Fridays for Future rockt Hannover

Ein Gastartikel von Markus Mansius

Am 5. Juli fand während der Sommerferien in Hannover eine Fridays-for-Future-Demo statt. Alle, die immer wieder von „Schulschwänzern“ reden, wurden erneut Lügen gestraft, denn gegen 15 Uhr versammelten sich die rund 5000 Teilnehmer, überwiegend Schülerinnen und Schüler, aber auch Vertreter aller anderen Altersgruppen, am Georgsplatz, um etwa eine halbe Stunde später einen fröhlichen und lautstarken Zug durch die Stadt zu starten.

„Mama, gab es den Regenwald wirklich?“

Ab und an sah man einen versprengten Grünen, eine Antifa- und ein paar Verdi-Fahnen, ansonsten nur selbst gebastelte Pappen verschiedenster Qualität und Kreativität mit Sprüchen wie:

„Früher war Fisch in der Verpackung, heute ist die Verpackung im Fisch.“
„Dieses Plakat ist so erbärmlich wie unsere Klimapolitik.“
„Mama, gab es den Regenwald wirklich?“
„Was ist ein Schneemann?“
„Und diese Biene, die ich meine – ist tot.“

Immer wieder wurden lautstark und fröhlich Parolen und Zwiegespräche wie“

Gib mir ein R, gib mehr ein W, gib mir ein E. Und was bedeutet das? Scheiiiiiiße!!!“
„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“
„Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren.“
„The People have the power.“
„Climate Justice Now!“*
„Schießt den Lindner auf den Mond, das ist Raumfahrt die sich lohnt!“

angestimmt. So bewegte sich der bunte Trupp nun ca. zwei Stunden durch Hannover, den Gaffern am Rand rief man immer wieder zu:

„Leute lasst das Glotzen sein, reiht Euch in die Demo ein.“

Oder:

„Leute lasst das Glotzen sein, setzt Euch für das Klima ein.“

Und immer wieder starteten Stimmstarke aus der Menge heraus, mal mit, mal ohne das gute alte Megafon, folgenden Aufruf, der von der Menge zeilenweise lautstark wiederholt wurde:

„Kohlekonzerne
baggern in der Ferne,
zerstören unsere Umwelt,
nur für einen Batzen Geld.
Worin wir unsere Zukunft sehen:
erneuerbare Energien.“

Zum Schluss brüllte der Vorrufer : „Danke sehr!“

Und die Menge antwortete lautstark: „Bitte sehr!“

Während der zwei Stunden war eigentlich nirgends ein Handy zu sehen, keiner machte Selfies, wenn überhaupt Aufnahmen gemacht wurden, dann von uns für diese Berichterstattung (war schon fast peinlich) und natürlich von professionellen Fotografen. Man lief und rief halt, und was nebenbei auch auffiel: Viele hatten bei der Wärme Metall- oder Glas- statt Plastikflaschen mitgenommen.

Während wir da also liefen und riefen, klatschten und jubelten plötzlich viele der Teilnehmer, denn auf einem Balkon im sechsten, vielleicht siebten Stock eines angrenzenden Hauses stand eine sehr alte Frau, die uns mit Winken und Klatschten ihre absolute Zustimmung zu erkennen gab und dabei sehr berührt wirkte. Und alle winkten zurück. Das war schon ein bewegender Moment.

Kapitalismuskritik

Letztendlich trafen wir am Zielort, einer großen Wiese, ein. Hier stand lediglich eine Bühne, es gab keine Werbe- oder Infostände von Organisationen und auch keine Getränkestände, es fuhr lediglich jemand mit einem Lastenfahrrad herum und verschenkte „gerettetes“ Essbares.

Als alle Teilnehmer auf der Wiese eingetroffen waren, erfolgten zwei kürzere Reden, die erste von einer sehr nervösen und/oder bewegten Schülerin, die erklärte, dass täglich Hunderte Arten sterben würden, der menschengemachte Klimawandel nun mal Tatsache sei, sie dessen Leugner deswegen endgültig leid wäre und man endlich handeln muss.

Die zweite Rede war noch interessanter, denn hier ging es ohne Umschweife dem Kapitalismus an den Kragen. Man würde von klein auf in seine Rolle gezwängt, müsste bereits in der Schule lernen zu gehorchen, um für die Arbeitswelt „passend gemacht“ zu werden. Dabei wurde dann auch der bekannte Spruch „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause“ zitiert.

Und die Fahrer der Kohlebagger würden ihre Maschinen nicht bedienen, weil sie es toll fänden, die Umwelt zu zerstören, sondern aus rein wirtschaftlicher Not(wendigkeit).

Schließlich forderten die Redner unter dem lauten Beifall aller Anwesenden den Systemwechsel.

Zum Abschluss spielte noch eine Band und fragte gleich im ersten Lied zu Reggaeklängen, wo denn die Revolution bliebe. Danach brachen wir nach Hause auf.

Abschlusskundgebung

Fazit

Fridays for Future lebt allein von sich selbst, die Bewegung ist unabhängig, selbstorganisiert und lässt sich jedenfalls auf den Demos von niemandem auch nur ansatzweise instrumentalisieren. Und Fridays for Future ist jung, bunt, fröhlich – einfach nur erfrischend und zumindest in Teilen immer kapitalismsuskritischer. Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann höchstens, dass sich während des Zuges doch zu viel nur um das Thema Kohle drehte, aber auch das ist verständlich, denn ein schnelles Abschalten hätte mit den größten Klimaschutzeffekt und wäre auch am einfachsten umsetzbar, sofern der politische Wille da wäre.

* Climate Justice Now! („Klimagerechtigkeit jetzt!“) ist ein Netzwerk von über 400 NGOs, denen es nicht nur um Klimaschutz allein geht, sondern auch für die Berücksichtigung von Umweltgerechtigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit in der internationalen Klimapolitik.

Die Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft wird sehr kritisch gesehen, und man verfolgt eher eine konfrontative Strategie. (Quelle: Wikipedia)

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