Interessantes aus KW 3/2023

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wenn man so liest, was die Türkei unter ihrem Despoten Erdogan da gerade in Nordsyrien abzieht, dann unterscheidet sich das kaum vom russischen Vorgehen in der Ukraine. Anita Starosta beschreibt in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik die derzeitige Situation rund um Rojave, wo türkische Raketen zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser und Energieversorgung zerstören, sodass dort eine humanitäre Katastrophe droht. Zumal wenn dann auch noch die von Erdogan immer wieder angekündigte Bodenoffensive folgen sollte. Dass hieran so gut wie keine Kritik von den gleichen Politikern, die gegen den russischen Angriffskrieg eindeutig und gern stetig eskalierend Stellung beziehen, erfolgt, zeigt, dass es stets nur um Geopolitik und nie um Menschenrechte geht. [Karl]

2. Superyachten von Oligarchen sind eine komplett absurde Sache. Und wenn man sich dann auch noch deren Klimabilanz betrachtet, wird klar, dass hier die Perversion der Ungleichheit auf die Spitze getrieben wird. Darüber hat der französische Soziologe Grégory Salle ein Buch geschrieben, über das wiederum ein Artikel von Brigitte Werneburg auf monopol berichtet. Darin kommen einige Zahlen zur Sprache, die einen echt nur kopfschüttelnd und ungläubig zurücklassen ob der diesen innewohnenden Dekadenz. „Meeresungeheuer des Kapitalozäns“ trifft es insofern schon genau richtig.[Karl]

3. Containern soll nun demnächst straffrei werden. Was sich erst mal nach einer guten Nachricht anhört, ist bei genauerer Betrachtung, die Roberto J. De Lapuente in einem Kommentar auf Neulandrebellen anstellt, allerdings ein Armutszeugnis für Sozialstaat: Was in den Müll geschmissen wird, ist für einige Leute gut genug, um es zu essen, und dafür müssen sie dann jetzt auch immerhin keine juristischen Konsequenzen mehr fürchten. So funktionierte der Suppenküchenstaat, und der Sozialstaat sollte hier ja eigentlich diese Almosenattitüde überwinden. Im Grunde ist es also ein Rückschritt, wenn nun armen Menschen generös zugestanden wird, straffrei im Müll anderer wühlen zu dürfen. [Karl]

4. Wie die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien erfolgreich umgesetzt werden kann, kann man in der Stadt Coesfeld in Nordrhein-Westfalen beobachten. In einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung wird beschrieben, wie man dort dank umfassender Bürgerbeteiligung von vornherein eine breite Zustimmung für die Errichtung von Windkraftanlagen geschaffen hat, von denen nun die Bürger profitieren, da sie günstigen regionalen Ökostrom beziehen können. Ein Beispiel, was unbedingt Schule machen sollte! [Karl]

5. In der taz findet sich ein Interview mit der Klimaforscherin Ricarda Winkelmann. Darin geht es um die sogenannten Kipppunkte, und Winkelmann erläutert, was darunter genau zu verstehen ist und wie sich diese gegenseitig beeinflussen können. Sie betont zudem, dass jedes Zehntelgrad an globaler Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit für das Überschreiten dieser Kipppunkte erhöht und dass dadurch dann Ereigniskaskaden ausgelöst werden können – unter Umständen auch schon bei einer Erwärmung von 1,5 bis 2 Grad, was ja den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens entspricht. Keine tollen Aussichten … [Karl]

6. Auf geschichte der gegenwart findet sich ein interessanter Fachartikel von Manuela Bojadžijev und Robin Celikates zum Thema Integration. Ausgehend von den rassistischen Schuldzuschreibungen bei den Silvester-Ausschreitungen, zeigen die beiden Sozialwissenschaftler auf, dass die ständig wiederholte Forderung nach Integration schon per se eine rassistische und antidemokratische Note hat, da sie in „wir“ und „die anderen“ unterteilt sowie eine irgendwie homogene Gesellschaft als Grundannahme impliziert, die es so gar nicht gibt. Die Folge ist dann eine permanent zunehmende Spaltung der Gesellschaft quasi „von oben“. Interessante und wichtige Überlegungen! [Karl]

7. Lena Rauschecker ist Autorin bei Utopia und schildert in einem Artikel auf deren Website, wie ihr Leben auf dem Land ohne Auto, auf das sie seit fünf Monaten erzwungenermaßen verzichten muss, so funktioniert. Ihr Auto ist im Sommer des letzten Jahres nämlich nicht durch den TÜV gekommen, sodass sie nun alles mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen muss. Dabei zeigt sie differenziert auf, was bei ihr gut klappt, in anderen Orten aber eher nicht hinhauen dürfte, was sie eher nervt und was verbessert werden müsste. Es wird daran deutlich, wie sehr Deutschland aufs Auto zugeschnitten ist und was es da alles an Versäumnissen gab, um den hiesigen Verkehrssektor endlich mal zukunftsfest zu machen. [Karl]

8. Immer mehr Menschen leben als sogenannte digitale Nomaden, indem sie in immer anderen Ländern (meistens im globalen Süden) kurzfristig ihre Zelte aufschlagen, um von dort aus übers Internet zu arbeiten. Was von diesen Personen selbst dann meistens als gelebte Freiheit und ein zwangloser altnativer Lebensstil abgefeiert wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen, was Luca Bognanni in einem Artikel in der taz mal macht, als Auf-die-Spitze-Treiben des neoliberalen Mainstreams und der totalen Marktgläubigkeit. Insofern ist dieses Verhalten wohl als ziemlich typisches Phänomen unseres Zeitgeistes zu deuten – aber eben mit Sicherheit nichts Avantgardistisches. [Karl]

9. Dass die FDP in der Ampelregierung eher die Rolle der Opposition spielt, ist ja schon mehrmals recht deutlich geworden. Und auch gerade wieder arbeitet Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) gegen seine Koalitionspartner, da er den Solidaritätszuschlag, den nur noch die Reichsten in Deutschland bezahlen, gern abschaffen möchte. Dazu versucht er sogar den Bundesfinanzhof, wie Maurice Höfgen in seinem Videoblog von Geld für die Welt erläutert. Tja, wenn man sich eben so was wie die FDP mit ins Boot holt, dann sollte man sich nicht wundern, wenn solche Unstimmigkeiten die Folge sind. [Karl]

10. Ein amüsantes Format auf YouTube ist Küppersbusch TV. Friedrich Küppersbusch kommentiert dort auf pointierte Weise aktuelle politische Geschehnisse, in der aktuellen Folge unter anderem die Ernennung von Boris Pistorius (SPD) zum neuen Verteidigungsminister. Macht Spaß! [Karl]

11. Wer Die Anstalt (ZDF) vom 20. 12. 2022 gesehen hat, der weiß, wie schief es mit Inklusion und „Sonderschulen“ in Deutschland läuft. Nun legt Monitor (WDR) noch einmal mit einem 9-minütigen Bericht nach und zeigt auf, wie Menschen „behindert gemacht werden“, damit Schulen an Sonderförderungen kommen (wieder so einer der ekelhaften Auswüchse der kapitalistischen Lebensweise) und wie der Staat Kredite von Privatbanken benötigt und deshalb Staatshaushalte rentabel gemacht sein müssen (anstatt sozial). Die soziale Temperatur nimmt jedes Jahr weiter ab, um die ökonomische Ungerechtigkeit weiter und weiter voranzutreiben. Und das alles nur, weil Menschen, die viel Geld haben, „süchtig“ nach mehr sind (denn genauso nennt man das, wenn man zwanghaft mehr von dem benötigt, als man selbst benötigt oder einem guttut). [Dirk]

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