Das Dilemma mit der Massentierhaltung

Ein Gastartikel von Markus Mansius

2017 starben ca. 771 Millionen Tiere in der Massentierhaltung.[1] Das sind 771 Millionen Schicksale, denn dass Tiere Schmerzen empfinden und z. B. Schweine sich ihrer selbst bewusst sind (sie erkennen sich im Spiegel), sollte inzwischen allgemein bekannt sein.

Ich will mich vorerst auch nur auf die Schweine konzentrieren, sonst wird es zu ausführlich.

Das Leben von Mastschweinen ist kurz und grausam. Kaum sind sie auf der Welt, werden männliche Ferkel noch immer betäubungslos kastriert, vielen Ferkeln wird obendrein der Schwanz abgeschnitten, um Kannibalismus zu vermeiden. Normalerweise sind Schweine ja gesellige und soziale Tiere, doch bei dem Stress, dem sie in der Enge der Massentierhaltung ausgesetzt sind, gilt das nichts mehr. Ein Mastschwein sieht wohl nie das Sonnenlicht, wenn überhaupt, dann höchstens vielleicht am Ende seines Lebens, wenn es einen kurzen Blick durch den schmalen Schlitzen des Tiertransportes auf dem Weg zum Schlachthaus erheischen kann. Es ist jetzt gerade einmal sechs bis sieben Monate alt (ein Schwein kann 20 Jahre alt werden), hat sein trauriges Dasein auf einer Fläche von 0,8 m² verbracht, wiegt ca. 125 kg,[5] und sein letztes Stündchen hat – für den menschlichen Hunger nach Fleisch – gerade geschlagen. Ist ihm jetzt das Glück kurz hold und es landet in einem kleinen Schlachthof, wird es mit der Elektrozange betäubt, in einem großen Schlachthaus hingegen zählt nur Effektivität, daher wird das arme Schwein hier mit Kohlendioxid betäubt, nach 10 bis 20 Sekunden Atemnot und Panik hat es dann auch hier sein Bewusstsein verloren. Nun wird es kopfüber an einen Haken gehängt, und die Halsschlagader wird aufgeschnitten.[2] Das traurige Leben endet nun durch Verbluten genauso, wie es begonnen hat: anonym und würdelos.

Dieses Schicksal erleiden jeden Tag ca. 160.000 Schweine.[2] Übrigens: Hatte das Schwein etwas mehr Glück und wurde in einem Biobetrieb gemästet, so endet vor den Toren des Schlachthaus das Glück schlagartig, denn es wird i . d. R. genauso geschlachtet wie ein Schwein aus konventioneller Haltung.[8]

Soviel zum Schicksal unserer Schnitzel, Filets und Würste. Jetzt kommen wir zur Auswirkung auf unsere Umwelt – und die sind katastrophal.

Durch die Haltung in viel zu engen Räumen und die dadurch auftretende Gefahr von Masseninfektionen ist der Einsatz von Antibiotika unerlässlich, dieser erfolgt oft auch präventiv.[9] 2017 wurden insgesamt 733 Tonnen des Medikamentes eingesetzt, das ist zwar im Vergleich zu 2011 weniger als die Hälfte, aber dafür verschreiben die Tierärzte inzwischen immer mehr Reserveantibiotika, die eigentlich eben nur im Notfall angewendet werden sollen.[3] Das ist reiner Irrsinn, denn inzwischen haben sich durch den massenhaften Einsatz so viele Resistenzen gebildet, dass skrupellose Tierärzte es anscheinend für nötig halten, unsere letzten Reserven einzusetzen, sodass es inzwischen auch schon dagegen Resistenzen gibt. Jährlich sterben in Deutschland nach Schätzungen 2300 bis 40.000 Menschen an Antibiotikaresistenzen, die Zahlen klaffen allerdings weit auseinander, bis zu einer Millionen erkranken,[4] viele behalten langfristige oder gar bleibende Schäden zurück.

Kommen wir zum Futter. 4,5 Millionen Tonnen Soja sind als Tierfutter 2015 importiert worden.[6] Für Soja wird der Regenwald abgeholzt, es ist in der Regel gentechnisch verändert, damit es gegen das Herbizid Glyphosat resistent ist. Dieses wird dann teilweise in große Mengen auch per Flugzeug und in der Nähe von Siedlungen gespritzt. Der massive Einsatz fördert neben Erkrankungen der Bewohner zudem Superresistenzen bei den bekämpften Wildkräutern, was den Einsatz von noch mehr Giften zur Folge hat.[7] Der Transport per Schiff ist zudem sehr umwelt- und klimaschädlich.

Für ein Kilogramm Fleisch benötigt man im Schnitt 7  bis 16 Kilogramm Getreide und über 8500 Liter Wasser, für ein Kilogramm Gemüse und Früchte etwas über 400 Liter, bei Getreiden, Hülsenfrüchten und Reis sind es 1600 Liter, bei Eiern und Milch knapp 2500 Liter.[10] Neben dem Import von Soja werden in Deutschland 57 % der landwirtschaftlichen Flächen für Futterpflanzen verwendet, dem stehen lediglich 26,5 % für pflanzliche Nahrungsmittel gegenüber.[11]

Die Massentierhaltung trägt zudem nicht unwesentlich zum Klimawandel bei, der auch durch von Rindern produziertes Lachgas und Methan weiter verstärkt wird.

Was bleibt einem nun übrig? Nur noch Biofleisch essen? Vegetarier oder Veganer werden?

Das alles würde einem zwar selbst ein ruhigeres Gewissen verschaffen, aber dieses Problem leider nicht lösen. Denn der weltweite Hunger nach Fleisch steigt immer weiter an und damit auch die Massentierhaltung in Deutschland. Es ist schlicht egal, was man selbst tut, man kann Massentierhaltung so nicht verhindern. Dabei wäre die Lösung ganz einfach: Der Gesetzgeber müsste sich nur an seine Gesetze halten, denn § 1 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet:

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Es muss nicht mal ein Verbot her, die Politik muss nur endlich ihre eigenen Gesetze anwenden und Massentierhaltung mit Berufung auf den § 1 des Tierschutzgesetzes endlich verbieten, zumal Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist.

Doch das umzusetzen, wird schwierig, denn Tiere haben keine Lobby, dafür schmecken sie vielen leider einfach zu gut, und das scheint den Leuten wohl ein hinreichend „vernünftiger Grund“ zu sein …

 

Quellen:

[1] https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2018

[2] https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-so-funktioniert-eine-schweine-schlachtung-100.html

[3] https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/antibiotika-in-der-tiermast-abgegebene-menge-nimmt-ab-a-1219888.html

[4] https://medtipp.com/index.php/allgemeines/1125-krankenhauskeime-40000-tote-jaehrlich-in-deutschen-hospitaelern

[5] https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/schweine/mastschweine

[6] http://www.harbuch.de/frische-themen-artikel/aguma-harburg-und-die-sojabohne.html

[7] https://www.youtube.com/watch?v=_VO2E4O0YhU&fbclid=IwAR0HibRWIMK4vXq2nmUhFaTcT0KDn9SJX5vD2hEbljEIbEH7m8X_EbejriY

[8] https://schrotundkorn.de/lebenumwelt/lesen/schlachtet-bio-besser.html

[9] https://utopia.de/doku-killer-keime-aus-dem-stall-63113

[10] https://www.swissveg.ch/wasserverbrauch

[11] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Publikationen/Querschnitt-Sonstiges/fachbericht-flaechenbelegung-pdf-5385101.pdf

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