Früher hießen sie „Hooligans gegen Satzbau“ und haben sich auf Facebook korrigierend über die miese Rechtschreibung von AfD-Jüngern und anderen Rechtsradikalen lustig gemacht. Mittlerweile nennen sie sich „Aktivistmuss“ und nehmen sich Social-Media-Kommentare von der gleichen Klientel vor, die dann mit sehr pointierten und bloßstellenden Kommentaren versehen werden. Das ist nicht nur amüsant, sondern gibt auch einen interessanten Einblick in Kreise, mit denen zivilisierte Menschen sonst ja eher nichts zu tun haben.
Die Aktivistmuss-Facebook-Seite hat dabei mittlerweile eine beträchtliche Reichweite mit gut 220.000 Followern, sodass deren Beiträge auch gut geteilt werden und sich so weiter verbreiten. Auch ich hatte ja in meinem Artikel letzte Woche zum CSD-Anschlag einige Screenshots von Aussagen rechtsradikaler Social-Media-User zu dem Thema abgebildet, wobei ich da dann die Kommentierungen von Aktivistmuss weggelassen habe, da es mir nur um die queerfeindlichen Aussagen der Rechtsaußen ging.
Mit ihren Kommentaren treffen die Aktivistmuss-Aktivisten allerdings nicht nur wunderbar ins Schwarze und stellen die mangelhaften Diskussionsfähigkeiten sowie oft genug auch Widersprüche und Doppelmoral der rechten Hass-Poster bloß, sondern man erhält auf der Seite auch einen ziemlich ungeschönten und unschönen Blick aus der eigenen Bubble hinaus. Schließlich kenne ich persönlich keine Rechtsradikalen, Rassisten oder ähnliches Volk. Und ich weiß auch, dass viele aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis sich überhaupt nicht vorstellen können, was für ein vollkommen verrohter Hass da mitunter durch die digitalen Welten schwappt.
Das macht einem natürlich nicht gerade gute Laune, vor allem wenn man sich überlegt, dass die von diesen Widerlingen bevorzugte Partei in naher Zukunft tatsächlich irgendwo hierzulande in Regierungsverantwortung kommen könnte. Aber so kann dann wenigstens niemand sagen, man hätte das ja alles nicht gewusst und nicht ahnen können. Doch, kann man, dazu muss man nur auf die Facebook-Seite von Aktivistmuss gehen.
Ich präsentiere Euch hier ein paar besonders krasse Fälle, die dort einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dabei bitte bedenken, dass dies alles Aussagen sind, die zuvor schon in der digitalen Öffentlichkeit der sozialen Medien getätigt wurden. Hier wird also nichts Privates ans Licht gezerrt, sondern es werden schonungslos Leute präsentiert, die jeden Anstand haben fahren lassen und/oder einfach nur vollkommen hirnverbranntes rechtes Zeug schreiben.

Reichlich scheußlich, oder? Also natürlich nicht die Kommentare von Aktivistmuss, sondern die Ausgangsäußerungen der rechten Social-Media-User. Und das sind jetzt nur Posts aus den letzten beiden Tagen, das heißt, dass solche ekelhaften Aussagen täglich ins Netz gerotzt werden.
Auch wenn AfD-Politiker Blödsinn erzählen, wird das von Aktivistmuss offengelegt und im gleichen Stil kommentiert wie bei den anderen rechtsradikalen Menschenhassern. Hier mal zwei Beispiele:

Was natürlich dann nicht ausbleibt, wenn man kein Blatt vor den Mund nimmt, um AfD-Mumpitz oder rechte Hetze bloßzustellen, sind leider auch Drohungen. Doch auch davon lässt man sich bei Aktivistmuss nicht einschüchtern und reagiert darauf auf die ganz eigene Art:

Nicht nur solche offensichtlichen Morddrohungen sind strafbar, sondern auch einige der anderen Äußerungen von AfD-Jüngern und anderen Rechtsradikalen, die Aktivistmuss dokumentiert und kommentiert. Da wird dann durchaus auch Anzeige erstattet, öfter auch mal von Followern der Seite, die das dann in den Kommentaren vermerken. Gut so, denn auch wenn man bei Rechten ja meistens davon ausgehen kann, dass sie nur großmäulige Waschlappen sind, die ihren martialischen Worten keine Taten folgen lassen werden, so kann man das eben auch nicht zu 100 Prozent ausschließen. Zumal solche Äußerungen ein Klima im öffentlichen Diskursraum schaffen, das dann vielleicht andere dazu animiert, gewalttätig zu werden.
Wenn dann ihre hasserfüllten, menschenverachtenden und hetzerischen Aussagen auf einmal eine derartige Prominenz erhalten, werden sie von den Rechten oftmals schnell wieder gelöscht oder aber sie verriegeln ihre Profile, sodass man dort „von außen“ nicht mehr raufschauen kann. Und mittlerweile verbreiten dann auch noch andere Facebook-User solche rechten Hassbeiträge, wie hier zum Beispiel jemand in der Gruppe „2.000.000 Stimmen gegen die AfD“, wobei das eigentliche Posting zunächst mal von der Seite „Folgsschwärmer“ erstellt wurde:

Das kann dann nicht nur strafrechtliche Folgen haben für die virtuellen rechtsradikalen Krakeeler, sondern auch soziale, wenn beispielsweise Arbeitgeber, Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Kollegen, Vereinskameraden usw. mitbekommen, wie diese Personen ticken. Daher finde ich es auch komplett in Ordnung, dass diese Typen mit Klarnamen (wenn vorhanden) und Foto auf Aktivistmuss veröffentlicht werden, denn schließlich haben sie ja auch genau so ihren Verbalmüll abgelassen. Mitleid habe ich mit solchen Leuten in jedem Fall nicht, sollten die dann ernsthafte Konsequenzen – von Bußgeldern über Arbeitsplatzverlust bis hin zu Ehescheidungen – erfahren. Wer seine eigene verrohte Menschenverachtung dermaßen offen in die Gegend blökt, der hat es m. E. auch nicht anders verdient.
Insofern ist das eine tolle Sache, was Aktivistmuss da auf Facebook macht, denn es schlägt die Rechten im Prinzip mit ihren eigenen Waffen. Unliebsame politische Gegner in die Öffentlichkeit zu zerren, anzuprangern und deren Adressen zu veröffentlichen, ist schließlich eine schon lange beliebte Vorgehensweise von Rechtsradikalen. Dann muss man mit denen auch nicht zimperlich umspringen.
Wenn Ihr also mal bei Facebook unterwegs seid, dann schaut ruhig bei Aktivistmuss vorbei, folgt denen und lasst einige Likes für deren Beiträge dort. Das erhöht dann nämlich die Reichweite.

