Interessantes aus KW 37/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Die Band Die Ärzte spielt ihren Song „Elke“ schon seit einigen Jahren nicht mehr auf ihren Konzerten. Nun hat Sänger Farin Urlaub auch erklärt, warum das so ist, denn sie empfinden dieses über 30 Jahre alte Lied nicht mehr als zeitgemäß, da es durchaus frauenfeindlich verstanden werden kann und Fatshaming-Aspekte aufweist. Und was macht die BILD dann daraus? Wie ein Artikel im Tagesspiegel berichtet, schnappt man sich diese Aussage, reißt sie aus dem Kontext und wettert wieder gegen vermeintliche Cancel Culture – was natürlich absurd ist, wenn eine Band einen ihrer eigenen Songs nicht mehr spielen möchte. Aber Hauptsache, man kann wieder hetzen und die Leute aufwiegeln vonseiten der Springer-Dreckschleuder. [Karl]

2. Viele betrauern auf der ganzen Welt gerade den Tod von Queen Elizabeth II. Doch es gibt auch einige kritische Stimmen, vor allem von Menschen, die unter dem britischen Kolonialismus zu leiden hatten, der auch noch unter der gerade Verstorbenen stattgefunden hat. Das muss man zwar nicht nur an der Person der Queen festmachen, sondern am ganzen Konstrukt der britischen imperialistischen Monarchie, dennoch finde ich es sinnvoll, hier auch mal diese wenig glamouröse Seite zu betrachten, wie es in einem Artikel von ntv gemacht wird. [Karl]

3. Am Ende des Jahres sollten eigentlich die letzten drei deutschen AKWs abgeschaltet werden. Nun sollen zwei davon im sogenannten Streckbetrieb noch ein paar Monate weiterbetrieben werden. Das birgt einige Risiken, den diese Kraftwerke haben schon seit Jahren keine gültigen Sicherheitsnachweise mehr, die aufgrund der bevorstehenden Abschaltung einfach eingespart wurden. Ein Artikel vom BUND zeigt auf, dass dieser Streckbetrieb zudem keinen nennenswerten Einfluss auf günstigere Stromkosten hätte und dass es Alternativen dazu gäbe, zu denen offensichtlich der politische Gestaltungswille fehlt. [Karl]

4. Der Volkswirt Christian Kreiß befasst sich in einem Artikel auf den NachDenkSeiten mit der Werbung. Ausgehend davon, dass nun beleuchtete Werbung aus Energiespargründen in der Zeit von 22 bis 16 Uhr abgeschaltet werden muss, geht Kreiß noch deutlich weiter und fordert, Werbung generell deutlich einzuschränken. Dies ginge beispielsweise in einem ersten Schritt, indem Werbekosten von Unternehmen nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden könnten. Denn das zeigt Kreiß auch auf: Werbung, zumal wenn sie nicht der Information, sondern dem Wettbewerb gegen Konkurrenten dient, ist im Prinzip eine enorme Verschwendung von Ressourcen jeder Art, die so gut wie nichts Produktives zu unserer Gesellschaft beiträgt. [Karl]

5. Wenig Schönes gibt es zurzeit von Armenien und Aserbaidschan zu berichten, wie aus einem Artikel auf t-online. hervorgeht. Es sieht so aus, als würde der aserbaidschanische Despot Aliyew nun die Gunst der Stunde nutzen, da Russland als Schutzmacht in der Region gerade mit dem Ukraine-Krieg stark beschäftigt ist. So wurden nun Gefechte vermeldet mit zahlreichen Toten, und der Konflikt um die umstrittene Region Berg-Karabach könnte noch weiter eskalieren. Sowohl EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als auch das deutsche Außenministerium schweigen sich bisher aus zu den Vorfall – dabei ist das Ganze nun völkerrechtlich nicht eben sauber. Na ja, Aserbaidschan gilt ja auch als guter „Partner“ und Rohstofflieferant, da nimmt man es mit militärischen Eskapaden und demokratischen Defiziten eben nicht so genau. [Karl]

6. Monitor (WDR) berichtet von einem weiteren Fall, bei dem ein junger Flüchtling im Hinterhof einer katholischen Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund vor einem Monat von der Polizei erschossen wurde, und wieder waren alle Bodycams ausgeschaltet. Nun ist ein neues Beweismittel aufgetaucht: Die Aufzeichnung eines Telefonats zwischen einem Sozialarbeiter der Einrichtung und der Notrufzentrale der Polizei. Nun wird gegen fünf Beamte ermittelt, was sicherlich um einiges einfacher wäre, wenn die Bodycams transparent alle Einsätze festhalten würden. Der 10-minütige Bericht wirft auch nur Fragen auf, aber Fragen, die auch gestellt werden sollten. [Dirk]

7. Es ist einfach, sich eine Meinung zuzulegen und diese dann unreflektiert und ohne weitere Recherche stur zu postulieren (es lebe der Dunning-Kruger-Effekt). Ich finde es sehr schwer, alle Argumente zu berücksichtigen und auch unbequeme Dinge zu akzeptieren. Dazu gehört z. B. auch die Frage: Ist Gas aus Saudi-Arabien wirklich politisch sauberer als Gas aus Russland? Wie schnell man in eine rechte Ecke gestellt wird, erlebt derzeit auch Sahra Wagenknecht, deren provokative Positionen gern mal für Unverständnis und Empörung sorgen. Auf jeden Fall gibt es Schreihälse und Populisten an beiden Enden des politischen Spektrums, wie ein 10-minütiger Beitrag über den „Heißen Herbst“ bei Monitor (WDR) zeigt. Aber es ist selten so einfach, wie hier dargestellt … [Dirk]

8. Maurice Höfgen präsentiert in seinem Videoblog „Geld für die Welt“ einen Ausschnitt aus der Talkshow von Markus Lanz im ZDF. Und der hat es auch in sich, denn die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann demontiert dort das neoliberale Geschwätz des FDP-nahen Schaumschlägers Frank Thelen auf großartige Art und Weise. Wie Höfgen auch feststellt: ein Genuss, zuzusehen, wie solche komplett falschen Aussagen zur Inflation wie die von Thelen einmal nicht einfach so stehen gelassen, sondern extrem gut gekontert werden. 15 sehr kurzweilige Minuten – unbedingt anschauen! [Karl]

9. „Wenn die Medizin nichts mehr anzubieten hat, dann kommen leider auch Menschen, die damit Geld verdienen wollen“, sagt die Ärztin der Berliner Charité im 9-minütigen Beitrag bei REPORT MANIZ (SWR) über dubiose Medikamente für COVID-Langzeitpatient:innen. Okay, es ist ja nun nicht so, dass die Pharmaindustrie aus reiner Nächstenliebe Medikamente entwickelt und vertreibt!? Aber trotzdem oder gerade deswegen kann man davon ausgehen: Wenn etwas wirkt, dann wird auch die Pharmaindustrie zusehen, etwas mit gleicher Wirkung auf den Markt zu werfen. Dieser Beitrag zeigt, wie aus schierer Hoffnungslosigkeit auch nach ziemlich fragwürdigen Therapieansätzen gegriffen wird. [Dirk]

10. Bei Vermieter:innen ist es wie in fast allen Gruppen: Es gibt solche und solche. Die besonders gierigen umgehen Mietspiegel durch die Möblieungspauschale: Es werden teilweise schrottreife Möbel in die Wohnung gestellt, die eine saftige Erhöhung der monatlichen Miete rechtfertigen. Anhand von einigen Fällen in Hamburg zeigt REPORT MAINZ (SWR) in seinem 8-minütigen Beitrag, wie diese Praktik mittlerweile zum Standardrepertoire gehört und wie leicht Vermieter:innen damit auch durchkommen. Der neuste Trick ist ein Untermietvertrag: Ein Strohmann/-frau wird als Hauptmieter eingesetzt, und dieser kündigt dann bei Bedarf, um die tatsächliche Mietpartei via Räumungsklage schnell aus der Wohnung zu bekommen. [Dirk]

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