Absurde Doppelmoral eines AfD-Jüngers

Dass man es bei der AfD mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt, ist ja nichts Neues. Genauso wie die Tatsache, dass die Blaubraunen für sich immer andere Maßstäbe ansetzen als für alle anderen. Nun ist mir allerdings ein so krasser Fall untergekommen, der zeigt, dass immer wieder und immer mehr AfD-Jünger komplett jenseits von Gut und Böse sind.

So wurde mir kürzlich folgender Beitrag auf meine Facebook-Timeline gespült:

O. k., so was kennt man ja von AfD-Politikern und ihrem Anhang: Hetze gegen als Feindbilder definierte Menschen mit KI-Bildchen, die mich immer teilweise an das erinnern, was bei den Zeugen Jehovas auf den Titelseiten ihrer „Wachturm“-Zeitschrift zu sehen war. Diesmal geht’s dann eben nicht gegen Ausländer im Schwimmbad, sondern gegen „die Antifa“.

Und natürlich ist auch Kindesmissbrauch ein beliebtes Thema bei Rechtsradikalen, die sich dann gern als Beschützer der lieben Kleinen aufspielen. Dass allerdings in den Epstein-Files keine explizit linken oder queeren Personen auftauchen (zumindest soweit mir das bekannt ist), interessiert die dabei nicht – Realität ist ja bei denen ohnehin etwas, was frei Schnauze ausgelegt werden kann, je nachdem, wie es einem in den verkorksten Kram passt.

Insofern darf hier dann in dem Geschreibsel von Tobias Voss auch nicht der Verweis auf angebliche „Frühsexualisierung“ fehlen, die ja Linke immer in den Schulen und Kitas „vorantreiben“ wollen. Man könnte auch einfach Aufklärung dazu sagen, aber das klingt natürlich nicht so dramatisch.

Dass AfDler so gar keine Lust auf sexuell aufgeklärte Kinder und Jugendliche haben, hat allerdings auch einen ziemlich ekelhaften Beigeschmack, wenn man nämlich bedenkt, dass entgegen ihrer Attitüde als Kinderschützer gerade bei Rechten und Rechtsextremen der Hang zur Pädokriminalität sehr ausgeprägt ist. Und das ist nicht nur einfach so eine Mutmaßung, sondern wurde schon 2016 in einem Artikel der Deutschen Welle beschrieben. Ausgehend von den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, in deren Zwickauer Wohnung kinderpornografisches Material gefunden wurde, werden da etliche weitere Fälle aus der rechten Szene aufgeführt, bei denen mitunter Väter ihre eigenen Kinder vergewaltigten. Zitat aus dem Artikel:

Nachdem der Anwalt [eines der NSU-Opfer, Anm. von Karl] in einem Interview auf die Häufung von Fällen rechtsextremer Gesinnung und pädophiler Neigung hingewiesen hatte, wurde er vor zwei Jahren von Opfer-Verbänden und Betroffenen kontaktiert. „Ich bekam mitgeteilt, dass sexueller Missbrauch von Kindern gerade in der rechten Szene sehr gängig sei und dass ich deshalb nicht überrascht sein sollte.“

Man muss dabei allerdings auch etwas einräumen, was dann in dem Artikel ebenfalls erwähnt wird:

Forschungsleiter Professor Harald Dreßing stellt klar: „Es gibt keine vernünftigen, empirischen Befunde zu dem Umstand, dass Pädophilie mit bestimmten politischen Einstellungen einhergeht.“ Dennoch räumt auch Dreßing ein: „Es ist empirisch belegt, dass es bei Tätern von Sexualdelikten an Kindern dissoziale Auffälligkeiten gibt. Oft haben diese Menschen Schwierigkeiten, Regeln einzuhalten.“

Und da sind wir dann ja bei einem typischen Persönlichkeitsmerkmal von AfD-Jüngern und anderen Rechtsradikalen: dissoziales Verhalten. Das ist ja auch eine Voraussetzung, um ein überzeugter Rassist zu sein und sich selbst für etwas Besseres zu halten aufgrund des zufälligen Umstandes des Geburtsortes. Wer hingegen eher sozial, solidarisch und vielleicht sogar altruistisch veranlagt ist, wird in der Regel eher keinen Hang zu rechtem Denken entwickeln, das ja immer auf Ausgrenzung basiert. Und eben auch sehr oft egoistisch-narzisstische Züge aufweist (s. hier). Auch das bei Rechten verbreitete hierarchische Denken (s. hier) begünstigt es natürlich, als schwächer wahrgenommene Menschen einfach so zu benutzen bzw. zu missbrauchen, wie es einem gerade in den Sinn kommt. Egal, ob das illegal ist und bei diesen Menschen schwere Schäden anrichtet.

Insofern ist es für Rechte schon praktischer, wenn Kinder und Jugendliche nicht aufgeklärt sind, sodass der „liebe Onkel“ mit ihnen machen kann, was er möchte, und sie das gar nicht so richtig verstehen – und damit dann auch nur schwerer anderen mitteilen können. Unwissenheit ist halt sehr hilfreich, wenn man Menschen ausnutzen und manipulieren möchte.

Womit wir dann auch wieder bei der sogenannten kognitiven Dissonanz sind, die ja umso weiter verbreitet ist, je weiter rechts Menschen stehen. Und die bei AfD-Jüngern schon Voraussetzung zu sein scheint, um einer derart verlogenen Partei überhaupt etwas abgewinnen zu können.

Doch zurück zum Eingangsbeispiel, denn das ist auf ganz besondere Weise noch mal potenziert widerwärtig. Tobias Voss war nämlich mal Profi im Thaiboxen und sogar Weltmeister bei einem Verband. 2019 endete seine Sportlaufbahn dann allerdings recht abrupt, nachdem er zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde – wegen Vergewaltigung einer 15-Jährigen.

So, erst mal sacken lassen …

Da versucht also jemand, der mittlerweile öfter schon in AfD-Nähe gesehen wurde, Antifa-Mitgliedern ohne jede Begründung etwas unterzuschieben, was er selbst bereits gemacht hat. Man kann wohl davon ausgehen, dass eine Resozialisierung im Knast bei diesem Typen nicht wirklich stattgefunden hat.

Oder ist das einfach nur Projektion, weil er selbst gern Kinder befummeln würde? Halte ich auch nicht für ausgeschlossen.

In jedem Fall zeigt das mal wieder, was für abartige, widerwärtige Kriminelle sich von der AfD angesprochen fühlen. Und das sind dann diejenigen, die den Menschen hierzulande „mehr Sicherheit“ versprechen. Ja, nee, is‘ klar …

Bei aller Doppelmoral, die einem heutzutage immer wieder über den Weg schwappt, ist dieser Fall doch besonders krass, wie ich finde. Aber eben auch bezeichnend.

Man mag sich nicht vorstellen, was erst los sein wird, wenn die Blaubraunen mal mit an die Regierung kommen. Denn Tobias Voss ist ja nicht der einzige Kriminelle, der dieser Partei anhängt oder da sogar eine politische Position innehat.

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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