Interessantes aus KW 1/2023

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. „Freiheit“ ist gerade zur „Floskel des Jahres“ gekürt worden. Die Begründung ist durchaus nachvollziehbar, denn dabei geht es um die Pervertierung, die FDP und Co. diesem Begriff in den letzten Jahren angetan haben, sodass Freiheit in diesem Kontext vor allem als Recht des (finanziell) Stärkeren verstanden wird, seine Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Stefan Niggemeier stellt nun in einem Artikel auf Über Medien dar, warum die große mediale Aufmerksamkeit, die diesem Preis zuteil wurde, eigentlich vollkommen absurd ist und wie FDPler und denen wohlgesinnte Schreiberlinge sich echauffieren und dabei nicht nur genau die Begründung der Preisverleihung bestätigen, sondern auch zeigen, dass sie nicht in der Lage sind, mehr als eine Überschrift zu lesen und zu verstehen. [Karl]

2. Online-Betrügereien kommen immer häufiger vor. Doch nicht nur diejenigen, die damit um ihr Geld gebracht werden sollen, sind Opfer, sondern oft auch diejenigen, die hierfür die Zuarbeit leisten. In einem Artikel auf tagesschau.de wird geschildert, wie dieses vor allem in Ostasien praktizierte System funktioniert, das auf brutalem Menschenhandel und letztlich quasi Sklaverei basiert. Möglich machen dies die rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gestalteten Phänomene Globalisierung, und Digitalisierung. Vermeintlicher Fortschritt, der dann doch zu menschenrechtlichen Rückschritten führt. [Karl]

3. Deutschlandfunk Kultur präsentiert einen interessanten etwa sechsminütigen Kommentar von Jagoda Marinic zum Thema Diskussionskultur (liegt auch in transkribierter Form vor). Darin stellt die Schriftstellerin fest, dass in den letzten Jahren ein Wandel im Führen von Debatten stattgefunden hat, durch den der für eine Demokratie so wichtige Austausch von inhaltlich konträren Positionen immer seltener wird. Da es ja gerade ein Grundanliegen von Rechten und Rechtsextremen ist, Diskussionen zu stören und zu torpedieren, stelle ich mir nun die Frage, ob das nun schon als deren Erfolg zu verbuchen ist. Fatal dabei: Gerade bei den immer schneller aufeinanderfolgenden Krise brauchen wir einen offenen Austausch. [Karl]

4. Ein Artikel im Tagesspiegel erinnert an den Atomunfall von Idaho (USA), der vor 62 Jahren stattgefunden hat. Die Ursachen sind nach wie vor nicht ganz klar, allerdings starben einige Menschen direkt vor Ort, insgesamt wurden fast 800 mit einer als gesundheitsschädlich eingestuften Menge Radioaktivität belastet – und das, obwohl der militärische Versuchsreaktor in einer unbesiedelten Gegend stand. Hätte man das damals doch zum Anlass genommen, den Irrweg Atomenergie zu beenden, es hätten uns einige Katastrophen erspart bleiben können. [Karl]

5. Und wieder mal wurden Polizisten offensichtlich der Lüge überführt, mit der sie ihre eigene Gewalt kaschieren wollten. So geschehen gerade, wie ein Artikel der Frankfurter Rundschau berichtet, im hessische Idstein, wo vier Polizeibeamte einen 38-Jährigen vor der Wache brutal zusammengeschlagen haben. Natürlich behaupteten die dann, dass der Mann sie entwaffnen wollte und sie ihn deswegen fixieren mussten, und Videoaufzeichnungen einer Überwachungskamera vom Zeitpunkt des Vorfalls waren dann auf einmal gelöscht. Nun wurden diese Bilder aber rekonstruiert – und bestätigen die Aussagen des Opfers der Polizeigewalt. Der wievielte Einzelfall von solchen lügenden Polizisten ist das nun noch mal gleich …? [Karl]

6. In einem Beitrag auf der Freitag beschreibt der Autor Christian Baron, warum er auch im Falle eines Angriffs sein Land nicht verteidigen, sondern fliehen würde. Dabei dekonstruiert er den heroischen Pathos, der seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wieder sehr en vogue geworden ist, zeigt auf, dass es meistens nicht diejenigen, die den Krieg erklärt haben, sind, die dann auch kämpfen müssen, und begründet seine pazifistische Position mit einem Verweis auf Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ – das heutzutage in der Tat wieder öfter gelesen werden sollte von den ganzen bellizistischen Hobbystrategen. [Karl]

7. Was ist das neue Jahr ohne den Jahresrückblick von Urban Priol? Auch dieses Jahr trifft der stimmbegabte Kabarettist den Kern vieler Ereignisse, sodass die 90-minütige Sendung auf 3sat wie im Fluge vorbeizieht und trotzdem hoch unterhaltsam ist. Ich empfehle „TILT 2022“ und freue mich schon jetzt auf den pointierten Jahresabschluss 2023, wobei das Jahr mir weniger Grund zum Optimismus bietet. [Dirk]

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Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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