Interessantes aus KW 17/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. In der dieswöchigen Sendung ZDFzoom widmet sich der 29-minütige Beitrag (mal wieder und trotzdem noch immer dringend nötig) dem Thema der Radikalisierung unserer Gesellschaft. Unter dem Titel „Angriff von rechts“ möchte die Sendung zeigen, wie sehr einige Akteurinnen und Akteure, Bürgerbewegungen und die Angsthasen für Deutschland (kurz „AfD“) versuchen, das politische Spektrum des Sagbaren immer weiter nach rechts zu verschieben. Trotz umfangreicher (überdimensionierter) Berichterstattung über diese Minderheit fühlen sich viele der Menschen nicht wahr oder ernst genommen. Aber so ist es eben mit Minderheiten: Je weniger sie sind, desto lauter müssen sie schreien, um gehört zu werden. Und je mehr herumgeschrien wird, desto eher finden sich ein paar Durchgeknallte, die dann wieder als Negativbeispiel für die Mehrheit hinhalten dürfen. [Dirk]

2. Ein komplett anderes Horrorszenario zeichnet LESCHS KOSMOS (ZDF) mit der 20-minütigen Sendung über „Deepfakes“. Mit der Videomanipulation in Echtzeit lassen sich alternative Faken aus angeblich seriösen Quellen verbreiten. Und wir kennen das aus den (un)sozialen Medien: Die Falschmeldungen verbreiten sich so viel schneller als jede weniger spektakuläre Meldung, dass der Schaden lange vor einer Richtigstellung gemacht ist. Wer dem Thema nicht viel abgewinnen kann, sollte sich trotzdem die letzten fünf Minuten der Sendung anschauen, denn das betrifft uns alle: Wir glauben nur zu gern etwas, wenn es unserem Weltbild entspricht. Das kostet weniger Energie und produziert weniger Reibereien mit unserem direkten Umfeld. Wir Menschen sind ja so gern denkfaul und pauschalisieren deshalb gern, oder? [Dirk]

3. Gute Nachrichten in Sachen Klimaschutz: Das Verfassungsgericht hat einer Klage diverser NGOs zugestimmt und damit die Bundesregierung zu einer Konkretisierung ihrer Klimaziele bewegen wollen. Deshalb widmet sich nano (3sat) in seiner 28-minütigen Sendung diesem Urteil und den weltweiten Bemühungen, die Folgen besser abzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Klimakatastrophe noch abzumildern. Denn zum Abwenden ist es bereits zu spät: Wir stecken bereits in dem Prozess, und es ist nur noch die Frage, wie hart er die künftigen Generationen treffen wird. [Dirk]

4. In den Übermedien findet sich der frei zugängliche Bericht über die vorletzte Sendung ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann über die Käseblätter der Klatschpresse. Es ist schon erstaunlich, dass sich so offensichtliche Klatsch- und Schmierblätter (wie auch die BILD) versuchen, seriös darzustellen. Das ist doch sicherlich satirisch gemeint, oder? Sowohl die Fakten des Beitrags in den Übermedien als auch alle Vorwürfe aus der Satiresendung sind zutreffend und halten jedem Faktencheck stand. Mit Fakten halten es die genannten Verlage ja nicht allzu sehr auf, und wenn es selbst denen zu blöde wird, dann eben einfach ein Fragezeichen hinter die Überschrift, und schon kann man im Zweifel einen Rückzieher machen. Wer diese Blätter ernst nimmt, der glaubt wohl auch an die Zahnfee … [Dirk]

5. Wie es um die Rechtstaatlichkeit in Sachen Datenschutz während der Pandemie steht, bringt digitalcourage in einem Beitrag mit dem Titel „Vorratsdaten: Ignoranz als politische Methode“ kompakt auf ihrer Website zum Ausdruck. Mit einer Verfassungsbeschwerde wollen sie die anlasslose Vorratsdatenspeicherung stoppen und werben dafür auch um Spenden. Wie sinnlos diese Vorratsdatenspeicherung ist und mit welchen Mitteln Regierungen immer wieder versuchen, das Recht auf digitale Eigenbestimmung zu kippen, ist schon eine ziemlich undemokratische Sauerei. [Dirk]

6. Betriebswirtschaftliches Denken hat längst Einzug in Bereiche erhalten, wo es nichts zu suchen hat: Polizei und Feuerwehr, Bildung und Erziehung, Wasserversorgung und Infrastruktur. Und dann ist da noch das Gesundheitswesen, was ein 6-minütiger Beitrag bei quer (BR) thematisiert. Selbst während der Dauerüberlastung während der Pandemie werden weiter Stellen abgebaut! Was an Ausbeutung moralisch völlig unvertretbar ins Ausland verlagert wurde (Produktion von Kleidung, Technik oder Lebensmitteln), sehen wir nicht mit eigenen Augen, aber selbst vor unseren Augen lassen wir solche Zustände über uns hereinbrechen. Aber eines ist sicher: Auf Krankenhäuser wird früher oder später jeder Mensch angewiesen sein, und spätestens dann merkt man diesen Notstand und diese Ausbeutung von Arbeitskräften auch an der eigenen Haut. [Dirk]

7. Geht es um Aussage gegen Aussage, dann spielt natürlich die eigene Bewertung von Personen eine gewichtige Rolle bei der Zuweisung von Schuld. Die Polizei hat sicherlich vielerorts mit unberechtigten Vorwürfen zu kämpfen, und andernorts macht sie durch Rassismus und Brutalität auch selbst genug für eine Vorverurteilung. Einen brisanten Fall hat Frontal21 (ZDF) in der dieswöchigen Sendung: Geht es um die Vergewaltigung einer zuvor festgenommenen Frau oder war es einvernehmlicher Sex mit zwei Polizeibeamten? Der 11-minütige Beitrag könnte aus einer Folge Tatort stammen, wird aber so gerade vor Gericht verhandelt. Scheinbar ist „Schockstarre“ eine gängige Erklärung bei diesen Polizisten wie das „Nichterinnern“ bei Untersuchungsausschüssen und Politiker:innen wie Andi Scheuer, Ursula von der Leyen oder Olaf Scholz. [Dirk]

8. Ebenfalls bei Frontal21 (ZDF): ein kontroverser 15-minütiger Beitrag über die Debatte um Identitätspolitik. Es scheint immer mehr das Problem, dass ein Augenmaß dafür fehlt, was angebracht und verhältnismäßig ist und was radikal und spalterisch. Ich gebe mir Mühe, eine gendergerechte Sprache zu praktizieren, aber natürlich hat die Jahrzehnte andauernde Sprachgewohnheit ihre Tücken, und so unterlaufen mir, genau wie bei meiner mangelnden Rechtschreibung, über Jahre etablierte Fehler. Auch einem weißen alten Mann sollte man nicht, ohne selbst rassistisch zu sein, sein Alter oder seine ethnische Herkunft vorhalten. Etwas mehr Besonnenheit wäre dieser Tage wünschenswert, und im Idealfall versuche ich, selbst entsprechende Nachsicht zu praktizieren. Die Opferrolle aus Identitätspolitik zu konstruieren scheint mir eher kontraproduktiv für ein Miteinander und eine längst überfällige Vergangenheitsbewältigung. Natürlich: Es gibt schutzbedürftige Opfer struktureller Gewalt. Aber es gibt eben auch diejenigen, die sich selbst als Opfer darstellen wollen oder müssen, weil sie einfach kein inhaltliches Argument zu bieten haben. [Dirk]

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