Warum leugnen Rechte den menschgemachten Klimawandel?

Dieser Frage begegnete ich gerade auf Facebook, und tatsächlich erlebe auch ich dort immer wieder, dass AfD-Jünger und andere Rechtsaußen den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel vehement abstreiten. Die AfD hat ja sogar in ihrem Programm stehen, dass es wissenschaftlich nicht erwiesen sei, dass der Klimawandel auf das Handeln des Menschen zurückzuführen ist – auch wenn etwa 97 % aller sich mit dieser Thematik beschäftigenden Wissenschaftler anderer Ansicht sind. Daher mal ein kurzer Versuch, die Gründe für dieses irrationale Verhalten von Rechten darzustellen.

Zunächst mal zwei Grundprinzipien rechten politischen Handelns: Rechte sind immer auf der Seite der Besitzenden und der Konzerne. Und Rechte erzählen den Menschen das, was diese hören wollen, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht.

„Der schwarze Mann ist schuld, dass Du keine Arbeit hast“ ist für viele bequemer als „Das sind systemische Ursachen, die dafür sorgen, dass weniger gut qualifizierte Menschen oftmals arbeitslos sind, weil sie einfach nicht mehr gebraucht werden“. So kann man dann seinen Zorn auf „die anderen“ richten und nicht auf das System, von dem man ja selbst ein Teil ist. Und man entledigt sich auch gleich noch jeglicher Verantwortung für Missstände – eine weitere Sache, die bei Rechten sehr beliebt ist und die auch gut mit dem beliebten rechten Narrativ „Schuld sind immer die anderen“ korrespondiert.

Genauso sieht es beim Klimawandel aus: „Wir müssen uns massiv ändern und eben auch deutlich einschränken“ – das hört niemand so richtig gern. „Wir machen so weiter wie bisher, und an allem, was schiefläuft, sind die Ausländer schuld, weil die sich so stark vermehren in Afrika und Asien“ ist da schon deutlich kommoder. Auch hier bekommt der denkfaule und verantwortungslose Feigling genau das geliefert, was er gern hören möchte. Und zudem passt es auch zum konservativen Selbstbild und Grundtenor rechter Programmatik, nichts ändern zu wollen, sondern alles (auch Schlechtes, Verkehrtes und Schädliches) zu konservieren.

Und nebenbei, um zum Eingangssatz mit den zwei Grundprinzipien zurückzukommen, freut es auch noch die Besitzenden und Konzerne, die ja an den bestehenden Verhältnissen auch nichts geändert haben möchten und zudem für den Großteil des Klimawandels verantwortlich sind. Nicht umsonst bekommt die AfD über möglichst verschleierte Kanäle reichlich Spenden von sehr reichen Menschen – wer bezahlt, bestimmt die Musik. Wobei es natürlich dem elitären und hierarchischen Denken von Rechten eh entgegenkommt, sich den Vermögenden und dadurch auch Mächtigen anzudienern.

Was noch dazukommt: Man kann „die Grünen“ als schönes Feindbild aufrechterhalten, denn ein Feindbild brauchen die Rechten immer. „Die Grünen wollen dir alles verbieten und alles wegnehmen“ – das zieht wunderbar, man hat einen weiteren „anderen“, auf den man zeigen kann und der bös ist, weil er einem „alles wegnehmen und verbieten“ will. Hier geht man dann auch Hand in Hand mit der Lieblingspostille der meisten Rechten, der BILD, die ja auch seit Jahren in miesester Manier vor allem gegen Politiker der Grünen hetzt. Man kann also auf den Erfahrungen der Wählerklientel aufbauen.

Und was noch aus agitatorischer Sicht hinzukommt: Man kann sich so schön als „gegen den Mainstream“ inszenieren, da eben der wissenschaftliche Konsens als „Meinung“ angesehen wird, der man einfach so widersprechen könnte (selbst wenn die eigenen Quellen dann irgendwelche vermeintlichen Fachleute sind, die schnell nachvollziehbar mehr oder weniger direkt von der Erdölindustrie bezahlt werden – was bei nahezu allen, die in Vorträgen abstreiten, dass der Klimawandel menschgemacht ist, der Fall ist; s. dazu hier). Dass man dabei natürlich ganz im Sinne des Establishments handelt, bemerken die so aufgestachelten AfD-Gläubigen nicht (im Gegensatz zu den AfD-Agitatoren, denen das sehr wohl mehrheitlich bewusst ist).

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die AfD und andere Rechte als extremste Ausprägung des Marktradikalismus auch jede Verantwortung für das destruktive Handeln unseres Wirtschaftssystems schlichtweg abstreiten. Und dass deren Anhänger solche Positionen einfach übernehmen und dann auch gegen jede bessere Argumentation, die das Gegenteil belegt, vollkommen verbohrt verteidigen, ist eben auch ein typisches Merkmal rechter Spießgesellen: Es ist wahr, was ins eigene Weltbild passt, was dem widerspricht, muss Fake sein.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

4 thoughts to “Warum leugnen Rechte den menschgemachten Klimawandel?”

  1. Alles richtig und gut beschrieben. Keinen Widerspruch in der Sache.

    Worauf ich allerdings auch hier gern einmal hinweisen möchte, ist, dass das nicht von ungefähr kommt. Alternativlosigkeit, wie sie seit Jahrzehnten gepredigt worden ist, sogar von der Sozialdemokratie unter Schröder und Gefolge dann akzeptiert worden ist, hat natürlich diesen Humus erst geschaffen. Wenn etwas als alternativlos gilt, es aber einem selbst mehr schadet als nützt – und das haben Millionen Menschen hier am eigenen Leib erfahren durch die deutschen Verwaltungen, insbesondere die Jobcenter -, dann verzweifelt man oder man fällt auf Scheinalternativen herein. Die AfD ist ein Scheinalternative, wie im Beitrag gut beschrieben worden ist. Der Mensch, der aber auf die Scheinalternative hereinfällt, ist nicht dumm oder auch nur ungebildet. Er ist frustriert und handelt aus dieser Frustration heraus. Feindbilder sind dazu dann schnell gefunden, die Eliten, die Flüchtlinge, die Faulen (auch dann, wenn er selbst von den anderen so benannt worden ist), die Dummen (weil natürlich auch hier das Mantra des ungebildeten Anderen gilt, den Unwissenden Anderen, des von den Wissenschaften im Auftrag der Eliten falsch Informierten, gilt).

    Rechts ist nicht dumm und auch nicht homogen. Im Gegenteil hat es Rechts geschafft eine Volksideologie zu entwickeln, die sie einigt ohne sie homogen zu machen. Volksideologie, weil sie dem Volk aufs Maul geschaut haben und mit einfachen Antworten auf komplizierte Zusammenhänge, mit einer einfachen Logik der Aktion und Reaktion, ein „vernünftiges“ Konzept entwickelt haben, welches deshalb mehrheitsfähig sogar geworden ist, weil es auch dem Bürgertum durchaus seinen Platz lässt, deren Denken von Freiheit im liberalen Kontext des freien Wirtschaftens und der individuellen Verantwortung für Erfolg und Scheitern.

    Mir schwant Böses, auch weil das linke Spektrum und das liberale Spektrum deren Intelligenz immer noch negiert, Verwerfungen auf Bildungsnotstände und mangelnde Intelligenz im rechten Lager zurückführt, mit Bildungsoffensiven allein meint antworten zu können, auf Vernunft setzt, obwohl die Vernunft auch von den Rechten längst missbraucht wird, indem die Rechten Logik auf eine falsche Basis aufbaut, auf Werten, die mit denen der Aufklärung nichts mehr zu tun haben. Diese linksliberale, in meinen Augen unvernünftige Verhalten, Werte nämlich zu beschwören, aber die Definition der Werte immer mehr den Rechten zu überlassen, nenne ich überheblich und unangemessen. Diese linke, liberale Überheblichkeit hat schon in der Flüchtlingsfrage geschadet, sie zur Krise werden lassen und diese linke, liberale Überheblichkeit wird uns vielleicht genau deshalb die Demokratie kosten.

    Es hilft nichts nur noch darauf hinzuweisen. Das einzige was helfen würde, wäre Werte auch wieder zu definieren, Einfluss auf die Moral zu nehmen und sie nicht einem Wettbewerb der Märkte allein zu überlassen. Wenn Links nicht endlich einsieht, dass es nichts nützt nur auf Verwerfungen hinzuweisen, sie dann aber, wenn Links ein wenig Macht hat, diese Verwerfungen sogar größer macht, wird Links nie mehr die Deutungshoheit übernehmen können. Derzeit haben diese Deutungshoheit die Rechten inne und sie treiben uns, sodass ich sogar mich dazu hinreißen lasse die Rechten als intelligenter derzeit, mindestens aber als pragmatischer anzusehen, als wir Linken es sind.

    Wie gesagt, mir schwant Böses!

  2. Ich kann der Aussage von Heinz nur zustimmen. „Die Rechten“ sind in erster Linie eine kleinere „Elite“, die die Kunst der Manipulation beherrschen und Gewissenlos anwenden, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Diese „Elite“ dürfte man gerade mal als Dumm bezeichnen, weil viele in diesem Lager tatsächlich an ihre unsinnigen Ideologien glauben, und ihren Einsatz für gemeinnützig halten. Ein geringerer Anteil dieser Leute ist sich dessen bewusst und wirklich nur auf eigene Rechnung dabei. Das ist dann der Anteil, bei denen man eine pathologische Persönlichkeitsstörung vermuten darf.

    Solche Herabsetzungen wie „die sind Dumm“ halte ich jedoch insgesamt für nicht angemessen, sondern eher für problematisch. Einen Menschen oder eine Gruppe als dumm zu bezeichnen, wenn nicht scherzhaft gemeint, ist eindeutig eine Abwertung desjenigen oder derjenigen! Und man kann ruhig davon ausgehen, dass eine Person die diese Abwertung gebraucht sich selbst für nicht-dumm, und somit für besser bzw. wertvoller hält, als jene, welche man als dumm bezeichnet. Das ist nicht weit entfernt von dem Phänomen, welches als „Othering“ bezeichnet wird und bereits auf unterströmt in einem kurzen Artikel behandelt wurde. Was passiert, wenn man sich selbst und die Seinen (darin enthalten die Ideologie, den Glauben, die Weltanschauung, …) für besser, wertvoller hält, hat die Geschichte uns vor nicht allzu langer Zeit gezeigt, wo dann die wertlosen, die schlechten, die Dummen, Kranken, Andersartigen zum „Entsorgen“ freigegeben wurden.

    Was die vielen, die sich derzeit von rechten Ideologien einfangen lassen betrifft, ist die Erklärung, warum die auf solche Züge aufspringen, relativ einfach: Angst! War diese in den 80zigern noch recht gering, so ist sie seitdem massiv angestiegen. Auslöser sind u.a. die neoliberale „Wende“, welche Existenzängste, bis weit in den Mittelstand hinein schürt, die ständige „Panikmache“ vor Terrorismus, bis hin zum Klimawandel, der ja berechtigt Angst machten darf, … Die Wissenschaft weiß derweil, das Angst die kognitiven Fähigkeiten einschränkt. Wer Angst hat hält sich an Dingen fest, die ihm (vermeintlich oder real) Sicherheit bieten: die Tradition, der Glaube, Dogmen, die Gruppe gleichgesinnter, … Anders ausgedrückt, Angst macht konservativ. Wer Angst hat sucht auch nach Führung. All dies wird von der rechten „Elite“ ausgenutzt und von daher ist es unangemessen und nicht förderlich, den Mitläufern Denkfaulheit, Verantwortungslosigkeit und Feigheit vorzuwerfen. Beleidigungen vertiefen die Gräben, die sich zwischen uns Menschen auftun nur noch mehr und sollten deshalb vermieden werden!

  3. Dass die Rechten zwangsläufig „dumm“ sind, habe ich übrigens gar nicht geschrieben, sondern nur, dass sie „denkfaule und verantwortungslose Feiglinge“ seien. Und das ist eben etwas, was ich täglich wieder durch deren Verhalten und Aussagen bestätigt bekomme.

    Es gibt ja schließlich auch Menschen, die Ängste haben und die dann nicht anfangen, auf andere (rassistisch, sexistisch, antisemitisch …) herabzusehen und (verbal) einzuprügeln, weil sie zum einen ihren eigenen Anteil hinterfragen und zum anderen versuchen, den eigentlich Ursachen auf den Grund zu gehen. Wer hingegen nur allzu gern einen Sündenbock akzeptiert, der bei näherer Betrachtung nichts mit den Ursachen der Probleme zu tun hat, der ist eben m. E. schon als denkfaul zu bezeichnen. Wäre er denkfleißig, würde es ja nicht bei dieser erstbesten „Erklärung“ stehen bleiben.

    Übrigens sind gerade Denkfaulheit, Verantwortungslosigkeit und Feigheit Dinge, die einen Menschen erst zum Mitläufer machen, da dieser genau dadurch gekennzeichnet ist. Ich zitiere mal Wikipedia dazu: „Die heutige Verwendung betont vor allem den Gesichtspunkt, dass ein Mitläufer alles passiv geschehen lässt oder einfach mitmacht, ohne dabei für sein Verhalten Rechenschaft abzulegen oder Verantwortung zu übernehmen. Mitläufer werden je nach Situation als harmlos, gedankenlos oder beschränkt eingeschätzt oder negativ als egoistisch, opportunistisch, gesinnungs- oder gewissenlos, verantwortungslos oder unkritisch charakterisiert.“

  4. Ich empfehle Le Bon und Freud in dieser Frage, Karl. Deren beiden Bücher sind hochaktuell. Es sind nämlich keine Mitläufer, die uns hier Probleme machen, sondern durchaus aktive Menschen, die durchaus auch denken, aber eben auf einer anderen Basis als wir. Ich lasse da keine Entschuldigungen mehr zu, denn sie wissen durchaus, was sie tun. Ich unterscheide hier deutlich zwischen Wahlverhalten und den Aktivitäten im öffentlichen Raum. Manch Wähler kann ich Frust und Angst unterstellen, aber denen, die sich äußern unterstelle ich durchaus, das sie sich Gedanken gemacht haben. Das sie, im Gegensatz zu früheren Zeiten, ihre Fremdenfeindlichkeit u.a. sehr wohl zu begründen wissen, soll hier mal als Hinweis dienen.

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