpetzer setzt sich Thomas Laschyk mit dem immer wieder vorgebrachten Vorwurf auseinander, dass AfD-Wähler dumm seien und deswegen auf die vielen Fake News, die von den Blaubraunen und anderen Rechten verbreitet werden, reinfallen. Solchen Menschen jedoch einfach als dumm zu bezeichnen, ist selbst eine Art von Diskriminierung, zudem ist das auch keine hinreichende Erklärung, denn es gibt sowohl sehr schlaue Rassisten als auch Menschen mit einem niedrigen IQ oder anderen kognitiven Einschränkungen, die keine Rassisten sind. Auch wenn sich in Diskussionen mit AfD-Jüngern oft der Eindruck aufdrängt, dass diese nicht besonders pfiffig sind, so scheint die differenzierte Sichtweise von Laschyk schon sinnvoll zu sein. [Karl]

14. In seiner Kolumne im neuen deutschland beschäftigt sich Roberto J. De Lapuente mit dem Phänomen des Overtourism, das in immer mehr Städten und Dörfern zu beobachten ist: Touristenmassen überfluten die sehenswerten Orte, verbrauchen dabei viel Wasser, hinterlassen viel Müll, produzieren reichlich Emissionen und überlasten die Infrastruktur. Der Nutzen für die lokale Bevölkerung ist aufgrund von zunehmenden All-inclusive-Abgeboten dabei oftmals kaum noch vorhanden, sodass es hier dringender Regulierungen bedarf, um nicht Mensch und Umwelt weiterhin derart über Gebühr zu belasten. [Karl]

15. Die beiden großen Drogerieketten dm und Rossmann haben ein neues Logo eingeführt, was auf recyceltes Plastik hinweisen soll, wie ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Dass dieses allerdings eher als Greenwashing zu verstehen ist und wenig zur Reduzierung von Plastikmüll beitragen dürfte, wird leider schnell offensichtlich. So wird auch dieses von der Grundidee her eigentlich löbliche Unterfangen zu einem Teil des großen deutschen Selbstbetrugs, dass man sich selbst als Recyclingvorreiter sieht, dies aber überhaupt nicht der Realität entspricht. [Karl]

16. Wie massiv Lobbyismus betrieben wurde vor der Entscheidung einer neuen EU-weiten Glyphosat-Zulassung, die dann ja letztlich durch einen Alleingang des CSU-Landwirtschaftsministers Christian Schmidt zustande kam, beschreibt eine Reportage in der Süddeutschen Zeitung. Daran wird vor allem deutlich, dass eine Ausgewogenheit der Standpunkte so nicht existiert, da die Industrie wesentlich mehr materielle Kapazitäten zur Verfügung hat, um ihr Anliegen an die Politik heranzutragen, als dies bei der Gegenseite der Fall ist. Lobbyismus per se ist nicht zu verteufeln, da es legitim ist, wenn Interessengruppen ihre Vorstellung zu sie selbst betreffenden Gesetzen und Maßnahmen äußern, die derzeitige Einseitigkeit dabei ist hingegen ein großen Problem. [Karl]

17. Eine erschreckende Zunahme der Anzahl von Morden an Umweltschützern (Anwälte, Journalisten, Aktivisten, Mitarbeiter von Umweltschutzorganisationen) hat eine Studie der University of Queensland (Australien) ermittelt, über die eine Meldung von klimareporter berichtet. Dabei ist nicht nur die Zahl der Getöteten nahezu auf das Doppelte pro Woche angewachsen, sondern diese Morde werden auch in immer mehr Ländern begangen – und haben eine extrem niedrige Aufklärungsquote. Eine weitere traurige Facette, die aufzeigt, wie mörderisch der Marktradikalismus ist. [Karl]

18. In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung wird ein analytischer Blick auf die Kriminalstatistik geworfen, laut der von Zuwanderern überproportional viele Straftaten begangen werden. Während Rechtspopulisten wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kulturelle Unterschiede dafür verantwortlich machen, sehen Kriminologen das durchaus etwas differenzierter: Da der Anteil von jungen Männern (das ist die Bevölkerungsgruppe, von der generell in allen Kulturkreisen am meisten Straftaten ausgehen) bei den Zuwanderern überproportional hoch ist und diese Menschen zudem unter sozialen Problemen mehr zu leiden haben als Einheimische, sei es nicht verwunderlich, dass auch die Straffälligkeit größer sei als bei der deutschen Durchschnittsbevölkerung. [Karl]

19. Dieser Artikel auf Sein.de geht auf das Buch „Wir sind dran“ ein, welches vom Club of Rome herausgegeben wird. Darin werden die Möglichkeiten besprochen, de derzeitigen Kurs zu wechseln, der in Richtung Umweltzerstörung und Klimawandel geht. Alarmmeldungen, wie schlecht es um Umwelt und Klima steht sind sicher richtig und wichtig, aber ebenso wichtig ist es, deutlich auf die Möglichkeiten hinzuweisen, wie wir es anders machen können. Ansonsten verliert man sich schnell in Pessimismus und Resignation. Der Artikel macht Appetit auf das Buch! [Gerald]

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