Eine Kultur der Wertschätzung – Friede, Freude, Eierkuchen?

Nein, das wäre keine Kultur der Wertschätzung. Es wäre das Gegenteil von Kultur. Kultur ist auch der Streit darum, was Kultur ist, was Kultur darf. Einzig die eine Antwort ist gegeben, was Kultur immer sein muss: wertschätzend nämlich, wenn sie als Solche gelten will, wenn sie Grundlage einer solchen Gesellschaft sein will, sein muss, wie ich behaupte.

Kritiker meiner Thesen mögen es anders sehen. Auch das ist Wertschätzung, dies zu akzeptieren. Aber aus der Kritik entspringt auch der Beweis meiner These, dann zumindest, wenn die Begründung der Theorie auf Idealen beruht, die mit der Kritik durchgesetzt werden sollen. Gerade diese Ideale zeigen doch, wie wenig anderes als dieses Ideal wertgeschätzt werden soll, wenn dieses Ideal am Ende bestimmen soll, welche Freiheit noch wert sein soll, verteidigt zu werden. Das Freiheits-Dilemma des Ideals wird auch in dieser Kritik deutlich.

Die Frage, sofern sie von Kritikern kommt, ‚wie soll das gehen‘, ist eine Kritik, der man sich allerdings auch stellen muss, der ich mich schon gestellt habe, der ich mich weiterhin widmen werde. Nichts anderes nämlich waren die Artikel bisher, die ich veröffentlichte, als Hinweise, was es zu beachten gäbe, auf dem visionären Weg hin zu einer Kultur der Wertschätzung und damit einer wertschätzenden Gesellschaft.

Die Kultur der Wertschätzung, ebenso wie die darauf aufbauende Gesellschaft, muss wehrhaft sein

Wehrhaft zu sein, heißt zuerst einmal zu erkennen, das die Toleranz Grenzen haben muss. Die Grenze ist hier eindeutig: alles, was der Wertschätzung widerspricht, kann so lange toleriert werden, wie es die Wertschätzung nicht zu zerstören sucht.

Wird versucht, von wem auch immer, die gegenseitige Wertschätzung zu zerstören, so ist dieses Handeln zu unterbinden und dieser Mensch oder diese Gruppe von Menschen auch zu bekämpfen. Eine Wertschätzung der Nichtwertschätzung kann es nicht geben, genauso wenig, wie eine Toleranz der Intoleranz gegenüber. Auch die Wehrhaftigkeit muss deshalb Teil der Kultur sein, auch der, der Wertschätzung. Alles andere wäre suizidal!

Auch daraus ergibt sich, das Friede, Freude, Eierkuchen nichts ist, was Attribut und damit Anspruch einer Kultur der Wertschätzung ist und soll sie erhalten bleiben, auch nie werden darf. Sie würde sich selbst zerstören.

Die Kultur der Wertschätzung ist deshalb der immerwährende Kompromiss und die Anerkenntnis, das kein Kompromiss je alle zufrieden stellen können wird, aber das er unbedingt wertschätzend erfolgen muss und im Ergebnis der wertschätzenden Gesellschaft auch Rechnung zu tragen hat und zwar immer ohne sie zu schädigen.

Friede, Freude, Eierkuchen oder sozialpädafogische Stuhlkreise sind genau das Gegenteil und die falsche Antwort, die deshalb auch hier nicht gegeben worden ist oder behauptet worden ist. Die wehrhafte Demokratie ist eine der Antworten, die diskursive Demokratie eine weitere, aber Beide sind nichts ohne den Kompromiss und dieser braucht die Wertschätzung, soll nicht weiterhin als Diktat empfunden werden, von immer mehr Menschen, die längst der Demokratie mehr als skeptisch gegenüber stehen, die den Ideologen damit wieder drohen auf den Leim zu gehen, den Kritikern meiner Vorstellung von Gesellschaft, was auf der Inhaltsebene zu erreichen ist.

Wertschätzung findet immer ihren Ausdruck auf der Beziehungsebene

Denn hier gilt Habermas, seine Unterscheidung der Inhalts- von der Beziehungsebene, die dennoch immer gleichzeitig präsent sind. Wer auf der Inhaltsebene streiten will, der muss auf der Beziehungsebene wertschätzend bleiben. Es kommt also auf den Umgang miteinander an, immer! Nur der Umgang, die Art und Weise des Umgangs miteinander, entscheidet letztendlich, ob auf der Inhaltsebene etwas erreicht werden kann oder nicht, ob das Erreichte dann auch nachhaltig wirken kann. Niemand, der sich auf der Beziehungsebene nicht wertgeschätzt fühlt, wird auf der Inhaltsebene zu einem Kompromiss bereit sein. Im Gegenteil, er wird trotzig sich abwenden. Die Wahlen in Brandenburg und Sachsen, die Ergebnisse der AfD, sind, so meine ich, Beweis dafür.

Inhaltlich absurd, die AfD zu wählen, aber über die Beziehungsebene, über die mangelnde Wertschätzung der Menschen auf dieser Ebene, für mich durchaus erklärbar, nicht entschuldbar und nicht zu rechtfertigen, aber erklärbar.

Denn auch ich, übrigens, ignoriere Menschen, die auf der Beziehungsebene mir nicht die ausreichende Wertschätzung entgegen bringen, versage mich der Diskussion auf der Inhaltsebene. Stimmt nämlich das Verhalten auf der Beziehungsebene nicht, so kann auf der Inhaltsebene nichts viel mehr herauskommen, als Streit und gegenseitige Enttäuschung. Dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.

Druckansicht

Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

Schreibe einen Kommentar