Interessantes aus KW 20/2026

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. US-Machthaber Donald Trump wird ja immer wieder antidemokratisches und sogar faschistisches Gebaren vorgeworfen, was auch durchaus berechtigt ist. Die beiden Politologen Alexander Cooley und Daniel Nexon aus den USA stellen nun in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik eine interessante These auf, was den eigentlichen Antrieb von Trump und seinen Spießgesellen darstellt. Denen geht es nämlich vor allem darum, sich selbst, ihre Familien und Freunde zu bereichern. Korruption sei somit in so einer Kleptokratie kein Nebeneffekt, sondern das eigentliche Ziel der Herrschaft. Schon sehr nachvollziehbar – und sinnvoll, das trumpsche Handeln immer auch unter diesem Aspekt zu betrachten. [Karl]

2. Nach Smarthome und Smartwatch kommen nun die Smart Glasses, also Brillen, mit denen man Video- und Tonaufnahmen machen kann. Das geschieht immer öfter heimlich, und die so erzeugten Videos werden dann ohne Wissen der gefilmten ins Internet gestellt, wie ein Artikel auf tagesschau.de schildert. Woran man mal wieder sieht, dass neue Techniken immer auch gleich von denjenigen ausgenutzt werden, die damit nichts Gutes im Schilde führen. Was man noch daran sieht: Die Justiz kommt überhaupt nicht hinterher, so etwas manierlich zu regulieren, denn der Gesetzesentwurf zur digitalen Gewalt wird von Experten als recht untauglich beurteilt. [Karl]

3. Beim Thema digitales Bezahlen kommen einem in erster Linie Bedenken hinsichtlich Datenschutz oder digitale Souveränität in den Sinn. Allerdings gibt es dabei auch noch eine ganz handfeste soziale Komponente, die von der Soziologin Barbara Brandl in einem Interview mit Netzpolitik.org erläutert wird. Es gibt dabei nämlich einige Mechanismen, die nicht nur ärmere Menschen benachteiligen, sondern die sogar eine Umverteilung von unten nach oben forcieren. Der digitale Euro ist zwar laut Brandl wohl unvermeidlich und auch sinnvoll, um nicht von US-Anbietern abhängig zu sein, dennoch gibt es nach wie vor gute Gründe, vor allem mit Bargeld zu bezahlen. [Karl]

4. Auch in Ostdeutschland ist die AfD schlagbar – zumindest bei Kommunalwahlen. Wenn es um die Posten von Bürgermeistern und Landräten geht, haben die blaubraunen Kandidaten dort nämlich fast immer verloren, wie ein Artikel in der taz feststellt. Das macht zwar zum einen Hoffnung, sollte aber andererseits kein Grund sein, sich nun mit dem Gefühl der Entwarnung zurückzulehnen. Interessant dabei der Blick auf Kandidaten, die deutlich gegen AfD-Bewerber gewonnen haben und somit einiges richtig gemacht haben müssen. Vor allem sind die nicht auf den rechten Krawall eingegangen und haben sich inhaltlich von der AfD abgegrenzt. So kann’s also gehen. [Karl]

5. Der US-amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt hat sich in Büchern schon sehr kritisch mit sozialen Medien und deren Nutzung vor allem durch Kinder auseinandergesetzt. In einem Interview mit Zeit Online begründet er nun seine Kritik und erläutert auch, warum er für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren ist. Vor allem sieht er Smartphones auch sehr kritisch, denn diese ermöglichen es eben, ständig nur virtuell unterwegs zu sein, ohne dafür zumindest am eigenen Rechner zu Hause hocken zu müssen. Die schädlichen Effekte, die Haidt aufzählt, sprechen für sich, dass hier jungen Menschen viel Schlechtes angetan wird. [Karl]

6. Die deutsche Justiz fällt ja leider immer mal wieder durch Rechtslastigkeit auf. Kein Wunder, mag man denken, wenn man in einem Artikel der taz liest, dass ein Dresdner Staatsanwalt offensichtlich sehr gute und zahlreiche Verbindungen in die rechte Szene hat. Der Staatsanwalt will von all dem natürlich nichts gewusst haben, aber die Indizien sprechen da schon eine andere Sprache. Und wenn er dann auch noch bei einer Veranstaltung vor Rechtsextremen über das Thema „Volksverhetzung und Meinungsfreiheit“ referiert, wird es gänzlich absurd. Immerhin soll nun ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet werden, denn man sollte von Staatsanwälten ja schon erwarten, dass sie zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. [Karl]

7. So geht Kleptokratie: US-Machthaber Donald Trump kündigt Aktionen im Iran-Krieg an, die einen starken Einfluss auf den Ölpreis haben, und kurz zuvor wurden an der Börsen Wetten auf den fallenden Ölpreis getätigt. Das sieht verdammt nach Insiderhandel aus, und das ist eigentlich verboten. Wobei das natürlich alles sehr relativiert ist bei einem Regime, dass vor allem darauf aus ist, die eigenen Taschen und die von Unterstützern zu füllen. Und so sind an vier Tagen außergewöhnliche Aktivitäten an den Rohstoffbörsen mit einem Gesamtvolumen von circa sieben Milliarden US-Dollar zu beobachten gewesen, wie ein Artikel von ntv berichtet. Nun soll zwar deswegen ermittelt werden, aber warum kann ich mir bloß nicht vorstellen, dass es dabei zu greifbaren Ergebnissen kommt? [Karl]

8. Der US-amerikanische Journalist Evan Osnos hat gerade ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Yacht oder nicht Yacht“. Darin befasst er sich mit den Superreichen vor allem der USA, wobei er in einem Interview mit fluter. betont, dass das ein internationales Phänomen sei. Er berichtet über seine Einblicke in die Welt der Milliardäre und deren teilweise sehr verquere Weltsicht: Einerseits könnten sie mit ihrer finanziellen Macht dazu beitragen, Demokratie zu stärken und den Klimawandel zu verlangsamen, andererseits nutzen sie ihr Geld dann dafür, um sich vor den Folgen der zahlreichen Krisen in Bunkeranlagen zurückziehen zu können. Dummerweise besitzen diese Leute auch sehr viele Medien, sodass ihre Sichtweise immer weitere Verbreitung findet und viele Menschen überhaupt nicht stört. Fatale Entwicklung! [Karl]

9. Zivilcourage ist eine gute Sache, aber kann manchmal auch zu Unverständnis führen. So gerade in einem Regionalzug der Deutschen Bahn: Dort hat laut einem Artikel im Stern die Autorin Jana Heinicke, die als Passagierin vor Ort war, eine Zugbegleiterin aufgefordert, die Polizei zu rufen, da ein älterer Mann zwei Frauen übel rassistisch beleidigt hat. Die Zugbegleiterin kam dieser Bitte allerdings nicht nach, denn sie wollte nicht, dass der Zug deswegen Verspätung hätte, und auch andere Passagiere hatten wenig Verständnis dafür. Heinicke rief die Polizei dann selbst und sieht sich nun deswegen Anfeindungen ausgesetzt, nachdem sie den Vorfall mit einem Video öffentlich machte. Deutschland im Jahr 2026 – Rassismus als Selbstverständlichkeit. [Karl]

Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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