Die Argumente der Vermögenden …

… werden immer offensichtlicher von den Nichtvermögenden übernommen, die damit letztlich gegen sich selbst und ihre eigenen Interessen argumentieren. Den Prozess, der dazu führt, nennt man Indoktrination, die vor allem von Medien betrieben wird, die Vermögenden gehören, und von Redakteuren und Politikern forciert wird, die gern selbst zu den Vermögenden gehören möchten oder sich auf dem Weg dahin wähnen. Und leider funktioniert dieses Prinzip extrem gut, wie man immer wieder beobachten kann. Mit Logik hat der Diskurs über Politik heute immer weniger zu tun, aber Logik wird eben auch von der Indoktrination zunehmend beseitigt.

Das wird offensichtlich, wenn man sich anschaut, dass bei immer mehr Menschen keine Stringenz in ihrer Argumentation vorliegt, sondern dass sogar komplett widersprüchlich argumentiert wird, was dann immer darauf hinausläuft, das Verhalten von Vermögenden zu rechtfertigen und diese in Schutz zu nehmen.

Ein Beispiel:

Auf die Forderung, dass Fleisch und Fliegen teurer werden müssten, da deren Bepreisung in der Billigvariante nicht ansatzweise dem Schaden entspricht, der dadurch angerichtet wird, wird häufig so reagiert: „Dann können sich ja nur noch Reiche Fleisch leisten!“ „Und die kleinen Leute sollen wohl gar nicht mehr in den Urlaub fliegen können, oder?“ Und so weiter, und so fort …

Hier wird also eine Position eingenommen, die bemüht ist, eigene Privilegien zu verteidigen, die aber letztlich vor allem denjenigen nutzt, die mit Billigfleisch und Fluglinien ihr Geld machen.

Die Grundaussage, dass bestimmte Dinge ja nicht einfach nur für Reiche da sein sollten, wird dann allerdings komplett in ihr Gegenteil verkehrt, wenn dieselben Personen, die eben noch Billigflieger und Industriefleisch verteidigt haben es auf einmal als Selbstverständlichkeit ansehen, dass bestimmte Stadtgebiete eben nicht von allen Menschen, sondern nur von sehr Begüterten bewohnt werden können. Da heißt es dann: „Ist doch klar, dass man nicht einfach so wohnen kann, wo man gern möchte!“ Und: „Es kann eben nicht jeder in Innenstädten oder besonders attraktiven Gegenden wohnen!“

Mal abgesehen davon, dass diese Aussagen dem Grundrecht auf Freizügigkeit widersprechen, so wird hier nun wieder die Position der Vermögenden eingenommen (die zum einen gern unter sich sind und zum anderen ihr Geld oft mit Mietrenditen machen) und verteidigt, und zwar auf genau umgekehrte Weise wie bei Fleisch und Fliegen, die man ja meint, allen zugänglich halten zu müssen: Man akzeptiert beim Wohnen die Privilegien der Reichen einfach so, obwohl Wohnen ja eigentlich ein wesentlich elementareres Grundbedürfnis ist, als Fleisch zu essen oder in den Urlaub zu fliegen.

Und genau das meinte ich, als ich oben von fehlender Stringenz und fehlender Logik sprach: Es werden schlichtweg die Argumente übernommen, die einem medial immer wieder vorgesetzt werden, und diese werden überhaupt nicht mehr auf Stimmigkeit hin überprüft, genauso wie Widersprüche, die sich so im eigenen Denken offenbaren, einfach ausgeblendet werden.

Das ist ein Verhalten, was dem Bild eines mündigen Bürgers nun extrem entgegensteht – und vor dessen Hintergrund es einen auch nicht wundern sollte, dass Parteien, die immer nur gegen die Allgemeinheit und die Interessen des Großteils der Bevölkerung handeln, ständig wiedergewählt werden.

„Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber“ – dieser Spruch ist ja hinlänglich bekannt (und wird immer wieder fälschlicherweise Bertolt Brecht zugeschrieben), sollte aber zumindest dahin gehend ein wenig umgedacht werden, dass „allerdümmsten“ besser durch „mittels Manipulation und Indoktrination verblödeten“ ersetzt würde. Dann wäre die Metrik zwar ziemlich dahin, aber der Inhalt wäre schon etwas passender, denn Dummheit fällt ja nicht einfach so vom Himmel, erst recht nicht in einer Zeit, in der die Möglichkeit, sich zu informieren und Informationen auch zu überprüfen, dank des Internets größer ist als je zuvor.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

3 thoughts to “Die Argumente der Vermögenden …”

  1. Indoktrination spielt eine gewichtige, aber nicht die einzige Rolle. Hinzu kommt ein rein menschliches Verhalten. Mensch fühlt sich immer der Gruppe näher, die über ihm steht, die er selbst anstrebt dazu zu gehören, als denen, die seiner Gruppe entsprechen, fühlt sich fern derer, die aus seiner Sicht unter ihm stehen. Das führt einerseits zur Akzeptanz der Ungleichheit und andererseits dazu, dass er ungern denen Mittel zubilligt, die unter ihm stehen, die damit auf seine Stufe gehoben werden könnten. So erklärt sich dann auch, dass gerade Menschen, die wirtschaftlich schwach sind, sich vehement weigern, denen, die noch wirtschaftlich schwächer sind, die Flüchtlinge beispielsweise oder Hartz-4-Empfängern, zu helfen. Sie brauchen diese Menschen in genau dieser Situation für ihr Selbstwertgefühl. Und genau das nutzen Demagogen, wie die AfD, aus. So erklärt sich dann auch deren abartiges soziales Denken, welches man aus ihren Kommentaren – gerade aktuell – zu Hartz-4-Empfängern und – seit langem – zu Flüchtlingen ablesen kann.

  2. Ja, den Widerspruch knapp und verständlich beschrieben. Es ist zu einfach den Finger auf die Mächtigen zu halten, denn die eigene Verantwortung für Konsum und das Handeln bleibt der schnellste und effektivste Hebel, um erst genannte zu entmachten. Vielleicht würde ich im letzten Absatz „verblödeten“ gegen „verblendeten“ tauschen, um den Leuten nicht gleich ein Brett vor die Rübe zu knallen, aber ansonsten: Prima!
    Was den Kommentar zu den Gruppen angeht, so ist immer eine andere Gruppe nötig, um die eigene zu definieren. Das schließt aus und schafft Feindbilder, kann also schnell das Gegenteil von sozialem Zusammenhalt erzeugen. Daher ist Ausgrenzung für mich stets ein Rückschritt, denn es schafft Feindbilder.

  3. Leider ist das mit dem Einfluss des Einzelnen durch sein Konsumverhalten auf gesamtgesellschaftliche oder gar globale Entwicklungen so eine Sache: Das wird immer wieder betont, funktioniert nur leider so gut wie gar nicht, wie Kathrin Hartmann in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung schon vor einiger Zeit nachvollziehbar dargelegt hat.

    Vielmehr schlummert auch darin eine Erzählung der Neoliberalen, die dank der Indoktrination sehr verankert ist in den Köpfen: Die Verantwortung wird auf den Einzelnen abgeschoben, auch wenn dieser systemische Missstände überhaupt nicht angehen kann. So kann das System nämlich von denen nach ihren Vorstellungen geformt werden, die tatsächlich die Ressourcen dafür besitzen. Wird ja mittlerweile auch von CDUlern wie Axel Voss ganz schamlos zugegeben: „Ich sag mal: Auch Gesetzgebung ist ein Wettbewerb. Und wer seine Interessen dort nicht vorträgt, die sind dann eben nicht existent.“ (Quelle)

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