Hass darf nicht siegen

Über die Rolle von Sprache und wie aus Sprache Taten werden, schreibt hier unser Gastkommentator Leon Witte (19) aus Hamburg.

 

Der Anschlag von Halle. Es folgt: ein großer Aufschrei.

Antisemitismus in Deutschland? Ein Einzelfall, man müsse jetzt ganz dringend etwas tun. Als wäre Antisemitismus etwas Neues. Wenn „Jude“ als Schimpfwort gilt, es täglich antisemitische Beleidigungen gibt, dann muss man nicht so tun als wäre die Tat in Halle aus dem Nichts gekommen. Denn Hass ist bürgerlich geworden. Wenn nicht gegen Juden, dann eben gegen Ausländer, Syrer, Flüchtlinge.

In Deutschland, einem Land mit einer einzigartigen Geschichte, brennen wieder Häuser. Es gibt Attacken auf „Nichtdeutsche“. Der Rahmen das Sagbaren wird täglich ausgedehnt – auch von Parteien wie der AfD. „Völkisch, nationalistisch, 1000 Jahre Deutschland“, das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Nein. Denn der Anfang vom Ende ist die Sprache.

Wenn wir mit unserer Sprache Menschen diffamieren, den Hass zum Kochen bringen, dann wird es weiterhin Gewalttaten geben. Dann werden weiterhin Häuser brennen, Juden attackiert und Angriffskriege geführt. Wenn wir es nicht schaffen, uns zivilisiert mit den Problemen unserer Zeit auseinander zu setzen, dann überlassen wir dem Hass die Kontrolle über unser Leben. Und Hass sollte niemals in so eine Position gelangen.

Quelle: „Abgecheckt.“ Schülerkolumne im Hamburger Wochenblatt, Ausgabe Barmbek, vom 23. 10. 2019.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der WBV Wochenblatt Verlag GmbH.

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