Der Wald stirbt

Vor zwei Jahren habe ich ja schon mal meine Eindrücke nach einem Wanderurlaub in einem Artikel geschildert und dabei auf den zunehmend schlechteren Zustand des Waldes fokussiert. Nun komme ich gerade wieder aus dem Urlaub, auch wieder Wandern in der gleichen Region an der Mosel – und es sieht so viel schlimmer aus, als es vor zwei Jahren noch zu befürchten war.

Klar, es gibt in letzter Zeit immer wieder bedrückende Berichte über den Zustand des deutschen Waldes oder über die Auswirkungen der Dürre und Hitze in diesem Jahr (z. B. hier), aber wenn man das dann live erlebt in einer Gegend, die man seit Jahren kennt und schätzt, dann ist das doch noch mal eine andere Nummer.

Um Euch einen Eindruck davon zu verschaffen, habe ich einige Bilder gemacht, die zeigen, wie schlimm es zurzeit um den deutschen Wald steht:

 

 

Was uns auf unseren Wanderungen aufgefallen und ja auch auf den Bildern zu erkennen ist: Es sind nicht nur die oft gezielt quasi als Plantagen angepflanzten Fichten, die gerade mit dem Hitzestress und der Dürre nicht zurechtkommen, wie ja schon öfter betont wurde und wie es auch Susanne Götze und Annika Joeres in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik schildern, sondern auch Laubbäume wie Eichen, aber auch Birken und Buchen.

Generell konnten wir immer wieder sehen, dass es gerade die jungen Bäume waren, die erst ein paar Meter hoch gewachsen sind, die komplett vertrocknet waren. Klar, deren Wurzeln reichen ja auch noch nicht so tief wie bei den älteren, größeren Bäumen, die somit noch ans absinkende Grundwasser heranreichen können.

Das Resultat davon: Der Waldboden sah so aus wie im Herbst und nicht wie normalerweise im Spätsommer: Wir schritten durch hoch liegendes vertrocknetes Laub, und das eigentlich überall, wo wir durch den Wald gingen. Was ja auch kein Wunder ist, denn es sind eben nicht nur einzelne Bäume, deren Laub bereits vertrocknet ist und daher abgeworfen wurde, sondern ganze Abschnitte des Waldes.

Ohne jetzt ein ausgewiesener Forstexperte zu sein, kann ich mir vorstellen, dass zwei, drei weitere solche Dürre- und Hitzesommer in den nächsten Jahren dann auch vielen der jetzt noch grünenden Bäume den Garaus machen dürften.

Und was noch hinzukommt: Derart im Trocken- und Hitzestress befindlichen Bäume haben dann auch anderen Extremwettern, wie beispielsweise Stürmen, weniger entgegenzusetzen. Und von denen gibt es ja aufgrund der Klimakatastrophe leider auch immer mehr. Wenn also zukünftig mehr Bäume sturmbedingt entwurzelt werden, aber immer weniger junge Bäume nachwachsen, da diese noch während der Wachstumsphase vertrocknen, dann kann sich jeder ausmalen, was das bedeutet.

Nun sollte man meinen, dass der Ernst der Lage so offensichtlich ist, dass ihn auch der Letzte begreifen würde. Doch das ist nicht so, denn Windkraftgegner „argumentieren“ immer noch (z. B. in Diskussionen auf Facebook), dass ja für Windräder angeblich so viel Bäume gefällt werden müssten. Dann sollten die sich vielleicht mal anschauen, was die Klimakatastrophe für Schäden im Wald anrichtet, denen viel mehr Bäume zum Opfer fallen. Wären also mal schon seit Jahren gezielt ein paar Bäume mehr für Windkraftanlagen gefällt worden, dann würde es heute vielleicht besser um den Wald bestellt sein.

Und eine weitere Absurdität, die uns aufzeigte, dass sich wohl kein wirklicher Richtungswechsel mehr einschlagen lassen wird, haben wir dann noch direkt im Urlaub beobachten können, wenn wir nämlich die Waldpfade verlassen hatten: Fast alle Menschen dort waren mittlerweile mit E-Bikes unterwegs, normale Fahrräder sahen wir so gut wie gar keine mehr.

Wenn ein E-Bike benutzt wird, um Autofahrten zu vermeiden oder vielleicht sogar ein Auto komplett zu ersetzen, dann ist das eine gute Sache. Genauso sinnvoll ist es, wenn dadurch beispielsweise ältere Menschen die Möglichkeit haben, noch mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, die das sonst kräftemäßig nicht mehr packen würden.

Wenn allerdings statt normaler Fahrräder E-Bikes gefahren werden, auf denen dann die meisten „Radler“ nur noch unbeweglich draufsitzen und ein wenig am Gaspedal drehen, statt in die Pedale zu treten, dann wird hier einfach eine ressourcenschonende Fortbewegungsart deutliche ressourcenintensiver, denn die E-Bikes müssen ja nicht nur mit Strom aufgeladen werden, sondern benötigen auch in der Herstellung deutlich mehr Rohstoffe als die allermeisten herkömmlichen Drahtesel.

So haben uns die E-Biker, wenn wir den geschundenen Wald verlassen haben, gleich ganz direkt aufgezeigt, was in unserer Gesellschaft verkehrt läuft und warum wir die Klimakatastrophe nicht abbremsen werden: Die eigene Bequemlichkeit, immer wieder neu geschaffene Bedürfnisse und eine ausgeprägte Konsumgeilheit passen eben nicht dazu, unsere überlastete Biosphäre ein wenig entlasten und aufrechterhalten zu können.

Am Wald sieht man es jetzt schon allzu deutlich, dass die Klimakatastrophe bereits bei uns angekommen ist. Machen wir uns also auf weitere Unannehmlichkeiten gefasst, die nicht lange auf sich warten lassen werden …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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