Im September war ich mal wieder im Urlaub an der Mosel. Und obwohl das eine ganz wunderbare Zeit war, wurden doch einige Entwicklungen sichtbar, die weniger schön sind.
Klimakrise: Weinlese und Wälder
Dass es um den Wald dort unten nicht mehr so richtig gut bestellt ist, hab ich ja bereits vor vier Jahren in einem Artikel geschildert. Und diese Entwicklung geht leider immer weiter, sodass einige Stellen im Wald aussehen, als hätte dort ein Meteorit eingeschlagen.

Nun merken ja immer wieder Menschen an, dass die Dürre und Hitze der letzten Sommer (und das war an der Mosel dieses Jahr laut Aussagen der dort Lebenden wohl schon reichlich heftig) vor allem den Fichten zusetzen würden, und die gehörten hier ja eigentlich gar nicht hin. Das mag ja auch sein, allerdings haben die Dinger dann doch 150 Jahre oder noch länger problemlos hier gestanden und sind manierlich gewachsen. Da scheint sich also ziemlich was verändert zu haben.
Dazu kommt ja noch, dass auch viele Junggehölze stark geschädigt sind, weil die eben noch nicht tief genug wurzeln, sodass sie lange Perioden ohne Regen nicht durchstehen können. Und wenn nicht genug gewässert wurde, dann sieht das so aus wie auf dem folgenden Foto – und das ist nicht im tiefsten Herbst, sondern am 12. September geschossen worden.

Wir sind dieses Jahr extra eine Woche früher gefahren als sonst immer, weil wir beim letzten Mal festgestellt haben, dass viele Winzer schon mit der Weinlese begonnen haben – was dann zur Folge hatte, dass deren Weinstuben und Straußwirtschaften überwiegend geschlossen bleiben mussten. Da wir dort gern einkehren, haben wir die Reise nun also etwas nach vorn verlegt, durften aber dennoch das Gleiche wieder erleben: Die Winzer mussten zum Ernten in den Weinberg und konnten sich daher nur sehr eingeschränkt um ihr gastronomisches Angebot kümmern. Das war dann in diesem Jahr früher als jemals zuvor.
In den Weinbergen über Kues fanden wir folgende Tafel, die dort ein paar Infos zum Wein preisgibt:

Alles so weit zutreffend, aber von einer Ernte Ende Oktober kann mittlerweile keine Rede mehr sein.
Das bringt übrigens einige Probleme mit für die Winzer. Zum einen ist die Qualität der Trauben zwar hoch, allerdings aufgrund der Trockenheit die Menge doch reichlich bescheiden. Und: Ende Oktober ist es normalerweise schon um einiges kühler als Mitte September, sodass sich nun bei den geernteten Trauben temperaturbedingt Kohlensäure bildet, die da niemand haben möchte.
Es gibt Stimmen dort unten, die schon mutmaßen, dass bald vielleicht gar kein Riesling mehr in der Region angebaut werden kann, weil es für diese Rebsorte zu warm wird …
Marode Infrastruktur: Staus ohne Ende
So schön es am Urlaubsort selbst war, so nervig gestaltet sich dann doch meistens die Fahrt dorthin und zurück. Da wir einen Hund haben, im Urlaub dann auch stets Wein bei Winzern vor Ort kaufen und ein Fahrzeug benötigen, um zu Startpunkten von Wanderungen zu gelangen, nehmen wir dafür dann immer unser Auto.
Und da kommt man dann von einer Baustelle in den nächsten Stau auf den Autobahnen. Woran man erkennt, wie schlecht es um die deutsche Infrastruktur bestellt ist. Klar, ausgebessert werden muss immer mal was, aber da wurde eben vielerorts jahrelang gespart wegen der dusseligen Schuldenbremse, sodass nun offenbar vor allem dann geflickt wird, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Statt also gezielt und koordiniert Instandhaltungsmaßnahmen am Straßen- und Brückennetz vorzunehmen, muss nun häufig schnell und daher auch unkoordiniert losgelegt werden mit aufwendigen Sanierungen (je länger man etwas verkommen lässt, desto umfassender werden nun mal die Reparaturmaßnahmen). Ich denke da nur an die A1-Rheinbrücke bei Köln, die viele Jahre lang nur von Fahrzeugen mit einem Gewicht von weniger als 3,5 Tonnen befahren werden konnte, weil das Bauwerk so marode war.
Und Staus bedeuten ja nicht nur, dass Urlaubsfahrer davon genervt sind, sondern verlangsamen auch Arbeitsprozesse, die darauf angewiesen sind, dass Menschen oder Güter über die Straße irgendwo hingelangen. Dem könnte natürlich eine gut funktionierende Bahn ein Stück weit Abhilfe schaffen, aber um den Schienenverkehr ist es ja nun auch nicht eben gut bestellt in Deutschland, vor allem was die Zuverlässigkeit angeht. Ach ja: Für Umwelt und Klima ist es auch nicht so richtig toll, wenn Autos im Stau immer wieder anfahren und stehen bleiben müssen, dann pusten die nämlich noch mal extra viel Abgase raus aufgrund des dadurch verursachen höheren Verbrauchs.
So hat also die Sparwut von konservativen Antiökonomen dazu geführt, dass ein Rattenschwanz an Mehrkosten auf vielen Ebenen entstanden ist. Bravo, das nenne ich doch mal Wirtschaftskompetenz und Weitsichtigkeit!
Immer mehr Leerstand in Innenstädten
Dass leer stehende Geschäfte mittlerweile nicht mehr nur in kleinen und mittleren Städten zum Stadtbild in der City dazugehören, sondern auch in Großstädten immer mehr anzutreffen sind, ist ja kein Geheimnis mehr. Es hat mich nun aber doch etwas überrascht, dass selbst in sehr touristischen und damit hoch frequentierten Orten Leerstand in zentraler Lage keine Seltenheit mehr ist. So beispielsweise in Traben-Trabach, einem der berühmtesten Orte an der Mosel.
Die Ursachen dafür sind m. E. vielschichtig. Zum einen kaufen natürlich immer mehr Menschen alles Mögliche im Internet, obwohl sie es auch vor Ort bekommen könnten. Aber da obsiegen dann eben die Bequemlichkeit, nicht vom Sofa hochzumüssen, und die vermeintliche Kostenersparnis. Vermeintlich deshalb, weil beispielsweise Amazon aufgrund der massiven Steuervermeidung vieles zwar günstiger anbieten kann als der stationäre Einzelhandel, allerdings die deshalb fehlenden Einnahmen der öffentlichen Hand ja auch wieder uns alle teuer zu stehen kommen.
Und dann haben viele Menschen einfach auch immer weniger Geld zur Verfügung, weil Mieten, Lebensmittel und Energie immer größere Summen verschlingen. Da muss dann eben (auch im Urlaub) öfter mal auf etwas verzichtet werden, was nicht unbedingt notwendig ist – und viele Menschen können sich mittlerweile sowieso schon keinen Urlaub mehr leisten.
Das führt dann nicht nur dazu, dass Geschäfte wegen mangelnden Umsatzes schließen müssen, sondern bewirkt auch, dass Ladenbesitzer, wenn sie altersbedingt aufhören möchten, keine Nachfolger finden. Einzelhandel möchten sich immer weniger „antun“, denn das erfordert erst mal hohe Investitionen in Ware, und dann weiß man nicht, ob man trotz vieler Arbeit damit auf einen grünen Zweig kommen kann.
In weniger touristischen kleinen Ortschaften ist das Ganze dann noch mal dramatischer, dort finden sich dann immer öfter überhaupt keine Läden oder Gaststätten mehr. Da nützt dann auch die wunderbare Lage direkt an der Mosel mit schönen Weinbergen im Hintergrund nichts, und so was wie auf dem folgenden Foto in Wintrich bekommt man immer öfter zu sehen:

Schon traurig, vor allem, wenn man weiß, wie das noch vor ein paar Jahren dort ausgesehen hat …
Selbst im Urlaub lässt einen die Polykrise unserer Zeit, also sowohl des Wirtschafts- als auch des Klimasystems, nicht in Ruhe. Umso absurder, dass es immer noch viel zu viele Menschen gibt, die davor schlichtweg die Augen verschließen und sich lieber von Bauernfängern aus dem konservativen und rechten Lager Scheinlösungen vorsetzen lassen.

