Interessantes aus KW 14/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Diese Woche hat extra3 (NDR) zwei Berichte über Menschen mit einer ausgeprägten kognitiven Dissonanz und fehlender Dissonanzreduktion. Leider sind die beiden Clips nicht einzeln online gestellt, sodass ich die jeweilige Stelle innerhalb der Sendung verlinke. Der erste Beitrag betrifft die Leute, die trotz Erkenntnis weiter mit einem schädigen Verhalten machen, weil die anderen ja viel schlimmer sind (17:22-20:15 min), Stichwort „Whataboutism“. Der zweite Beitrag behandelt die Firmen, die Steuerflucht betreiben und dann über fehlende Infrastruktur in Deutschland klagen (24:30-28:40 min). Beide typische Beispiele für die Verantwortungslosigkeit vieler Teile der Gesellschaft, die sich nur als Teil einer Gesellschaft sehen, wenn es etwas abzustauben gibt. [Dirk]

2. Andere Teile der Gesellschaft sind von ihren Ängsten getrieben und finden Halt bei anderen Menschen, deren Ängste bereits in blanke Aggression oder Hass umgeschlagen sind: Rechtsradikale. Ein 9-minütiger Bericht bei Monitor (WDR) zeigt, wie Bruderschaften und Bürgerwehren zur Rekrutierungsstelle für Rechtsterrorismus geworden sind. Ich verstehe ja, dass viele Menschen es aufgegeben haben, „mit Rechten zu reden“, aber was ist die Alternative? Anschreien? Anfeinden? Durch Abbau von Ängsten und Ausbau von Bildung lassen sich langfristig solche Existenzängste kontrollieren, aber mittelfristig hilft nur der Diskurs, um denen eine sicheren Hafen zu gewähren, die einfach nirgends anders mit ihren Ängsten hin wissen und deshalb in solchen Hassschmieden landen. Und auch da ist jede:r Einzelne gefragt, mitzuwirken! [Dirk]

3. In einem Artikel in der Berliner Zeitung wird geschildert, wie der Berliner Obst- und Gemüsehändler Thomas Franz versucht, durch die Corona-Zeit mit ihren Lockdowns zu kommen. Das gestaltet sich ausgesprochen schwierig und könnte sogar auf eine Privatinsolvenz hinauslaufen, da Franz stets noch bemüht ist, fair zu seinen Angestellten zu sein. Ich schätze mal, dass es viele solcher Schicksale zurzeit in Deutschland gibt, sodass die Auswirkungen des „Krisenmanagements“ der Bundesregierung uns noch eine sehr lange Zeit beschäftigen werden. [Karl]

4. Der Jurist Volker Boehme-Neßler wirft in einem Gastartikel auf Zeit Online mal einen Blick auf die zurzeit in einigen Bundesländern verhängten Ausgangssperren, mit denen die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt werden soll. Und sowohl bezüglich der Verfassungsmäßigkeit als auch der Umsetzbarkeit äußert er deutliche Kritik an dieser Maßnahme. Dabei spricht er auch ein weiteres zentrales Problem an: Durch fehlende Transparenz in der Kommunikation und bei den Entscheidungsprozessen macht sich eine „Pandemiemüdigkeit“ bei immer mehr Bürgern breit, die nicht geeignet ist, um dem Virus Herr zu werden. [Karl]

5. In seiner Kolumne auf Spiegel Online zählt Sascha Lobo sieben „Baustellen“ auf, die wir als Gesellschaft in der Zeit nach Corona unbedingt angehen müssen: das föderale System, die Digitalisierung, Arbeit und Bildung, Austerität, Politik und politische Kommunikation, Leichtgläubigkeit sowie das deutsche Selbstbild. Allesamt dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen, aber schon ziemlich notwendig, denn die Pandemie hat ja einiges an systemischen Schwächen schonungslos offengelegt und somit auch die Versäumnisse der letzten Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, deutlich gemacht. [Karl]

6. Korruption und Vorteilsnahme gibt es nicht nur bei der CDU/CSU, sondern das ist ein internationales Phänomen bei Politikern – und je weiter rechts und/oder konservativ die sind, desto ausgeprägter tritt das auf. Ein Artikel in Der Standard fasst zusammen, was gerade an Ermittlungen gegen die FPÖ und ÖVP in Österreich laufen, und da kommt schon einiges zusammen. Wenngleich natürlich bis zu einem Abschluss der Verfahren die Unschuldsvermutung gilt: Bei den Mengen an Anschuldigungen und Belegen für Postengeschacher und andere Vorteilsnahmen offenbart sich das Bild einer Politik, die ehr wie ein  kriminelles Kartell agiert. [Karl]

7. Noch was aus Österreich: In einem Artikel auf science.orf.at wird wissenschaftlich untermauert, was im Grunde eh schon länger klar ist: Die Leistungsgesellschaft ist ein Mythos. Die Wertschätzung und Bezahlung einer Arbeit hat nämlich sehr oft nichts damit zu tun, wie gesellschaftlich relevant, anstrengend und belastend der Job ist, sondern basiert auf ganz anderen Kriterien, die der Einzelne kaum beeinflussen kann. Sehr wichtige Infos, um den Wirtschaftspopulismus der Neoliberalen, für den das Klischee der Leistungsgesellschaft ja extrem wichtig ist, zu entlarven. [Karl]

8. Laut einer Meldung der taz haben in Sachsen Polizisten einer Eliteeinheit etwa 7000 Schuss Munition geklaut. Nun rollen zwar Köpfe bei der Polizeiführung, und es wird auch überprüft, ob die Polizisten Verbindungen ins rechtsextreme Milieu haben – was mich nicht wundern würde, denn rechtsradikale Polizisten und Soldaten sind ja schon öfter als Waffen- und Munitionsdiebe aufgefallen. Allerdings fürchte ich, dass es wieder mal nicht dazu kommt, endlich mal die strukturellen Probleme der Polizei mit solchen Typen anzugehen – da wird sich das Ganze vermutlich dann in die immer längere Linie der „Einzelfälle“ einreihen … [Karl]

9. Eine interessante Initiative wird in einem dreiminütigen Video von ZDFheute vorgestellt: Der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach schlägt eine Erweiterung der Menschenrechte um sechs weitere Artikel vor. Dieses Anliegen sei vor allem den Entwicklungen der letzten Jahre geschuldet, denn die Verfasser des Grundgesetzes konnten ja beispielsweise noch nichts von Internet, Digitalisierung und KI-Algorithmen ahnen. Das klingt für mich alles sehr plausibel und wünschenswert, dürfte aber bei Wirtschaftsvertretern (und damit auch beim Großteil der Politiker) auf wenig Gegenliebe stoßen. [Karl]

10. In einer Glosse auf den NachDenkSeiten stellt Jens Berger fest, dass es schade ist, dass wir in Deutschland nicht von Clowns, sondern von einer Wissenschaftlerin regiert werden. Wenn man sich nämlich anschaut, wie es in den Ländern Großbritannien und USA, deren Regierungschefs ja gern mal als Clowns bezeichnet werden (Boris Johnson) bzw. wurden (Donald Trump) zurzeit aussieht mit der Eindämmung der Corona-Pandemie, dann ist man dort den besserwisserischen Perfektionisten aus Deutschland doch mittlerweile meilenweit voraus. [Karl]

11. Apropos Clowns: Der Horrorclown im Bundesgesundheitsministerium Jens Spahn macht mal wieder von sich reden, indem er fordert, die Grundrechtseinschränkungen für gegen Covid-19 Geimpfte aufzuheben. In einem Artikel auf Telepolis stellt Harald Neuber nun allerdings fest, dass dieses Vorgehen nicht nur rechtlich reichlich fragwürdig wäre, zumindest solange nicht jedem Bürger, der sich impfen lassen möchte, auch ein entsprechendes Angebot zu Verfügung gestellt würde, sonder zudem noch auf keiner wissenschaftlichen Grundlage basiert, da die Nichtifektiösität durch Geimpfte noch längst nicht für alle Impfstoffe belegt ist. Aber immerhin schafft Spahn es so mal wieder, eine spalterische Diskussion in Gang zu bringen – genau das, was dieses Land gerade braucht. [Karl]

12. Die Luca-App soll es richten – dafür wird zurzeit vor allem von Rapper Smudo massiv und gern auch zur besten Sendezeit im Fernsehen geworben. Doch so richtig toll scheint dieses Tool, was bei der Eindämmung der Corona-Pandemie helfen soll, nicht zu sein, zumindest werden in einem Artikel auf Telepolis etliche Fragwürdigkeiten in Bezug auf die Kompetenz der daran beteiligten Unternehmen und den Datenschutz aufgezeigt. Und wenn dann noch öffentliche Gelder in Millionenhöhe durch nicht korrekte Vergabeverfahren verteilt werden, dann drängt sich immer mehr die Vermutung auf, dass es bei der Luca-App vor allem ums Geldverdienen geht. [Karl]

13. Über die Modern Monetary Theory (MMT) hab ich hier ja schon das eine oder andere mal was geschrieben bzw. verlinkt. Nun findet sich zu dem Thema ein lesenswertes Interview mit dem Ökonomen Maurice Höfgen auf den NachDenkSeiten. Darin werden die Grundzüge von MMT noch einmal gut verständlich dargestellt, zudem wird eine darauf basierende wirtschaftspolitische Langzeitperspektive erläutert, wobei auch Bezug auf kurzfristig umzusetzende realpolitische Maßnahmen genommen wird. Das hat wenig mit dem aktuellen ökonomischen Mainstream zu tun, aber der versagt ja auch immer offensichtlicher, sodass hier ein Umdenken mehr als angebracht wäre. [Karl]

14. Über die immer offener zutage tretende Korruption bei der CDU vergisst man ein wenig, dass diese Partei auch immer wieder gern mit Rechtsextremisten gemeinsame Sache macht. So gerade aktuell in Plauen, wie ein Artikel auf Spiegel Online berichtet. Dort hat man im Stadtrat mit den Stimmen von CDU, AfD und den Rechtsradikalen vom III. Weg gerade die Fördergelder für das Projekt „Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage“ gekippt. Und versucht sich, wie das bei dieser jämmerlichen Partei immer der Fall ist bei schlechter Presse, nun mit fadenscheinigen Erklärungen rauszureden. Die CDU ist und bleibt einfach keine Partei des demokratischen Spektrums! [Karl]

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