An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!
1. Wie es zurzeit um die britische Demokratie bestellt ist, schildert Annette Dittert in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Das ehemaligen Zweiparteiensystem, das von den konservativen Tories und der Arbeiterpartei Labour dominiert wurde, weist mittlerweile nämlich etliche weitere Akteure auf: In den Landesteilen Schottland und Wales sind diese vor allem regional geprägt, dann erstarken die Grünen auch ziemlich als Konkurrenz zu Labour, und dann gibt es leider noch die rechtsradikale Reform UK des Brexit-Befürworter Nigel Farage, die sich anschickt, die stärkste Kraft im Land zu werden. Stabile politische Verhältnisse sind somit auch in Großbritannien immer unwahrscheinlicher – und das in Zeiten von zunehmenden und immer umfassenderen Krisen. [Karl]
2. Immer wieder machen radikale KI-Gegner mit militanten Aktionen auf sich aufmerksam – bisher vor allem in den USA. Das hat zur Folge, dass vonseiten der Geheimdienste ebenfalls eine Radikalisierung eintritt, die jede Form des technologiekritischen Protests als Bedrohung ansieht, was ja auch zum Vorgehen des Trump-Regimes gegen alles, was nicht deren Ideologie entspricht, passt. Allerdings, so ein Artikel im Standard, wird die Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz in breiten Teilen der Bevölkerung immer größer, vor allem auch junge Menschen sehen darin eine ernsthafte Gefahr. Und wenn man sich so anschaut, was für Leute und Unternehmen vor allem an der KI-Entwicklung beteiligt sind, dann finde ich das auch durchaus sehr nachvollziehbar. [Karl]
3. Die rechtsradikale schweizerische Volkspartei SVP hat ein Referendum initiiert, über das demnächst abgestimmt wird per Volksentscheid. Dabei geht es, wie Cédric Wermuth in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik beschreibt, um eine Begrenzung der Einwohnerzahl: „Keine 10-Millionen-Schweiz“. Worum es dabei geht, wird schnell klar: um Fremdenfeindlichkeit. Schon ab 9,5 Millionen Einwohnern soll in dem Land, in dem aktuell 9,1 Millionen Menschen leben, der Familiennachzug von Asylbewerbern gestoppt und die Personenfreizügigkeit von Menschen aus EU-Ländern eingeschränkt werden. Und wie das zurzeit leider in vielen Ländern zu beobachten ist, hat dieses groteske und internationalem Recht entgegenstehende Ansinnen sogar Aussicht auf Erfolg. [Karl]
4. Wenn das Leben immer sorgenvoller wird, greifen viele Menschen zu Mittelchen, um sich ein wenig Linderung zu verschaffen. Der neuste Trend, der auch von vielen Influencern propagiert wird: Ashwagandha. Das Nahrungsergänzungsmittel soll die Schlafqualität verbessern, Angst und Stress reduzierend wirken sowie sogar gegen Tumorzellen aktiv sein. Das Problem dabei, das in einem Artikel der taz geschildert wird: Die Studienlage ist ausgesprochen dünn, es gibt keinen belastbaren Nachweis für die Evidenz dieser Versprechend, und zudem wurden beispielsweise in den Niederlanden im Zusammenhang mit dem Zeug schon schwere Nebenwirkungen festgestellt. Da solche Nahrungsergänzungsmittel nicht den strengen Regulationen von Arzneien unterliegen, kann man also nur an die Vernunft der Verbraucher appellieren, doch besser die Finger davon zu lassen. [Karl]
5. Mit dem Thema politische Bildung befassen sich Tim Engartner und Steve Kenner in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Gerade Konservative und Rechte fordern hierbei ja immer wieder „Neutralität“, doch wenn politische Bildung dem Grundgesetz verpflichtet sein soll, dann muss sie auch in diesem Sinne Haltung zeigen und verfassungsfeindliche, antidemokratische, autoritäre und menschenfeindliche Sichtweisen als solche benennen und kritisieren. Fazit der Autoren: Es bräuchte wesentlich mehr kritische politische Bildung. Vollkommen nachvollziehbar angesichts der Rechtsrucks und der diesem zugrundeliegenden Entpolitisierung vieler Menschen, aber wohl leider politisch gerade kaum umsetzbar. ¥[Karl]
6. Sich gegen Faschismus zu engagieren, wird laut einem Artikel in der taz zunehmend gefährlicher in Deutschland. Das durfte gerade eine Teilnehmerin einer Demo gegen eine AfD-Veranstaltung in Berlin-Pankow erleben, als ein Blaubrauner unter wüstem Gezeter auf sie losgegangen und sie geschlagen hat. Eine wahre Heldentat gegen eine alte Frau mit nicht mal 50 Kilo Gewicht – zumindest sehen das wohl seine Spießgesellen so, die ihn daraufhin schulterklopfend beglückwünschten. Dazu kamen dann noch offene Gewaltandrohungen gegen Teilnehmer der Anti-AfD-Demo. Da mag man sich gar nicht vorstellen, was erst los sein wird, sollte dieses Pack tatsächlich mal in Regierungsverantwortung gelangen. [Karl]
7. In China werden KI-Brillen immer häufiger von Polizisten eingesetzt. Damit können Menschen und Fahrzeuge beispielsweise innerhalb von Millisekunden identifiziert werden. Was durchaus sinnvoll sein kann, wenn es um eine verwirrte oder hilfsbedürftige Person geht, ist spätestens dann gefährlich, wenn politisch unliebsame Menschen aufgespürt werden. Ein Artikel von Business Punk zeigt auf, was in China heute schon alles gemacht wird und wie die Rechtslage in westlichen Industrieländern zurzeit ist. Daraus wird deutlich: Die Technik wird kommen, sie ist nicht per se schlecht, hat aber ein riesengroßes Missbrauchspotenzial. Und das sollte einem bei immer rechteren und autoritäreren Regierungen schon sehr zu denken geben. [Karl]

