Interessantes aus KW 41/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Die Menschen bei Afrika sind mal wieder ziemlich mies dran, diesmal bei der Verteilung der Corona-Impfstoffe. Und das ist leider keine Ausnahme, wie Marc Engelhardt in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik feststellt, denn der Kontinent leidet nach wie vor unter Pandemien, die in wohlhabenderen Erdregionen nicht mehr vorkommen. Tuberkulose beispielsweise, an der 4000 Menschen jeden Tag sterben. Aber wo nicht viel Geld zu verdienen ist, da wird eben auch nichts für die Gesundheit getan. Willkommen im globalisierten Neoliberalismus! [Karl]

2. Maurice Höfgen zieht in der neusten Folge seine Videoblogs Geld für die Welt mal eine wirtschaftspolitische Bilanz von 16 Jahren Merkel-Regierungen. Und die fällt ziemlich verheerend aus, denn vieles hat sich in dieser Zeit zum schlechteren gewandelt, zudem bestimmte weitestgehend ideologiebedingte ökonomische Unvernunft das Agieren. Absurderweise jedoch ist das Image von Angela Merkel nach wie vor eines, das überhaupt nicht zu ihrem politischen Versagen passt – und das ist, so Höfgen nachvollziehbar, ein großes Versäumnis der politischen Linken, das nicht klarer so herausgearbeitet und kommuniziert zu haben. [Karl]

3. Sebastian Kurz (ÖVP) ist als Kanzler von Österreich zurückgetreten, da die Korruptionsvorwürfe gegen ihn immer mehr und heftiger werden. In seiner Kolumne Prantls Blick in der Süddeutschen Zeitung wirft Heribert Prantl mal einen Blick auf die Geschehnisse, zeigt auf, mit welchen unlauteren Machenschaften Kurz überhaupt erst an die Macht gekommen ist, und stellt leider auch in Aussicht, dass dieser Rückzug aus dem Amt nun noch nicht zwangsläufig auch bedeuten muss, dass Kurz von der politischen Bühne komplett verschwindet. Das könnte ich mir auch nicht vorstellen, denn immerhin hat er die ÖVP ja komplett auf seine Person ausgerichtet. In jedem Fall erst mal gut, dass dieser Typ nicht mehr Kanzler ist. [Karl]

4. Facebook ist ein ziemlich rabiates Unternehmen, wenn es darum geht, das eigene Geschäftsmodell zu verteidigen. Das durfte auch gerade der Brite Louis Barclay erfahren, der laut einem Artikel auf Spiegel Online ein recht harmloses kleines Programm geschrieben hat, das User kostenlos downloaden konnten, um damit ihren Facebook-News-Feed schnell und bequem aufräumen zu können. Recht schnell hagelte es dann eine Abmahnung für Barclay von Facebook, durch die er sich zu Recht sehr bedroht fühlte. Was für ein fieses Vorgehen – es wird immer offensichtlicher, dass solche Kommunikationsinfrastruktur, wie sie Facebook nun mal darstellt, von der öffentlichen Hand betrieben werden sollte. [Karl]

5. Interessantes über die Wählerschaft der AfD und warum diese gerade in den südöstlichen Bundesländern so stark ist, erfährt man in einem Interview mit der Sozialpsychologin Fiona Kalkstein im neuen deutschland. Die stellvertretende Leiterin des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts an der Universität Leipzig schildert, welche Bedingungen dazu führen, dass in Sachsen und Thüringen so viele Menschen AfD wählen, denn dies hat verschiedene recht spezifische Ursachen. Zudem weist sie auf die Gefahren hin, die davon ausgehen, wenn junge Menschen in einem von Rechtsextremen wie der AfD geprägten Umfeld aufwachsen. [Karl]

6. Eine junge Frau wurde in Erfurt am helllichten Tag und auf offener Straße von einer Frau übel rassistisch bepöbelt und sogar tätlich angegriffen – und keiner der umstehenden Passanten hat auch nur ansatzweise darauf reagiert oder ist gar eingeschritten. Deslin aus Halle, die sich in einem Artikel des MDR dazu äußert, hat schon immer Alltagsrassismus erleben müssen, dieser Angriff war nun aber schon eine neue Qualität. Erschreckend, wie sehr solche rassistischen Denkmuster nach wie vor verbreitet sind und wie offen diese sie mittlerweile auch geäußert werden. Für „Wehret den Anfängen“ scheint es schon ein bisschen zu spät zu sein. [Karl]

7. Immer wieder ist es im Gespräch, dass zahlreiche vor allem kleine Krankenhäuser geschlossen werden sollen, um mehr auf wenige Großkliniken zu fokussieren. Die Argumente dieser Schließungslobby hat sich Carl Waßmuth mal in einem Kommentar auf Gemeingut in BürgerInnenhand vorgenommen und anschaulich widerlegt. Es wird dabei klar, dass es denjenigen, die für Klinikschließungen plädieren, nicht ums Wohl der Patienten und eine gute medizinische Versorgung der Bevölkerung geht, sondern vor allem um Investoreninteressen. [Karl]

8. Nachdem Sarah-Lee Heinrich zur Sprecherin der Grünen Jugend gewählt wurde, tauchten auf einmal Twitter-Nachrichten auf, die sie vor Jahren als Teenager geschrieben hatte und die ziemlich blöde Inhalten hatten. Woraufhin dann ein Shitstorm einsetzte und Heinrich zum Thema zahlreicher öffentlicher Debatten wurde. Margarete Stokowski zeigt nun in ihrer Kolumne auf Spiegel Online auf, dass man dabei nicht nur die Medienkompetenz von Jugendlichen, die Mist auf Twitter schreiben, thematisieren sollte, sondern auch die von Erwachsenen, die solche medialen Hetzjagden, die von Rechtsextremen inszeniert wurden, mitmachen. Und das scheint mir eine sinnvollere Ebene zu sein, über dieses Thema zu diskutieren. [Karl]

9. Hans-Christian Lange war sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft in höchsten Führungskreisen aktiv. Nun hat er ein Buch geschrieben, über das er in einem Interview auf den NachDenkSeiten mit Ralf Wurzbacher sprach. Darin schildert Lange die Polit- und Wirtschaftselite, die sich zunehmend von der restlichen Bevölkerung abkoppelt und dabei schonungslos menschenverachtend vorgeht, um die eigenen Privilegien zu verteidigen. Und diese elitären Personen gibt es sowohl auf der rechten als auch auf der vermeintlich linken Seite des politischen Spektrums – was die Hoffnung auf eine politische Änderung der Zustände doch drastisch schmälert. [Karl]

10. In einem Artikel in der tz wird ein leider schon länger bekanntest Phänomen noch einmal beleuchtet: der Zwang, Wohnungen teurer zu vermieten, als man dies eigentlich möchte. Ursprünglich war dieses Gesetz für Gefälligkeitsmieten unter Verwandten konzipiert worden, durch den immensen Mietanstieg in den letzten Jahren fallen nur, gerade in solchen Großstädten wie München, immer mehr Fremdmietverhältnisse darunter. Das führt dann dazu, dass die Mieten entweder hochgesetzt werden müssen, um die Vermietung nicht als reine Liebhaberei gelten zu lassen, für die keine Ausgaben steuerlich absatzbar sind, oder aber genervte faire Vermieter ihre Immobilien verkaufen. Und so steigen die Mieten dann noch schneller an. [Karl]

11. Ein sechsminütiges Video der Deutschen Welle berichtet Erfreuliches aus Uruguay: Das südamerikanische Land hat seine Energieversorgung mittlerweile nahezu komplett auf erneuerbare Energien umgestellt. Wenn es dort anfangs durchaus auch Skepsis gab, so sind die Beteiligten mittlerweile mit den Resultaten sehr zufrieden. Neben dem positiven ökologischen Effekt ist Uruguay so nämlich auch unabhängig von Energieimporten geworden. Hier hat die Politik die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen und Anreize gesetzt – warum ist so was bei uns anscheinend nicht möglich? [Karl]

12. Passend zum vorherigen Hinweis: In Deutschland setzt man statt auf erneuerbare Energien nach wie vor auf fossile Brennstoffe, und da besonders gern auf den schmutzigsten von allen: die Braunkohle. So fragt sich Peter Carstens in einem Kommentar für Geo sehr zu Recht, ob denn diejenigen Politiker, die gerade immer noch grünes Licht für das Abbaggern ganzer Dörfer geben, damit dort Braunkohle aus dem Boden geholt werden kann, keine Nachrichten schauen. Tja, auf die Wissenschaft wird da offensichtlich nur gehört, wenn es in den eigenen Kram passt. [Karl]

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