Auto-Bahn statt Autobahn

Wenn man mit dem Auto in den Urlaub fährt und dabei dann mal längere Autobahnstrecken zurücklegt, überkommt einen die Erkenntnis, dass der motorisierte Individualverkehr im Grunde ein Auslaufmodell ist, das schnellstens abgeschafft werden sollte: Baustellen, Unfälle, Staus, Lkw-Kolonnen – da ist das Fahren Stress pur und wenig erbaulich. Dabei hatte ich dann aber zumindest ein wenig Muße, mir ein paar Gedanken zu machen, wie man denn diesem Fiasko ein Stück weit beikommen könnte, und bin auf folgende Idee gekommen: Anstatt dass Autozüge abgeschafft werden, wie es bei der Deutschen Bahn der Fall ist, sollte die Kombination von Bahn und Pkw ausgebaut werden und zum Standard für längere Strecken werden.

Kurz mal skizziert, wie ich mir das in etwa vorstelle. Die detaillierte technische Umsetzung müssten dann natürlich Ingenieure erarbeiten, die können das nämlich besser als ich.

Man stelle sich also vor, dass größere Städte mit Zügen verbunden werden, die extra für Autofahrer auf Fernstrecken konzipiert werden. Es gibt nicht allzu viele Halte auf der Fahrstrecke, da ja die Passagiere die Weiterfahrt von den regionalen Zentren aus selbstständig gestalten. Die Dimensionen des Zuges sind so angelegt, dass die Fahrer und Mitfahrer aus den Autos genügend Platz finden in Personenwagen, um so eine entspannte und angenehme Fahrt verbringen zu können. Und die Waggons für die Fahrzeuge müssten so gestaltet sein, dass ein zügiges Entladen an den Bahnhöfen möglich ist – vielleicht sogar so, dass dort jeweils ein Waggon abgekoppelt wird, sodass der Rest des Zuges weiterfahren kann, während die Pkw vom Waggon herunterfahren.

Da ja ein Ansporn in Deutschland nur selten über die Vernunft oder ökologische Einsichten, sondern eigentlich immer nur übers Monetäre funktioniert, sollte so eine Fahrt ausgesprochen günstig sein (in dem Zuge könnte man dann die gesamte Preisstruktur der Bahn überarbeiten, um damit generell billiger als mit anderen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen), beispielsweise um die fünf Euro pro etwa 100 Kilometer für einen Pkw.

Vorteile für die Reisenden: Sie können flexibel ihr Ziel erreichen, selbst wenn dies keine gute Bahnanbindung hat, dabei kann dann auch Gepäck in größerem Maße transportiert werden (je nachdem, was so ins Auto passt), die Fahrt wird bequem, entspannt und letztlich sogar günstiger, da ja eben deutlich weniger Sprit verbraucht wird, wenn nur die letzten Kilometer gefahren werden müssen, und das Auto wird geschont, das es weniger Kilometer selbst fahren muss, sodass es länger hält.

Vorteil für die Gesellschaft: Durch die Spritersparnis entstehen weniger Abgase und CO2-Emissionen, die Autobahnen werden entlastet und müssen dann auch weniger oft saniert werden, es passieren weniger Unfälle. Zudem ist die Infrastruktur dafür zu großen Teilen schon vorhanden, denn es gibt ja bereits ein Schienennetz. Lediglich mehr entsprechend für dieses Konzept passende Waggons müssten hergestellt werden, aber das würde dann ja auch wieder Arbeitsplätze schaffen.

Nachteil: Das kostet natürlich Geld, aber das sollte uns der Klimaschutz auch wert sein (zumal in Zeiten, in denen Staatsanleihen quasi zum Nullzins ausgegeben werden können). Zudem gibt es ja einige volkswirtschaftliche Sparpotenziale, die sich auftun würden aufgrund von weniger Unfällen, Umweltbelastung, Autbahnsanierung und -ausbau sowie Staus.

Wenn man dann schon mal dabei ist, die Verkehrspolitik stärker auf die Schiene auszurichten, könnte man auch gleich noch den Lkw-Fernverkehr unterbinden und per Gesetz veranlassen, dass Laster auf Autobahnen nichts zu suchen haben, sondern nur für die Nahdistribution von den Bahnhöfen zu den Orten ohne Bahnanbindung und den einzelnen Endkunden der Fracht zuständig sind.

Wenn dann noch die Züge mit Strom aus nachhaltiger Erzeugung betrieben werden, wäre es natürlich noch feiner. Die CO2-Emissionen des Verkehrssektors dürften auf diese Weise kurz- bis mittelfristig reichlich gesenkt werden.

Und dann könnte man ja auch den nun deutlich leereren Autobahnen noch ein Tempolimit einführen, da Raserei auf Kurzstrecken ja ohnehin keinen gravierenden Zeitvorteil bringt, zumal ja auch die wesentlich geringere Verkehrsdichte zu einem besseren Verkehrsfluss und somit zu Zeiteinsparungen führen sollte.

Auf was für Ideen man so kommen kann im nervigen Staugejuckel, oder?

Noch mal alle Vorteile dieses Konzepts zusammengefasst: Eigentlich alle kommen schneller und entspannter voran, es werden dabei weniger Ressourcen verbraucht, es gibt weniger Unfalltote und -verletzte, das Ganze könnte wohl relativ zügig umgesetzt werden, da eben auch Schritt für Schritt vorgegangen werden könnte.

Blöderweise würden diese Vorteile allerdings dem größten Teil der Bevölkerung zugutekommen, die Autoindustrie würde hingegen Einbußen hinnehmen müssen (und ein paar von BILD, ADAC und Co. aufgestachelte dummdeutsche Autonarren sowie korrumpierte Politiker, vorzugsweise von AfD, FDP und CDU, würden den Untergang des Abendlandes herbeikrakeelen). Und da sind wir dann auch schon bei der Krux der ganzen Sache, denn für die neoliberalen Politkasper zählen ja nicht die Belange der Bevölkerungsmehrheit, sondern ausschließlich die der Industrie, die aber natürlich auch schöne Schmiergelder sowie feine Aufsichtsrats-, Vorstands- und Beraterposten zu vergeben hat.

Schade eigentlich, könnte sonst ja eigentlich eine ganz feine Idee sein, oder?

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

3 thoughts to “Auto-Bahn statt Autobahn”

  1. Richtig so: Gesetze, Verbote und Regulierungen im Straßenverkehr, da bin ich voll bei Dir! Vielleicht ist es konzeptionell in vielen Fällen doch noch besser bestehende Fahrzeuge vor Ort nutzen zu können (Carsharing oder andere Angebote), bevor man seine Tonne Individualverkehr von A nach B fahren lässt. Das ist vor allem angenehm, weil man seinen ganzen Familienkram in das Auto laden kann und dann nicht mit X Koffern und Taschen unterwegs ist. Aber sicherlich ließe sich das auch anders bewerkstelligen.
    Alles in allem auf jeden Fall ein Konzept, dem ich zustimmen kann, danke! Wenngleich ich als wenig reiselustiger Geselle mit Rad, Bus und Bahn hier in Hamburg alles erreiche, wo mein Herz mich hin zieht ;)

  2. Natürlich wäre ein weiterer Schritt, dann Dinge wie Gepäcktransport auch mit der Bahn durchzuführen und daran anschließend dann einen flexiblen und im Bahnticketpreis inbegriffenen Weitertransport mit (Klein-)Bussen zu den einzelnen Bestimmungsorten der Reisenden zu etablieren. Das würde allerdings doch noch mal einiges an logistischem und administrativem Aufwand erfordern, um so ein System auf die Beine zu stellen.

    Mir ging es hier nun gerade darum, aufzuzeigen, dass erste Schritte mit auch schon erheblicher Wirkung ohne viel Action umgesetzt werden könnten, da sie zum großen Teil auf bereits basierenden Strukturen aufbauen.

  3. Alles das gibt es doch, Dirk und Karl. Sowohl der Mietwagen, als auch der Weitertransport kann gebucht werden und das Gepäck kann sogar zum Ziel transportiert werden. Alles Serviceleistung, die bereits da sind, die aber wohl kaum bekannt sind oder, wenn bekannt, nicht genutzt werden, weil es doch Sinn zu machen scheint für den Autobesitzer, sein Auto auch mit in den Urlaub zu nehmen. Deshalb ist Karls Vorschlag auch so charmant, wenn ich ihm auch derzeit keine große Wirkung zuspreche. Die Begründung ist in meiner morgigen Replik zu lesen.

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