Die PR-Schlacht ums Glyphosat

Über das Pestizid Glyphosat von Monsanto haben wir hier auf unterströmt ja schon öfter berichtet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft es als wahrscheinlich krebserregend ein, das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hingegen hält es für unbedenklich. Nun soll demnächst eine erneute Zulassung dieses weltweit meistverbreiteten Pflanzengifts in der EU für weitere 15 Jahre erfolgen, wogegen sich von einigen NGOs auch schon deutlicher Widerstand regt. Da passt nun die aktuelle Meldung, dass nach einer Untersuchung des Umweltinstituts München Glyphosat in den 14 meistverkauften deutschen Biersorten findet, nicht so wirklich gut ins Konzept der Pro-Glyphosat-Fraktion …

So wird dann auch gleich mal die PR-Maschine angeworfen, um Relativierung und Beruhigung nach dieser Meldung des verseuchten Biers zu verbreiten. Ein Beispiel dafür findet sich im Tagesspiegel: Allein schon die Überschrift des Artikels ist an plumper Meinungsmache kaum zu überbieten: „BfR: Glyphosat in Bier erst ab 1000 Liter schädlich“. Na super, wer trinkt denn schon 1000 Liter Bier, und das auch noch pro Tag? Dann ist ja alles kein Problem …

Leider ist der Artikel hingegen unter journalistischen Gesichtspunkten schon reichlich problematisch in seiner Einseitigkeit. So geht es gleich schon im ersten Absatz los:

Beim Test von 14 der beliebtesten Biermarken Deutschlands wurden Spuren des Unkrautvernichters gefunden. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm. Einen Grenzwert für Bier gibt es allerdings nicht.

Aha. Weil es für Bier keinen eigenen Grenzwert gibt, muss also nicht weiter drauf eingegangen werden, dass der Grenzwert für Trinkwasser, der ja wohl schon irgendwie einen Sinn haben wird, um das bis zu 300-Fache überschritten wird. Und kurz danach kommt dann auch das BfR zu Wort:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingegen sieht keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Glyphosatrückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff sei. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien jedoch so niedrig, dass die rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen, teilte das BfR auf Anfrage mit. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.“

Und wie kommt dann bitte der Grenzwert fürs Trinkwasser zustande? Es ist ja nun nicht zu erwarten, dass jemand mal eben mehr als 300.000 Liter Wasser am Tag trinkt, oder? Mit dieser Frage lassen aber sowohl Tagesspiegel als auch BfR den Leser und Konsumenten allein.

Als Nächstes kommt dann der Deutsche Brauer-Bund zu Wort, der – nicht gerade überraschend – natürlich gar nichts von dieser Studie zur Glyphosat-Belastung des Bieres hält. Auch interessant, dass hier der oben zitierten Aussage des BfR widersprochen wird, dass Glyphosat im Bier ja sowieso zu erwarten sei, denn der Brauer-Bund meint, „dass keine Schadstoffe Eingang in die Produktion finden“. Na, was denn nun? Auch hier wäre es ja mal sinnvoll gewesen, wenn der Journalist, der den Artikel geschrieben hat, diesem Widerspruch nachgegangen wäre – aber Fehlanzeige. Klar, die beiden Aussagen passen ja jede für sich auch prima zur vermittelten Message: Alles ist gut, keiner muss sich Sorgen machen!

Dann wird am Schluss noch die Kontroverse, die es ums Glyphosat gibt, angerissen. Erst wird die Wirkung des Pestizids geschildert, dann die Warnung der WHO, um dann mit diesem Absatz den Artikel zu beenden:

DIE ENTWARNUNG: Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) kam im November 2015 zu dem Schluss, es sei „unwahrscheinlich, dass von Glyphosat eine Krebsgefahr ausgeht“. Sie habe dabei auch die IARC-Daten berücksichtigt. Einer ihrer Experten habe dieser Aussage aber nicht zugestimmt. Die Efsa empfiehlt dennoch, die tägliche Aufnahme von Glyphosat beim Menschen auf 0,5 Milligramm (Tausendstel Gramm) pro Kilogramm Körpergewicht zu begrenzen. Im Bier wurden nun Glyphosat-Mengen von bis zu 30 Mikrogramm (Millionstel Gramm) pro Liter gefunden.

Ach so, wenn die Efsa das sagt, dann wird ja wohl alles super sein. Aber war da nicht mal was? Mir fiel da ein Bericht der 3sat-Sendung nano von vor etwa eineinhalb Jahren ein, in dem es genau um diese europäische Institution geht und in dem aufgezeigt wird, dass es dabei erhebliche personale Überschneidungen mit Vertretern der Lebensmittelindustrie gibt – also genau mit denen, die mit Glyphosat ihr Geld verdienen. Na, da finde ich dann doch die WHO ein bisschen vertrauenswürdiger …

Davon abgesehen, gab es ja auch schon von anderer Seite deutliche Kritik an der wissenschaftlichen Arbeit der Efsa, zum Beispiel in Form eines offenen Briefes von 96  Forscher(inne)n, über den das Umweltinstitut München in einem Artikel berichtet, und auch hier wird von gleicher Seite aus deutliche und nachvollziehbare Kritik an der Efsa geübt. Dass Monsanto selbst Studien manipuliert hat, um die Unschädlichkeit von Glyphosat belegen zu können, und dass der Konzern dabei auch vor Diffamierungskampagnen nicht zurückschreckt, wie gegen den Wissenschftler Gilles-Éric Séralini, wird dann hier und hier (beides ebenfalls vom Umweltinstitut München) beschrieben.

Aber auch von anderer Stelle gibt es reichlich Kritik an dem Pestizid und am verbraucherschädigenden Umgang offizieller Stellen wie des BfR, z. B. in Artikel in der taz (Unkraut vergeht, der Mensch auch) und in den Blättern für deutsche und internationale Politik (Glyphosat: Unser täglich Gift) sowie in Blog-Beiträgen von Campact (Studien zur Krebsgefahr von Glyphosat verschwiegen) und LobbyControl (EU-Kommission gibt Bericht zu Glyphosat nur an Monsanto heraus). Und dann gab es auch noch die 45-minütige Doku Glyphosat: Tote Tiere – kranke Menschen auf arte zu dem Thema.

Eine ganze Menge Stoff aus unterschiedlichen Quellen, die vor allem eines deutlich machen: Bei den Studien und dem Zulassungsverfahren von Glyphosat wird ordentlich gemauschelt und getrickst. Kein Wunder, denn für Monsanto ist Glyphosat ein elementarer Bestandteil des Geschäftes, da deren genmanipulierten Pflanzen eben gegen dieses Pestizid resistent sind. Ein Verbot von Glyphosat würde somit den Zusammenbruch eines erheblichen Geschäftsfeldes von Monsanto und damit vielleicht sogar des ganzen Konzerns zur Folge haben. Und dass Monsanto nicht gerade zimperlich ist, wenn es um das Verteidigen der eigenen Profite geht, davon kann man sich anhand der arte-Doku Monsanto – mit Gift und Genen oder der DVD „Good Food, Bad Food“ überzeugen.

Wie man an den ganzen in den letzten Absätzen genannten Artikeln, Berichten und Dokus sieht, geht es also beim Glyphosat nicht nur um das deutsche Bier, sondern eben um weitaus mehr. Wie der BUND in einem Artikel berichtet, konnte laut einer Studie bei ca. 70 % aller deutschen Großstädter Glyphosat im Urin nachgewiesen werden. Und da sind wir schon bei einem weiteren Schwachpunkt des Tagesspiegel-Artikels: Der Mensch nimmt Glyphosat nicht allein übers Bier auf, sondern eben auch über zahlreiche andere Nahrungsmittel, zudem haben auch Anwender, also Landwirte, aber auch Klein- und Hobbygärtner, direkten Kontakt mit dem Gift. Da nun allein aufs Bier abzustellen und zu sagen, dass man damit den gefährdenden Grenzwert nicht überschreiten kann, ist also eine Verharmlosung, da sämtliche anderen Möglichkeiten, Glyphosat aufzunehmen, einfach ausgeblendet werden.

Eine anderen dreisten Beitrag, bei dem man den „Sponsored by Monsanto“-Sticker sucht, aber dann doch nicht findet, lieferte dann DRadio Wissen. Der dortige Umweltredakteur Georg Ehring war sich nicht zu blöd, die Behauptung aufzustellen:

Ich würde dem Glyphosat im Bier überhaupt keine Bedeutung beimessen für den Konsumenten. Die Konzentration von Alkohol ist viel höher. Und Alkohol ist sicherlich krebserregend.

Nun kann man sicherlich nichts dagegen einwenden, dass Alkohol nicht gerade gesundheitsfördernd ist, und über den Zusammenhang von Alkoholgenuss und gesteigertem Krebsrisiko kann man sich auch trefflich auf der Webseite vom Krebsinformationsdienst schlaumachen (und dabei feststellen, dass es nicht ganz so simpel ist, wie Ehring es darstellt), aber letztlich bleibt doch eines festzuhalten: Wer ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt, der weiß, dass da Alkohol drin ist und dass das mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, gerade bei übermäßigem Alkoholgenuss. Deswegen muss ja auch in Deutschland verpflichtend der Alkoholgehalt von alkoholhaltigen Getränken auf der Verpackung angegeben werden. Aber vom Glyphosat steht da nichts, und ich möchte mal behaupten, was die Aussage von Ehring noch bescheuerter macht, dass ein Bier, in dem die gleiche Menge Glyphosat wie Alkohol enthalten wäre, mit Sicherheit augenblicklich schädliche Wirkungen zeitigen würde.

Vor allem: Was ist denn das für eine Logik, mit der Ehring uns da für blöd verkaufen möchte? Wenn etwas schon schädlich oder gefährlich ist, dann macht es auch nichts, wenn man da noch ein bisschen was anderes hinzugibt, wodurch dann das Krebsrisiko noch ein wenig gesteigert wird. Fehlt nur noch der Hinweis: Sterben müssen wir ja sowieso alle mal …

Und wie schaut es mit alkoholfreiem Bier aus? Auch darin dürften ja, wenn es nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird, die gleichen Zusatzstoffe und damit auch Glyphosat enthalten sein. Nun steht Ehrings „Argumentation“ endgültig auf tönernen Füßen, aber vielleicht würde dieser Meister der stringenten Logik dann ja anführen, dass man sich bei einem alkoholfreien Bier ja auch an der Flasche schneiden und verletzten könnte, was dann auch viel schlimmer wäre als so ein bisschen Glyphosat. Zuzutrauen wäre es ihm.

Man sieht also, wie sehr wir Verbraucher nicht nur von Unternehmen hinters Licht geführt werden, wenn diese ihre Profite auf Kosten unserer Gesundheit machen wollen, sondern auch von willfährigen Schreiberlingen für dumm verkauft und in vermeintliche Sicherheit gewogen werden. Der Journalismus mal wieder als Helferlein im Dienste von Konzerninteressen – und hinterher wird sich wieder lauthals über den Vertrauensverlust in der Bevölkerung beklagt.

Nun kann aber jeder zumindest seine Stimme gegen Glyphosat abgeben. Hier geht’s zu einer Mail-Aktion vom Umweltinstitut München, die sich aktuell gerade direkt an die Brauereien richtet, dich bei der Bierherstellung auf glyphsatfreie Zutaten zu achten. Generelle Unterschriftenaktionen gegen Glyphosat gibt es auch an verschiedenen Stellen, zum Beispiel beim BUND (mittlerweile nicht mehr aufrufbar) oder Campact. Und letztlich kann jeder Einkauf, den wir machen, eine Abstimmung gegen Konzerne wie Monsanto und Co., die uns ohne jede Skrupel vergiften, sein.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

13 thoughts to “Die PR-Schlacht ums Glyphosat”

  1. Die Süddeutsche Zeitung schreibt in einem Artikel zu dem Thema teilweise wortwörtlich das Gleiche wie der Tagesspiegel, aber der letzte Absatz ist dann echt noch mal ein richtig peinliches Stück Stimmungsmache:

    Das Umweltinstitut München ist schwerlich als unabhängiges Forschungsinsitut zu bezeichnen. Es ist vielmehr ein Verein mit politischen Interessen. In Kampagnen setzt es sich unter anderem gegen Atomkraft, die grüne Gentechnik und das Freihandelsabkommen TTIP ein.

    Da wird also noch mal entsprechend nachgelegt, indem der Überbringer der schlechten Botschaft diffamiert wird. Dass diese Aussage des SZ-Schreiberlings vollkommen haltlos ist, bringen zwei Kommentare auf den NachDenkSeiten gut auf den Punkt, zum einen von deren Leser B. M.:

    Der letzte Absatz bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Münchner Instituts. Mir fiel dabei der eigenwillige Gebrauch des Wortes „unabhängig“ auf. Der Autor schreibt nicht, von wem das Institut abhängt, also wer es bezahlt. Statt dessen begründet er seine Zweifel an der Unabhängigkeit des Instituts damit, dass es politische Interessen verfolgt: gegen Atomkraft, gegen Gentechnik und gegen TTIP. Demzufolge wäre als „unabhängig“ nur der zu bezeichnen, der FÜR Atomkraft und TTIP ist (oder der keine Meinung zu diesen Fragen hat, aber so jemand würde ja schweigen).
    Wir können annehmen, dass sich im Gegensatz zum Umweltinstitut der Autor des Artikels für unabhängig hält. Er wird zwar bezahlt von der SZ bzw. dem Eigentümer der SZ und seine Stellung ist vom Wohlwollen des Konzerns an seiner Arbeit abhängig – aber er fühlt sich trotzdem frei und unabhängig und er könnte schreiben, was er will. Er könnte sogar – Gott behüte – gegen Atomkraft, gegen Monsanto und gegen TTIP schreiben, denn er vertritt ja keine Interessen.
    Das Bundesinstitut für Risikobewertung verfolgt auch keine politischen Interessen und muss somit als „unabhängig“ gelten. Dass es mit seiner „Bewertung“ den massenhaften Weiterverbrauch von Glyphosat befördert, worüber sich die Aktionäre des Weltkonzerns Monsanto freuen können, ist ein gänzlich unbeabsichter Kollateralnutzen.

    Zum anderen von Jens Berger:

    Das BfR ist übrigens eine öffentliche Anstalt, die dem Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft untersteht. Der Vorwurf der SZ ist also komplett sinnfrei. Schön wäre es übrigens, wenn die SZ auch einmal bei anderern Quellen so kritisch wäre. Wie „unabhängig“ sind denn die Wirtschaftsforschungsinstitute, die von der SZ tagtäglich zitiert werden? Wie „unabhängig“ sind die transatlantischen Think-Tanks, deren Forderungen 1:1 in den redaktionellen Teil der SZ übergehen? Und last but not least – wie „unabhängig“ ist die SZ selbst?

  2. Eine weitere Unterschriftenaktion, um Druck auf die EU-Mitgliedstaaten auszuüben, der Glyphosat-Verlängerung nicht zuzustimmen, gibt es von Rettet den Regenwald e. V. Dort finden sich auch noch weitere interessante Infos und Links zu dem Thema, so zum Beispiel dass Glyphosat nicht nur wahrscheinlich krebserregend ist, sondern auch als erbgutschädigend eingestuft wurde.

    Bitte mitmachen und weiterverbreiten!

  3. Nun meldet sich auch das Umweltinstitut München zu Wort, um auf die Berichterstattung zu seinen Untersuchungsergebnissen bezüglich Glyphosat im Bier zu reagieren. Zum einen werden in einem Artikel auf dessen Webseite nicht nur einige Reaktionen kommentiert, sondern eben auch noch mal (mit entsprechenden Links) auf die mangelhafte Arbeit des BfR hingewiesen, genauso wie auf den Umstand, dass bei einem tatsächlich krebserregenden Stoff überhaupt keine Untergrenze der Unschädlichkeit benannt werden kann (das BfR geht also bei seinen Angaben davon aus, dass Glyphosat nicht krebserregend ist). Zum anderen gibt es noch einen offenen Brief an das BfR, in dem dieses dazu aufgefordert wird, doch die Untersuchung des Biers mit eigenen Testmethoden zu wiederholen. Man geht vonseiten des Umweltinstituts München davon aus, dass dann die gleichen oder zumindest sehr ähnliche Resultate dabei herauskommen würden. Zudem wird in dem Brief das BfR aufgrund seines wissenschaftlich fragwürdigen Vorgehens auch recht deutlich mit dem Vorwurf konfrontiert, Teil einer politischen Kampagne zur Wiederzulassung von Glyphosat zu sein.

  4. Gerade veröffentlicht die Heinrich Böll Stiftung in einem Artikel auf ihrer Webseite die Ergebnisse einer Studie mit über 2000 Teilnehmern, bei denen getestet wurde, ob Glyphosat in ihrem Urin nachweisbar ist. Das erschreckende Resultat: 75 Prozent der Probanden sind deutlich mit dem Pestizid belastet, zumindest Spuren davon konnten bei 99,6 % festgestellt werden – also im Grunde nahezu bei allen!

    Noch mal zur Erinnerung: Wenn ein Stoff krebserregend ist, sind Grenzwerte vollkommen egal, da genügen dann u. U. auch schon kleinste Menge. Na super …

  5. Und der Protest scheint zumindest ein bisschen Wirkung zu zeigen: Die für heute von der EU geplante Entscheidung über eine weitere Zulassung von Glyphosat für die nächsten 15 Jahre wurde erst mal vertagt, da mehrere Staaten ihre Zustimmung versagt haben. Ein erster Schritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  6. Ein guter Kommentar von Jost Maurin zum Thema Glyphosat-Zulassung fand sich einen Tag vor der geplanten Neuzulassung des Pastizids in der taz. Darin finden sich etliche interessante Informationen zum Zulassungsverfahren, weiterführende Links und auch generelle Gedanken zum Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Trotz der nicht mehr ganz vorhandenen Aktualität ausgesprochen lesenswert!

  7. In einer Pressemitteilung des Europäischen Parlaments wird bekannt gegeben, dass der Umweltausschuss sich gegen eine Verlängerung der EU-Zulassung von Glyphosat ausgesprochen hat und fordert, dass eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben werden soll, um die Unschädlichkeit des Pestizids zweifelsfrei zu belegen. Darüber hinaus sollen die Studien und Untersuchungen offengelegt werden, welche die Grundlage für das Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bildeten.

    Auch wenn dies nun keine Rechtsverbindlichkeit hat, so ist es doch eine gute Unterstützung gegen die erneute Glyphosat-Zulassung.

  8. Und weiter geht’s mit diesem Thema: Einen Tag, bevor über die erneute Zulassung von Glyphosat in der EU entschieden werden soll, kam nun heraus, wie eine Artikel des Campact-Blogs berichtet, dass der Vorsitzende einer Arbeitsgruppe der Welternährungsorganisation FAO und der WHO gleichzeitig Vizepräsident einer Firma ist, die von Monsantp eine Spende von 500.000 Dollar erhalten hat. Tja, ob das wohl damit zusammenhängt, dass diese Arbeitsgruppe nun am Montag überraschend verkündete, dass Glyphosat doch gar nicht so gefährlich und krebserregend sei? Dreister geht’s ja wohl kaum noch.

    Und weite Teile der Presse machten daraus dann auch gleich, dass die WHO nun Entwarnung bezüglich Monsantos Pestizid gegeben hätte. Dass dies nicht der Fall ist, sondern hier (bewusst oder unbewusst, das kann sich nun jeder selbst überlegen) Falschinformationen verbreitet wurden, darüber gibt ein Artikel des Umweltinstituts München Auskunft.

  9. Und rechtzeitig zur Abstimmung kommt dann auch noch ein wenig Pro-Glyphosat-PR in der Süddeutschen Zeitung.

    Was die Autoren nur nicht berücksichtigen: Bei krebserregenden Substanzen ist meines Wissens die Menge unerheblich, sondern es kommt nur darauf an, ob irgendwas karzinogen ist oder nicht. Der eine arbeitet stundenlang im Asbeststaub und bekommt keinen Krebs, der andere geht nur dran vorbei für ein paar Sekunden und „fängt sich was ein“ (wurde mir neulich von einem befreundeten Bauingenieur bestätigt, der beruflich viel mit Sanierungen zu tun hat). Insofern ist das Abstellen auf die Höhe einer Dosis in dem Artikel nicht zielführend.

    Zum anderen haben die Schreiber des Artikels Folgendes „vergessen“ zu erwähnen:

    Professor Alan Boobis, der Vorsitzende des Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR), ist gleichzeitig Vize-Präsident des International Life Science Institute (ILSI) Europa. Nach Informationen des Guardian erhielt ILSI im Jahr 2012 eine Spende über 500.000 US Dollar von Monsanto sowie eine weitere Spende über 528.500 US Dollar von der Pestizidlobby Croplife International, in der unter anderem Monsanto, Dow und Syngenta vertreten sind.

    (Quelle: der in der letzten Anmerkung bereits verlinkte Campact-Artikel).

    Insofern macht die SZ da gerade also schön Werbung für Monsanto. Ob die Schreiber auch entsprechend alimentiert wurden?

  10. Die EU-Kommission rudert bei ihren Plänen für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung immer weiter zurück. Nachdem, wie ein Campact-Artikel berichtet, die Verlängerung um neun Jahre, statt wie noch im März geplant 15 Jahre, kürzlich auch aufgrund einer deutschen Enthaltung nicht zustande gekommen ist, soll nun noch mal auf die Schnelle eine Verlängerung für zumindest ein bis zwei Jahren durchgedrückt werden. Bleibt zu hoffen, dass es auch damit nichts wird (dafür müsste allerdings vor allem auch die SPD standhaft bleiben …), sodass Glyphosat dann endgültig demnächst vom Tisch ist!

  11. Wie sehr Politik und Industrie beim Thema Glyphosat unter einer Decke stecken, wird anhand eines Artikels vom Umweltinstitut München deutlich. Darin wird beschrieben, wie EU-Kommissar Andriukaitis zur Beruhigung der Öffentlichkeit einen offenen Brief an die Hersteller des Pestizids adressiert hat, in dem er eine Offenlegung der Studien, die von der Industrie beauftragt wurden und angeblich die Unbedenklichkeit von Glyphosat belegen sollen, fordert. Klingt erst mal gut, nur ergaben weitere Nachforschungen, dass dieses Vorgehen genau so mit der Industrie abgesprochen war. Täuschung der Öffentlichkeit par excellence, würde ich sagen …

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