Die Story im Ersten: Die große Dürre

Die Klimakatastrophe wird von viel zu vielen Menschen hierzulande ja immer noch als nicht so dramatisch angesehen, in den Auswirkungen vor allem anderswo auf der Welt verortet oder gar ganz geleugnet. Dass wir allerdings auch in Deutschland schon mittendrin sind, zeigt die sehenswerte 45-minütige Reportage „Die Story im Ersten: Die große Dürre“ der ARD, die man dort noch bis zum 29. August 2023 in der Mediathek anschauen kann.

Dass es wärmer und trockener ist als gewöhnlich, haben die meisten Menschen in Deutschland ja am eigenen Leibe erfahren in diesem Jahr. Wie dramatisch allerdings die Auswirkungen der Klimakatastrophe mittlerweile bereits sind, dürfte den wenigsten so richtig klar sein. Und hier bietet die ARD-Reportage dann einiges an wichtigen und erschreckenden Infos.

Wasser ist für uns etwas Selbstverständliches, das im Überfluss oder zumindest in ausreichendem Maße vorhanden ist. Doch das ist zunehmend nicht mehr der Fall, sodass in immer mehr Gemeinden in Deutschland der Wassernotstand ausgerufen werden muss. Das bedeutet dann, dass beispielsweise Rasenflächen nicht mehr gewässert werden dürfen.

Ein bisschen brauner Rasen im Vorgarten wäre ja noch zu ertragen, allerdings geht es mit der Dürre bereits viel weiter. So sind viele Wälder massivem Trockenstress ausgesetzt, was die Bäume absterben lässt. Auch in den Städten ist zunehmend zu beobachten, dass die dortigen Bäume sich nicht mehr selbstständig mit Grundwasser versorgen können und gewässert werden müssen.

Und das hat dann natürlich auch Folgen für die Landwirtschaft, wo man jetzt schon drastische Missernten beobachten kann. Ach ja, und die Wasserversorgung von Großstädten ist auch immer mehr gefährdet, da im Umland das dafür abgestellte Wasser immer öfter selbst benötigt wird. Da kommen also einige Verteilungskonflikte auf uns zu in den kommenden Jahren.

Die Reportage lässt unterschiedliche Personen zu Wort kommen, die alle einen eigenen Blick auf die Trockenheit haben: Wissenschaftler, Landwirte, Naturschützer und Waldbesitzer. Und man merkt vielen die Verzweiflung an, so beispielsweise auch einer Umweltdezernentin aus Frankfurt, die im sterbenden Stadtwald dessen Zustand beschreibt und dabei mit den Tränen kämpft.

Tja, und dann gibt es immer noch haufenweise Menschen, die behaupten, dass es immer schon so heiße Sommer gegeben hätte und dass das alles ganz normal sei. Nein, ist es nicht, und die Bilder und Aussagen der Reportage belegen das eindrucksvoll.

Doch es gibt auch etwas Hoffnungsvolles, wenn beispielsweise berichtet wird, dass über lokale Initiativen einiges erreicht werden kann, um die Wasserversorgung und den Grundwasserspiegel zu sichern. Hier wäre es nur langsam mal notwendig, dass endlich die Problematik als so dringlich vonseiten der Politik erkannt und eingestuft wird, wie sie sich bereits darstellt. Sonst wird Wasser auch hier in Deutschland schon sehr bald zu einem knappen Gut, um das es dann unschöne Verteilungskämpfe geben dürfte.

Insofern ist „Die Story im Ersten: Die große Dürre“ eine wichtige Dokumentation, wie weit die Klimakatastrophe bereits vorangeschritten ist und wie existenziell bedrohlich deren Auswirkungen sind. Also unbedingt anschauen und weiterverbreiten!

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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