Es läuft schon länger verkehrt

Der Bericht „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, in dem dieser vor den verheerenden Folgen unseres auf fossilen Brennstoffen basierenden Wirtschaftssystems mit inkludiertem Wachstumszwang hinwies, ist mittlerweile 50 Jahre alt. Seitdem hätte sich vieles so ändern können, um unsere planetare Biosphäre instand zu halten, aber leider geht es ziemlich konsequent in die falsche Richtung. Ein paar Beispiele, die dies veranschaulichen, möchte ich im Folgenden benennen.

Auch wenn es ein paar positive Beispiele gibt, die zeigen, dass mit regulierendem Eingreifen durchaus etwas verändert und Umweltzerstörung aufgehalten werden kann, so wie zum Beispiel durch die Einführung von Katalysatoren oder das Verbot von FCKW zum Schutz der Ozonschicht, so sind doch die meisten Entwicklungen komplett falsch gelaufen. Die Folge: Wider besseres Wissen wurde die Klimakatastrophe nicht abgewendet, sondern in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verschärft.

Und die meisten von uns machen dabei auch noch einfach so mit und finden das ganz normal.

So wurde Fliegen immer billiger anstatt teurer, was notwendig wäre, um diese klima- und umweltschädliche Fortbewegungsart zu reduzieren. Kerosin wird auch nach wie vor nicht besteuert in Deutschland, sodass sich eine Reihe von sogenannten Billigfluglinien etablieren konnte.

Gleichzeitig wurden die Autos im Schnitt immer größer und schwerer, was nicht allein durch ein Mehr an Sicherheitstechnik zu erklären ist, sondern durch panzerartige Karosserien bei SUVs sowie immer absurder hochgezüchtete Motoren. In den 1970er-Jahren waren 100 PS für einen Pkw noch richtig viel, heutzutage ist das fast schon das Minimum, und Sportwagen mit über 400 PS gibt es etliche. Dadurch verbrauchen die Autos nicht nur mehr Benzin, als wenn sie eben kleiner und leichter wären, sondern die Herstellung schluckt auch schon wesentlich mehr Ressourcen.

Es gibt in diesem Jahrtausend einen Kreuzfahrtboom – zu dieser Absurdität muss man eigentlich gar nichts Weiteres mehr sagen.

Immer mehr Getränke, die früher in Glaspfandflaschen verkauft wurden, gibt es nun ein Einwegplastikflaschen.

Regional zu kaufen wird dadurch erschwert, dass es immer weniger kleine Einzelhandelsgeschäfte gibt, sondern immer mehr große Ketten den Handel, vor allem im Lebensmittelbereich, dominieren. Zudem wird die Verpackungsflut durch Selbstbedienungsdiscounter immer größer. Und es werden immer mehr Lebensmittel vernichtet, damit wir auch bis kurz vor Ladenschluss noch das volle Programm an Auswahl vorfinden. Der Fleischkonsum ist jahzehntelang angestiegen (und erst in den letzten Jahren etwas weniger geworden), viele essen jeden Tag größere Mengen Fleisch.

Es wird immer mehr online gekauft, was dann extra verpackt werden muss und allzu häufig auch wieder retourniert wird. Dazu kommt der Trend zu sehr kurzlebigen Produkten, Stichwort Fast Fashion: Hauptsache, es gibt immer wieder was Neues, und das muss eh nicht lange halten (tut’s daher oft auch nicht), da schon in kurzer Zeit der nächste Trend da ist. Konsum als Lebensinhalt dank Shoppen, Snacken, Surfen, Smartphone.

Dafür braucht es dann auch immer wieder neue elektronische Geräte, und zwar nicht erst dann, wenn die alten nicht mehr funktionieren. Dadurch werden Unmengen von Ressourcen verbraucht und entstehen großen Berge von Elektroschrott. Und von den Unternehmen wird das oft noch gefördert, indem zum Beispiel ältere noch funktionstüchtige Geräte einfach keine Updates mehr bekommen oder keine Ersatzteile dafür mehr erhältlich sind. Von der gewollten Obsoleszenz mal ganz abgesehen.

Der Gipfel von elektronischem Schnickschack mit kurzer Haltbarkeit und ohne wirklichen Nutzen sind dann die seit ein paar Jahren sich immer mehr verbreitenden E-Scooter. Statt zu laufen oder das Fahrrad zu nutzen, steht man dann halt auf so einem Ding und muss sich nicht bewegen. Super – genau das, was eine in großen Teilen adipöse Gesellschaft mit viel zu hohem Energieverbrauch benötigt.

Und die Politik so? Na ja, da wird dann die Deutsche Bahn so umgebaut, dass sie wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen geführt wird – und auf diese Weise voll gegen die Wand gefahren. Das wohl wichtigste Verkehrsmittel für eine ökologische Verkehrswende ist unzuverlässig bis zur Unerträglichkeit, zudem wurden viele Gegenden einfach vom öffentlichen Nahverkehr abgekoppelt, weil es sich nicht rentiert hat, dort noch Bahnen oder regelmäßig Busse fahren zu lassen. Dafür die sind die Fahrpreise auch reichlich gestiegen, genauso wie der Schuldenstand der Bahn – was für eine Erfolgsstory!

Auch andere Privatisierungen von gesellschaftlich relevanter Infrastruktur (s. dazu hier) haben ihren Teil dazu beigetragen, die Klimakatastrophe voranzubringen bzw. Maßnahmen zu deren Eindämmung zu erschweren. Zuvorderst natürlich die Privatisierung der Stromversorgung, sodass nun vier große Konzerne seit Jahren alles daransetzen, über ihre Lobbyisten eine Energiewende zu verhindern – weil man eben mit bereits bestehenden schmutzigen Großkraftwerken mehr Profite machen kann. Eine öffentlich koordinierte Energiewende ist zudem auch nicht mehr möglich, dazu müsste die Energieversorgung eben in öffentlicher Hand sein.

Und so wurden dann auch Subventionen für erneuerbare Energien abgebaut, was dazu führte, dass Deutschland in etwa 15 Jahren von einer in diesem Bereich führenden Nation zu einem Land wurde, dass dabei ziemlich hinterherhängt. Gleichzeitig wurden allerdings Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft reichlich subventioniert, was nicht nur für die dort gequälten Tiere, die mehr und mehr zugrunde gehenden kleinbäuerlichen Betriebe und die Qualität der Nahrungsmittel schlecht ist, sondern eben auch für den Klimaschutz.

Stattdessen hätte man ja vonseiten der Politik mal Sachen anleiern können, die in puncto Klima-, Umwelt- und Artenschutz sinnvoll gewesen wären, zum Beispiel ein Verbot von Mikroplastik, die Einführung eines umfassenden Pfandsystems, das Verbot von Totalpestiziden wie Glyphosat, ein Tempolimit auf Autobahnen oder ein Verbot von Lebensmittelverschwendung. Um nur mal ein paar Sachen zu nennen, die jede für sich nun auch nicht übermäßig komplex sind.

Aber so was würden „die Märkte“ (damit sind nach meinem Empfinden vor allem immer die Interessen von großen Konzernen gemeint) eben nicht besonders toll finden, also wird das nicht gemacht. Und warum auch? Der Bürger wählt die neoliberalen Parteien, die von solchen Regulierungen absehen, ja auch immer wieder – warum sollte man es sich da dann also mit den Unternehmen verscherzen, die einem nach der Abgeordnetentätigkeit lukrative Pöstchen als Berater oder im Aufsichtsrat verschaffen können?

Und so steuern wir alle zusammen – Politik, Wirtschaft und Bürger – weiter auf den Abgrund zu, ohne dass es wirklich relevante Kurskorrekturen gäbe oder gar jemand auf die Bremse steigen würde. Und je länger wir so auf Kurs bleiben, desto unmöglicher wird es, tatsächlich noch anzuhalten. Wobei die letzten 50 Jahren ja gezeigt haben, dass offensichtlich kaum jemand daran überhaupt ein ernsthaftes Interesse hat.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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