Die AfD mag keine Migranten. Und keine Muslime. Und queere Menschen auch nicht. Und Frauen nur, wenn diese devot als Heimchen am Herd stehen und mit Emanzipation oder gar Feminismus überhaupt nichts am Hut haben. Und Linke mögen die ebenfalls nicht, „die Antifa“ schon mal erst recht nicht. So weit, so bekannt. Gerade aber wird sehr deutlich, dass die AfD generell keine Menschen mag, wenn diese ihnen irgendwie in die ideologische Quere kommen.
Eine extreme Hitzewelle hat (nicht nur) Deutschland in den letzten Wochen heimgesucht, und das war auch für jeden sicht- und spürbar. Schließlich gab es allerhand Belege dafür, ein paar hab ich hier mal zusammengetragen:
in Frankreich war die Hitze noch mal eine Nummer krasser als hierzulande, dort sind geschätzt zusätzlich 1000 Menschen in der Zeit gestorben, wie in einer Meldung von ntv festgestellt wird. Die meisten dieser Verstorbenen waren über 65 Jahre alt, und die französische Gesundheitsbehörde schätzt das Ganze sogar so ein, dass diese Zahl noch deutlich zu niedrig ist. Auch in Deutschland werden mehr Hitzetote als in den Vorjahren erwartet.
Und tatsächlich ist das dann so auch eingetreten und wurde dort sichtbar, wo man entsprechende Zahlen erhoben hat. Laut einer Meldung auf tagssschau.de sind so in Köln etwa 120 Menschen am letzten Wochenende verstorben – das ist ein Vierfaches dessen, was sonst normal ist. Auch die Rettungsdienste hatten mehr als doppelt so viele Einsätze wie an anderen Wochenenden ohne Extremhitze.
Am Sonntag hatte ich ja bereits einen Liveticker von t-online in den Wochenhinweisen verlinkt, aus dem ersichtlich wird, was so alles während der Hitzewelle passiert ist – und was eben sonst an „normalen“ warmen Sommertagen nicht passiert: Straßenschäden auf Autobahnen, verformte Gleise der Bahn, Waldbrände, überproportional viele Tote bei Badeunfällen, kollabierende Kinder in einem Zeltlager …
So führt dann auch Wikipedia bei den höchsten je in Deutschland gemessenen Temperaturen zwei Tage des letzten Wochenendes an: 41,8° C in Drewitz (Sachsen-Anhalt) und 41,3° C in Saarbrücken-Burbach (Saarland). Die vier weiteren dort aufgeführten mit über 40° C gemessenen Temperaturen sind von 1983, 2015 und zweimal von 2019 – und allesamt im Juli gelegen, der ja generell noch mal gern eine Ecke heißer ist als der Juni.
Sehr prägnant brachte das die Facebook-Seite „Made My Day“ in einem Meme auf den Punkt:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt an, dass vor allem Städte mehr Hitzeschutzmaßnahmen treffen müssten, da die nächsten Sommer vermutlich noch heißer werden in Europa (s. hier). Ebenfalls in dem Text findet sich dann noch eine Passage, die zeigt, wie dramatisch die Hitzewelle war:
[…] die Hitzewelle der vergangenen Tage, die zuerst vor allem Frankreich, Spanien und Großbritannien, später dann auch Deutschland historisch hohe Temperaturen beschert hat. Am Wochenende wurde hierzulande an zahlreichen Orten die 40-Grad-Marke übertroffen – und das in einem Juni. Laut einer ersten Analyse hat es sich um die schlimmste Hitzewellegehandelt, die in der betroffenen Region jemals aufgezeichnet wurde, die Temperaturen liegen 5 bis 12 Grad Celsius über den saisonalen Durchschnittswerten. Wegen des Klimawandels lagen die Höchsttemperaturen teilweise um bis zu 4 Grad Celsius über dem, was ohne die menschengemachte Klimaerwärmung zu erreichen wäre.
Der Ernst der Lage ist also nicht von der Hand zu weisen, und es gibt dann auch Politiker, die das thematisieren und entsprechendes politisches Handeln einfordern. So zum Beispiel Robin Mesarosch (SPD) auf seiner Facebook-Wall:


Und während ich das hier schreibe, geht gerade ein derbes Gewitter runter, was deutlich heftiger ist als das, was man früher gemeinhin so als „Sommergewitter“ kannte. Aber das gerade nur als kleiner Einschub.
Auch Ricarda Lang (Grüne) findet klare Worte in Richtung Bundesregierung wegen deren Nichthandelns und nicht einmal Thematisierens der Hitzewelle – und adressiert das direkt an den Bundeskanzler, der mal wieder zeigt, dass er null Format hat und in unserer krisenhaften Zeit eine komplette Fehlbesetzung ist:

Es sollte also irgendwie jedem klar sein, dass diese Hitzewelle ein Resultat des Klimawandels – oder besser: der Klimakrise, wenn nicht gar Klimakatastrophe, denn das ist es mittlerweile – ist. Jedem? Na ja, nicht ganz, denn es gibt ja nach wie vor Leute, die den wissenschaftlichen Konsens des menschgemachten Klimawandels schlichtweg bestreiten. Und diese Typen sitzen vor allem in der AfD, aber auch in Teilen der CDU/CSU und FDP.
Und so werden konkrete Handlungs- und Lösungsvorschläge dann auch von Rechten und Konservativen einfach abgelehnt. Dass man dabei nicht immer logisch stringent vorgeht, überrascht leider nicht und wird hier von Uwe Brückner auf seiner Facebook-Wall recht pointiert kommentiert:

Man könnte also sagen, dass solchen Politikern die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen ziemlich egal sind, solange sie nur Stimmung gegen ihren politischen Gegner machen können. Dass sich solche destruktiv verhaltenden Gestalten dann selbst gern als „staatstragend“ inszenieren, ist schon ein ziemlicher Hohn. Aber leider kommen die damit ja immer noch durch …
Dazu passend findet man dann auch zurzeit etliche Social-Media-Beiträge von der AfD mit so einem Inhalt wie hier exemplarisch beim AfD-Kreisverband Herne auf deren Facebook-Wall gefunden:
Daran stimmt natürlich nichts, denn wie zuvor gezeigt, ist die Hitzewelle der letzten Tage alles andere als ein ganz normaler Sommer. Doch bei der AfD sieht man das folgendermaßen: Hitzetote? Gibt’s nicht! Menschen mit Kreislaufproblemen, ältere Menschen oder Kinder, die besonders unter der Hitze leiden und gesundheitliche Probleme bekommen können? Ach was, sollen sich nicht so anstellen, ist halt Sommer.
Wer also zu diesen besonders belasteten und gefährdeten Gruppen gehört (aber natürlich auch jeder andere) darf da von der AfD nichts erwarten – weder präventiv im Sinne von Klimaschutz noch reaktiv im Sinne von Maßnahmen, um derartige Hitzewellen (oder auch andere Extremwetterlagen) zukünftig glimpflicher zu überstehen. Diese Menschen sind der AfD also schlichtweg komplett egal. Und nicht nur das: Diese Menschen werden durch solche Beiträge auch noch verhöhnt, weil die sie belastenden Umstände einfach „weggelacht“ werden.
Daran wird dann übrigens auch noch deutlich, dass die AfD kein Interesse an konstruktiver Politik hat, sondern immer nur dagegen sein will, um so ihre Anhänger aufzuwiegeln gegen „die anderen“. Normalerweise sind die Blaubraunen ja nicht gerade für eine positive Weltsicht bekannt. Da werden die wirtschaftlichen Probleme, die zurzeit in der Tat hierzulande bestehen, dann schnell mal zur „Deindustrialisierung“, da soll durch „Klimawahn“ unser Wohlstand zerstört werden, da werden Verbrechen von Migranten so aufgeblasen, als wenn gleich eine Terrorwelle über das Land schwappen würde, usw. Und hier gibt man sich nun locker, unbedarft, fröhlich: Hey, ist doch alles super, ist doch nur Sommer! Klar, wenn alle anderen die Extremhitze problematisieren, dann muss die AfD das natürlich bagatellisieren. So einfach zu durchschauen, so primitiv, aber leider auch so wirksam.
Doch zurück zum eigentlichen Thema: der umfassenden Menschenverachtung der AfD. Diese hat erneut Uwe Brückner auf seiner Facebook-Wall dokumentiert und passend kommentiert:

Wie viel deutlicher als dieser AfD-Kandidat kann man noch zum Ausdruck bringen, dass einem das Wohlbefinden von Menschen vollkommen egal ist oder dass man es sogar als störend wahrnimmt, wenn es denn den eigenen Interessen entgegenstehen könnte oder man mal wieder lieber Stimmung gegen politische Gegner machen möchte, anstatt sich um konstruktive Lösungen zu kümmern?
Allerdings trägt dieses substanzlose Geblubber von AfDlern leider Früchte, denn auch deren Anhang teilt dann entsprechende Beiträge in den sozialen Medien, so wie beispielsweise dieser hier:

In seiner Hybris schreibt der Typ doch tatsächlich, dass er ein „logisches Gedankenspiel in den Raum werfen“ wolle – und dabei hapert es dann schon mal an der Logik, dass das globale Klima nicht wie ein Thermostat an einer Heizung funktioniert, sondern eben ein sehr fragiles System ist, in das wir seit gut 150 Jahren einen ziemlich kruden Rührstab hineinhalten und einfach mal schauen, was dann so passiert. Ich glaube, das lernt man heute spätestens in der Mittelstufe in der Schule, oder? Aber hier wird dann die Legende des „Alles nicht so schlimm“ weitergesponnen, auch wenn die Realität in zunehmendem Maße zeigt, dass es wohl so simpel nicht sein kann und es um mehr geht als nur um ein paar Grad wärmere Temperaturen. Nämlich um Extremwetterereignisse, die heftiger und länger ausfallen als bisher.
Aber so verbreitet sich der AfD-Unfug eben immer weiter und wird von immer mehr Menschen wahrgenommen. Und dabei geht es den Blaubraunen, wie schon gesagt, nicht um Lösungen für Probleme, sondern nur darum, weiter Angst und Wut zu schüren. Das sind nämlich die beiden Triebfedern des AfD-Erfolgs – und deren ehemaliger Bundespressesprecher Christoph Lüth hat das ja auch mal auf den Punkt gebracht, als er sich nicht beobachtet wähnte: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“
Und diese geschürte Wut und Angst müssen natürlich irgendwie kanalisiert und auf Menschen projiziert werden. Gestern auf Ausländer, Muslime, queere Personen. Heute auf Hitzetote und Menschen, die besonders unter den hohen Temperaturen leiden: Alter, Kranke, Kinder. Und morgen dann vielleicht auch auf Menschen, die heute noch gar nicht damit rechnen und vielleicht sogar die AfD wählen.
Woran man sieht, dass es schon allein aus Gründen des Selbstschutzes keine gute Idee ist, die Blaubraunen mit seiner Stimme oder anderweitig zu unterstützen. Da kann man nämlich nur ein Ereignis – eine Erkrankung, einen Unfall, eine Insolvenz des Arbeitgebers, eine Wohnungskündigung usw. – davon entfernt sein, auch zu denen zu gehören, die von der AfD als nicht vollwertige Menschen angesehen und verhöhnt oder Schlimmeres werden.

