Laschet – oder doch Söder?

Mit großem Rummel und viel Hin und Her ist der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet nun zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl gekürt worden – und CSU-Chef Markus Söder hatte das Nachsehen. Doch war’s das nun wirklich schon? Es würde mich wundern, wenn es so wäre …

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Rückzug angekündigt hatte, wurde schnell klar: Die CDU hat mal wieder das übliche Problem nach einer Dauerkanzlerschaft: Die Partei ist zum Kanzler(innen)-Wahlverein geworden, und es gibt keinen manierlichen Nachfolger, da der Mann oder die Frau an der Spitze als machtbewusster Menschen alles weggebissen hat, was da irgendwie sich hätte anbieten können. War bei Adenauer so, war bei Kohl so und ist nun bei Merkel nicht anders.

So kommt es dann, dass sich Absurditäten ergeben wie ein Friedrich Merz, der auf einmal keine Lust mehr zu haben scheint, sich nur seine politischen Kontakte weiter vergolden zu lassen, und mit ewiggestrigen Parolen auf die Bühne springt. Gut, dass uns der Typ zumindest erst mal erspart bleibt (s. hier), wobei ja nicht auszuschließen ist, dass er sich noch den Posten des Bundeswirtschaftsministers unter den Nagel reißen möchte – wirtschaftliche Inkompetenz war ja bei der CDU noch nie ein Hinderungsgrund, dieses wichtig Amt zu bekleiden.

Doch die CDU-Gremien haben sich nun für Laschet entschieden. Und dabei dürften denen wohl schon ganz genau bewusst sein, dass der mit dem Amt des Ministerpräsidenten schon dem Peter-Prinzip voll gerecht wird und zudem nicht eben ein großer Charismatiker ist – auch wenn er dauernd in irgendwelchen Talkshows abhängt.

Und so ist es auch wenig überraschend, dass nach der Bekanntgabe von Laschet als Kanzlerkandidat die Umfragewerte der CDU abrutschen. Soll mir keiner erzählen, dass dies den Entscheidungsträgern nicht auch so klar gewesen sein dürfte – zumal ja Umfragen dem Populisten Markus Söder ständig eine größere Beliebtheit attestierten.

Ist das nun also einfach nur dumm gelaufen für die CDU?

Es würde mich ja nicht stören, wenn es so wäre, allerdings kann ich mir das nun nicht so ganz vorstellen. Dafür wurden die Weichen von Angela Merkel in der letzten Zeit doch viel zu sehr auf stetig größere Machtfülle des Kanzleramts gestellt, als dass man dort nun so einfach mit jemandem wie Laschet abschenken und eine Grüne einziehen lassen würde.

Ich wage mal eine Prognose: Die Umfragewerte werden für die CDU weiter nach unten gehen, dies wird man dann vor allem Laschet anlasten, dann wird man theatralisch die „Notbremse“ ziehen (oder eventuell persönliche Gründe erfinden, die man dann für einen Rückzug Laschets vorschieben kann) – und schon steht der Söder auf der Matte und bietet sich an, hemdsärmelig den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Das hätte vor allem einen Vorteil für die CDU/CSU: Es würde nur über Personalien und nicht über Inhalte gesprochen.

Denn inhaltliche politische Auseinandersetzungen fürchtet die Union so wie der Teufel das Weihwasser. Die gesamte merkelsche Regierungszeit ist ja davon geprägt, dass vor allem ein Image verkauft wird und weniger über Inhalte gesprochen wird (s. beispielsweise hier). Würde man das machen, käme nämlich niemand, der bei Verstand ist, auch nur ansatzweise auf die Idee, Merkel zu attestieren, dass sie eine große Staatsfrau sei, die gute Politik für die Mehrheit der Bürger praktiziert habe. Was diese Kanzlerin alles für Bockmist zu verantworten hat, habe ich 2018, als sie ihren Rückzug aus der Politik angekündigt hat, schon mal in einem Artikel aufgeführt. Und nun kommt auch noch das für die meisten Menschen (bis auf die typische CDU-Klientel aus Wohlhabenden und Konzernen) katastrophale „Krisenmanagement“ der Covid-19-Pandemie hinzu.

Und wenn man dann noch das immer stärker drängende Problem der drohenden Klimakatastrophe mit hinzunimmt, für das die CDU/CSU ja auch nur „Weiter so wie bisher, irgendwas Technisches wird sich schon ergeben“ zu bieten hat – dann ist der inhaltlich politische Blick sowohl nach vorn als auch nach hinten nicht so richtig etwas, mit dem man vonseiten der Union punkten kann.

Was macht man also, wenn man die Menschen einfach nur weiter an der Nase herumführen möchte? Genau das, was alle Rechtspopulisten (und zu diesen zähle ich die CDU/CSU mittlerweile sehr eindeutig hinzu) dann so machen: Man fokussiert auf eine starke Führungsperson. Zack – da kommt dann der Söder genau richtig, schließlich hat er ebendieses Image des „Anpackers“ ja auch zuletzt immer wieder sehr gepflegt. Wenngleich auch dies nur ein Image ist, aber um konkrete Inhalte soll es, wie schon gesagt, ja eh nicht gehen. Genauso wie er sich ja in letzter Zeit auch zunehmend (und für mich nicht glaubwürdig) einen grünen Anstrich zu geben versucht, um schon mal einen roten Teppich für die Grünen als mögliche Koalitionspartner auszurollen.

Und da man ja auch aufseiten der CDU genau weiß, dass viel zu viele Wähler sich heute nicht für politische Inhalte interessieren, sondern vor allem irgendwelchen durch reichlich PR aufgebauschten „Persönlichkeiten“ hinterherlaufen (das hat ja spätestens die große Beliebtheit vom Blender und Lügenbaron Guttenberg gezeigt), könnte so mit einem kurz vor Schluss noch in den Ring hüpfenden Söder doch noch eine weitere schwarze Kanzlerschaft gelingen.

Das halte ich natürlich nicht für erstrebenswert, sondern vielmehr für fatal im Hinblick auf die zunehmend dickeren Bretter, die von der Politik gebohrt werden müssen, um soziale Verwerfungen und Klimawandel noch irgendwie abzumildern (Aufgaben, die der „Franken-Machiavelli mit Sicherheit nicht bewältigen würden). Aber ich wäre zumindest nicht überrascht, wenn es genau so kommen würde …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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