Diskussionen mit Rechten – ein bezeichnendes Beispiel

Über die Unfruchtbarkeit von Diskussionen mit Rechten oder gar Rechtsextremen habe ich mich ja vor ein paar Jahren schon mal in einem Artikel ausgelassen, jetzt habe ich kürzlich allerdings wieder ein so bezeichnendes Beispiel dafür erleben müssen, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Daran sieht man nämlich exemplarisch, wie Rechte überhaupt nicht an einer Diskussion interessiert sind und in die immer gleichen Muster verfallen, wenn jemand etwas äußert, was nicht ihrem eigenen Weltbild entspricht.

Zum Hintergrund: Auf Facebook wurde ein Spiegel-Artikel zur Entlassung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen diskutiert. Dazu äußerte sich dann auch ein User, der mir schon öfter aufgefallen war mit leicht rechter Schlagseite, der sich bis dato allerdings immer halbwegs zu benehmen wusste. Nun wurde also Maaßen als neuer Held der Rechten verteidigt mit dem typischen rechten Gesülze, dass Maaßen eben jemand wäre, der die Wahrheit aussprechen würde, was ich dann nicht so stehen lassen wollte. Es entspann sich daraufhin folgender Disput (die vierte Äußerung mit der AfD-Kandidatur ist von einem dritten User, der sich sonst nicht weiter beteiligt hat:

So läuft es dann immer ab mit Rechten: Sie behaupten etwas, man selbst behauptet das Gegenteil, wird nach einem Beleg gefragt (den Rechte selbst in der Regel nicht bringen für ihre Aussagen), liefert einen solchen, und dann wird gemeckert, dass ja ein Artikel noch kein Beweis sei – gern auch wie hier mit dem verallgemeinernden Hinweis versehen, dass man sich aufgrund einer Quelle eben die Realität zurechtbiegen würde. Was ja übrigens vor allem ein Kennzeichen von Rechten ist, aber deren Realitätsverweigerung fängt eben meistens schon beim eigenen Verhalten an.

Zwischendurch wurde dann noch mal der dritte User beleidigt, indem ihm vorgeworfen wurde, einen an der Klatsche zu haben, zudem wurde ihm auch Realitätsverweigerung vorgeworfen („Schlafschaf“ wurde nun nicht direkt gesagt, aber doch deutlich umschrieben), und dann durfte auch das Rumgeheule, dass kritische Menschen ja immer gleich alle als Nazis bezeichnet werden (ich bin durchaus sehr kritisch, aber einen Nazi hat mich noch niemand genannt) – und natürlich wurde der Begriff „Nazi“ zuvor in dieser Diskussion auch noch gar nicht verwendet. Aber das ist auch typisch für Rechte, die anderen vorwerfen, sie als Nazis zu bezeichnen, obwohl das niemand gemacht hat. Diese Opfermentalität wird in diesen Kreise ja sehr gepflegt – und mit „Mimimimi“ häufig auch sehr treffend kommentiert in sozialen Medien.

Weiter ging’s dann also, und da ich vor einiger Zeit schon mal einen Artikel über die zahlreichen Verfehlungen von Maaßen geschrieben habe, konnte ich schnell ein paar weitere recht unterschiedliche Quellen anfügen, die meine Aussage belegten:

Die Reaktion auf diesen wohl durchaus als um Ernsthaftigkeit und Fundiertheit bemühten Diskussionsversuch war ebenfalls wieder typisch für Rechte: Man selbst müsse ja nichts belegen, denn nur andere stellen ja Behauptungen auf (während der Rechte grundsätzlich die unumstößliche Wahrheit, die keiner Quellen bedarf, für sich gepachtet hat). Zeitungsartikel (na ja, waren nun auch ein paar Videos und Blog-Beiträge dabei, aber solche Feinheiten interessieren einen wackeren Rechten nicht) sind ja ohnehin keine „haltbaren Belege“. Und außerdem würde ich das ja auch nur posten, weil mir Maaßen nicht in den Kram passen würde.

Auch hier wieder grandiose Realitätsverweigerung bezüglich der Selbstwahrnehmung: Weil Rechte alle Informationen bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit immer nur nach dem Schema „passt in mein Weltbild, dann muss das stimmen – passt nicht in mein Weltbild, dann ist das falsch“ bewerten, unterstellen sie dies auch allen anderen. Und dann auch noch absurderweise einen Vorwurf daraus. Mit den Quellen und Belegen selbst wird sich dabei natürlich nicht beschäftigt, wie man hier ja auch an der Zeitspanne von sechs Minuten, die es bis zur Antwort gebraucht hat, erkennen kann. Auf diese Diskrepanz machte ich dann auch aufmerksam, was dann eine dermaßen plumpe und billige Retourkutsche hervorrief, die auch wieder bezeichnend für die nicht vorhandene Diskussionsfähigkeit von Rechten ist. Mehr als „selber doof“ ist da leider nicht zu erwarten.

Die Logik der ersten Aussage ist zudem dermaßen bescheuert: Was soll es nun aussagen, dass ich zwei Artikel innerhalb von 70 Minuten gepostet habe und warum habe ich deswegen meinen Realitätssinn verloren? Es geht nur darum, Argumente zu verdrehen, auf Stringenz, Stimmigkeit oder gar Kausalität wird kein Wert gelegt. Recht zu haben ist das einzig Entscheidende – nicht nur schlechte Voraussetzungen für einen zivilisierten Diskurs sondern laut einem Artikel auf Business Insider auch ein Merkmal eher dummer Menschen (Angewohnheit Nummer 2 in der Auflistung).

Und natürlich darf dann zum Schluss auch noch, wenngleich etwas verklausuliert, das obligatorische „Lügenpresse!“ nicht fehlen. Klar, der NDR ist per se erst mal keine unabhängige Quelle, die sagen ja auch öfter mal Dinge, die nicht der Meinung von Rechten entsprechen. Was will man mit so einem Menschen noch besprechen, und dann auch noch virtuell?

Also ließ ich es dann auch bleiben, und der rechte Troll wurde dann auch kurz danach ob seines indiskutablen Diskussionsverhalten von der Facebook-Seite entfernt.

Wie man an diesem Beispiel sieht (und ich erleben solches Verhalten eigentlich täglich in sozialen Medien), hat es überhaupt keinen Sinn, mit Rechten virtuell diskutieren zu wollen. Wenn einem so ein Typ mal persönlich in der Realität gegenübersitzt, dann mag man vielleicht noch irgendwie an den rankommen können (wobei auch das schwierig und eher ein Fall für den Therapeuten ist, wie ich hier schon mal ausgeführt habe), aber hinter einem schützenden Bildschirm hat man da echt keine Chance, weil das rechte Gegenüber eben gar nicht auf einen wirkliche Austausch aus ist (s. dazu auch diesen ausgesprochen lesenswerten Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik), sondern nach Platzierung der eigenen Ansicht und Rhetorik vor allem eine weitere Diskussion sabotiert.

Man sollte akzeptieren, dass es einen bestimmten Prozentsatz von Menschen in Deutschland gibt, die nicht nur überzeugte Rassisten, Nationalisten oder sonst irgendwas eklig Rechtes sind, sondern die zudem auch noch komplett vernagelt sind. Da diese Leute allerdings auch zunehmend lauter und dominanter werden im öffentlichen Diskurs, sollte man ihren geäußerten Müll jedoch auch nicht einfach so kommentarlos stehen lassen. Man darf nur nicht erwarten, dabei dann zu dem Rechten durchzudringen, sondern sollte sich darüber im Klaren sein, dass man eine Gegenposition in erster Linie für andere mitlesende Dritte formuliert.

Und das ist extrem wichtig, wenn auch aufgrund solcher Erlebnisse wie des eben geschilderten oftmals frustrierend, um die Diskussionen in sozialen Medien und natürlich auch überall anders nicht noch weiter verrohen und rechtslastig werden zu lassen.

 

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak, hört den ganzen Tag Tonträger und treibt sich viel auf Konzerten rum. Außerdem geht er seit vielen Jahren zu den Spielen des FC St. Pauli.

One thought to “Diskussionen mit Rechten – ein bezeichnendes Beispiel”

  1. Was zum Henker hättest Du denn als „Beweis“ anführen sollen, wenn nicht Zeitungsbeiträge und Videos aus den öffentlich-rechtlichen Sendern? Ein mit Photoshop zusammengezimmertes Bild (wie es von Hetzern jeglicher Ausrichtung ja so gerne gemacht wird)? Eine eidesstattliche Erklärung von Herren Maaßen, persönlich mit Blut unterzeichnet und natürlich im Original vorliegend? Was wäre denn „ein Bewies“ der akzeptiert werden würde? Schmarrn! Du „Karl Heinz“ … ;)

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