… kommt Gas-Kathi um die Ecke und haut was raus, was dann wieder eine Spitzenposition in puncto Sinnlosigkeit einnimmt.
Dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, merkt man schon daran, dass sie immer wieder in Interviews auf Fragen, auf die sie so spontan keine Antwort hat, mit offenbar vorgefertigten Satzbausteinen antwortet, die nicht viel mit der Fragestellung zu tun haben. Kompetenz vermittelt man so zumindest eher nicht.
Dass sie zudem vor allem nicht im Sinne der Allgemeinheit, sondern zum Vorteil ihres vorherigen Arbeitgebers Westenergie handelt, einer EON-Tochter, ist in dem knappen Jahr, in dem sie nun ihren Posten innehat, auch mehr als deutlich geworden. Und das hat sie ja auch bereits als Staatssekretärin unter dem damaligen Bundesumweltminister Peter Altmaier (auch CDU) so praktiziert, als sie von 2009 bis 2013 die deutsche Solarindustrie vor die Wand gefahren hat. Das hat dann zwar Zehntausende (wenn nicht noch mehr) Arbeitsplätze in der Solarindustrie gekostet und dazu geführt, dass wir diese Technik nun überwiegend aus China importieren müssen, aber für sie hat es sich ja offenbar gelohnt, denn sie bekam danach dann ja ab 2015 einen schicken Job bei Westenergie – vermutlich als Dankeschön.
Man könnte das nun auch als eine Art Korruption bezeichnen, aber mittlerweile ist es ja (vor allem in der CDU) gang und gäbe, dass Abgeordnete und Minister durch die sogenannte Drehtür in Jobs wechseln bei Unternehmen, die von ihren vorherigen Entscheidungen betroffen waren.
Insofern ist es auch kein Wunder, dass Gas-Kathi nun vor allem darauf setzte, Gaskraftwerke aus- und neu zu bauen, anstatt die erneuerbaren Energien weiter voranzubringen und Deutschland so ein Stück mehr Energieautarkie zu verschaffen. Stattdessen sieht sie zu, dass sie die Entwicklung bei den Erneuerbaren ausbremst, wo es nur irgendwie geht. In den 2000er-Jahren war Deutschland in dem Bereich noch in der weltweiten Spitzengruppe vertreten, dann fiel man (eben auch dank Reiche) zurück ins untere Mittelmaß – da muss doch noch mehr gehen! Klimaschutz kommt im Denken von Katherina Reiche offenbar sowieso nicht vor, also kann man da ruhig auf Plätze noch weiter hinten abrutschen.
Nun ist die Realität eine ziemlich grausame Sache, denn sie hält sich nicht an ideologische Wolkenkuckucksheime, wie sie Reiche mit ihren Gasfantasien konstruiert hat, und auf einmal sorgt der Krieg der USA und Israels gegen den Iran dafür, dass die Gaspreise steigen und die Verfügbarkeit von dem Zeug immer knapper wird. Das ist so deutlich und drastisch sichtbar, dass selbst Gas-Kathi das nicht einfach schönreden oder ignorieren kann.
So kommt sie nun zu dem Schluss, dass Deutschland vom Gas abhängig geworden sei. Na so was! Ist ja nun nicht so, dass sie nichts dazu beigetragen hätte, dass genau das geschieht. Oder dass Experten davor schon seit einiger Zeit warnen. Fossile Brennstoffe aus Ländern zu importieren, deren Regierungen unserem demokratisch-europäischen Lebensmodell nicht unbedingt positiv gegenüber eingestellt sind, ist eben eine fragile Angelegenheit. Man hätte also ahnen können, dass bei zunehmenden geopolitischen Konflikten dieses Kartenhaus irgendwann in deutliche Schieflage kommt oder sogar krachend zusammenbricht.
Gelangt Reiche nun also zur Einsicht, dass ihr bisheriger Weg vielleicht falsch gewesen sein könnte und dass es sinnvoller wäre, erneuerbare Energien und die entsprechenden Speichertechniken und Netzwerke forciert auszubauen? Aber nicht doch! Sie hat schnell die Ursache dafür parat, dass es zurzeit auf dem heimischen Energiemarkt nicht so rosig aussieht: Der Ausstieg aus der Atomkraft ist daran schuld (s. hier)!
Ja, richtig gelesen. Ich hab auch erst gedacht: Kann doch echt nicht wahr sein. Aber in der verqueren Welt von Gas-Kathi sieht es anscheinend genauso aus.
Dass Atomkraftwerke vor allem Strom erzeugten, Gas allerdings nur in sehr geringem Maße zur Stromerzeugung genutzt wird – geschenkt. Bei Gas-Kathi kann man offensichtliche Gasheizungen auch mit Atomstrom betreiben.
Dass die deutschen Atomkraftwerke allesamt schon reichlich marode waren und nur noch einen Bruchteil des deutschen Stroms geliefert haben – egal. Hätte man eben einfach weiterlaufen lassen sollen, die Dinger, Sicherheit wird eh überbewertet.
Dass Atomkraft extrem teuer ist, wenn man die staatlichen Subventionen, den Bau und Betrieb der Anlagen, deren Rückbau sowie die Entsorgung des Atommülls mit einberechnet – wen interessieren denn solche Peanuts? Zudem findet sich bestimmt schon irgendein findiger BWLer, der das Ganze ein bisschen schönrechnet.
Dass Atomenergie auch auf einem nicht unbegrenzt vorhandenen Energieträger, nämlich Uran, basiert – ist doch wurscht. Gibt schließlich genug Leute, die sagen, Atomkraft wäre eine saubere und „grüne“ Technologie. Man muss dann einfach nur ignorieren, dass das Uran nicht auf Bäumen wächst, sondern auf sehr schmutzige Art und Weise aus der Erde geholt wird und dann auch noch Tausende von Kilometern weit transportiert werden muss. Zum Beispiel aus Russland. Soviel dann mal zur Abhängigkeit von unsympathischen Regimen …
Dass mittlerweile selbst Betreiberfirmen von AKWs meinen, dass die Dinger sich nicht mehr zu bauen lohnen, weil sie zu teuer sind und das Risiko zu groß ist, sodass keine Versicherung bereit ist, so ein Kraftwerk zu versichern – egal. Wenn man nur genug öffentliche Kohle in diese Groschengräber reinpumpt, dann wird das schon irgendwie hinhauen. Und auf die Atomkraftwerke, die zurzeit in anderen Ländern im Bau sind und nicht fertig werden, sieht man einfach ganz großzügig hinweg.
Dass Atomkraftwerke nicht schnell mal eben an- und ausgeschaltet werden können, weil sie dafür eine lange Vorlaufzeit brauchen, sodass sie vollkommen ungeeignet sind im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien – ach, das sind doch nur technische Details, die man bestimmt mit „Technologieoffenheit“ wird lösen können. Oder etwa nicht?
Apropos Technologieoffenheit: Dass schon seit Jahrzehnten von Fusionsreaktoren gesprochen wird, die Dinger aber bisher immer noch nicht gebaut wurden, und dass die viel beschworenen Mini-AKWs genau solche Risiken bergen wie ihre größeren Artgenossen (s. dazu und auch zu weiteren Aspekten, die gegen Atomenergie sprechen, hier): Das ist ja das Schöne daran, wenn man davon spricht, „dass wir uns wieder für Technologien interessieren“ müssen (Zitat von Reiche laut oben bereits verlinktem Artikel): Man blendet einfach die Technologien aus, die schon funktionieren, und kapriziert sich auf irgendein spinnertes Gedöns, was es noch nicht gibt, um so den Status quo einfach aufrechterhalten zu können und nichts zu verändern.
Dass in Zeiten zunehmender Erwärmung und damit sinkender Pegelstände von Flüssen die Kühlung von Atomkraftwerken immer öfter nicht gewährleistet werden kann (Frankreich kann ein Lied davon singen) – ach, das ist doch bestimmt wieder nur Klimahysterie. Würde Reiche die Klimakrise ernst nehmen, wär sie ja schließlich wohl nicht so ein Gegner von erneuerbaren Energien, oder?
Dass Atomkraftwerke ein sicherheitspolitischer Alptraum sind, weil ein möglicher Gegner nicht mal Atomwaffen braucht, sondern nur ein paar mit Sprengstoff versehene Drohnen, um einen feisten Fall-out auszulösen – na ja, wenn man nicht drüber spricht, merkt’s ja vielleicht keiner …
Dass die Bauzeit von AKWs viele Jahre beträgt, sodass die Dinger gar nicht geeignet wären, heutige energiepolitische Probleme zu lösen, scheint dann auch nicht so wichtig zu sein für Reiche und andere Atomkraftapologeten. Wie schon gesagt: Realität und ideologische Vorstellungen müssen ja nicht unbedingt zusammenpassen, wenn man nur mit genügend (unberechtigter) Selbstgewissheit ein Anliegen vorträgt.
Dass Reiche trotz der aktuellen problematischen Situation bei der Beschaffung von Erdgas dennoch in diesem Jahr etliche Ausschreibungen für den Bau von Gaskraftwerken auf den Weg bringen will, zeigt ja, dass sie irgendwie ein bisschen Probleme damit zu haben scheint, ihre Ideologie neuen Bedingungen anzupassen. Was wiederum nicht eben für ein besonders hohes Maß an Pfiffigkeit spricht.
Insofern ist es dann auch kein Wunder, wenn man von der schlechtesten Bundeswirtschaftsministerin aller Zeiten (wobei ich hier auch die männlichen Amtsinhaber miteinbeziehe) nun immer wieder wenig zielführende, kaum durchdachte und in Summe ausgesprochen dumme Äußerungen vernimmt.
Mal schauen, wie viel Schaden sie noch anrichten darf, bevor sie endlich ihres Postens enthoben wird …

