Warum ich letzte Woche keinen unterströmt-Artikel geschrieben habe

Normalerweise schreibe ich ja immer so ein, zwei Artikel hier auf unterströmt pro Woche (es sei denn, ich bin mal im Urlaub), und auch für die letzte Woche hatte ich schon Ideen und etwas vorbereitet. Dann kam allerdings etwas Unschönes dazwischen in den sozialen Medien, das ich Euch nicht vorenthalten möchte, da es zeigt, wie Rechte dort ticken und die Meinungshoheit behaupten wollen.

Ich hatte auf meiner Facebook-Seite „Mensch und Politik heute“ einen Artikel von Belltower News geteilt, in dem es um rechte Reiseinfluencer geht, die auf YouTube vermeintlich harmlose Tourismusvideos verbreiten, in denen dann aber schon deutlich rechtsradikales Gedankengut geteilt wird:

Dass bei solchen Beiträgen dann immer wieder AfD-Jünger und andere Rechtsaußen vorbeikommen zum Pöbeln, Zetern und „Fake News“-Quaken, ist nichts Neues, damit muss man eben schon rechnen, wenn man sich gegen Rechtsradikalismus positioniert. Jedoch nahm das hier dann sehr schnell etwas andere Ausmaße an.

Zunächst mal erhielt der Beitrag sehr viele Deppen-Grinse-Emojis, mit dem vor allem Rechtsradikale ihre Geringschätzung ausdrücken wollen, so nach dem Motto: Ist ja lächerlich, was da steht. Diese Reaktionen gingen dann auch schon bald in die Hunderte.

Dann kamen als Nächstes immer mehr Kommentare nach sehr ähnlichen Strickmustern: „Die zeigen doch nur die Wahrheit!“ „Was ist denn daran rechts, wenn man die Realität präsentiert?“ „So, so, wer die Wahrheit sagt, gilt also als rechtsradikal.“ Und so weiter und so fort. Das Ganze natürlich immer auch gern wieder garniert mit typischen rechten Schlagworten wie „Ihr Linksgrünen“, „Antifanten“, „Massenmigration“, Pöbeleien und Beleidigungen.

Solche Leute entferne ich dann immer recht zügig von der Seite, wenn ich sie sehe (ich bin ja nicht permanent dort online zugange), und in der Regel schaue ich mir zuvor auch noch mal die Profile an, um sicherzugehen, dass es tatsächlich AfD-Jünger oder andere rechte Freaks sind. Damit kam ich nun irgendwann nicht mehr wirklich hinterher, denn ich habe ja auch noch anderes zu tun, sodass ich etwas machte, was ich bisher noch nie auf der Seite getan habe: Ich habe eingeschränkt, dass nur diejenigen kommentieren können, die schon mindestens 24 Stunden Follower von „Mensch und Politik heute“ sind.

Die Allermeisten von denen, die da zum Stänkern kamen, waren nämlich gar keine Follower der Seite, sodass ich auf diese Weise da zumindest erst mal ein bisschen Ruhe im Karton hatte.

Deppen-Grinse-Emojis hagelte es natürlich weiterhin …

Da ich mich nun fragte, wie so viele Leute auf einmal von irgendwoher auf meine Seite kamen und meinten, dort meckern zu müssen, wollte ich mir mal anschauen, ob der YouTuber aus dem Beitrag von Belltower News nicht eventuell auf seiner Facebook-Seite einen entsprechenden Aufruf gestartet hatte, um seine Fans dann vorbeizuschicken. Doch leider musste ich feststellen, dass ich für die Seite von ihm wohl gesperrt bin, denn da wurde mir nichts angezeigt. Warum auch immer – schließlich hab ich dort ja noch nie einen Kommentar hinterlassen oder bin überhaupt nur auf der Seite gewesen.

Eine andere Möglichkeit wäre auch, dass es sich bei diesen Kommentatoren um Bots gehandelt hat. Zumindest waren sich die Profile zu einem großen Teil schon recht ähnlich: keine Klarnamen, Fotos von Autos, Motorrädern oder irgendwelchen Tieren als Profilbilder, viele dann auch mit einem Wohnort irgendwo im Ausland … In der Häufung kam mir das zumindest schon mal ein bisschen seltsam vor.

Nachdem ich die Kommentarfunktion eingeschränkt hatte, bekam ich dann auch persönliche Nachrichten geschickt, die sich in Beleidigungen und rechtem Hass ergingen bis hin zu eindeutiger neonazistischer Symbolik: „1161 du Zecke“. Was so viel bedeutet wie „Anti-Antifaschistische Aktion“ (s. hier), also schon durchaus drohenden Charakter hat.

Tja, und wenn man dann unter einem missliebigen Beitrag nicht mehr kommentieren kann, dann weicht man eben auf einen anderen Beitrag der Seite aus und platziert dort (natürlich ohne Klarnamen und Profilbild) einen recht plumpen Versuch der Einschüchterung:

Das heißt ja nun nichts anderes als: „Wir wissen, wo du wohnst, wer du bist, und wir kennen sogar deine Frau …“

Nun weiß ich, dass Rechtsextreme ja einen ziemlichen Hang zur Gewalt haben, allerdings sind das in der Regel auch feige Lappen, die vor ihren Displays sitzen und wütend in die Tastatur sabbern, ohne ihrer Großmäuligkeit dann auch Taten folgen zu lassen. Deswegen fand ich es wichtig, mit nicht einschüchtern zu lassen und mich sogar noch über den Verfasser demonstrativ lustig zu machen.

Aber schon interessant: Um zu beweisen, dass ein YouTube-Reise-Blogger nicht rechtsradikal ist, kommen dann viele reichlich rechte Typen vorbei und bedienen sich rechter Rhetorik und rechtem Diskussionsverhalten. Ist jetzt als Gesamtpaket nicht so sehr geeignet, um jemanden zu überzeugen …

Das war allerdings wohl auch gar nicht die Intention hinter diesem „Shitstorm“. Es dürfte vielmehr darum gegangen sein, eine unliebsame Stimme mundtot zu machen oder zur Verzweiflung zu bringen, sodass dann zukünftig nicht mehr solche Beiträge geteilt werden. Das ist das typische Vorgehen von Rechten in sozialen Medien: Beiträge, die ihnen nicht gefallen, werden mit entsprechenden Reaktionen oder Kommentaren geflutet. Kann man in zahlreichen Kommentarspalten sehen, und meistens wird leider auch nichts dagegen unternommen (s. hier).

Ich hab mich nun darum gekümmert, dass diese rechten Typen und Bots von der Seite geschmissen wurden und ihr Verbalmüll auch nicht mehr zu lesen ist. War einiges an Arbeit, die auch nicht allzu viel Spaß gemacht hat, aber ich sehe das als Betreiber einer Seite mit doch schon einiger Reichweite eben auch als meine Pflicht an, um dem rechten Gebölke wenigstens ein bisschen was entgegenzusetzen.

Und deswegen hab ich es dann nicht mehr geschafft, in der letzten Woche einen Artikel für unterströmt zu schreiben …

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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