Diskussionsversuche mit Rechten

Vor einigen Wochen stieß ich auf Facebook aufgrund eines interessanten Postings auf die Gruppe „Politik und Zeitgeschehen“ – eine moderierte Diskussionsgruppe mit Nettiquette-Regeln zum politischen Austausch. Ein Blick darauf war durchaus vielversprechend, sodass ich mich dort anmeldete in der Hoffnung, dort interessante Links und Meinungen zu politischen Themen zu erhalten und sich darüber austauschen zu können. Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass auch einige Rechte und Rechtsoffene diese Möglichkeit nutzten, um dort Hetze zu verbreiten, entweder in Form von eigenen Kommentaren oder als Artikel aus fragwürdigen rechten Quellen und von Hetzseiten. Irgendwie war mir schon schnell klar, dass ich so was nicht einfach unkommentiert stehen lassen kann …

Meine Maxime dabei ist: immer sachlich bleiben, eigene Aussagen belegen, zweifelhafte Quellen hinterfragen, nicht persönlich werden (z. B. nicht bei „Kulturbewahrern“ auf mangelnde Rechtschreibung hinweisen) und freundlich sein. Immerhin lebt so eine Gruppe ja, wenn sich dort ein konstruktiver Austausch ergeben soll, vom gegenseitigen Respekt. In den meisten Fällen funktioniert das dort auch, selbst wenn unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen, nur sobald sich diejenigen vom rechten Rand zu Wort melden, ist es meistens schnell vorbei mit einer gepflegten Diskussionskultur.

Bestimmte Verhaltensweisen sind dabei immer wieder zu beobachten, sodass ich mir dachte, mal ein wenig „Feldforschung“ zu betreiben und diese zu dokumentieren:

Einseitige Themenwahl

Recht Gruppenteilnehmer verlinken fast ausschließlich Artikel, die irgendwas mit Flüchtlingen oder Muslimen zu tun haben. Irgendwo war ein Einbruch, und der Täter war ein Flüchtling? Gleich wird der entsprechende Artikel aus der Lokalpresse gepostet, natürlich mit dem entsprechenden Hinweis, was Merkel/die Politik/die Gutmenschen „uns“ (damit sind immer sie selbst und ihresgleichen gemeint, wobei da schon ein Allgemeingültigkeitsanspruch auszumachen ist, da man sich gern als Vertreter aller Deutschen gebärdet) nun damit eingebrockt hat/haben. Dabei geht es dann auch gar nicht um den Einzelfall, der vielleicht irgendeine juristische Besonderheit aufweisen könnte, sondern um Allerweltsgeschichten, in denen nun mal das Feindbild des Flüchtlings und Muslim schlecht wegkommt. Auf diese Weise soll m. E. für das eigene Weltbild nach Zustimmung geheischt werden, dass eben auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus basiert.

Themenwechsel

Geht es dann mal nicht um Flüchtlinge in einem verlinkten Artikel oder einem zur Diskussion gestellten Statement, dann wird häufig versucht, dem Thema die entsprechende Richtung zu geben. Ansonsten findet man nämlich von Rechten recht wenige Beiträge zu anderen politischen Themen, wobei sehr allgemeine Politikerschelte und das Verteufeln aller Medien durchaus auch regelmäßig von Rechten vorgebracht werden.

Auch beliebt ist der Themenwechsel zur Ablenkung. Ein Beispiel: Ein Rechter zweifelte die BKA-Statistik an, die besagt, dass die Kriminalität seit dem Eintreffen der vielen Flüchtlinge in Deutschland nicht zugenommen hätte, und begründete dies mit angeblichen Aussagen von „Polizeidirektor Reiner Wendt“. Ich merkte daraufhin an, dass Wendt nicht Polizeidirektor sei, sondern Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft und als solche schon öfter als scharfmachender Lobbyist aufgefallen ist, wovon Fußballfans beispielsweise ein Lied mit sehr vielen Strophen singen könnten. Anstatt nun den eigenen Lapsus einzugestehen, ging der Rechte dazu über, Fußballfans generell als Dummköpfe zu diskreditieren, um so von seinem eigenen Nichtwissen abzulenken.

Vorwurf von Unwissenheit oder mangelnder Medienkompetenz

Und genau das sind dann auch gern mal die Leute, die anderen per se Unwissenheit und Ahnungslosigkeit vorwerfen. Den Dunning-Kruger-Effekt kann man da in ziemlich starker Ausprägung erleben: Man selbst radebrecht sich zwar nur mit größter sprachlicher Mühe durch hanebüchene und unschlüssige Argumentationen, aber derjenige, der schlüssige und adäquat formulierte Gedankengänge vorträgt, aber blöderweise eine von der eigenen abweichenden Meinung vertritt, wird dann versucht, als inkompetent darzustellen. Das ist natürlich recht praktisch, weil man auf diese Weise den eigenen Standpunkt nicht weitergehend erläutern muss (was meistens bei Rechten nicht so ganz leicht fällt), sondern den Diskutanten einfach als unwürdig und eh unter einem selbst stehend abkanzelt. Klar, so passt es ja auch ins streng hierarchisch aufgebaute rechte Weltbild, bei dem oben immer praktischerweise diejenigen sind, zu denen man sich selbst auch zählt.

Damit einher geht auch der immer wieder auftauchende Vorwurf, dass man ja, wenn man sich nicht dem rechten Weltbild anschließen mag, unter mangelnder Medienkompetenz leiden würde. Dabei hab ich wirklich schon groteske argumentative Drahtseilakte erlebt: So wurde mir von einer rechten Diskutantin vorgeworfen, als ich für eine Aussage ein paar Quellen zum Beleg verlinkte, dass ich ja wohl auch jeden Mist glauben würde, der mir vorgesetzt würde. Kurze Zeit darauf schrieb sie im gleichen Thread, dass sie ja schließlich keine Zeit und Lust hätte, sich immer genau zu informieren, wie seriös die Quellen sind, aus denen sie sich informiert. Auf meinen Hinweis, dass sie damit ja gerade genau das sich selbst eingestehen würde, was sie mir vorwarf, meinte sie nur, dass sie diese Antwort ja schließlich nicht an mich persönlich adressiert hätte, sondern an einen anderen Diskutanten. In solchen Momenten wird einem klar, dass ein logischer Zugang zu solchen Personen einfach nicht mehr möglich ist.

Mangelnde Medienkompetenz

Auch wenn, wie eben beschrieben, die Rechten häufig alle, die nicht ihrer Ansicht sind, als naiv-geistlose Medienkonsumenten, die alles aus der „Lügenpresse“ für bare Münze nehmen, sich selbst hingegen als mit totalem medialen Durchblick gesegnet darstellen, so ist es bei ihnen mit der Medienkompetenz in der Regel nicht allzu weit her. Das lässt sich an mehreren Dingen festmachen:

Zum einen werden gern Dinge vehement abgestritten ohne jede Begründung oder einen Beleg, der die eigene Meinung untermauern könnte. Dafür dürfen dann oftmals Phrasen wie „Hab ich gehört“ oder „Das weiß doch jeder“ herhalten, die Frage nach einer verlinkten Quelle läuft dabei meistens ins Leere.

Und wenn dann einmal Artikel o. Ä. verlinkt werden, dann kann man fast davon ausgehen, dass es die üblichen Verdächtigen aus dem rechten Spektrum sind, die es in der Regel mit journalistischen Standards nicht so genau nehmen oder aber betont alarmistische Prognosen unters Volk streuen, die dann nur leider in der Vergangenheit nie zutreffend waren. Zu den unter dem im ersten Absatz oben aufgeführten Seiten zählen da beispielsweise auch die Deutschen Wirtschafts Nachrichten, die nun nicht explizit rechts sind, aber eben häufig einen sehr undifferenzierten Politikerhass schüren. Rayk Anders hat in einem Video eigentlich alles gesagt, was es zu diesem Portal zu sagen gibt.

Wichtig bei einer Quelle ist es zudem auch nicht, ob da schlüssig berichtet wird, ob man die Meldung auch noch bei anderen Quellen findet oder ob es tendenziöse Verzerrungen gibt, sondern ob das, was man dort liest oder sieht, ins eigene Weltbild passt. In dem Fall ist die Quelle seriös, wenn dort unliebsame Inhalte präsentiert werden, ist sie das nicht. So postete jemand gerade heute einen Artikel vom Kopp-Verlag über angebliche geheime Flüchtlingstransporte, welche die Regierung nachts nach Deutschland durchführen lässt. Den Quatsch verlinke ich hier nun nicht, sondern lieber gleich den Mimikama-Artikel, der dieses Gerücht mit gewohnt gründlicher Recherche widerlegt – aber das interessiert dann nicht mehr so wirklich, denn selbst als jemand darauf mit einem Link hinwies, wurde das überhaupt nicht wahrgenommen, und alle kritischen Anmerkungen wurden erst mal als dämlich abgetan. Mimikama ist übrigens eine Seite, die bei den Rechten nicht eben hoch im Kurs steht – na ja, sind vermutlich zu viele Belege dort zu finden, mit denen rechte Gerüchte immer wieder entkräftet werden – und mit Fakten hat man’s am rechten Rand eben nicht so.

Dazu passt auch, dass häufig Satiremeldungen ernst genommen werden, wenn man sich denn schön darüber aufregen kann. Beispiel gefällig? Jemand postete einen Postillon-Artikel, in dem behauptet wurde, dass die AfD eigentlich eine von Bundeskanzlerin Merkel gegründete Fake-Partei sei. Selbst wenn nun jemand den Postillon nicht als Satiremagazin kennt, so sollte einem doch die Aufmachung mit dem nicht gerade sorgfältig gephotoshopten Bild schon auf den richtigen Weg bringen, dass es mit dieser Meldung wohl nicht ganz ernst gemeint sei. Ich zitiere mal ein paar Reaktionen von Rechten auf das Posting (Rechtschreibung wie in den Originalen belassen):

Wenn nur die Hälfte davon wahr ist, reicht mir das schon…

 

Man merkt, die Wahlen rücken näher die AfD nimmt prozentual immer mehr zu. Da muss was dagegen getan werden ! Auch wenn das so primitiv ist…..

 

Dummes Geschwätz. – Wenn Arschlöcher zu denken versuchen.

 

Spinnerei, Ihr wisst wohl auch nicht mehr, was ihr alles für ein Mist schreibt.

 

Einfach nur schrott

Da braucht man nicht mehr viel zu unseren Medienspezialisten und Obercheckern zu sagen, oder?

Unterstellungen

Auch ein nicht selten bei Rechten anzutreffendes Mittel, um Diskutanten mit anderer Meinung zu diskreditieren, ist die Unterstellung. Da werden Dinge bewusst bösartig falsch interpretiert, bei denen eigentlich jedem klar sein sollte, wie sie gemeint sind, zudem werden auch gern Sachen einfach aus der Luft gegriffen und sich ausgedacht. Kennt man ja irgendwie von AfD-Politikern, die hier für ihre Fanbase anscheinend eine Art Vorbildfunktion haben.

Aber auch das ist ja recht bequem: Wenn ich mich mit einem Argument nicht auseinandersetzen möchte, da ich nichts Passendes dagegen zu erwidern habe, dann sehe ich zu, dass der andere unmöglich gemacht wird, indem ich ihm Dinge vorwerfe, die nicht der Wahrheit entsprechen, die ihn aber in ein negatives Licht rücken.

Beleidigungen

Und wenn das dann noch nicht ausreicht und eventuell jemand darauf besteht, dass die unterstellten Dinge doch bitte mal nachgewiesen werden sollen, dann wird nicht selten die nächste Eskalationsstufe erklommen, indem einfach nur noch beleidigt wird. Und auch auf diese Weise umgeht man eine argumentative Auseinandersetzung, der man sich nicht gewachsen fühlt, denn denjenigen mit der anderen Meinung muss man ja nicht ernst nehmen, wenn er minderbemittelt, dumm, ein Spinner u. Ä. ist.

Einstellen der Diskussion bis hin zum Blockieren

Wenn es nun immer noch widerspenstige Geister gibt, die sich selbst von den persönlichen Verbalattacken der Rechten nicht am Argumentieren hindern lassen, dann wird eben einfach nicht mehr geantwortet. Das hat dann immer so ein bisschen was davon, als wenn Kinder sich die Finger in die Ohren stecken und laut „Lalala, ich hör nichts!“ brüllen. Ein Eingeständnis wie „Da könntest Du ja vielleicht doch recht haben“ oder auch nur „O. k., kann man so sehen“ würde so einen Diskussionsstrang ja auf etwas eloquentere Art beenden, aber das ist von Rechten leider in der Regel nicht zu erwarten.

Notfalls wird dann auch noch der beharrliche Gegen-rechts-Argumentierer blockiert, d. h., dass man keine Beiträge mehr von diesem in der Gruppe sieht und er auch das eigene Geschriebene nicht mehr lesen kann. Das Problem, was sich daraus ergibt (und weswegen ich noch nie jemanden in der Gruppe blockiert habe), ist, dass man dann mitunter nur unvollständige Diskussionsstränge zu sehen bekommt. Spätestens wenn dann ein Dritter auf etwas eingeht, was jemand schrieb, der einen blockiert hat, versteht man u. U. nur noch Bahnhof, da man eben den Bezug zu der Aussage nicht sehen kann.

Schmoren im eigenen Saft

Was man immer so als Klischees über rechtes Diskussionsverhalten gehört hat, hat sich für mich in dieser Gruppe mit immerhin über 5000 Mitgliedern voll bestätigt. Diese Menschen schmoren vollkommen in ihrem eigenen Saft (Filter-Bubble nennt man das fachsprachlich), indem sie nur das wahrnehmen, was ihr eigenes Weltbild bestätigt – alles andere wird inhaltlich überhaupt nicht zur Kenntnis genommen und mit den oben beschriebenen Strategien der Verweigerung negiert oder ausgeblendet. Und da wird es schwer: Wie will man Menschen argumentativ erreichen, die sich derart abschotten? Es ist ja meistens schon nicht mal möglich, die Beweggründe von Rechten für ihre Einstellungen herauszubekommen, da diese eben nicht kommuniziert werden. Es gibt viel Empörung, es gibt auch mal verlinkte Artikel, aber es geht dabei so gut wie nie um einen inhaltlichen Diskurs, sondern immer nur um eine Bestätigung der eigenen Empörung. Und dass man damit recht hat, wird gegen alle Andersdenkenden mit Krallen und Zähnen verteidigt.

Wenn man diese Menschen nicht als „Kollateralschaden“ des Neoliberalismus (s. dazu diesen Artikel hier auf unterströmt) akzeptieren und demzufolge abschreiben will, dann machen sie selbst es einem schon reichlich schwer, sich überhaupt auf eine Art und Weise auseinandersetzen zu können, die einem sachlichen Diskurs unter demokratischen Erwachsenen auch nur nahekommt. Solche Diskussionen sind in der Gruppe „Politik und Zeitgeschehen“ nämlich durchaus möglich, und auch da gibt es durchaus konträre Meinungen – aber sobald Rechte sich in eine Diskussion einklinken, ist es mit der Diskussionskultur meist schnell vorbei.

Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig ratlos, wie man mit solchen Menschen noch umgehen soll …

Druckansicht

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

2 thoughts to “Diskussionsversuche mit Rechten”

  1. Mathias Schmitt schickte uns einen Leserbrief zu diesem Artikel:

    Ich bin der Meinung, dass es sinnlos und Zeitverschwendung ist mit denen zu „diskutieren“. Wenn Sie keine Argumente vorbringen können greifen sie zur Rabulistik. Die haben ihr gefestigtes Weltbild und letztlich wohl auch ihre ganz eigene Wahrnehmung der Umwelt von der sie sich auch nicht abbringen lassen.
    Sobald man merkt, dass mit dem Gegenüber nicht argumentativ gerungen werden kann sollte man den Austausch abbrechen.

    Argumentativ überzeugen kann man bestensfalls nur die, die sich auf eine echte Diskussion auch einlassen.

  2. Und noch ein Leserbrief von Armin Mößner zu dem Artikel:

    Ich gebe diesem Artikel recht. Jedoch möchte ich hinzufügen, dass nicht nur die rechte Szene sich so benimmt.. Sondern auch die meisten Ideologien und Religionen sich auch so verhalten… Deshalb sollte dieser Artikel erweitert werden aus alle Ideologien

    Kleine Anmerkung dazu: Dieser Artikel gibt meine persönlichen Erfahrungen in einer Diskussionsgruppe auf Facebook wieder, und diese hier beschriebenen Verhaltensweisen habe ich dort nun mal nur von Menschen mit rechter Gesinnung so erlebt, bei anderen Diskutanten mit anderen Einstellungen ist mir das zumindest nicht untergekommen, sodass ich dann auch nichts darüber schreiben kann.

Schreibe einen Kommentar